Xabu Iborian

Ξ  Xabu Iborian

Text Fotografie Video Graphitmalerei

Eine Art Blööö Ken

Z e i t w a i s e

KommTier! | Auf | |

Baden gehen

Heute Vormittag war ich nach längerer Zeit wieder einmal mit Kind und Kegel Wasser beiseite drücken. Das Hallenbad habe ich kaum wieder erkannt, speziell den Eingangsbereich nicht, der komplett umgestaltet wurde; ebenso wie die Preise. Mit nassen Haaren und vom Schwimmen erschöpft, Pommes und Gummischlangen in den Händen, auf Bänken sitzend vor raumhoher Verglasung, können die dahinter im Nass noch munter sich verausgabenden nun betrachtet werden.

Es ist kaum Betrieb. Trotzdem kommt die Kartenverkäuferin ins Schwitzen, als ich „Drei Kinder, zwei Erwachsene, drei Schlüssel für die Sammelkabine und einen Schlüssel für Männchen und einen Schlüssel für Weibchen“ bestelle. Während sie sich lässig zu konzentrieren sucht, fragt hinter mir jemand, wo denn die Schlüssel hin sollen.

„Da hinten in den Schlüsseleimer.“

„Da ist kein Schlüsseleimer.“

„Moment.“

Sie schwingt den Eimer über die Theke, reißt beinahe mein rechtes Ohr ab und gibt mir beiläufig fünf Karten und drei Schlüssel.

„Da fehlen noch zwei Schlüssel, bitte; Mann und Frau.“

Sie kramt und schiebt zwei weitere Schlüssel über die Theke.

Heidrun:

„Hast du auch für 60 Minuten?“

„Ja.“

Die Ticketverkäuferin:

„Nein, das ist für zwei Stunden.“

Heidrun:

„Oh man, das kostet wieder, ich hatte dir doch gesagt für eine Stunde!?“

Äh, verwirrt, vergessen, gibt es denn überhaupt für eine Stunde?

Verkäuferin:

„Wollen Sie lieber 90 Minuten? Das kommt dann aber teurer. Sehen Sie, ich hab das längste und billigste für sie kombiniert. Heute ist Familientag, und da sind zwei Stunden billiger als 90 Minuten.“

Das längste und billigste. Nach den 60 Minuten frage ich nicht mehr. Heidrun ist beruhigt. Eine Drehsperre versperrt uns den Weg.

„Da links musst du die Karte einstecken.“

Klar, Karte rein, durchgehen, Karte raus … und die anderen … müssen auch noch hindurch … doch, ich habe die Karten …

„Eure Karten, hier … da … deine, nimm … und Julias …“, mit viel Umstand fädeln sich alle auf meine Seite und Julia knallt wieder einmal etwas vor den Kopf. Der Sperrholm. Nicht so schlimm, ist sie gewohnt, hart im nehmen.

KommTier! | Auf | |

Der Wechsel – Wechselspiel

Silvie + Es

Sie hörte die anderen zwar reden, aber nicht worüber sie sprachen. Etwas drängte sich zwischen sie, verdrängte sie in sich. Sie verharrte in der Hocke, ihre Arme auf den Oberschenkeln, starrte auf den Boden, durch ihn hindurch, und betrachtete die Stockwerke tief unter sich, wie sie übereinander gestapelt miteinander verschmolzen. Das war lustig. Und auch verwunderlich. Sie versuchte ihren Kopf zu schütteln, ohne Erfolg. Sie versuchte sich zu konzentrieren und für einen kurzen Moment fand sie wieder zurück. Was war geschehen? Sie war vor etwas geflohen, wollte den Turm verlassen. Warum saß sie dann immer noch hier, mit Starf und zwei Fremden, und … erneut zog es sie in sich hinein.

Es wusste was zu tun war. Zeitweise erforderte Es die Kontrolle zurückzugeben, doch dies war jedes Mal ein Risiko. Es musste ihm gelingen, den Pfad zu erreichen. Eine der drei Instanzen besaß das Blatt. Jene Instanz war der Schlüssel zum Pfad. Die anderen waren irrelevant. Es registrierte nun, wie diese Instanz den Flur hinunterging, aber Es durfte ihr nicht folgen, nicht jetzt. Es war nicht plausibel, Es hatte keine relevante Beziehung zu seiner Instanz feststellen können. Es analysierte ihre Schritte und kalkulierte ihre zukünftigen Bewegungen. Sie würde wiederkommen. Gut. Die Anderen sollten das Appartement nun auch verlassen.

Starf fragte etwas, das sie nicht verstehen konnte. Sie bewegte den Mund und hörte ihre Stimme antworten; wie auf einer Aufnahme:

„Beiß ihn durch, du bist doch auch sonst sehr bissig.“

Und wieder ließ Es sie in sich verlieren. Wörter und sinngebende Abfolge hatte Es innerhalb der Sphäre dieser Instanz und deren Tensor Relationen zu den zwei weiteren Instanzen erfahren. Mit positivem Effekt. Eine der beiden Instanzen näherte sich der zweiten, durchdrang sie. So war es gut. Zeit für seine Instanz, den Raum zu verlassen; dies würde die beiden anderen initialisieren, ebenfalls zu gehen.

Sie bemerkte, wie sie aufstand und zur Tür ging, ohne dass sie es tat, doch konnte sie auch nichts dagegen tun. Warum kam es ihr so vor, als hätte sie Watte in ihren Ohren? Hatte sie sich infiziert? Sie sollte sich besser hinlegen. Aber dies waren nur Gedanken, Gedanken ohne Bezug zum Sein, in dessen Trieb Sie weiter gedrängt wurde, zu den Kabinen des Rundherum, vorbeifließend im Strom scheinbar zahlloser anderer Instanzen. Instanzen?

KommTier! | Auf | |

Schlafende Füße

Am Morgen.

So eben alle aus dem Bett gekippt und am Frühstückstisch versammelt. Kaum eine sitzt vernünftig auf ihrem Stuhl, am wenigsten die beiden kleinen Mädchen. Nach einer kurzen Phase matt müder Kohlehydratzufuhr und einiger Unwilligkeiten meldet sich Julia zu Wort.

„Ohhhohhoouuu … mein Fuß ist eingeschlafen, huuuhuuuuuhuuu … “

Der Papa schaufelt halb besinnungslos das Müsli in den Rachen, ob der geringen Menge Schlaf in der Nacht; Salattuning ohne Ende. Zwischen zwei Happen findet er seine Stimme wieder.

„Musste nen Wecker daneben stellen.“

Julia guckt auf, Maren guckt auf, grinst.

„Höhö, sehr witzig … hm … ja …“

Springt auf, rennt in ihr Zimmer, kommt mit dem Mützenwecker zurück.

„Komm Julia, ich stelle den Wecker neben deinen Fuß.“

Julia schiebt sich vom Stuhl und hoppelt zu Maren, streckt das Bein aus. Maren kniet neben sie, den Wecker in der Hand, manipuliert daran herum und stellt ihn vor sich. Er klingelt.

„Na, wacht er auf?“

„Nööööö …“, traurige Miene.

Maren manipuliert noch einmal, schiebt ihn näher. Der Wecker klingelt erneut.

„Und jetzt?“

Julia lacht!

„Ja, jetzt ist er wach!“, hopst, umarmt ihre Schwester und freut sich.

„Du Maren, das machen wir jetzt immer so, ja?“

Der Papa sitzt am Frühstückstisch, grinst sich eins wegen der tollen Performance am Morgen, und schaufelt weiter sein Müsli in sich hinein.

Die Mama kugelt sich derweil am Boden.

KommTier! | Auf | |

Der Wechsel – Wechselspiel

Jochen + Es

Es war schwierig die Halle zu überschauen, immer mehr Anzuschließende gingen an ihm vorbei. Er lehnte sich in eine der vielen Wandnischen dem Rundherum gegenüber, und beobachtete das Appartement. Wenn die drei nicht gezielt nach ihm Ausschau hielten, würden sie ihn nicht bemerken.

Er sah auf sein Interess. Fünf Minuten waren vergangen, seitdem sie sich getrennt hatten. Als er wieder aufblickte, verfolgte er wie eine Frau mit Rucksack auf das Rundherum zueilte, zusammen mit ein paar Nomaden die nächstliegende Kabine betrat und die Tür sich hinter ihnen schloss. Das musste Silvie gewesen sein. Kurz darauf erschienen auch Starf und Suzan. Er wartete, bis sie ebenfalls in eine Kabine stiegen, sehnte sich nach einer Zigarette, wartete weitere fünf Minuten, stieß sich von der Wand ab und lief zurück ins Appartement. Zielstrebig ging er ans Ende des Flurs, betrat den Raum in dem er das Objekt noch immer vermutete und näherte sich vorsichtig der Stelle, an der er es zuletzt erinnerte. Nichts. Sollte es, in welcher Form auch immer, noch existieren; das wäre fantastisch.

Der Fortschritt in der Bionik hatte in den vergangenen Jahrzehnten, nach einer kurzen Stagnation während und in Folge des Brandes eine, selbst für die wenigen nicht Wiedergeborenen, kaum erklärbare Dynamik entwickelt. Es gelang die Schwerkraftsublimation zu kontrollieren, die Übergaben wurden auf eine organische Basis transformiert, man integrierte 3-D LFPs und Materie-Zips in die Anschlüsse, und züchtete die im Zusammenhang mit der Verteilung äußerst nützlichen Pseudon. Auf einem Gebiet gab es jedoch noch keinen Durchbruch, dem instantanen Transport von Materie. Die Zips waren zwar ein wichtiger Schritt in diese Richtung und hatten Anschlüssen und Übergaben erst die effektive Basis geschaffen. Doch von erfolgreicher Komprimierung und Dekomprimierung war es noch ein weiter Weg bis zu einem Verfahren für den Wechsel zwischen Materie und ihrem masselosen Äquivalent. Man stimmte jedoch allgemein darin überein, dass der Schlüssel zu dieser Technik im Makrobereich organischer und viraler Systeme zu finden war, und nicht auf subatomarer Ebene, wie im vergangenen Jahrhundert angenommen wurde. Die Suche nach den sogenannten Gottesteilchen hatte sich wortwörtlich im Nichts verlaufen.

Er nahm die Folie mit der linken Hand aus der Tasche seines Pullovers und strich mit den Fingern der rechten Hand rhythmisch über deren spiegelnde Oberfläche. Würden ihre derzeitigen Erkenntnisse ausreichen, um das Objekt zu kontrollieren? Stolpernd machte er einen Schritt zurück,

KommTier! | Auf | | |

Should I Stay or Should I Go

That’s all too complicated, isn’t it?
Einmal noch über Los gekickt.
Like chess in „Mensch ärgere Dich nicht“ mode.
Worte in großer Rochade.
In der Hitze der Polarisation.
Springer und Bauern im Doppellauf mit Staffel Stab.
Ringend Kontrolle Versagen.
Die Ahnen des Schams begrüßen milchende Rinder.
Im grell Dunkel wässrig bunter Stau Stufen.
Überhoben.
Fits of unembarrassed audacity.
Unintentionally.
Self.
Induced Exposure.
In Cat Like Mirrors.
Schiller plays Kurt.
A mistuned grand pinao.
Shouts.
Snaps at cakes of snow.
Defäckte Tiere auf Traum A Tisch.
Mist Taken.
Human Beings.
In Best Form.
Well, Well, Well.
Traum Haft Wirklichkeit.

No Fun Intended.
Or was it?

Lightning Bugs conditioned by Stormy Weather.
.

KommTier! | Auf | |

In meinem Raum

Was ist wichtig. Falsche Formulierung. Was macht einen Unterschied. Nicht gleich die oh so schweren Fragen am Anfang. Wieso Fragen? Jene? Was war am Anfang? Warum wirkt Musik? Ja klar, irgendwer hat bestimmt eine klare, heimleuchtende Antwort. So eindeutig wie ein Armleuchter, der dich hinter das Licht führt, anstatt hindurch.

Ist es o.k., so viel Freude wie möglich am Leben zu haben? Ist das der Sinn des Lebens? Man lebt nur einmal, so jedenfalls die Auffassung in meinem Kulturkreis. Ist das mein Kulturkreis, mein Kulturkreis? Wieso Kreis? In sich geschlossen, also nicht offen. Nein, nur so viel Spaß wie möglich haben, reicht nicht, ist ganz nett, aber reicht nicht, ist leer irgendwann, wie ein geschmackloses Lieblingsessen, oder ein versalzenes. Was dann? Anderen helfen, so viel Freude wie möglich am Leben zu haben? Aber wenn es schon für mich nicht in Frage kommt, wieso sollte es für andere? Durchschaubar, nicht wahr? Wenn der Ausschluss den Abschluss schlüssig einschließt bleibt vieles verschlossen, schlussendlich.

Logisch oder? Wer hat die Logik erfunden? Nicht Ricoola! Was, wenn Logik nur eine Projektion des Gewünschten auf das Beobachtete ist. Sich selbst erfüllende Prophezeiung, weißer Schimmel auf dem Nussnugatcremebrot? Ist die ursächliche Wirkung wirklich die Ursache oder ursächlich rückwirkend. Könnte diesen Gedanken verdrängen. Es kommt ja in Frage. Das ist die Frage. Aber ich muss sie nicht unbedingt stellen. Leben wie am Schnürchen, vielen Schnürchen, schnurgerade, schnurstracks in den Himmel oder die Hölle, logisch. Wieso dies oder jenes tun. Wieso tut ihr dies oder jenes? Ihr habt natürlich für alles einen guten Grund, ohne wirklich jemals dahin zu gehen, auf den Grund, den es, hm, vielleicht oder wahrscheinlich gar nicht gibt. Was dann? Ohne Grund kein Halt, Fallen. Fallen überall, wohin man tappt. Tappen im Dunklen, und dann auch noch grundlos. Da kommt einiges zusammen, was nur schwer verdaulich ist, so wie die versalzene Lieblingssuppe halt. Halt. Wo gibt es den noch heutzutage? Wo sind die Grenzen und wer legt sie fest? Spiele ohne Grenzen? Warum tust du das, warum lebst du so? Bist du glücklich? Definiere glücklich. Große Schwester Google hat immerhin 47.900.000 Antworten. Das sollte doch reichen. Macht mich ganz glücklich. Macht macht glücklich? Ein scherzender Glückskeks. Glücklicher Scherzkeks? Ja, das war ein loser Einfall.

Ich gehe nicht immer um anzukommen, setze einen Fuß vor den anderen nach dem anderen immer wieder. Bäume so grün und frisch, fließen vorüber,

KommTier! | Auf | |

Der Wechsel – Wechselspiel

Jochen + Klang + Starf

Versunken in Gedanken, ging er den Flur hinunter. Vorbei an den ehemals leeren Räumen, in die er nun unbewusst hinein blicken musste, am Rande wahrnehmend, dass diese sich wieder mit Norminventar füllten. Die Zips produzierten zuverlässig wie zuvor.

Bezüglich Starf hatte er ein merkwürdiges Gefühl und fragte sich, ob nicht doch sein Bruder hatte entführt werden sollen, die Verwechslung nur inszeniert war. Oder hatten sie alles inszeniert? Doch warum? Zweifellos war PARK über jede Bewegung seiner Mitarbeiter informiert. Sie mussten wissen, dass er mit Starf Kontakt aufgenommen hatte und dass sein Bruder das Appartement bewohnte. Einen Sinn ergab dies alles nicht.

Er sah nach hinten, die drei hatten den Raum noch nicht verlassen, betrat die Halle, schloss die Tür und studierte den Minkow. Zögerlich lief er in Richtung Rundherum. Es war ungewöhnlich, aber der Anzeige nach zu urteilen, musste das Objekt sich noch im Gebäude befinden. Zumindest zeigten sich diesmal keine der Rhythmen, wie sie üblicherweise bei einem Wechsel auftraten. Wenn es sich denn um Ortswechsel handelte. Schließlich vermuteten sie dies nur.

Aus den Aufzeichnungen hatte sich zwar bisher jedes Mal problemlos der neue Standort ermitteln lassen, was die These vom Wechsel plausibel erschienen lies. Prinzipiell hätte es aber auch jeweils eine Signatur mit Verweis auf ein weiteres Objekt sein können.

Er entschied sich zu warten, bis die drei das Gebäude verließen. Sofern das Objekt noch da war, musste es sich über die Folie aktivieren lassen. Er spielte kurz mit dem Gedanken zum Stamm zurückzukehren, um den Minkow intensiver zu analysieren und die anderen über die aktuellen Vorfälle zu informieren, verwarf ihn aber rasch wieder. Warum schien Starf so desinteressiert? Er hatte erwartet, sein Bruder würde mit ihm kommen, nach dem was vorgefallen war. Stattdessen blieb er bei dieser Nomadin und seiner aggressiven Exbeziehung. Nun gut, wahrscheinlich hatte er mit beiden noch etwas zu klären. Sein Ding.

Verdammt, falls PARK das Gebäude unter Kontrolle hatte, waren sie über jede ihrer Aktivitäten informiert. Sollte er doch besser zum Stamm zurückkehren? Er sah sich um. Scheiß Gefühl. Andererseits war die Verteilung längst nicht fehlerfrei. Für sensible Informationen würde auch PARK die Pseudon oder eine persönliche Übermittlung vorziehen. Anscheinend hatte sich jedoch noch niemand hierher bemüht, und entgegen dem was er vorhin gesagt hatte, hegte er Zweifel, PARK könnte einen Turm wirklich umfassend kontrollieren, geschweige denn eine lückenlose Überwachung des Stammes realisieren.

Es bestand die Möglichkeit das Objekt endgültig zu verlieren, wenn er jetzt wieder zurückkehrte. Nein, er änderte seinen Entschluss nicht.

Suche