Ξ  Xabu Iborian

Text Fotografie Video Graphitmalerei

Z e i t w a i s e

Der Wechsel – Verwechslung – Starf

Telefon, das sich auf dem Boden vor dem Fußende des Bettes befindet. Angespannt ziehe ich mich mit dem Apparat in der Hand zurück. Der Empfänger zwischen den Beinen, der Hörer in meiner Hand am Ohr, leicht benommen.

Die Welt scheint nur aus Piepen zu bestehen. Ich will Suzan nicht aufschrecken, besinne mich noch rechtzeitig, atme aus und schließe den Mund. Genervt drücke ich den Hörer zurück in seine Buchse. Idioten. Wer benutzt schon noch diese Geräte.

Die Welt scheint nur aus Piepen zu bestehen. Automatische Wiederanwahl. Wahrscheinlich wird vorerst niemand feststellen, dass an diesem Ende kein entsprechender Empfänger existiert. Entweder handelt es sich um ein veraltetes E-Fax, ähnlich dem historischen Telefonmodell in meinem Schoß, oder um eine miserabel programmierte Verteilung. Fluch der perfekten aber schlampig eingestellten Maschinerie und derer die sie bedienen müssen. Erstaunlicherweise bleibt weiteres Piepen jedoch aus.

Meine Hand streicht langsam über Suzans schlafenden Po, von den glatten Oberflächen zum warmen, leicht feuchten, samtenen Flies zwischen ihren Beinen. Der Weckruf. Ich sollte aufstehen. Suzan schläft. Verdammt! Ich muss aufstehen. Ich drehe mich von ihr weg und aus dem Bett heraus. Die Füße auf dem Holzfußboden. Zehn Zehen. Die Fußnägel bedürfen einer Trimmung. Ich räkele mich reckend auf, um mich gleich wieder niederzukauern, sammle die klebrigen Kondome und Verpackungsreste ein. Taumelnd tapse ich in den Versorgungsbereich. Der Müllbeutel ist randvoll. Ich reiße einen neuen Beutel vom Spender, stelle ihn neben den anderen und werfe die Schutzhüllen samt Verpackungsresten hinein. Geniale Erfindung. Der letzte Kaffechip klemmt noch in der Maschine. Ich tauschte ihn aus und setzte das Gerät neu bestückt in Betrieb. Auf dem Weg in den Nassraum fällt mein Blick auf eine Handtasche. Suzans Handtasche. Ich halte kurz zögernd inne, entscheide mich sie nicht zu öffnen.

Wir sind Nachtags zuvor im Wagemuth zusammengekommen, einer der neuen Kontakttheken im inneren Bereich. Nach meiner kurzen Vorstellung auf der Präsenzbühne ist sie die erste Wählerin gewesen, die für mich gestimmt und die der Masterweiser als passend ermittelt hatte, so dass sie die nächsten zwei Stunden über mich verfügen durfte.

Die Kontakttheken bergen angeblich ein gewisses Risiko. Wer kann schon ahnen, wer dich warum wählen wird und was dich erwartet. Darin liegt aber auch gleichermaßen der Reiz für die Kandidaten; heißt es in den Übermittlungen. Interessante und ungewöhnliche Erfahrungen gehen einher mit verwirrenden, herben bis schmerzhaften und, sehr selten, tödlichen oder dauerhaft beeinträchtigenden Enttäuschungen.

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