Ξ  Xabu Iborian

Text Fotografie Video Graphitmalerei

Z e i t w a i s e

KommTier! | Auf | |

Ape Won – Alles ist Fremd – 8

„Kann ich diesem Gerät und den Menschen dahinter mehr vertrauen, als ich Ihnen vertraue, oder dem direkten Kontakt? Sie jedenfalls vertraut diesen Medien nicht, meistens lässt sie das Allesdings in der Wohnung liegen, ebenso ihre Identifikation ...“

Nein, das kann nicht sein.

„Das stimmt, noch sind da nur Menschen. Reicht schon, oder? Das Beste wird sein, wir gehen jetzt gemeinsam zu Ihrer Wohnung, damit wir das klären können.“

„Wir wollten uns hier treffen.“

„Bitten Sie im Kaffee darum, ihr zu sagen, dass Sie zurück in Ihre Wohnung sind.“

Ich stehe auf. Schwanke ich? Gehe zur Theke und bezahle meinen Espresso.

„Kommt das oft vor in diesem Bezirk, Mord? Ich kann mich nicht erinnern davon gehört oder gelesen zu haben, seit wir hier wohnen.“

„Wir wissen noch nicht, was den Tod der beiden verursacht hat. Einen natürlichen Tod können wir jedoch ausschließen. Die offizielle Statistik zeigt eine sehr geringe Anzahl Tötungsdelikte.“

„Sie haben auch inoffizielle Statistiken? Warum sollten Menschen ausgerechnet hier ermordet werden? Warum Julia und Tobias? Wo ist da der Zusammenhang?“

„Zusammenhänge sind sehr subjektiv. Sie sind nicht immer wirklich oder ursächlich. Menschen werden überall getötet, zu jeder Zeit. Das Töten und der Tod, direkt oder indirekt, sind Alltag. Die Medizin, die Kunst, die Manipulation, Menschen leben vom Potential des Todes. Statistiken dienen einem Zweck. Das heißt nicht notwendigerweise, sie wären fehlerhaft, sie haben jedoch stets einen einflussreich wirksamen Bezug außerhalb ihrer statistischen Wirklichkeit.“

„Verschwörungstheoretiker?“

„Nein. Erfahrung. Heute ist das bereits mein dritter Auftrag.“

„Ein Kandidat für die offizielle Statistik?“

„Das ist nicht meine Entscheidung.“

„So früh und schon drei Todesfälle.“

„Drei Aufträge, neun Tote.“

„Hören Sie auf, das glaube ich Ihnen nicht.“

„Das hat nichts mit Glauben zu tun.“

„Da haben Sie natürlich Recht. Aber warum erzählen Sie mir das alles?“

„Der Tod, besonders der gezielte Tod, kontrolliert am stärksten. Der unkontrollierte, nicht durch Menschen Verstand erwirkte Tod, überwiegt jedoch bei weitem.“

KommTier! | Auf | |

Excerpt des Möglichen

„Das Potential zu allem Möglichen, existiert in der Wirklichkeit unabhängig von der Realisierung dieses Möglichen, und unabhängig davon, ob es gedacht wird oder nicht.
Insofern ist alles schon vor Handen, als prinzipiell Mögliches.
Um dieses Mögliche zu manifestieren, zu Hand haben, muss zumindest der Mensch dieses Mögliche auch denken können und den Willen zu seiner Manifestation, zur Handhabbarkeit haben.
Gedanke und Wille sind beim Menschen das Bindeglied zwischen Machbarem und Gemachtem, die Katalysatoren vom Möglichen zum Ermöglichten.

Doch auch der Gedanke selbst erscheint als Gemachtes.
Das ist das Faszinierende am Schreiben, und noch mehr am Sprechen.
Gedankenmanifestation pur.
Die Zeichen und die Laute, sie sind für sich nicht mehr, als sie da materiell sind, Kohlestaub auf Papier, bewegte Luft, erst ihre Rezeption und Interpretation führt zu weiterer Gedankenmanifestation, jenseits ihrer Materialität.

Das führt unmittelbar zu der Frage, ob dies so nicht für alles zutreffend ist.

Ist der Baum ein Baum, weil er ein Baum ist, oder weil wir ihn als Baum interpretieren.
Ist er unsere Gedankenmanifestation, oder die eines Anderen, die wir zu lesen befähigt sind.

Sind wir selbst nur Buchstaben?“


Jokush X. Snyda, “Excerpts of Possibility”, in der Übersetzung von Michele Murine, pos. 2207

KommTier! | Auf | |

Der Wechsel – Blickwechsel – Starf + Silvie (Epilog Dialog) – 22

Konsequenzen, die bestenfalls auch bewusst werden. Doch selbst innerhalb dieses Wahrnehmbaren, ist das nicht immer unmittelbar die Folge. Idealerweise vermitteln sich unserer Wahrnehmung unter gleichen Bedingungen wiederholt dieselben Konsequenzen, reproduzierbar. Wir können somit in begrenztem Maße, dann zumindest aber ziemlich sicher, Voraussagen treffen, welche Konsequenzen welches Tun haben wird. Aber sagt uns dies zwangsläufig etwas über sämtliche Konsequenzen die ein Tun hat, über Konsequenzen die sich zwar außerhalb unserer Wahrnehmung ergeben, die aber dennoch auf uns zurück wirken?“

„Ist das denn nötig? So ist das Leben, oder? Diese Menschen, die nicht einmal sich selbst kennen, die wollen alle anderen ebenfalls in diesen Zustand versetzen? Das hört sich nicht besser an, als das was PARK vorhat.“

„Sie kennen und erleben weitaus mehr als sich selbst. Nein, nicht sie, das können sie nicht. Dieserart Vorstellung und Antrieb sind ihnen fremd. Die sogenannten Bewussten im Stamm, die mit den Sporen und Implantaten, jene bei denen die Simulation keinen Effekt hat, die da forschen und denken und meinen sich selbst und alles andere zu kennen, die in einer quasi heiligen Mission unterwegs sind, um den Menschen aus den Fesseln des Bewusstseins zu befreien, sie sind es, die diesen Zustand anstreben.“

„Du magst sie nicht besonders, hm?“

„Ich mag ihren blinden Eifer nicht. Sie glauben, oder meinen zu wissen, sowohl die durch den Menschen in die Welt gebrachte Simulation, als auch die von ihnen postulierte Simulation durch die Sporen, lenke von der umfassenden Wirklichkeit ab, stelle mehr eine ungünstige, denn eine günstige Wechselbeziehung her. Ohne wären wir besser dran. Sie besitzen Aufzeichnungen, aus denen hervorgeht, dass die spezielle Konstruktion und initiale Programmierung der G-Sporen das komplexe Verhalten eines Schwarms ermöglicht, mehr noch, eines die Grenzen des Individuums überschreitenden Metaorganismus, der unter anderem die Fähigkeit entwickeln kann, ganz eigene Ziele zu verfolgen. Da die G-Sporen prinzipiell nach dem Vorbild der originären Sporen geschaffen wurden, sind sie der Überzeugung, deren Verhalten weise die selben Charakteristika auf.“

„Ist da vielleicht ein klitzekleiner Widerspruch in diesem Glauben? Und was meintest Du vorhin mit ‚richtig gewählt‘ und ‚der Stamm wartet‘?“

„Nicht von ihrem Standpunkt aus betrachtet. Sie behaupten nicht, die natürliche Wechselbeziehung zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit wäre ganz und gar fehlerhaft, sie sagen, sie sei beschränkt, auf ein spezielles, unbekanntes Wirken hin ausgerichtet. Allein schon mit dem Akt der individuellen Bewusstwerdung, ausgelöst durch die Aktivität der Sporen, würden verzerrende Faktoren einfließen.

KommTier! | Auf | |

Der Wechsel – Blickwechsel – Starf + Silvie (Epilog Dialog) – 21

„Welche Relevanz hat etwas für dich, dass du nicht unmittelbar körperlich und unvermittelt mit allen Sinnen erlebst?“

„Die gleiche Relevanz, wie eine Simulation, die mich wahrnehmen lässt, was meine Sinne angeblich so nicht erleben?“

„Chapeau! Scheint, ich habe richtig gewählt. Der Stamm wartet.“

„Und der Stamm hätte also lieber wieder die konfliktreiche, verwirrende Simulation vor der Simulation? Was für ein elender Fuck.“

„Du überrascht mich. Macht Spaß. Abschaffen, das ist, was der Stamm erreichen will, genau das. PARK hingegen will die Simulation unter Kontrolle bringen. PARK hat auch kein Interesse daran, Implantate an die Angeschlossenen zu verteilen.“

„Hast Du nicht gesagt, die Implantate ermöglichen eine Kontrolle?“

„Korrekt, aber nicht die Art Kontrolle, die PARK beabsichtigt. Die Implantate ermöglichen eine individuelle Kontrolle. Du bestimmst, wie Du Deine Welt erfährst. PARK will zurück in die Zeit vor dem Brand, zurück zur globalen Kontrolle.“

„Wo ist da der Unterschied zur aktuellen Situation? So wie Du sie beschreibst, scheint die Simulation durch die G-Sporen schon einer globalen Kontrolle zu entsprechen.“

„Der Unterschied ist folgender. Die aktuelle Situation ist, nach allem was wir wissen, autonom. Die Kontrolle kommt aus der Vergangenheit, ist den G-Sporen immanent. PARK will die bewusste Kontrolle zurück erlangen. Die Kontrolle aller, durch auserwählte Einzelne.“

„Dann vielleicht doch besser ganz abschalten, so wie der Stamm das anstrebt? Oder aber alles so lassen wie es ist? Warum nicht? Wo ist eigentlich das Problem?“

„Das Problem? Das Problem ist das Problem potentieller Möglichkeiten. Das Problem ist immer das Problem potentieller Möglichkeiten. Neben anderen Problemen. Das ist das Problem. Im Augenblick scheint alles offen.

Teile des Stammes haben sogar noch weiter gehende Absichten. Die Anzahl der Menschen ohne Sporen hat zugenommen. Die Erforschung des Phänomens wurde weitergeführt. Diejenigen, die eine extreme Position im Stamm vertreten, sehen keine Alternative zur Auslöschung sowohl der G-Sporen, als auch der ursprünglichen Sporen, und sie gehören längst nicht mehr nur einer kleinen Minderheit an. Sie glauben, dass sich nur ganz ohne Sporen die vollständige Wirklichkeit offenbart. Vielleicht haben sie recht? Wissen wir wirklich, wussten wir jemals wirklich, welchen Effekt das hat, das was wir tun? Über unsere Wahrnehmung hinausreichend? In seiner ganzen Konsequenz? Sicher, fast alles was wir tun, führt zu wahrnehmbaren

KommTier! | Auf | |

Der Wechsel – Blickwechsel – Starf + Silvie (Epilog Dialog) – 20

„Auch dies wäre ohne G-Sporen nicht möglich.

Keine Ahnung, was Dein spezielles Erlebnis in der Halle betrifft. Geschossen hast Du tatsächlich. Warum eigentlich?“

„Ach, Rückstoß und so, ich dachte –, ne, Unsinn, irgendwas musste ich wohl tun. Vielleicht hoffte ich, der Schuss würde mich retten, aus dem Traum.“

„Typischer Schallerknall einer Mono jedenfalls. Und geschwebt hast Du nicht. Auch nicht die Patrone. Weil, da war keine Patrone. Nicht in meiner Wahrnehmung.“

„Ja eben. Müsste es nicht immer wieder Konflikte geben? Kann diese Simulation, können diese Nanoteile, können die das alles koordinieren, über alle Leute und Ereignisse hinweg, über die Zeit, widerspruchsfrei?“

„Anscheinend. Nein, ganz offensichtlich. Tatsächlich gibt es weitaus weniger Konflikte, als noch in der Zeit vor dem Brand. Wenn ich‘s recht überlege, gar keine. Und nicht nur keine globalen Konflikte – zumindest bis jetzt, sofern denn die aktuelle Situation überhaupt einen Konflikt darstellt. – Selbst aus den wenigen, erhaltenen Aufzeichnungen vor dem Brand wird dir klar, dass kein Tag verging, an dem nicht hunderte, tausende, millionen Dinge nicht so verliefen, wie erwartet. Da existierte, da existiert zweifellos immer noch, eine deutliche Unschärfe in der individuellen Wahrnehmung und Bewertung der Zusammenhänge. Zugegeben, heute leben deutlich weniger Menschen als vor dem Brand, und sie leben eine lückenlos durchorganisierte und kontrollierte Existenz.

Deine Sinne, deine Sinneswahrnehmung steht prinzipiell immer in korrekter Relation zur Wirklichkeit. Daraus erwächst sie. Da ist keine andere Möglichkeit. Je größer die Abweichung in den Relationen zur Wirklichkeit, desto weitgehender die Konsequenzen. Eine totale Dechiffrierung bedeutet jedoch andererseits Wirkungslosigkeit, totale Entropie. Diese Relation optimal zu dechiffrieren, das ist die Herausforderung. Man könnte meinen, die G-Sporen können das besser, als die ursprünglichen Sporen.“

„Ich verstehe zwar nicht alles was Du erzählst, Abweichung in den Relationen zur Wirklichkeit und so weiter, aber was ist mit den wiederkehrenden Abweichungen und Bränden der Sub? Den Vorfällen in den Kontakttheken? Das Organprogramm? Der Entzug der Verteilung? Die Bindung in den Anschluss?“

„Das ist Programm, exakt. Du weißt, wie die Menschen leben, denen ihr Zugang zur Verteilung entzogen wird?“

„Ohne Anschluss keine Bits und ohne Bits kein Anschluss.“

„Der alte Spruch. So sieht es aus. Die Sub. Apropos, Suzan ist ungebunden, ohne Anschluss. Sie ist eine Sub, allerdings aus eigener Entscheidung, selbstbestimmt. – Hast Du diese Abweichungen von denen Du sprichst, selbst miterlebt? Warst Du dabei? Nicht über Deinen Anschluss, nicht durch das Neurum, sondern leibhaftig, vor Ort?“

„Du kannst nicht alles leibhaftig erleben, dazu reicht deine Lebenszeit nicht aus. Du musst auch vertrauen auf das, was andere dir erzählen. Du musst auf den Anschluss und auf die Übermittlung vertrauen.“

KommTier! | Auf | |

Der Wechsel – Blickwechsel – Starf + Silvie (Epilog Dialog) – 19

Die Angeschlossenen verschwinden darin? Oder ist das auch nur eine Halluzination? Was ist mit meinem Rucksack und der Pumpgun, was ist mit dem Schuss? Wie erkennst Du, ob die von Dir wahrgenommene Situation noch einen sinnvollen Bezug zur Wirklichkeit außerhalb der Simulation hat, sofern Du Dein Implantat nicht ‚machen‘ lässt? Du hast gesagt, meistens ‚ergibst‘ Du Dich der Simulation.“

„Du hörst mich nicht. Also nicht hier und jetzt. Dein Ohr, ja, sicher. Doch die Stimulation kommt nicht an ihr Ziel. Simulation, Stimulation – mein Gott. – Meine Stimme, die Stimme, die Du wahrnimmst, entsteht direkt in Deinem Kopf, ohne den Umweg über Deine Ohren. Der Unterschied wird Dir nicht bewusst. Das funktioniert so ähnlich wie die Übermittlung, doch die Ursache ist hier mein Implantat. Das bindet nicht nur meine G-Sporen, sondern auch die Anderer; deren Simulationsmodulation. Auf kurze Distanz jedenfalls. Das reine Erzählen reicht außerdem nicht, um einen fremden Einfluss dauerhaft zu binden. Die Simulation ist subtil. Das sagte ich schon. Sobald wir uns trennen, würde sie aufholen und rückmodulieren. Deine Erinnerung, oder die Bewertung Deiner Erinnerung, und somit auch Deine zukünftige Motivation, würden sich ändern. – Thema Heilsbringer, Thema Stamm: Seit dem Brand wurden keine neuen Implantate konstruiert. Was also verteilen? Das Wissen und die Möglichkeiten fehlten bis vor kurzem. Der Stamm steht erst jetzt unmittelbar davor, weitere, neue Implantate herzustellen. Aber warum sollte der gewöhnliche Angeschlossene ein Interesse an einem Implantat haben? – Sinn? Keine Ahnung. Welchen Sinn macht Wahrnehmung sowieso? Reine, unreflektierte Wahrnehmung beeinflusst Dein Handeln mehr als alles andere. Wenn ich Wahrnehmung sage, meine ich nicht Stimulans und Reaktion. Ich meine Qualia. Bewusstsein. – Dein Gepäck? Du trägst nen Halbpack und darin eine Monoschaller. Eine Pumpgun und dergleichen wirst Du nirgends mehr erhalten.“

„Ist ein Erbstück.“

„Von wem in aller Welt erbst du heutzutage eine Schaller, die dir noch dazu als Pumgun simuliert wird?“

„Meine Mutter besaß eine Sammlung historischer Waffen. Diese Pumpgun war schon immer eine Pumgun, hat nie jemand anders wahrgenommen.“

„Leben Deine Eltern?“

„Sie haben sich für den Versorgungstank entschieden, natürlich mit dauerhafter Anschlussbindung.“

„Und so hast Du noch Kontakt zu Ihnen? Du siehst sie häufig? Bist mit Ihnen unterwegs?“

„Sicher, durch den Anschluss.“

KommTier! | Auf | |

Der Wechsel – Blickwechsel – Starf + Silvie (Epilog Dialog) – 18

„Zugegeben, die meisten Krankheiten verschwanden allmählich in den Jahrzehnten nach Brand und Wiederaufbau. Organversagen und frühes Altern wurden jedoch Normalität.“

„Im Gegensatz zu meinem Schweben in der Halle.“

„Dein Schweben? Trägst Du einen Sublimationsanzug? Weißt Du, wie massiv die Dinger sind? Glaub mir, eine Masse, die nur Hybiorobs bewegen können .“

„Hybiorobs?“

„Maschinen. Maschinen, die von sich selbst denken, sie wären keine Geräte, denken, sie wären Menschen. Wie soll ich Dir das jeztzt auch noch erklären.“

„Na, dann erwähne sowas nicht. Ist eh schon alles verwirrend genug. – Da Du von Gewicht sprichst, dieser Boden auf dem wir sitzen, wieso ist der so schmeichelnd bequem? Oder bilde ich mir das auch nur ein? Sieht spiegelglatt aus und fühlt sich an, na, so hart wie Phytan, wenn ich mit der Hand darüber streiche. Sitzt sich aber sehr bequem, wie auf einem Flies.“

„Das ist deshalb so, weil wir in Wirklichkeit auf warmem, weichem, schmiegsamem Sand sitzen, und ein paar Schritte weiter rauscht das Meer.“

„Nicht Dein Ernst!“

„Nein, Scherz. Die Simulation ist keine Zauberei. – Gut, Zauberei selbst ist auch keine. … Egal.“

„Hahaha.“

„Der Boden funktioniert ähnlich wie ein Flies, passt sich deinen Bewegungen und der an ihn abgegebenen kinetischen Energie an, beispielsweise durch dein Gewicht, zum Wohlgefallen deines Körpers; glücklicherweise tut er das unmittelbar. – Was ist Deine Erklärung für Dein Erlebnis in der Halle?“

Ich hab keine Erklärung. Aber das heißt noch lange nicht …“

„Die vielen Leute sind tatsächlich da draußen, nur sind sie keine Nomaden, sie sind Angeschlossene, so wie Du. Und sie bewegen sich tatsächlich benommen auf das Ende der Halle zu. Doch da ist kein Loch in der Wand. Da schweben Wechsel. Dicht an dicht. Auf der ganzen Breite der Halle, ein Ozonstinker neben dem Anderen. Und nicht nur auf dieser Ebene. Und nicht nur in diesem Turm. Und das ist mein aktuelles Problem, mehr noch Dein Problem. Ist die Situation ein Problem für die Leute in der Halle? Ich weiß es nicht. Wahrscheinlich. Wo ist Jochen?“

„Stop, mir schwirren noch andere Fragen im Kopf. Zum Beispiel. Warum verteilt der Stamm keine Implantate an alle? Und kann die Simulation nicht abgestellt werden? Rein hypothetisch gedacht, denn was für einen Sinn macht die Simulation im Großen und Ganzen? Wie weit reicht sie? Was wird alles simuliert? Hat die Simulation nichts dagegen, hahaha, dass Du mir dieses besondere, nicht übermittelte Wissen – diese Geheimnisse –, so umfangreich anvertraust? Ist das was ich höre, wirklich das, was Du mir sagst? – Was für eine blödsinnige Frage. Nur mal Dein Zeug weiter gesponnen. O.k., selbst wenn; das mit der Verschönerung der durch die Übergabe erzeugten Lebensmittel, das erscheint mir noch einigermaßen plausibel, aber die Situation in der Halle? Und warum hört sich Deine Version dessen was ich in der Halle erlebt habe, genauso absurd an wie meine? Ein Loch oder diese Dinger?

KommTier! | Auf | |

Der Wechsel – Blickwechsel – Starf + Silvie (Epilog Dialog) – 17

Neurometrie, das ist der Begriff dafür, soweit ich mich erinnere. Du musst jahrelang üben, bis Du das beherrscht. Die Abstimmung zwischen Implantat und Gehirn muss perfekt sein, wenn du es fehlerfrei ausführen willst. Ohne ein besonders hohes Maß an Selbstkontrolle keine Chance. Denkst du trotzdem mal daneben, und anfangs tust du das oft, führt das zu – interessanten Effekten.“

„Lustige Effekte, anscheinend. Du sagst Erfahrung, aber woher weißt Du, dass Dein Implantat nicht eine falsche Wahrnehmung erzeugt?“

„Berechtigte Frage. Du kennst sie bestimmt, diese Situationen, in denen Du den Eindruck hast, als schmecke etwas für einen Augenblick ganz anders, als noch kurz zuvor, oder wenn sich plötzlich, für einen Moment, etwas völlig ungewohnt anfühlt, wenn Dir Dinge aus der Hand fallen, obwohl Du Dir absolut sicher bist, sie fest im Griff gehabt zu haben, wenn Du etwas zu sehen scheinst, es aber schon nach dem nächsten Blinzeln nicht mehr wiederfinden kannt, wenn Du meinst, jemand hätte etwas gesagt, hat er aber nicht, jedenfalls nicht so, wie Du es erinnerst, wenn Du ein Buch liest und du an manchen Sätzen hängen bleibst, sie wieder und wieder lesen musst, sie aber in keinen plausiblen Zusammenhang zum Rest bringen kannst, und so weiter und so weiter.“

„Das ist doch völlig normal.“

„Genau. Denkst Du, an der Übergabe könnte ein Stück Torte materialisiert werden, dass, mal abgesehen von den synthetischen Zutaten, wirklich der selbstgebackenen Torte entspricht, welche Du aus Deiner Kindheit erinnerst? Vieles ist inzwischen machbar, aber das nicht, und wird es wahrscheinlich auch nie; es besteht keine Notwendigkeit mehr. Denn das Stück Torte ist so wie es ist, so gut wie echt. Eben genau, wie Du es erinnerst.“

„Und was ist mit Vitaminen, Mineralien, Spurenelementen und all den anderen vom Körper benötigten Stoffen? Werden die auch simuliert?“

„Selbst die Schwarzwälder Kirschtorte aus Deiner Erinnerung, enthält wahrscheinlich nicht allzu viel Vitamine und Spurenelemente. Keine Gefahr also, iss weiter. – Zum Teil werden sie simuliert. Zum Teil werden sie der Paste zugesetzt, so wie das Coffein im Wasser. Die Simulation ist genau das, eine Simulation. Sie kann das Nervensystem beliebig Glauben machen – interessante Analogie nebenbei –, und es wird entsprechend reagieren, auch, nun ja, körperlich. Das funktioniert allerdings nur soweit, wie die Relationen zur Wirklichkeit tragen. Wird simuliert, was nicht existiert, nicht wirklich ist, keine oder fehlerhafte Relationen hat, nimmt der Körper auf Dauer Schaden, altert früher. Auch dieser Art Abweichungen wurden vor dem Brand unter dem Begriff Krankheit zusammengefasst.“

„Ich habe diese Krankheiten erlebt. In den vielen Übermittlungen, in denen schrecklichen Abweichungen aus der Zeit vor dem Brand abgebildet wurden.“

KommTier! | Auf | |

Der Wechsel – Blickwechsel – Starf + Silvie (Epilog Dialog) – 11

der Vergangenheit für die Existenz jener, denen die Sporen nicht nur Bewusstsein brachten, sondern auch ein Bewusstsein über die Sporen selbst, und somit ein Maß an Kontrolle über die Wahrnehmung der Wirklichkeit. Nein, ich meine Raumstationen, Forschungslabore im Himmel, weit über dem Boden schwebend, höher als ein Schifter fliegt. Die dort forschenden Wissenschaftler entdeckten Sporen im Erdmagnetfeld. Ob gezielt danach gesucht wurde, ist nicht überliefert. Sie stellten jedoch anscheinend überrascht fest, dass es sich bei diesen Sporen um die gleichen handelt, wie die von Selbiger entdeckten. Nicht wirklich verwundert der anschließende Nachweis, der Manipulierbarkeit der Sporenaktivität im Gehirn mittels elektromagnetischer Wellen. Für uns sieht das nicht nach Zufall aus.“

„Jetzt verlierst Du mich doch. Was sind elektromagnetische Wellen? Was ist ein Erdmagnetfeld? O.k., ich weiß, dass da, wo ich die Sterne sehe, den Mond, die Sonne, dass es da extrem kalt sein soll, keine Luft zum atmen existiert und das Licht der Sonne dich verbrennt und anderen Schaden verursacht, so wie beim Brand. Wie konnten die da leben? Und dieses ganze Psychoding, das treibt mir Schauer über den Rücken. Genau wie diese unangenehmen Kontakttheken, die Du so gerne besuchst.“

„Das ist gut. Vergiss Deine Fragen nicht. Wie konnten die da leben? Denk nach. Wie kannst Du im Wasser leben, in der Sub? – Die Kontakttheken. Simulation, Übermittlung, Anschluss … das reicht nicht für eine vollständige Sublimation. – Nicht genug Zeit jetzt. Entscheidend ist, die Sporen und deren Aktivität lassen sich gezielt beeinflussen. Deine Wahrnehmung, oder besser gesagt dein Bewusstsein, deine erlebten Sinneseindrücke, können auf grundlegende Weise manipuliert werden. Durch die damals rasante Verbreitung mobiler, auf Funktechnologie basierender Geräte für Kommunikation und Datenaustausch, das Interess dient unter Anderem dem gleichen Zweck, werden authentische Feldversuche ein Kinderspiel.“

„Du meinst DAS Interess? Das haben doch alle von Geburt an. Das ist doch kein Gerät. Logisch ist das mobil, bewegt sich ja mit mir. Was sind Feldversuche, Funk?“

„Nicht alle, aber fast. Das Interess ist ein Gerät, auch wenn es sich anfühlt wie ein Teil Deines Körpers, vertrau mir.

Extensive Computerisierung und Digitalisierung treiben die Entwicklung schwungvoll voran. Kleine, ferngesteuerte Fluggeräte schweben überall im öffentlichen Raum herum und werden eine Zeit lang als Übermittler, als Verstärker der Signale eingesetzt.“

„Fluggeräte? So wie die Schifter?“

„Ja, nur viel, viel kleiner und, ja, wenn Du so willst, über eine Art Anschluss gesteuert, ähnlich wie die Pseudon.“

KommTier! | Auf | | | | |

Harm Oh Nie Ist In Uns

in: Zeit Entwoben — 2009-2013 – Sinnliche Eigenwelten – Fragmente der Vorstellung

Die Klarheit des Kollapsars im Garten der Geständnisse (Ξ) Detail ψ Die Klarheit des Kollapsars im Garten der Geständnisse (Ξ) Detail ψ

Die Zeit, sie webt in mir
Den Klang und das Bild
Das Bild durch den Klang
Die Zeit, sie treibt in mir

Fragmente der Wirklichkeit
Im Fluss meiner Finger
Den Stift in meiner Hand
Zu Spuren der Vorstellung

Von Mir und der Welt
Von der Welt in Mir
Entwoben der Zeit

Verwoben in Graphit
Auf gilbendem Papier



Oder stelle ich mir das nur vor?


Nüchtern betrachtet

Meine Zeichnungen entstehen während des Zeichnens
Meine Fotografien entstehen während des Fotografierens

KommTier! | Auf | |

Der Wechsel – Wechselspiel – Jochen + Ryka (Ende) – 3

Sie lächelte. Sie lächelte tatsächlich. Und ihr Lächeln war verführerisch, charmant, ließ ihn ihr Lächeln erwidern. Doch dies war mehr, als er im Moment fassen konnte, als er wahrhaben wollte.

„Das Leben entstieg seit jeher dem Wasser, Jochen. Es strömt, frisch und rein, in eine bessere Welt, für jene, die weiter kommen, die vertrauen, sich austauschen, sich hingeben. Eine Welt für die Besseren, die Verbesserten. Du darfst ihnen helfen, wenn Du dies wünscht, natürlich, und dies wird Dein Lohn sein, der Lohn aller, die miteinander ringen.“

„O.k., Du willst mich – allen – Ernstes – veräppeln!“, hörte er sich mit bebender Stimme in ihr Gesicht lachen, während sein Blick zwischen ihren wundervollen Brüsten und ihren nicht minder wundervollen Augen hin und her tanzte.

„Du musst aufwachen, Jochen. Die Noren haben Dich verlassen. Die Dauerformer wurden reprogrammiert. Erwache. Komm zu mir, komm zu uns. Komm in die Tiefe unserer allumfassend Dich wärmenden Mitte. Wir sind bereit für Dich, bereit, Dich umschließend und ganz in uns aufzunehmen.“

Mit voller Wucht schlug er geradlinig in ihr Gesicht. Reflexartig. Sie machte einen Satz nach hinten und ging rückwärts zu Boden. Wer musste jetzt aufwachen? Er öffnete seine verkrampfte Faust, spreizte seine Finger und schwang sie mit einem Ruck durch die Luft. Verdammt! War die Frau aus Stein? Dennoch, ein gutes Gefühl, seine schmerzenden Knöchel. Durchschlagende Wirklichkeit. Simulation hin oder her.

Eine erfrischende Klarheit flutete endlich das massive Vakuum in seinem Hirn. Er hatte nur diese eine Realität. Keine Alternative, als sich in ihr zurechtzufinden oder verrückt zu werden. Verharren war eine nicht wünschenswerte Option. Das Sterben ergab sich zwangsläufig, wie von selbst, früher oder später. Nein, nicht jetzt darüber nachdenken, er musste fokussieren, sich ausrichten, auf die elementaren Fragen. Wie weiter? Ziellos. Bald würden die ersten Überlebenden den Strand erreichen. Das neue Volk für eine bessere Welt. Da schien nur ein Weg zu sein, nur ein Weg der sinnvoll war. Der Weg aus dem Meer, hinein ins Innere dieser Landschaft. Er war neugierig, was er in dieser besseren Welt finden würde.

An der Frau vorbeistreifend – wie hatte sie sich genannt? Kyra? Wo war ihr Smoking? – schnappte er, sich vornüberbeugend, den Apfel, den sie groteskerweise immer noch in der Hand hielt, und stieg zitternd, im Sand stolpernd, die Düne hinauf. Ein leises Fiepen klingelte in seinem Ohr. Nachdenklich betrachtete er den glänzend rosanen Apfel in seiner Hand. Warum hatte er Appetit auf sauren Pudding, von allen Dingen?

KommTier! | Auf | |

Das Ganze Ich

Da scheint kein Unterschied zwischen der einen Annahme, ich allein nur würde existieren, wäre Wirklichkeit – was auch immer dies genau bedeuten möge, und sicherlich müsste ich dann wesentlich mehr sein, als meine Wahrnehmung mich erkennen lässt – und all das was ich wahrnehme, all meine Interaktion mit der zwar postulierten, aber nicht als solcher akzeptierten, sogenannten äußeren Wirklichkeit, wäre nur eine erweiterte Manifestation meines Selbst, meiner inneren Wirklichkeit, und andererseits der Annahme, alles außerhalb meiner Selbst Wahrgenommene, sei tatsächlich unabhängig meiner Selbst, das Ich nur temporärer Teil des großen Ganzen, der ganzen Wirklichkeit – was auch immer dies genau bedeuten möge, und sicherlich müsste da draußen dann wesentlich mehr sein, als meine Wahrnehmung mich erkennen lässt – und eben nicht nur allein dies große Ganze sei.

Das eine wie das andere kann ich nicht schlüssig beweisen.
Und Andere können das schon mal gar nicht.
Genau deshalb macht es keinen Unterschied.
Weil, da ist kein Unterschied, kein wahrnehmbarer.
Egal welcher Annahme ich mich hingebe, egal welche Annahme gar als Rechtfertigung dieser oder jener Handlungsweise herhalten muss.
Es ändert nichts am großen Ganzen, nichts am Auskommen und nichts am Ausgang; nicht in meiner Wahrnehmung.

Töte ich im ersten Fall, töte ich einen Teil meiner Selbst.
Töte ich im anderen Fall, töte ich einen Teil des großen Ganzen.
In beiden Fällen töte ich einen Teil des großen Ganzen.
Warum sollte ich dies tun, macht es mich, mein Leben, doch in beiden Fällen ärmer.
Zeuge ich im ersten Fall, zeuge ich einen Teil von mir selbst.
Zeuge ich im anderen Fall, zeuge ich einen Teil des großen Ganzen.
In beiden Fällen zeuge ich einen Teil des großen Ganzen.
Das macht Sinn, bereichert es mich, mein Leben, doch in beiden Fällen.
Beeinflusse ich im ersten Fall, beeinflusse ich mich selbst.
Beeinflusse ich im anderen Fall, beeinflusse ich das große Ganze.
In beiden Fällen beeinflusse ich das große Ganze, und mein Leben, oder auch nicht.

Aber halt.
Ich übersah einen fundamentalen Unterschied, nicht in meiner Wahrnehmung, so doch in der Schlussfolgerung.

Sterbe ich im ersten Fall, stirbt das große Ganze.
Sterbe ich im anderen Fall, stirbt nur mein Selbst.

So sei im großen Ganzen ganz Du Selbst, denn so oder so, bist nur Du temporär.

KommTier! | Auf | |

Realität Kunst

„Kunst wird bestimmt durch den Menschen, durch das Individuum.
Durch das Individuum, und seine Wechselwirkung mit sich und allem anderen.
Kunst ist die durch einen Menschen individuell wiedergegebene Realität der durch diesen Menschen individuell wahrgenommenen Wirklichkeit.

Kunst ist nicht objektivierbar.
Wäre sie objektivierbar, gäbe es keine Kunst.
Es gäbe nur diese eine Wirklichkeit.

Diese eine Wirklichkeit, so wie sie für jene Lebewesen erscheint, die sich ihrer selbst, ihrer Existenz, nicht bewusst sind.
Doch dem Menschen, und nur diesem, ist die Wirklichkeit in einer unendlichen Anzahl Realitäten denkbar, ist Kunst denkbar.“


Esrox Kazen, „Die Realität in der Kunst Wirklichkeit", sch. 2053

KommTier! | Auf | | |

Wund Brand

Empor
Aus der Seele
Sehnen Lust
Tiefer Sumpf
Unter
Fallenden Toren
Versagt Vergessen
Erblühen
Türme aus Glas
Im Unablässig
Strömenden Wasser
Verletzter Gefühle
Übermacht
Erdrückender Schwäche
Reglos im Einklang
Aufleuchtender Klarheit
Düsteren Funkelns
Bunt Brennend
In die Wirklichkeit
Duftender Farben
Aufruhr
Erbrochener
Trauer
Ohne Ausweg
Im
Gespalten Graben
Schweben Rausch
In
Gerissen Verzerrter
Wunden Schwele
Im
Vernarbten Glück
Rohen
Vergebens
.

KommTier! | Auf | | |

Should I Stay or Should I Go

That’s all too complicated, isn’t it?
Einmal noch über Los gekickt.
Like chess in „Mensch ärgere Dich nicht“ mode.
Worte in großer Rochade.
In der Hitze der Polarisation.
Springer und Bauern im Doppellauf mit Staffel Stab.
Ringend Kontrolle Versagen.
Die Ahnen des Schams begrüßen milchende Rinder.
Im grell Dunkel wässrig bunter Stau Stufen.
Überhoben.
Fits of unembarrassed audacity.
Unintentionally.
Self.
Induced Exposure.
In Cat Like Mirrors.
Schiller plays Kurt.
A mistuned grand pinao.
Shouts.
Snaps at cakes of snow.
Defäckte Tiere auf Traum A Tisch.
Mist Taken.
Human Beings.
In Best Form.
Well, Well, Well.
Traum Haft Wirklichkeit.

No Fun Intended.
Or was it?

Lightning Bugs conditioned by Stormy Weather.
.

7

Suche