Ξ  Xabu Iborian

Text Fotografie Video Graphitmalerei

Z e i t w a i s e

Ziehung der Achter – 1

Erledigt. Das ging ja schneller, als eine neue Füllung einzubringen. Ein weiterer Zahn wartet jedoch noch auf Exhumierung. Der ist groß, sitzt tief, und um 90 Grad gedreht drückt er auf die Wurzel des Nachbarzahnes, dicht am Gesichtsnerv. Der Druck und das Hantieren in meinem Mund nehmen zu. Ich komme mir vor wie eine Klempnerkiste in der gewühlt wird. Höre ich das Geräusch eines Bohrers? Ja, das ist ein Bohrer! Was will der Mann mit einem Bohrer? Und Schwups verschwindet er in meinem Mund. Die Assistentin ist nun eingetroffen und hängt mir den Absaugschlauch in den Mund, gerade zur rechten Zeit.

„Ich habe die Röntgenaufnahmen von Herrn B. noch eben fertig gestellt … aber Sie hätten mich doch rufen können …“

„Ist schon o.k., es ging so …“

Endloses Bohren. Schmerzen. Handzeichen. Nachspritzen. Bohren. Schmerzen. Stöhnen. Handzeichen. Nachspritzen.

„Ich muss den Zahn zerteilen, sonst lässt er sich nicht entfernen.“

Das Bohren wird immer wieder unterbrochen von unglaublichem zerren und drehen und … dann erneut bohren … wann hat das ein Ende? Starkes Bedürfnis zu schlucken. Da ich inzwischen die Augen geschlossen habe, sehe ich nicht wie schließlich die Bruchstücke des zweiten Zahnes aus meinem Mund entfernt werden. Mehrmals wird noch gezogen und gedreht, knacken und knirschen, endlich.

„So, das haben Sie geschafft, der zweite ist auch draußen. Noch einen kleinen Moment. Ich muss nur noch die Wunde nähen.“

Leichte Bedenken, ob auch wirklich alle Bruchstücke entfernt wurden. Ist mir ein Rätsel, wo das alles hin ist, was da abgebohrt wurde.

„Sie bekommen jetzt noch einen Medikamentenstreifen auf die Wunde. Das schmeckt jetzt etwas nach Medizin.“

Fertig. Noch nicht wieder voll aufnahmefähig höre ich im Hintergrund wie mir der Chirurg irgendetwas von einem Tupfer und Antibiotikum erzählt. Die Assistentin entfernt das Tuch, und hilft mir langsam auf. Ich soll einen Moment sitzen bleiben. Ich verstehe.

Als ich zuvor im Wartezimmer saß, kam eine dünne schmächtige Frau in den Raum und lief, wie mir nach einer Weile schien, etwas desorientiert herum, worüber ich mich kurz in böser Vorahnung wunderte. Sie nahm ihre Tasche vom Garderobenständer, öffnete die Tür zum Vorraum und brach zusammen. Das hat mir unheimlich Mut gemacht. Dann hörte ich hörte jemanden herbei eilen, eine Assistentin oder die Dame vom Empfang:

„Machen Sie die Augen auf … machen Sie die Augen auf!!! …“

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