Ξ  Xabu Iborian

Text Fotografie Video Graphitmalerei

Z e i t w a i s e

Der Wechsel – Verwechslung – Suzan + ? – 2

zu geben. Niemand hatte es mehr gewagt seine nackte Haut für längere Zeit dem Einfluss der Sonne auszusetzen, so dass künstliche, kontrollierbare Sonnen benutzt wurden um den gewünschten Effekt zu erzielen. Ihre Haut jedenfalls war von Natur aus braun und sie würde nie auf die Idee kommen sie aufzuhellen. Welchen Effekt wohl das immergleiche Licht der Sub hatte?

Das Gebilde schien unverändert in der Mitte des Raumes und sie lehnte in der Türöffnung und starrte gebannt hinüber. Etwas von dem Kaffee in der Küche könnte sie jetzt gut vertragen, sie hatte nicht viel geschlafen in der letzten Nacht. Das Licht ging von einer Art Rahmen aus, einem ovalen Rahmen, so groß, dass er ein Hindurchgehen erlaubte. Weder hing das Ding, noch war für sie ersichtlich, wie es auf dem Boden lagerte. Der Moment in dem es umkippte, musste unmittelbar bevorstehen. Tatsächlich sah es so aus, als ob es über dem Boden schwebte.

Es hatte in den vergangenen Jahrzehnten erstaunliche Fortschritte in der Bionik gegeben, aber von der Möglichkeit ein nicht lebendiges Ding zum Schweben zu bringen, war ihr bisher in keinem Wissenstransfer berichtet worden. Die ultimativen Entdeckungen im Bereich der Physik lagen fast hundert Jahre zurück, soweit sie wusste. Ihr Lebenstil mochte allerdings dazu beitragen haben, dass sie nicht auf dem aktuellsten Stand der Entwicklung war.

Sie erinnerte sich an weitere Einzelheiten aus ihrer Kindheit. Die Geschichten und Aufnahmen ihres Großonkels Jasper. Dort hatte sie ähnliches gesehen. Leute wurden unter dem Einfluss eines solchen Lichts anscheinend langsam aufgelöst, verschwanden schließlich, und tauchten an anderer Stelle den Vorgang umkehrend wieder auf. Jasper erzählte es werde bald möglich sein, ohne sich zu bewegen von einem Ort zum anderen zu gelangen; und von anderen unglaublichen Projekten. Trotz des offensichtlichen Widerspruchs in dem was er sagte, faszinierten seine Worte ihr kindliches Gemüt. Und die Aufnahmen? Gespielte Szenen, Filme zur Ablenkung, wie sie damals üblich waren? Oder Material aus dem Institut an dem er als Physiker arbeitete. Ihr Großonkel verstarb kurz nach ihrem achten Geburtstag. Es war die erste endgültige Trennung von einem ihr sehr nahe stehenden Menschen. Sie verbrachte mehrere Tage wie katatonisch im Bett, nicht begreifend, dass sie die Stimme ihres Onkels nie wieder hören würde. Später wurde ihr schwindelerregend klar, es würde auch einen Zeitpunkt geben, nach dem ihre eigene Stimme niemand mehr wahrnähme und die Welt um sie herum, ebenso wie sie, aufhörte zu existieren. Seit damals hatten sie keine Geschichten wie die ihres Onkels mehr erreicht, auch keine Informationen über Realisierungen. Mit zunehmendem Alter schwand allerdings ihre Aufmerksamkeit in diese Richtung. Es hatte weitaus bedeutendere reale Entwicklungen gegeben und andere Ablenkungen die ihr Interesse weckten. Harklaam war nur eine von vielen.

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