Ξ  Xabu Iborian

Text Fotografie Video Graphitmalerei

Z e i t w a i s e

Gegen Satz

„Ihnen ist jedoch bewusst, dass all jenes, welches Sie als das Innen bezeichnen, allein durch ein Außen begründet ist, welches andererseits erst durch dieses Innen erfahrbar wird, Außen und Innen sich gegenseitig bedingen, Innen und Außen sich ad infinitum wiederholend, untrennbar verbunden, in alle Richtungen erstrecken; letztendlich kein Unterschied besteht, außer dem Begrifflichen, und ganz gewiss kein Gegensatz, zwischen dem sogenannten Außen und dem sogenannten Innen, uns diese vielmehr im Fluss eines unerschöpflichen Quells unterschiedlicher Qualitäten konfrontieren.
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Die Wahrnehmung der Welt in Gegensätzen war eine der Ursachen für jene Entwicklung, die uns und all das was uns umgibt – fürwahr dessen nicht mehr viel – zu dem gemacht hatte, welches wir zurückhaltend mit dem Terminus ‚Die Welt Danach‘ bedachten.
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Die damals seit langem übliche, polarisierende Zuweisung beruhte auf der schon sehr früh forcierten Unterdrückung und gleichzeitigen Verbreitung einer Fälschung der ursprünglichen Bedeutung.
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Das Yin-Yang beschreibt, wie wir heute wissen, nicht das Prinzip binärer, verschränkter Gegensätzlichkeiten – der von langer Hand geführte Wegbereiter digitaler, monokultureller Ermächtigung –, sondern verdeutlicht ganz im Gegenteil die Illusion derselben, und somit auch die Illusion dieser scheinbaren Gegensätzlichkeit; entlarvt die Schimäre des rein Begrifflichen.
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Bis hinein in die Interpretation quantenphysikalischer Ereignisse wurde jedoch erfolgreich versucht, dieses Zerrbild von den Gegensätzen aufrecht zu erhalten.
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Diese das Leben scheinbar simplifizierende und in der Evolution scheinbar vorteilhafte Wahrnehmung scheinbarer Gegensätzlichkeiten durch die menschliche Psyche und deren begriffliche Fixierung, waren ein in der Geschichte des Menschen wohl genutztes Instrument der gezielten Steuerung.
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Lassen Sie sich nicht täuschen, sollten Sie meinen auch in diesem Text Gegensätze und Widersprüche wahrzunehmen.
Machen Sie sich auf den Weg, lösen Sie sich von dieser Jahrtausende alten Konditionierung.

Lesen Sie. Überwinden Sie. Atmen Sie.“


Kate Ryn B. Ohneeh-Chen, „Atme nicht. Sei der Atem.“, exs. 3457

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