Ξ  Xabu Iborian

Text Fotografie Video Graphitmalerei

Z e i t w a i s e

Ziehung der Achter – 2 – 5

Strahlung selbst nicht sehen, obwohl es dafür viel zu hell und die Strahlungsintensität hoffentlich zu gering ist. Aber ich weiß, da rotiert eine Kamera um meinen Kopf herum, verliert dabei ein paar masselose Elementarteilchen, die durch mich hindurchrasen und mehr oder weniger Energie verlieren, um auf der für Röntgenstrahlung empfindlichen Folie gegenüber eine Abbildung meines Kiefers samt Gebiss zu hinterlassen. Es summt, ich glaube die Strahlen zu spüren. Geschafft. Dem Krebstod wieder ein Stück näher. Gebiss befreien, Bleijacke ablegen.

Zurück in den Behandlungsraum und auf den Stuhl.

Die Betäubung wirkt inzwischen. Ich muss warten, bis die Aufnahme entwickelt ist. Der Arzt kommt wenig später und setzt sich mit dem Negativ in der Hand neben mich.

„Reste sind keine zu erkennen, gut. Aber wie schon erwähnt eine große Höhlung in der sich die Bakterien an frischem Gewebe und Blut laben… “ Ich glaube, es macht ihm Freude diese Dinge zu beschreiben. Der Mann hat Humor. Er setzt sich neben mich, Skalpell schon in der Hand.

„Wirkt die Spritze?“

„Weiß ich noch nicht“, versuche ich mich auch in Witzigkeit.

Gleiche Prozedur, jedoch ohne einen Zahn zu entfernen, aber viel interessant gurgelnde Absaugschlauch Aktion durch die Assistentin. Was muss, das muss. Die Höhle ist schlussendlich evakuiert.

„Geben sie mir doch bitte noch einmal einen längeren Streifen …“, ich sehe, wie er mit den Fingern zeigt; mindestens 10 cm, die er jetzt in die Wunde stopft. Ich fühle leichten Schmerz und Druck, als ob er direkt auf den blanken Kieferknochen trifft.

„So, das war’s! Den Tupfer auf der Wunde entfernen Sie …“, jaja, kenne ich schon. Schon wieder so ein dämliches unspürbares Fremdobjekt im Mund.

„Die Wunde muss offen bleiben, damit sie von unten nach oben verheilen kann, sich nicht wieder schließt, bevor sie innen verheilt ist. Deshalb der Streifen. Der guckt ein Stück heraus und verhindert so das Zuwachsen, und bewirkt, dass der Eiter aufgesaugt wird und abfließen kann. Der Streifen muss alle zwei Tage gewechselt werden. Immer ein Stück kürzer, je nach Heilungsfortschritt. Sie können dies bei ihrer Hausärztin machen lassen, oder aber in der Praxis wo sie operiert wurden. Sie können aber auch gerne zu uns kommen.“ Ja, oder ich probiere noch ein paar weitere Ärzte aus.

Essen und Zähne putzen kann ich ganz normal? Ich meine, wegen der offenen Wunde, kann sich da nichts verfangen oder steckenbleiben?“, kurzes nachdenkliches Schweigen gegenüber.

Suche