Xabu Iborian

Ξ  Xabu Iborian

Text Fotografie Video Graphitmalerei

Eine Art Blööö Ken

Z e i t w a i s e

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Der Wechsel – Verwechslung

Silvie

Dies war schon der dritte Rundgang und der Typ hing immer noch an der Theke und wagte sich nicht aufs Podest. Sie saß in einer der zahlreichen kleinen Nischen im Wahlraum des Wagemuth.

Zwei Wochen hatte es gedauert, bis sie durch einen heißen Tipp die Spur von Stefan Arfankel wiederfand. Der Scheißkerl schuldete ihr mehrere tausend Bit. Sechs Monate hatten sie zusammen gelebt. Aber nein, so konnte man das nicht bezeichnen. Er hatte sich von ihr durchfüttern und durchvögeln lassen. Sicher, es war absolut aufregend gewesen. Dauerhaft wollte sie jedoch nicht für diesen Kindskopf die Ernährerin spielen. Dies gab sie ihm an einem Tagab vor zwei Monaten zu verstehen und forderte eine Beteiligung an ihren Unkosten der letzten Monate. Der Schwätzer schaffte es jedoch, sie zu umgarnen, einzuwickeln, ein betörend wild durchfickter Nachtag und am Tagan war er verschwunden, als wär er nie da gewesen, und ihr nüchterner Kater war umfassend. An jenem Tagan hatte sie den unumstößlichen Entschluss gefasst ihn wiederzufinden, und kräftig bei den Eiern zu packen.

Und nun war sie hier, musste in dieser dämlichen Psychospelunke hocken. Sie sah hinüber zur Theke. Stefan schien wie angewurzelt auf seinem Hocker. Wo blickte er nur hin? Ah, die Blonde dort hinten. Na endlich stand er auf und ging zur Bühne. Eine ganze Schar von Männern und Frauen strömte ihm nach. Die Blonde, vorne weg, war auch dabei. Sie beobachtete wie Stefan den markierten Bereich betrat, und über ihm visuelle Charakter-Sequenzen erschienen, die Auskunft geben sollten über seine Persönlichkeit. Silvie fragte sich, ob die Sequenzen abweichend fixiert würden. Wahrscheinlich trauten sich wegen dieser Ungewissheit nur wenige auf die Bühne, die Masse tummelte sich im konventionellen Teil.

In einer Übermittlung bezüglich dieser neuartigen Theken hatte sie erfahren, es sollte für die Wähler vor der Bühne einerseits spannend und andererseits auflockernd sein, Grundlegendes über den auf der Bühne stehenden Kandidaten herauszufinden, um sich auf diese Weise für oder gegen ihn entscheiden zu können. Der Spin für den Kandidaten bestand darin, dass er nichts über den Wähler wusste, gezwungen war ihm konventionell zu begegnen, sich aber in der Theke dessen Wünschen fügen musste. Natürlich im Rahmen der umfangreichen Regularien.

Silvie betrachtete das Egogramm. Vielleicht hätten sie eine Kontakttheke aufsuchen sollen, bevor sie zusammen zogen. Allerdings stellte sie beim

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More than That

Suddenly
It all goes slo-mo
Talking heads around me
Superflies heavily hovering in the big sky
Moving trees growing wild
Scowling like a coward
Why should I have some reason
If there is only one reason
Any reason
That may be you
Could I reach through
To you
Trees raging
Fliegen siegen
Poor lost souls
Buried
In endless insignificancy
.

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Dar

Reifend entlang
Nächte Atem
Berührender Angst
Voll Kommenheit
Witzes Glor Reich
Belachter Existenz
Lebendigen Stoffes
Verwehter Zeiten
Sturm Zweifelnder
Gedanken Funken Leere
Zerspringenden Erblühens
In Dir
In Mir
Um Uns
Wirbelnd Verloren
Gefangene
Selbst Bestimmter
Illusion
Vorstellung
Verträglich Zumutend
Geschwächt Abwendend
Seiendes vom Sein
Welches Ist
Immer Ward
Immer Wird
Immer Dar
.

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Der Wechsel

Wechselspiel

Wir + Fünf

Alle vier drängen in die Kabine. Nur wir bemerken, dass Starf, der als letzter zusteigt, einem der in die Eingangshalle strömenden Wächter Zeichen gibt, woraufhin diese das Geschehen bei der Kabine ignorieren und mit dem Aufräumen beginnen. Wir bemerken ebenfalls, als der verwunderte Blick des Wächters und sein kurzes Zögern, die Aufmerksamkeit Starfs erregen. Er schaut an sich herunter und mimt ironisch erstaunte Irritation. Wir jedoch wundern uns nicht, denn wir wissen, warum er bis auf Metallringe an seinen Handgelenken unbekleidet ist. Was wir nicht wissen, wer ist der Wächter, mit dem Starf derart intime Kommunikation pflegt? Jochen teilt der Kabine das Ziel mit.

„… habt ihr nicht gehört, was ich gesagt habe, da oben …“, Silvie scheint außer sich.

„Du hast das Objekt gesehen? Kann es sein, deine Fantasie geht mit dir durch?“, Jochen sieht sie spottend an, seine Brauen zusammengezogen. Suzan und Starf schweigen.

„Ja, verdammt! Und wie ich …“

„Was wolltest du überhaupt dort und wie bist du hinein gekommen?“

„Und wer bist du bitte schön, dass du meinst mir solche Fragen stellen zu können? Wie bist du denn rein gekommen?“

„Ich bin Starfs Bruder“, Jochen grinst.

Silvie öffnet ihren Mund … und schließt ich ihn wieder. Starf blickt sie an und wir haben den Eindruck, er fühlt sich nicht wohl in seiner entblößten Haut.

„Silvie, es ist kompliziert. Es sieht aus, als hätten wir alle nur ein Halbwissen von dem was vorgeht. Wie du es bis ins Appartement geschafft hast, würde mich allerdings auch interessieren … und was Du dort wolltest.“

Suzan schlägt mit der Faust gegen die Kabinenwand an der sie lehnt.

„Jungs, was soll das: ‚es ist kompliziert‘? Vielleicht könntet ihr zumindest euer beider Halbwissen preisgeben, würde ja theoretisch ausreichen. Ich denke nicht, dass ich ein Halbwissen habe, noch nicht einmal ein Viertelwissen, schließlich sind wir zu viert, und ihr scheint am tiefsten in der Sache drin zu stecken“, sie macht eine Pause und blickt von einem zum anderen. Dieser Logik können wir uns nicht entziehen, genauso wenig wie die anderen drei. Darum sagt auch niemand etwas, außer Suzan, „huh, in Schießereien mit Hybriden bin ich nicht jeden Tag verwickelt, und merkwürdige Leuchten, aus denen angeblich das Grauen schlüpft, bekomme ich auch nicht allzu oft zu sehen … hat es euch die Sprache verschlagen?“

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