Ξ  Xabu Iborian

Text Fotografie Video Graphitmalerei

Z e i t w a i s e

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Über dies

in: Im Scheinen der Dinge — Milbeaut Expeed 4 FX 24.3

Feuerabend in der Zivilisation Feuerabend in der Zivilisation

Die Fotografie in dieser Serie, ebenso wie die Fotografie in „Die Dinge die da sind“, illustriert nicht, jedenfalls nicht konzeptuell.
Mich interessiert die Situation als solche, das Licht, die Dinge und ihre visuelle Wirkung, ihre fotografische Interpretation, nicht die Situation als Komposition aus Requisiten, um durch die Fotografie einen Zusammenhang abzubilden, der außerhalb dieser Situation existiert.

Im Unterschied zu den Aufnahmen im Bereich „Die Dinge die da sind“, fotografiere ich für diese Serie mit einer hochauflösenden digitalen Spiegelreflexkamera.
Während also die einen Aufnahmen mit der Kamera eines Smartphones gemacht werden, mit einer Kamera fester Brennweite und relativ geringer Auflösung, die sich über ihre Positionierung hinaus in keiner Weise steuern lässt und die Entwicklung der Aufnahme als JPEG gleich mit übernimmt, das Fotografieren quasi einer Hightech Polaroid Lomografie gleicht, schafft die vielfältig steuerbare DSLR zusammen mit ihren Wechselobjektive Aufnahme- und Wiedergabemöglichkeiten, die so mit dem Smartphone nicht realisierbar sind, und ermöglicht dem Fotografen, wie in der analogen Film basierten Fotografie, die Entwicklung der RAW Daten - dem inhaltlichen Äquivalent des Negativs - zum fertigen Bild.

Im Fall der Smartphone Kamera sind auf Grund der unberechenbaren Umsetzung des gewählten Ausschnitts und der Lichtsituation durch die Kamera, teilweise mehrere Aufnahmen erforderlich, iterierend die Kamerahaltung korrigierend, bis da die eine Aufnahme entsteht, die so passt wie auf dem Monitor gesehen. Im Fall DSLR/RAW ist die Aufnahme geplant, eingestellt, abgestimmt, parametrisiert, die Umsetzung wesentlich zuverlässiger. Natürlich nehme ich auch hier mehrfach auf, jedoch aus anderem Grund, wie z.B. für Belichtungsreihen.

Die zu fotografierende Situation wird ausgesucht, jedoch nicht inszeniert. Die Situation existiert unabhängig von meinem Zutun, nicht jedoch meine Wahrnehmung und deren Inszenierung durch das Handling der Kamera.

In vielen Fällen würde eine fotografisch exakte Abbildung der vor Ort wahrgenommenen Situation, tatsächlich nicht der Wahrnehmung vor Ort entsprechen.
Das heißt, visuell würde das auf der Fotografie Abgebildete zwar in etwa dem entsprechen, was auch ursprünglich auf der Netzhaut ankommt, dessen Wahrnehmung also vor Ort Anlass für die Fotografie ist.
Das was auf der Netzhaut ankommt, ist jedoch meistens nicht das, was auch wahrgenommen wird. Das System Auge plus alle anderen Sinne plus Gehirn funktioniert anders als eine Fotografie, die zwar ein zweidimensionales, optisch korrektes Abbild liefert, losgelöst von der komplexen, vom Gehirn umfangreich gefilterten, ursprünglichen Situation, aber eben genau diese Filterung nicht so ohne weiteres reproduzieren kann.
Die Übertragung des vor Ort Wahrgenommenen in die Fotografie, geschieht durch Wahl von geeignetem Objektiv, Ausschnitt, Perspektive, Schärfeverlauf und Belichtung. Die resultierende zweidimensionale fotografische Abbildung gleicht der ursprünglichen Situation also nicht notwendigerweise visuell, wie allein vom Auge gesehen, sondern ist das Ergebnis des Versuchs mittels der Fotografie die Wirkung des vor Ort Wahrgenommenen, wie wahrgenommen und nicht nur wie gesehen zu reproduzieren.

Unter Umständen entsteht eine Aufnahme, die sogar stärker ist, als die vor Ort ursächlich wahrgenommene Situation, entsteht etwas Neues.
Insofern handelt es sich auch um keine dokumentarische Fotografie, wenngleich andererseits natürlich jegliche Fotografie, die nicht nachträglich manipuliert wurde, eine existierende Situation visuell abbildet, dokumentiert.

Meine Fotografie — Perspektive, Ausschnitt, Schärfe, Licht- und Farbumfang — entsteht durch das Fotografieren, nicht durch anschließende Bearbeitung, Verfremdung oder anderweitige Manipulation des digitalen Materials, mit dem Ziel erst durch diese Bearbeitung eine bestimmte, über die ursprüngliche Fotografie hinausgehende Aussage zu produzieren.

Die Aufnahme im RAW Format wird hinsichtlich Kontrast, Farbe und Schärfe, der erinnerten Situation entsprechend entwickelt, in einem Umfang der auf Methoden der analogen Fotografie basiert.

Die Titel funktionieren auf einer eigenen Ebene, stehen in keinem ursächlichen Zusammenhang mit der Aufnahme, jedoch in Beziehung zu dieser.

Der Farbraum der Fotografien ist ProPhoto RGB. Beim Betrachten in Browsern und Programmen die kein Farbmanagement beherrschen, sind grobe Farbabweichungen zu erwarten.

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Über dies

in: Die Dinge die da sind — B2G Revolution Live

Die 10 Hinweise Die 10 Hinweise

Hightech Lomografie.
So oder so ähnlich.

Das Aufnahmegerät ist ein Smartphone, das Revolution.
Dessen Spezifikation kann den Angaben des Herstellers, der kleinen, spanischen Firma Geeksphone entnommen werden.
Ich betreibe das Gerät mit Boot2Gecko. Boot2Gecko, das ist Firefox OS ohne Schutzmarke.

Der veröffentlichten Fotografie gehen Tests, Varianten, Annäherungen voraus. Da der Upload teilweise direkt vom Revolution und unmittelbar nach der Aufnahme erfolgt, live halt, ist eine Bearbeitung nicht mehr möglich. Unabhängig davon, ist sie von vornherein nicht gewollt, zumal auf Grund des Bildformates JPEG technisch selten sinnvoll.
Anders als bei der Fotografie im RAW Format, das nur einen relativen Farb- und Kontrastumfang wiedergibt, also erst noch zum Bild entwickelt werden muss, repräsentiert das JPEG bereits ein fertiges Bild mit absoluten Farb- und Kontrastwerten - noch dazu nicht verlustfrei komprimiert.
Die Aufnahme wird in diesem Fall von der in die Kamera integrierten Soft- und Hardware Parameter zum Bild entwickelt und nicht durch den Fotografen, so wie bei der RAW Fotografie oder der analogen, Negativ basierten Fotografie.
Die Entscheidung, ob ich mit dieser Entwicklung leben kann oder nicht, ob sich die unbearbeitete, bzw. von der Kamera entwickelte Aufnahme mir so perfekt wie möglich darstellt, führt im verneinenden Fall nicht zum Versuch einer nachträglichen Verschlimmbesserung des JPEG, sondern zum Verwerfen der Aufnahme.

Wie auch bei meiner Abstrakten Fotografie wird die Fotografie allein bestimmt durch den Umgang mit der Kamera und der vorhandenen, vorgefundenen Szenerie.
Das Vorhaben ist Fotografie, nicht nachträgliche Erarbeitung eines Bildes auf Basis einer Fotografie.

Bedeuten mir Motiv und Komposition genügend, so das Verwerfen auf Grund durch das Gerät bedingtem technischen Mangel oder minimalem Mangel im Ausschnitt der Aufnahme, bedauerlich wäre, versuche ich diesen Mangel zu beheben.
Dies betrifft einmal die schlechte Performance des Revolution, in Situationen mit ungenügend Licht; das Resultat ein nicht beabsichtigtes Farbrauschen. Beheben bedeutet Reduzierung des Farbrauschens. Ist das Ergebnis nicht akzeptabel, wird die Aufnahme dennoch verworfen.
Der andere Mangel betrifft diejenige spezielle Situation, die eine optimale Positionierung der Telefonkamera nicht ermöglicht, und die dadurch bedingte Schwächung der Komposition durch minimal in die Aufnahme ragende undifferenzierte Randelemente.
Diese Elemente werden retuschiert, abgewedelt oder nachbelichtet.
Führt dies zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis, wird die Aufnahme verworfen, oder der Mangel hingenommen.
Keine weitere Bearbeitung.

Thema ist einerseits das Fotografieren selbst. Das Fotografieren mit dieser Kamera.
Die Konstruktion und die beschränkten Möglichkeiten der Kamera führen zu einer speziellen Handhabung.
Eine geplante mögliche Interpretation, ein im Voraus festgelegtes inhaltliches Thema, über das Aufgenommene hinausgehend, ist nicht vorhanden.
Ich fotografiere nicht, um eine bestimmte vorher gedachte Aussage abzubilden. Die Aufnahme hat jedoch zwangsläufig eine Aussage. Diese kann, muss aber nicht gefunden und in Worte gefasst werden.
Ebenso das Motiv, die Situation für die Abbildung; sie zeigt sich, findet sich, oder eben nicht.
Entscheidend ist nicht das, was die Fotografie abbildet, sondern dessen Abbildung.
Das Thema der Aufnahme ist abstrakt, die Abbildung selbst ist realistisch.
Jede Fotografie steht für sich. Sie ist nicht Bestandteil einer Serie inhaltlich gleichartiger Aufnahmen.
Bildtitel und Bildtext sind Zusatz. Sie sind mal mehr, mal weniger eigenständig, erklärend, benennend, interpretierend, ergänzend, Bedeutung erfindend und zuweisend.


Ziel der Aufnahme ist, die Situation im beschränkten Rechteck so zu komponieren, dass der Eindruck der ursprünglichen, mit zwei Augen wahrgenommenen, viel umfassenderen Situation, sich bestmöglich in dieser Fläche vermittelt.
Prinzipiell nicht machbar, deshalb eine Übersetzung in die Geometrie der Fläche.

Eine Übersetzung jedoch derart, dass einerseits etwas Eigenständiges, Neues entsteht, unabhängig von der Situation, die abgebildet wurde, andererseits aber dennoch die Wahrnehmung der ursprünglichen Situation so weit als möglich transportiert.

Während des Ausrichtens der Kamera werden weniger Einzelheiten, sondern maßgeblich das im Rechteck der Vorschau Abgebildete als Ganzes wahrgenommen und abgeschätzt.
Sobald das Bild stimmt, zu stimmen scheint, wird ausgelöst.
Kontrolle und Wiederholung, iterierend bis zum Erfolg, oder wenn nicht machbar, Abbruch.


Was der andere Betrachter in der Aufnahme sehen mag, wird allerdings genauso unterschiedlich von der eigenen Wahrnehmung sein, wie dessen Wahrnehmung der Situation vor Ort.


Eigenart und Reiz bei diesem Gerät:
Die Vorschau weicht im Ausschnitt grob von der Aufnahme ab, und muss deshalb geschätzt werden, wie oben beschrieben.
Alle Parameter der Aufnahme lassen sich, sofern überhaupt, nur durch Ausrichtung der Kamera beeinflussen.
Einstellmöglichkeiten jeglicher Art existieren nicht.

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Nichtproblem

„Nicht lösbare Probleme existieren nicht.
Nicht lösbare Probleme sind keine Probleme.

Sie sind Nichtprobleme.

Lässt sich ein Zustand nicht in gewünschtem Maße ändern, weder theoretisch noch praktisch, dann ist dieser Zustand, so wie er ist, das Maß der Dinge, die er manifestiert.

Er ist somit ein Nichtproblem.

Ein nicht lösbares Problem, das heißt, ein unerwünschter, jedoch nicht veränderbarer Zustand, ist demnach ein Nichtproblem.

Problematisch ist die Wahrnehmung und der Umgang mit einem Nichtproblem, als wäre es ein Problem.
Doch ein Nichtproblem ist kein Problem.

Probleme sind Nichtproblemen in jedem Fall vorzuziehen.

Oft lässt sich ein Nichtproblem in eine Menge einzelner Probleme zerlegen.
Diese Probleme können dann gelöst werden.
Das ursprüngliche Nichtproblem wird dadurch nicht zwangsläufig zum Problem.“


Sorat Losheut, „Nicht Probleme lösen“, goo. 2531

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Der Wechsel – Blickwechsel – Starf + Silvie (Epilog Dialog) – 27

Personal. Der Scanner. Im Notfall dienen sie als Evakuierungsschleusen. So oder so, angenehmer als mit dem Rundherum. Ich mag die Dinger nicht.“

„Im Notfall –? … Ich dachte, die Türme würden allein durch uns Angeschlossene und die Verteilung kontrolliert?“

„Innerhalb eurer Wahrnehmung ist das korrekt. Tatsächlich sind sie ein Konstrukt der G-Sporen und somit selbstregulierend. Der Zugang zur Ebene, der Scanner, sie entsprechen im Prinzip dem Implantat. Sie sind die Implantate des Turmes.“

„Konstrukt der G-Sporen? Was meinst Du damit?“

„Mädels, eine gute und eine schlechte Nachricht.“

„Kindskopf.“

„Und Du trägst immer noch diese altertümlichen, unpraktischen Anzüge, Rykarma?“

„Wie es der Anlass erfordert, Stefan. Diese Anzüge haben Stil, Stil und Würde. Im Gegensatz zu Deinem – Body, und Deinen – Armreifen.“

„Kann ich nicht ändern, muss ich wohl noch eine Weile länger tragen. Du hast Dir die Haare gefärbt?“

„Stefan, die gute Nachricht, die schlechte Nachricht?“

„Steht Dir aber. – Die gute Nachricht, Halle und Rundherum sind frei. Die Wechsel sind nicht mehr wahrnehmbar, weder ungefiltert, noch über den Scanner. Anzahl der Angeschlossenen im Turm: Null, sofern auf die Daten Verlass ist. Die schlechte Nachricht, der Turm bereitet eine substantielle Lösung seiner Bindung vor. Das ist neu. Eigentlich hochinteressant. Ehrlich gesagt war mir nicht bewusst, dass das überhaupt möglich ist. Bereichsweise, sicher, aber der ganze Turm? Sofern die Anzeichen korrekt sind, und ich halte sie für korrekt, sollten wir den Turm jetzt verlassen, möglichst bevor er mit der Auflösung beginnt.“

„Der Turm löst sich auf. Noch mehr irre Neuigkeiten?“

„Die G-Sporen desintegrieren, korrekt. Da ist vieles, was ich Dir noch nicht erklären konnte. – Ryka?“

„Wie ist die Situation in den anderen Türmen?“

„Hab nicht erneut alle überbunden. Schätze aber, die Werte sind dort dieselben wie schon zuvor.“

„Globaler Exodus der Angeschlossenen und anschließend Zerstörung der Türme? Nur Verteilernomaden, Nomaden und Subs sind nicht betroffen?“

„So sieht es aus. Die Rolle der Verteilernomaden? Das war mir nie ganz klar.“

„Vielleicht haben wir sie tatsächlich unterschätzt. Doch das war nicht unser Thema, nicht vorrangig. Der Schifter ist vorbereitet. Wir tauchen in die Sub und treffen diese Suzan Cohen-Fish. Deinen zweiten Fang.“

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Der Wechsel – Blickwechsel – Starf + Silvie (Epilog Dialog) – 24

den Scanner, kann ich ein Loch in der Hallenwand oder Deine Schweberei bestätigen. Nicht dass das tatsächliche Geschehen da draußen weniger ungewöhnlich wäre. Silvie, hörst Du mir überhaupt zu? Die Abseitigen, das ist ein Bild, welches in der Übermittlung gezeichnet wird. Das Bild von Menschen wie Julian und all den anderen, bei denen Symbiose und Simulation sich anders auswirken, als bei denen, die dieses Bild verbreiten.

Ja, das war natürlich nicht ernst gemeint. Ich bringe Dich hier raus. Nur wohin? Zurück in Deinen wahrscheinlich ebenso leeren Turm?“

„Ich werde sie Dir zeigen, – hier, das ist eine Pump …“

„Hm?“

„Du manipulierst mich! Oder jemand hat das Teil vertauscht. Ich besitze keine Schaller!“

„Auch das ist ungewöhnlich. Angeschlossene besitzen in der Regel nichts. Die Ursache für Deine veränderte Wahrnehmung ist mein Implantat, insofern manipuliere ich Dich, oder besser gesagt ich manipuliere die Manipulation. Kann ich aber nicht lange für uns beide aufrechthalten. Schau.“

„Immer noch Schaller.“

„Blinzel!“

„Pumpgun.“

„Sieht so aus, aber glaube mir, sobald ich mich aus der Simulation ausklinke, sehe ich wieder eine Monoschaller. Weil, es ist eine Monoschaller.“

„Wie kannst Du Dir da so sicher sein? Oder Du willst Dich besonders geschickt um die Bits drum rum manövrieren, die Du mir schuldest.“

„Oh Silvie, was für ein unnötiger und grotesker Aufwand. Spüre in Deinem Interess nach, die Bits sollten inzwischen generiert sein. Davon abgesehen, am Ende kommen wir unweigerlich auf die Vorgänge in der Halle zurück, Deine anderen ungeklärten Erlebnisse heute und die Tatsache, dass Du mit mir im Scanner sitzt. Nein, es war genau anders herum. Ich war mir ziemlich sicher, dass Du früher oder später auftauchen würdest, wegen der Bits, zumindest vordergründig. Aber was ich auch sage, an dieser Stelle haben wir tatsächlich ein Problem. Du hängst in einer mehrfachen Bindung. Auflösen kannst Du die nur, wie Du selbst so schön formuliert hast, wenn Du darauf vertraust, was andere Dir erzählen, was ich Dir erzähle.“

„O.K.. Kann ich da ein paar Nächte drüber schlafen? Mir platzt der Kopf. Hier drinnen gibt es keine Übermittlung, oder?“

„Witzig. Nein. Aber um auf Deine Frage zum Verschwinden der Angeschlossenen zurückzukommen. Die Frage ist nicht einfach zu beantworten. Aktuell spricht alles dafür, dass sie, wie hast du gesagt? Das sie wirklich durch die Wechsel schwuppen. Nicht durch die Wand, aber durch die Wechsel.“

„Sollten wir dagegen nicht etwas unternehmen?“

„Ähm, was schwebt Dir vor?“

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Der Wechsel – Blickwechsel – Starf + Silvie (Epilog Dialog) – 22

Konsequenzen, die bestenfalls auch bewusst werden. Doch selbst innerhalb dieses Wahrnehmbaren, ist das nicht immer unmittelbar die Folge. Idealerweise vermitteln sich unserer Wahrnehmung unter gleichen Bedingungen wiederholt dieselben Konsequenzen, reproduzierbar. Wir können somit in begrenztem Maße, dann zumindest aber ziemlich sicher, Voraussagen treffen, welche Konsequenzen welches Tun haben wird. Aber sagt uns dies zwangsläufig etwas über sämtliche Konsequenzen die ein Tun hat, über Konsequenzen die sich zwar außerhalb unserer Wahrnehmung ergeben, die aber dennoch auf uns zurück wirken?“

„Ist das denn nötig? So ist das Leben, oder? Diese Menschen, die nicht einmal sich selbst kennen, die wollen alle anderen ebenfalls in diesen Zustand versetzen? Das hört sich nicht besser an, als das was PARK vorhat.“

„Sie kennen und erleben weitaus mehr als sich selbst. Nein, nicht sie, das können sie nicht. Dieserart Vorstellung und Antrieb sind ihnen fremd. Die sogenannten Bewussten im Stamm, die mit den Sporen und Implantaten, jene bei denen die Simulation keinen Effekt hat, die da forschen und denken und meinen sich selbst und alles andere zu kennen, die in einer quasi heiligen Mission unterwegs sind, um den Menschen aus den Fesseln des Bewusstseins zu befreien, sie sind es, die diesen Zustand anstreben.“

„Du magst sie nicht besonders, hm?“

„Ich mag ihren blinden Eifer nicht. Sie glauben, oder meinen zu wissen, sowohl die durch den Menschen in die Welt gebrachte Simulation, als auch die von ihnen postulierte Simulation durch die Sporen, lenke von der umfassenden Wirklichkeit ab, stelle mehr eine ungünstige, denn eine günstige Wechselbeziehung her. Ohne wären wir besser dran. Sie besitzen Aufzeichnungen, aus denen hervorgeht, dass die spezielle Konstruktion und initiale Programmierung der G-Sporen das komplexe Verhalten eines Schwarms ermöglicht, mehr noch, eines die Grenzen des Individuums überschreitenden Metaorganismus, der unter anderem die Fähigkeit entwickeln kann, ganz eigene Ziele zu verfolgen. Da die G-Sporen prinzipiell nach dem Vorbild der originären Sporen geschaffen wurden, sind sie der Überzeugung, deren Verhalten weise die selben Charakteristika auf.“

„Ist da vielleicht ein klitzekleiner Widerspruch in diesem Glauben? Und was meintest Du vorhin mit ‚richtig gewählt‘ und ‚der Stamm wartet‘?“

„Nicht von ihrem Standpunkt aus betrachtet. Sie behaupten nicht, die natürliche Wechselbeziehung zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit wäre ganz und gar fehlerhaft, sie sagen, sie sei beschränkt, auf ein spezielles, unbekanntes Wirken hin ausgerichtet. Allein schon mit dem Akt der individuellen Bewusstwerdung, ausgelöst durch die Aktivität der Sporen, würden verzerrende Faktoren einfließen.

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Der Wechsel – Blickwechsel – Starf + Silvie (Epilog Dialog) – 21

„Welche Relevanz hat etwas für dich, dass du nicht unmittelbar körperlich und unvermittelt mit allen Sinnen erlebst?“

„Die gleiche Relevanz, wie eine Simulation, die mich wahrnehmen lässt, was meine Sinne angeblich so nicht erleben?“

„Chapeau! Scheint, ich habe richtig gewählt. Der Stamm wartet.“

„Und der Stamm hätte also lieber wieder die konfliktreiche, verwirrende Simulation vor der Simulation? Was für ein elender Fuck.“

„Du überrascht mich. Macht Spaß. Abschaffen, das ist, was der Stamm erreichen will, genau das. PARK hingegen will die Simulation unter Kontrolle bringen. PARK hat auch kein Interesse daran, Implantate an die Angeschlossenen zu verteilen.“

„Hast Du nicht gesagt, die Implantate ermöglichen eine Kontrolle?“

„Korrekt, aber nicht die Art Kontrolle, die PARK beabsichtigt. Die Implantate ermöglichen eine individuelle Kontrolle. Du bestimmst, wie Du Deine Welt erfährst. PARK will zurück in die Zeit vor dem Brand, zurück zur globalen Kontrolle.“

„Wo ist da der Unterschied zur aktuellen Situation? So wie Du sie beschreibst, scheint die Simulation durch die G-Sporen schon einer globalen Kontrolle zu entsprechen.“

„Der Unterschied ist folgender. Die aktuelle Situation ist, nach allem was wir wissen, autonom. Die Kontrolle kommt aus der Vergangenheit, ist den G-Sporen immanent. PARK will die bewusste Kontrolle zurück erlangen. Die Kontrolle aller, durch auserwählte Einzelne.“

„Dann vielleicht doch besser ganz abschalten, so wie der Stamm das anstrebt? Oder aber alles so lassen wie es ist? Warum nicht? Wo ist eigentlich das Problem?“

„Das Problem? Das Problem ist das Problem potentieller Möglichkeiten. Das Problem ist immer das Problem potentieller Möglichkeiten. Neben anderen Problemen. Das ist das Problem. Im Augenblick scheint alles offen.

Teile des Stammes haben sogar noch weiter gehende Absichten. Die Anzahl der Menschen ohne Sporen hat zugenommen. Die Erforschung des Phänomens wurde weitergeführt. Diejenigen, die eine extreme Position im Stamm vertreten, sehen keine Alternative zur Auslöschung sowohl der G-Sporen, als auch der ursprünglichen Sporen, und sie gehören längst nicht mehr nur einer kleinen Minderheit an. Sie glauben, dass sich nur ganz ohne Sporen die vollständige Wirklichkeit offenbart. Vielleicht haben sie recht? Wissen wir wirklich, wussten wir jemals wirklich, welchen Effekt das hat, das was wir tun? Über unsere Wahrnehmung hinausreichend? In seiner ganzen Konsequenz? Sicher, fast alles was wir tun, führt zu wahrnehmbaren

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Der Wechsel – Blickwechsel – Starf + Silvie (Epilog Dialog) – 20

„Auch dies wäre ohne G-Sporen nicht möglich.

Keine Ahnung, was Dein spezielles Erlebnis in der Halle betrifft. Geschossen hast Du tatsächlich. Warum eigentlich?“

„Ach, Rückstoß und so, ich dachte –, ne, Unsinn, irgendwas musste ich wohl tun. Vielleicht hoffte ich, der Schuss würde mich retten, aus dem Traum.“

„Typischer Schallerknall einer Mono jedenfalls. Und geschwebt hast Du nicht. Auch nicht die Patrone. Weil, da war keine Patrone. Nicht in meiner Wahrnehmung.“

„Ja eben. Müsste es nicht immer wieder Konflikte geben? Kann diese Simulation, können diese Nanoteile, können die das alles koordinieren, über alle Leute und Ereignisse hinweg, über die Zeit, widerspruchsfrei?“

„Anscheinend. Nein, ganz offensichtlich. Tatsächlich gibt es weitaus weniger Konflikte, als noch in der Zeit vor dem Brand. Wenn ich‘s recht überlege, gar keine. Und nicht nur keine globalen Konflikte – zumindest bis jetzt, sofern denn die aktuelle Situation überhaupt einen Konflikt darstellt. – Selbst aus den wenigen, erhaltenen Aufzeichnungen vor dem Brand wird dir klar, dass kein Tag verging, an dem nicht hunderte, tausende, millionen Dinge nicht so verliefen, wie erwartet. Da existierte, da existiert zweifellos immer noch, eine deutliche Unschärfe in der individuellen Wahrnehmung und Bewertung der Zusammenhänge. Zugegeben, heute leben deutlich weniger Menschen als vor dem Brand, und sie leben eine lückenlos durchorganisierte und kontrollierte Existenz.

Deine Sinne, deine Sinneswahrnehmung steht prinzipiell immer in korrekter Relation zur Wirklichkeit. Daraus erwächst sie. Da ist keine andere Möglichkeit. Je größer die Abweichung in den Relationen zur Wirklichkeit, desto weitgehender die Konsequenzen. Eine totale Dechiffrierung bedeutet jedoch andererseits Wirkungslosigkeit, totale Entropie. Diese Relation optimal zu dechiffrieren, das ist die Herausforderung. Man könnte meinen, die G-Sporen können das besser, als die ursprünglichen Sporen.“

„Ich verstehe zwar nicht alles was Du erzählst, Abweichung in den Relationen zur Wirklichkeit und so weiter, aber was ist mit den wiederkehrenden Abweichungen und Bränden der Sub? Den Vorfällen in den Kontakttheken? Das Organprogramm? Der Entzug der Verteilung? Die Bindung in den Anschluss?“

„Das ist Programm, exakt. Du weißt, wie die Menschen leben, denen ihr Zugang zur Verteilung entzogen wird?“

„Ohne Anschluss keine Bits und ohne Bits kein Anschluss.“

„Der alte Spruch. So sieht es aus. Die Sub. Apropos, Suzan ist ungebunden, ohne Anschluss. Sie ist eine Sub, allerdings aus eigener Entscheidung, selbstbestimmt. – Hast Du diese Abweichungen von denen Du sprichst, selbst miterlebt? Warst Du dabei? Nicht über Deinen Anschluss, nicht durch das Neurum, sondern leibhaftig, vor Ort?“

„Du kannst nicht alles leibhaftig erleben, dazu reicht deine Lebenszeit nicht aus. Du musst auch vertrauen auf das, was andere dir erzählen. Du musst auf den Anschluss und auf die Übermittlung vertrauen.“

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Der Wechsel – Blickwechsel – Starf + Silvie (Epilog Dialog) – 19

Die Angeschlossenen verschwinden darin? Oder ist das auch nur eine Halluzination? Was ist mit meinem Rucksack und der Pumpgun, was ist mit dem Schuss? Wie erkennst Du, ob die von Dir wahrgenommene Situation noch einen sinnvollen Bezug zur Wirklichkeit außerhalb der Simulation hat, sofern Du Dein Implantat nicht ‚machen‘ lässt? Du hast gesagt, meistens ‚ergibst‘ Du Dich der Simulation.“

„Du hörst mich nicht. Also nicht hier und jetzt. Dein Ohr, ja, sicher. Doch die Stimulation kommt nicht an ihr Ziel. Simulation, Stimulation – mein Gott. – Meine Stimme, die Stimme, die Du wahrnimmst, entsteht direkt in Deinem Kopf, ohne den Umweg über Deine Ohren. Der Unterschied wird Dir nicht bewusst. Das funktioniert so ähnlich wie die Übermittlung, doch die Ursache ist hier mein Implantat. Das bindet nicht nur meine G-Sporen, sondern auch die Anderer; deren Simulationsmodulation. Auf kurze Distanz jedenfalls. Das reine Erzählen reicht außerdem nicht, um einen fremden Einfluss dauerhaft zu binden. Die Simulation ist subtil. Das sagte ich schon. Sobald wir uns trennen, würde sie aufholen und rückmodulieren. Deine Erinnerung, oder die Bewertung Deiner Erinnerung, und somit auch Deine zukünftige Motivation, würden sich ändern. – Thema Heilsbringer, Thema Stamm: Seit dem Brand wurden keine neuen Implantate konstruiert. Was also verteilen? Das Wissen und die Möglichkeiten fehlten bis vor kurzem. Der Stamm steht erst jetzt unmittelbar davor, weitere, neue Implantate herzustellen. Aber warum sollte der gewöhnliche Angeschlossene ein Interesse an einem Implantat haben? – Sinn? Keine Ahnung. Welchen Sinn macht Wahrnehmung sowieso? Reine, unreflektierte Wahrnehmung beeinflusst Dein Handeln mehr als alles andere. Wenn ich Wahrnehmung sage, meine ich nicht Stimulans und Reaktion. Ich meine Qualia. Bewusstsein. – Dein Gepäck? Du trägst nen Halbpack und darin eine Monoschaller. Eine Pumpgun und dergleichen wirst Du nirgends mehr erhalten.“

„Ist ein Erbstück.“

„Von wem in aller Welt erbst du heutzutage eine Schaller, die dir noch dazu als Pumgun simuliert wird?“

„Meine Mutter besaß eine Sammlung historischer Waffen. Diese Pumpgun war schon immer eine Pumgun, hat nie jemand anders wahrgenommen.“

„Leben Deine Eltern?“

„Sie haben sich für den Versorgungstank entschieden, natürlich mit dauerhafter Anschlussbindung.“

„Und so hast Du noch Kontakt zu Ihnen? Du siehst sie häufig? Bist mit Ihnen unterwegs?“

„Sicher, durch den Anschluss.“

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Der Wechsel – Blickwechsel – Starf + Silvie (Epilog Dialog) – 14

sind katastrophal. In den noch stabilen Gebieten wird weltweit mit dem Bau der Turmballungen und der Subs begonnen, den inneren und äußeren Bereichen; die Pläne existierten schon lange vor dem Brand. Verteilung und Anschluss entstehen. Doch das sollte Allgemeinwissen sein.“

„Stopp. Ja, sicher. Aber das ist doch Irrsinn, wozu, ich meine, vor dem Brand …“

„Der Irrsinn ist, dass schon seit Jahrzehnten niemand mehr zu wissen scheint, wer die Simulation aufrecht erhält und vor allem warum, oder ob da überhaupt jemand ist, der sie bewusst kontrolliert. Eine neue Art Gott Frage, wenn du so willst. Die vor den Brand zurückreichenden digitalen Informationen sind in vielen Bereichen mehr als dürftig. Was nicht in Papierform vorlag … aber selbst Bücher wurden in Masse verbrannt, weggeschwemmt, vernichtet.“

„Bücher, als Kind faszinierten mich Bilderbücher. Bilderbücher mit ein wenig Schrift. Die stand neben oder unter den Abbildungen. Später habe ich nie wieder Bücher gesehen. – Ein paar Bilder von dieser Schrift sind mir in Erinnerung geblieben. Ich denke, als kleines Kind habe ich noch begonnen zu lesen. Doch dann war da irgendwann nur noch die Übermittlung, alles hatte sich verändert.“

„Offiziell existieren keine Bücher mehr. Niemand liest oder schreibt. Wozu? Die Übermittlung erscheint eindeutig und direkt. Das kann nur jemand nachvollziehen, der weiß wie es ist, aus abstrakten, visuell wahrgenommenen Zeichen, Sinn zu erschließen, einen Bezug zur Welt jenseits dieser Zeichen herzustellen. Im Stamm ist die These von der Selbstversklavung verbreitet. Den meisten fehlt das Wissen oder Interesse. Oder Beides. Einige sind sich der Existenz der Simulation sogar bewusst. Sie alle akzeptieren das, bewusst oder unbewusst, und zwar auf die gleiche Art und Weise, auf die Wahrnehmung und Bewusstsein auch vor der Simulation akzeptiert wurden. Die Verteilernomaden sind vielleicht tatsächlich ein Schlüssel zum Verständnis, vielleicht aber auch nicht. Das hört sich sinnlos an, ab so ist es.

Vor fünf Jahren erscheint das vom Stamm als Wechsel bezeichnete Objekt; wie sie inzwischen richtig vermuten, nicht nur eines, sondern mehrere. Wir nehmen an, bei dem Objekt handelt es sich um einen beweglichen, weiterentwickelten Anschluss; der Stamm hält einen Materietransmitter für möglich. PARKs Theorie basiert auf den alten Thesen zu Parallelwelten und sieht im Wechel einen Übergang, ein Tor zwischen diesen Welten. Wieso das Ding aufgetaucht ist, woher es kommt, und welchen Zweck es erfüllen könnte, diese Frage wagt sich kaum einer zu stellen. Das war auch schon beim Interess nicht anders, nachdem es bei den ersten Kindern entdeckt wurde.“

„Na, aber das Interess ist doch einfach nur eine weitere, natürliche Verbindung zur Verteilung, zum Anschluss.“

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Der Wechsel – Blickwechsel – Starf + Silvie (Epilog Dialog) – 11

der Vergangenheit für die Existenz jener, denen die Sporen nicht nur Bewusstsein brachten, sondern auch ein Bewusstsein über die Sporen selbst, und somit ein Maß an Kontrolle über die Wahrnehmung der Wirklichkeit. Nein, ich meine Raumstationen, Forschungslabore im Himmel, weit über dem Boden schwebend, höher als ein Schifter fliegt. Die dort forschenden Wissenschaftler entdeckten Sporen im Erdmagnetfeld. Ob gezielt danach gesucht wurde, ist nicht überliefert. Sie stellten jedoch anscheinend überrascht fest, dass es sich bei diesen Sporen um die gleichen handelt, wie die von Selbiger entdeckten. Nicht wirklich verwundert der anschließende Nachweis, der Manipulierbarkeit der Sporenaktivität im Gehirn mittels elektromagnetischer Wellen. Für uns sieht das nicht nach Zufall aus.“

„Jetzt verlierst Du mich doch. Was sind elektromagnetische Wellen? Was ist ein Erdmagnetfeld? O.k., ich weiß, dass da, wo ich die Sterne sehe, den Mond, die Sonne, dass es da extrem kalt sein soll, keine Luft zum atmen existiert und das Licht der Sonne dich verbrennt und anderen Schaden verursacht, so wie beim Brand. Wie konnten die da leben? Und dieses ganze Psychoding, das treibt mir Schauer über den Rücken. Genau wie diese unangenehmen Kontakttheken, die Du so gerne besuchst.“

„Das ist gut. Vergiss Deine Fragen nicht. Wie konnten die da leben? Denk nach. Wie kannst Du im Wasser leben, in der Sub? – Die Kontakttheken. Simulation, Übermittlung, Anschluss … das reicht nicht für eine vollständige Sublimation. – Nicht genug Zeit jetzt. Entscheidend ist, die Sporen und deren Aktivität lassen sich gezielt beeinflussen. Deine Wahrnehmung, oder besser gesagt dein Bewusstsein, deine erlebten Sinneseindrücke, können auf grundlegende Weise manipuliert werden. Durch die damals rasante Verbreitung mobiler, auf Funktechnologie basierender Geräte für Kommunikation und Datenaustausch, das Interess dient unter Anderem dem gleichen Zweck, werden authentische Feldversuche ein Kinderspiel.“

„Du meinst DAS Interess? Das haben doch alle von Geburt an. Das ist doch kein Gerät. Logisch ist das mobil, bewegt sich ja mit mir. Was sind Feldversuche, Funk?“

„Nicht alle, aber fast. Das Interess ist ein Gerät, auch wenn es sich anfühlt wie ein Teil Deines Körpers, vertrau mir.

Extensive Computerisierung und Digitalisierung treiben die Entwicklung schwungvoll voran. Kleine, ferngesteuerte Fluggeräte schweben überall im öffentlichen Raum herum und werden eine Zeit lang als Übermittler, als Verstärker der Signale eingesetzt.“

„Fluggeräte? So wie die Schifter?“

„Ja, nur viel, viel kleiner und, ja, wenn Du so willst, über eine Art Anschluss gesteuert, ähnlich wie die Pseudon.“

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Der Wechsel – Blickwechsel – Starf + Silvie (Epilog Dialog) – 3

„Der aktivierte Wechsel. – Das passt zum Scan. Die teiltransparenten Böden lassen sich auch erklären. Doch das Drumherum? Wieder nur eine Projektion, die Dich abhalten sollte? Warum? Warum solltest gerade Du abgehalten werden?“

„Ja, und warum war ich überhaupt in dem Raum? – Scan?“

„Wir sind im Scanner?! – Binderdroge?“

„Das in der Halle war anders. Kann ich mir außerdem nicht leisten bei meinem Anschluss. Was für eine dumme Frage, Stefan. Du weißt, dass ich diesem Psychozeugs nichts abgewinnen kann. – Kam ich Dir so vor in den letzten Monaten?“

„Manchmal? – Ne, ehrlich, keinen blassen Schimmer, wie das zusammenhängt, was Du erlebt hast. Es sei denn, es hat die gleiche Ursache, wie Deine Wahrnehmung in der Halle. Ein ‚Warum‘ beantwortet das allerdings nicht.“

„Lag vielleicht auch an Dir, die letzten Monate… – O.K., das heißt, du kannst zumindest erklären, was in der Halle geschieht, mal abgesehen vom ‚warum‘. Halluzination? Implantat?“

„Nein, nicht was in der Halle geschieht, und auch nicht, was in den anderen Türmen geschieht; nur, wie Dein Erlebnis in der Halle zustande kam.“

„Ist doch schon mal was. Bin gespannt.“

„Sitzt Du bequem? Schätze es macht Sinn, am Anfang zu beginnen, am Zeitpunkt der ersten Entdeckung. Wird eine Weile dauern, das alles aufzurollen.“

„Welche Entdeckung?“

„Ist ungefähr dreihundert Jahre her. Der Mediziner, Zoologe …“

„Du willst mich weiter veräppeln. Vor dreihundert Jahren gab es einen Bezug zur aktuellen Situation in der Halle?“

„Nein, will ich nicht, aber da ist noch mehr als nur Dein Erlebnis in der Halle. Hör doch erst mal weiter zu. Das Thema wurde sogar in den frühen Übermittlungen gelehrt. Ansatzweise, bis zu einem gewissen Punkt jedenfalls.“

„Nicht das ich wüsste.“

„Eben.“

„Der dreihundert Jahre alte Medizinmann?“

„Dein Humor ist – so außerordentlich – frisch. Nein, er war nicht dreihundert Jahre alt, wäre aber drüber, würde er noch leben. Er hatte zwei Söhne, Zwillinge. Der eine entwickelte sich zwar verzögert, aber letztendlich doch wie erwartet; Verhalten, Lernen, Beziehungen, gewöhnlich und unauffällig. Der andere, Julian, war äußerlich nicht von seinem Bruder

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Der Wechsel – Wechselspiel – Jochen + Ryka (Ende) – 2

er, konnte oder wollte aber nicht wirklich erkennen, was es war, das dort unaufhörlich ins Wasser fiel. Eine örtliche Erscheinung? Eine absurde Vorstellung. Dann verebbten der Schwall und die Geräusche. Als wären sie nicht dagewesen. Zuerst. Doch nun glaubte er Schreie zu hören, leise Hilferufe. Rufe nach Hilfe? Sollte er sich wundern? Wundertest du dich in deinem Traum?

Langsam ging er weiter, den Strand hinunter, nicht aufs Meer schauend, die sanfte Brandung seine Füße umspülend, jeder Schritt leicht in den Sand sinkend. Vor sich hin starrend, wurde seine Aufmerksamkeit von einer Bewegung in der Ferne erfasst. Jemand kam auf ihn zu. Er blieb stehen, wartete, ein Ziehen im Bauch, Leere im Kopf. Kalte Hände, deren Finger sich in ihre Handflächen gruben. Er wartete, beobachtete, wunderte sich endlich.

Die Frau näherte sich, bis zu dem Punkt, an dem er ihren Atem spürte, ihre vom Körper erwärmte Luft seine Haut berührte. In ihrer linken Hand hielt sie auf Augenhöhe einen rosa Apfel empor. Eine Bö erfasste ihr langes, glänzend graues Haar und wehte es seitlich vor ihre Schultern, wo es, auf ihre wohlig erhabenen Brüste gleitend, zur Ruhe kam.

„Da bist Du also doch zu uns gelangt. Wie erfreulich es ist für uns, Dich hier wiederzufinden, Dich hier wiederzusehen. Und so will ich Dir nun meinen Namen nennen, denn dieser wurde als Ryka bestimmt. Wir heißen Dich willkommen in einer zukünftigen Simulation einer besseren Welt, Jochen.“

„Was?“

„Hab keine Angst. Fürchte Dich nicht. Denn Du wirst nicht alleine sein.“

Sie wandte ihren Kopf zum Meer und er folgte ihrem Blick auf die gleiche Weise, zwanghaft.

„Sieh!“

Und er sah. Ein Meer voller Menschen. Viele von ihnen schienen mit dem Ertrinken nah. Todesangst und Verzweiflung. Das Geschrei und Gezeter kamen näher, wurden lauter. Ein Becken voll brodelnd, peitschender Hysterie.

„Was ist das für ein Irrsinn? Wo sind wir? Wer bist Du?“

„In einer besseren Welt, Jochen.“

„Das sagtest Du bereits. Meine Wahrnehmung ist jedoch eine Andere als Deine. Dies ist keine Simulation.“

„Und doch befindest Du Dich in einer, Jochen.“

Schon seit längerem plagte ihn diese Frage, und nicht nur ihn, die Frage, ob die Implantate noch immer die gleiche Wirkung zeigten, wie in der Zeit vor dem Brand, als sie konstruiert wurden. Kein günstiger Zeitpunkt für Zweifel. Er blickte ihr geradewegs in die Augen, versuchte sie zu fixieren.

„Genial. Bravo. Applaus. Eine bessere Welt. Natürlich. Ein Meer voll schreiender, hilfloser Menschen, die scheinbar aus dem Firmament gefallen sind und eine unbekleidete Frau, die von einer besseren Welt faselt. Willst Du mich veräppeln?“

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Gegen Satz

„Ihnen ist jedoch bewusst, dass all jenes, welches Sie als das Innen bezeichnen, allein durch ein Außen begründet ist, welches andererseits erst durch dieses Innen erfahrbar wird, Außen und Innen sich gegenseitig bedingen, Innen und Außen sich ad infinitum wiederholend, untrennbar verbunden, in alle Richtungen erstrecken; letztendlich kein Unterschied besteht, außer dem Begrifflichen, und ganz gewiss kein Gegensatz, zwischen dem sogenannten Außen und dem sogenannten Innen, uns diese vielmehr im Fluss eines unerschöpflichen Quells unterschiedlicher Qualitäten konfrontieren.
[…]
Die Wahrnehmung der Welt in Gegensätzen war eine der Ursachen für jene Entwicklung, die uns und all das was uns umgibt – fürwahr dessen nicht mehr viel – zu dem gemacht hatte, welches wir zurückhaltend mit dem Terminus ‚Die Welt Danach‘ bedachten.
[…]
Die damals seit langem übliche, polarisierende Zuweisung beruhte auf der schon sehr früh forcierten Unterdrückung und gleichzeitigen Verbreitung einer Fälschung der ursprünglichen Bedeutung.
[…]
Das Yin-Yang beschreibt, wie wir heute wissen, nicht das Prinzip binärer, verschränkter Gegensätzlichkeiten – der von langer Hand geführte Wegbereiter digitaler, monokultureller Ermächtigung –, sondern verdeutlicht ganz im Gegenteil die Illusion derselben, und somit auch die Illusion dieser scheinbaren Gegensätzlichkeit; entlarvt die Schimäre des rein Begrifflichen.
[…]
Bis hinein in die Interpretation quantenphysikalischer Ereignisse wurde jedoch erfolgreich versucht, dieses Zerrbild von den Gegensätzen aufrecht zu erhalten.
[…]
Diese das Leben scheinbar simplifizierende und in der Evolution scheinbar vorteilhafte Wahrnehmung scheinbarer Gegensätzlichkeiten durch die menschliche Psyche und deren begriffliche Fixierung, waren ein in der Geschichte des Menschen wohl genutztes Instrument der gezielten Steuerung.
[…]
Lassen Sie sich nicht täuschen, sollten Sie meinen auch in diesem Text Gegensätze und Widersprüche wahrzunehmen.
Machen Sie sich auf den Weg, lösen Sie sich von dieser Jahrtausende alten Konditionierung.

Lesen Sie. Überwinden Sie. Atmen Sie.“


Kate Ryn B. Ohneeh-Chen, „Atme nicht. Sei der Atem.“, exs. 3457

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Das Ganze Ich

Da scheint kein Unterschied zwischen der einen Annahme, ich allein nur würde existieren, wäre Wirklichkeit – was auch immer dies genau bedeuten möge, und sicherlich müsste ich dann wesentlich mehr sein, als meine Wahrnehmung mich erkennen lässt – und all das was ich wahrnehme, all meine Interaktion mit der zwar postulierten, aber nicht als solcher akzeptierten, sogenannten äußeren Wirklichkeit, wäre nur eine erweiterte Manifestation meines Selbst, meiner inneren Wirklichkeit, und andererseits der Annahme, alles außerhalb meiner Selbst Wahrgenommene, sei tatsächlich unabhängig meiner Selbst, das Ich nur temporärer Teil des großen Ganzen, der ganzen Wirklichkeit – was auch immer dies genau bedeuten möge, und sicherlich müsste da draußen dann wesentlich mehr sein, als meine Wahrnehmung mich erkennen lässt – und eben nicht nur allein dies große Ganze sei.

Das eine wie das andere kann ich nicht schlüssig beweisen.
Und Andere können das schon mal gar nicht.
Genau deshalb macht es keinen Unterschied.
Weil, da ist kein Unterschied, kein wahrnehmbarer.
Egal welcher Annahme ich mich hingebe, egal welche Annahme gar als Rechtfertigung dieser oder jener Handlungsweise herhalten muss.
Es ändert nichts am großen Ganzen, nichts am Auskommen und nichts am Ausgang; nicht in meiner Wahrnehmung.

Töte ich im ersten Fall, töte ich einen Teil meiner Selbst.
Töte ich im anderen Fall, töte ich einen Teil des großen Ganzen.
In beiden Fällen töte ich einen Teil des großen Ganzen.
Warum sollte ich dies tun, macht es mich, mein Leben, doch in beiden Fällen ärmer.
Zeuge ich im ersten Fall, zeuge ich einen Teil von mir selbst.
Zeuge ich im anderen Fall, zeuge ich einen Teil des großen Ganzen.
In beiden Fällen zeuge ich einen Teil des großen Ganzen.
Das macht Sinn, bereichert es mich, mein Leben, doch in beiden Fällen.
Beeinflusse ich im ersten Fall, beeinflusse ich mich selbst.
Beeinflusse ich im anderen Fall, beeinflusse ich das große Ganze.
In beiden Fällen beeinflusse ich das große Ganze, und mein Leben, oder auch nicht.

Aber halt.
Ich übersah einen fundamentalen Unterschied, nicht in meiner Wahrnehmung, so doch in der Schlussfolgerung.

Sterbe ich im ersten Fall, stirbt das große Ganze.
Sterbe ich im anderen Fall, stirbt nur mein Selbst.

So sei im großen Ganzen ganz Du Selbst, denn so oder so, bist nur Du temporär.

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