Ξ  Xabu Iborian

Text Fotografie Video Graphitmalerei

Z e i t w a i s e

Der Wechsel – Wechselspiel

Jochen + Ryka (Ende)

Dies war kein Traum. Er wusste wie es sich anfühlte, wenn er träumte, wenn er schlief.

Brandungswellen, langsam anschwellend und ebenso langsam wieder abschwellend, schlichen wispernd in sein Bewusstsein. Stetig an Stärke zunehmend, breiteten sie sich vollständig in ihm aus, bis er sich, gleichwohl in seinem Körper, als eigenständig wahrnehmende Instanz, im Außerhalb seines Körpers wiedererkannte.

Als Instanz? Feuchtwarme Luft strich über seinen Rücken und seine Schenkel. Unter ihm kribbelte glitschiger, kühler Sand. Er hob den Kopf, hustete Salzwasser und öffnete die Augen. Im Zwielicht betrachtete er eine Weile die Dünen und wälzte sich schließlich, ohne zu überlegen, langsam um. Eine überwältigende Unzahl Sterne, wie leuchtender Mehlstaub vor glasklarem Schwarz, raste auf ihn zu. Benommen blinzelte er den Effekt weg. Am Horizont, zwei liegende Halbmonde, auf dem Meer schwimmend; Zwillinge. Noch wagte er keinen klaren Gedanken. Immerhin, er lebte, zweifellos, aber war das sinnvoll?

Er betrachtete die Sterne. Die Sterne. Fasziniert flexte sein Blick über den Nachthimmel. Ein Schauer pulste durch Glieder, die noch nicht wieder ganz die seinen waren. So oft er auch einen Versuch unternahm, er konnte kein Sternzeichen erkennen. Nur das glitzernde Band der Milchstraße lag vertraut vor dunklem Nichts, das Alles enthielt. Er schloss die Augen.

Was tun? Liegen bleiben? Offensichtlich befand er sich allein, nackt, an einem unbekannten Ort und unter unbekanntem Himmel. Er versuchte zu entspannen, an das Notwendige zu denken. Was war das Notwendige? Süßwasser, Nahrung, Schutz. Über die Reihenfolge war er sich noch nicht ganz im Klaren. Süßwasser schien jedoch bald zum drängendsten Problem zu werden. Abrupt brach hysterisches Gelächter aus ihm heraus, befreite sich aus den Fesseln seiner Angst. Was für eine abgefuckte Situation. Er wälzte sich im wässrig weichen Sandbett, schlug mit den Fäusten in die Gischt. Tränen rannen über seine Wangen, verloren sich im Salzwasser. Ihm wurde schwindelig. Abrupt stand er auf, schwankte kurz, und begann zu laufen, am Rande des Meeres entlang, gedankenlos, schnell, schneller.

Wie lange war er gerannt, flüchtend vor sich selbst, Minuten, Stunden oder gar schon seit Jahren? Kein Zeitgefühl, wie zuvor. Zuvor. Er erinnerte sich. Der Wechsel. Der Stamm. Silvie. Ein einzelner Stern. Danach nichts mehr. Sein Erwachen am Strand. Die Sterne.

Er verlangsamte seinen Schritt. Weder das Schwarz der Nacht, noch die Position der Monde hatte sich verändert. Doch da war etwas Anderes, etwas Neues, beständig irritierend, aus dem Augenwinkel heraus und als hochfrequentes Summen in seinem Kopf. Er blieb stehen, blickte erneut hinüber zu den reflektierenden Halbkreisen. Aus einer schmalen Spalte drängend, scheinbar parallel zum Horizont, ergossen sich leise klatschend zahllose winzige Objekte ins Meer; ein äußerst lebendiger Wasserfall. Ein Wasserfall, der in hoher Tonlage summte und pfiff. Angespannt beobachtete

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