Ξ  Xabu Iborian

Text Fotografie Video Graphitmalerei

Z e i t w a i s e

KommTier! | Auf | | |

Schach Matt

Geordnet im lichten Chaos
Durchs Treibhaus jagend
Den Gang des Lachens
Rückwärts laufend
In den Tag hinein
Im Endspurt
Entgegen dem Vergessen
Winkt fliehend
Lustvoll
Aus unweiter Ferne
Der Schnäppchen Tod
Dem Füllhorn Leben
Die fröhliche Grimasse
Strahlenden Seins
Verdrehender Tüten Schein
Durch das Dunkel Hell
Verschlossener Türen Zufall
Lockend dem Gewinner
Alles
und
Nichts
Gewährend
Was nicht schon gewesen
Jetzt und immerdar
In der Zeit Verlust
Die Wunden
Nur geleckt
Nie geheilt
Ertragen sich
Verbleibende
Stunden rund um die Uhr
Stehend im Galopp
Das blumige Ende
Ziellos erreicht
Auf Händen getragen
Zu Staub gebettet
In Liebe
Der Nächste bitte
Springer, Läufer, Turm
Schach und Matt
.

KommTier! | Auf | | |

Unerwartet

Die ältere Dame mit schütterem weißen Haar.
Drei Jugendliche, die durch Europa reisen.
Die ältere Dame mit grimmigem Gesicht.
Drei Jugendliche, die ein Schlafquartier in Berlin suchen.
Die ältere Dame in ihrem Rollstuhl,
die in Zeitlupe den mint Flur entlang schleicht, vorbei an offenen Türen.
Drei Jugendliche im Zug, auf dem Weg von Amsterdam nach Berlin.
Die ältere, zeternde Dame,
die langsam auf beigem Linoleum Boden den Flur entlang gleitet.
Julia, die des Nachts am Bahnsteig drei Jugendliche begrüßt.
Die ältere Dame, die mir in der Enge des Flurs begegnet.
Drei Jugendliche, die in Julias Zimmer erschöpft zu Bett gehen.
Die ältere Dame, die zögerlich neben mir verharrt, neben der ich verharre,
„Kommen Sie zurecht?“, „Ja, nein, ja …“
Ein schlafloser Jugendlicher auf dem Balkon vor Julias Zimmer.
Die ältere Dame, die mich ansieht, deren Hände sich mir nähern;
die mich ratlos macht.
Der Jugendliche, verträumt in der schwülen Sommernacht Luft.
Die ältere Dame, die mit monotoner Stimme fordert:
„Nun lass Dich doch mal anfassen!“
Zwei Jugendliche, schlafend, in Julias Zimmer.
Die ältere Dame, die mich berührt,
meine Hand, meinen Arm, sanft streichelt.
Der Jugendliche auf der Brüstung am Balkon,
vor dem Zimmer, in dem seine Freunde schlafen.
Die ältere Dame mit dem liebevollen Gesicht.
Der schläfrige Jugendliche, überwältigt von den Sternen.
Die ältere Dame, die meinen Arm kuschelnd an ihre Wange führt
und zärtlich küsst.
Der Jugendliche, ausgestreckt auf Steinplatten.
Der Balkon vor Julias Zimmer in der fünften Etage.
Die ältere Dame, die mich glücklich ansieht und sagt, „Das war schön.“
Die Ärzte, der Jugendliche, das Leben, der Tod.
Die ältere Dame mit gramem Gesicht, die mich sprachlos macht.
Der Jugendliche, der leben wird; ein neues, anderes Leben.
Die ältere Dame, die verbittert in ihrem Rollstuhl den Flur entlang rollt,
vorbei an offenen Türen.
.

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Grenzen Los

Des Hetzen Grenzen
Hetzen Mich
Zu Tode
In Samen
Blühen
Der Unnachgiebigkeit
Sinn
Zerspringt die Welt
In verletzte Töne
An Dauernder
Resonanz
Im freien Fall
Der Seelen
Heulender
Träume Schwingen
Giert das Leben
Leben
In nacktem Aussetzen
Entsetztem Schmerz
Nach Mehr
Im Meer
Der Zeit
Geronnen
Kein Anfang
Ohne Ende
Versklavt im Ich
Durch Spiegel
Schreitend
Unverhüllter Hülle
Erstickend
Last des Seins
Erdrücken
Tanzend zu entfliehen
Entgegen
Verführen
Der Fluchtpunkte
Grenzen
Loser
Freiheit
Zurück
Auf
Gelöst
Im Nichts
Vereinigt
Mit Allem
Im Eins
.

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Dar

Reifend entlang
Nächte Atem
Berührender Angst
Voll Kommenheit
Witzes Glor Reich
Belachter Existenz
Lebendigen Stoffes
Verwehter Zeiten
Sturm Zweifelnder
Gedanken Funken Leere
Zerspringenden Erblühens
In Dir
In Mir
Um Uns
Wirbelnd Verloren
Gefangene
Selbst Bestimmter
Illusion
Vorstellung
Verträglich Zumutend
Geschwächt Abwendend
Seiendes vom Sein
Welches Ist
Immer Ward
Immer Wird
Immer Dar
.

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Ende Erkenntnis

„Wie Sie sicherlich wissen, ist es unmöglich Erkenntnis zu erkennen.
Das heißt, es ist nicht möglich zu erkennen, dass Sie wirklich etwas erkennen, was außerhalb Ihrer selbst liegen könnte.
Dass Sie überhaupt erkennen, ist alles, was Sie mit Bestimmtheit erkennen können.

Und irgendwann findet dieses Erkennen anscheinend ein Ende.
Das heißt, genaugenommen ist dies keine Erkenntnis, die Sie erlangen können.
Denn sollte dieser Zustand des Erkennens tatsächlich zu einem Ende kommen, könnten Sie dies nicht mehr erkennen.

Und wenn Sie dies nun konsequent genug zu Ende denken, genügt das Erkennen ausschließlich sich selbst.
Sie haben keine Möglichkeit, des Erkennens wirklichen Effekt zu erkennen.

Und genau an dieser Stelle, kommt das Konzept des Vertrauens ins Spiel, und damit zwangsläufig auch das Konzept des Willens und das Konzept der Vorstellung.“


Kaskadenteil Chen, „Der Weg“, xib. 2203

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In meinem Raum

Was ist wichtig. Falsche Formulierung. Was macht einen Unterschied. Nicht gleich die oh so schweren Fragen am Anfang. Wieso Fragen? Jene? Was war am Anfang? Warum wirkt Musik? Ja klar, irgendwer hat bestimmt eine klare, heimleuchtende Antwort. So eindeutig wie ein Armleuchter, der dich hinter das Licht führt, anstatt hindurch.

Ist es o.k., so viel Freude wie möglich am Leben zu haben? Ist das der Sinn des Lebens? Man lebt nur einmal, so jedenfalls die Auffassung in meinem Kulturkreis. Ist das mein Kulturkreis, mein Kulturkreis? Wieso Kreis? In sich geschlossen, also nicht offen. Nein, nur so viel Spaß wie möglich haben, reicht nicht, ist ganz nett, aber reicht nicht, ist leer irgendwann, wie ein geschmackloses Lieblingsessen, oder ein versalzenes. Was dann? Anderen helfen, so viel Freude wie möglich am Leben zu haben? Aber wenn es schon für mich nicht in Frage kommt, wieso sollte es für andere? Durchschaubar, nicht wahr? Wenn der Ausschluss den Abschluss schlüssig einschließt bleibt vieles verschlossen, schlussendlich.

Logisch oder? Wer hat die Logik erfunden? Nicht Ricoola! Was, wenn Logik nur eine Projektion des Gewünschten auf das Beobachtete ist. Sich selbst erfüllende Prophezeiung, weißer Schimmel auf dem Nussnugatcremebrot? Ist die ursächliche Wirkung wirklich die Ursache oder ursächlich rückwirkend. Könnte diesen Gedanken verdrängen. Es kommt ja in Frage. Das ist die Frage. Aber ich muss sie nicht unbedingt stellen. Leben wie am Schnürchen, vielen Schnürchen, schnurgerade, schnurstracks in den Himmel oder die Hölle, logisch. Wieso dies oder jenes tun. Wieso tut ihr dies oder jenes? Ihr habt natürlich für alles einen guten Grund, ohne wirklich jemals dahin zu gehen, auf den Grund, den es, hm, vielleicht oder wahrscheinlich gar nicht gibt. Was dann? Ohne Grund kein Halt, Fallen. Fallen überall, wohin man tappt. Tappen im Dunklen, und dann auch noch grundlos. Da kommt einiges zusammen, was nur schwer verdaulich ist, so wie die versalzene Lieblingssuppe halt. Halt. Wo gibt es den noch heutzutage? Wo sind die Grenzen und wer legt sie fest? Spiele ohne Grenzen? Warum tust du das, warum lebst du so? Bist du glücklich? Definiere glücklich. Große Schwester Google hat immerhin 47.900.000 Antworten. Das sollte doch reichen. Macht mich ganz glücklich. Macht macht glücklich? Ein scherzender Glückskeks. Glücklicher Scherzkeks? Ja, das war ein loser Einfall.

Ich gehe nicht immer um anzukommen, setze einen Fuß vor den anderen nach dem anderen immer wieder. Bäume so grün und frisch, fließen vorüber,

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Vom Sein

im Dunkel
Tönenden Schmerzens
Laut Hals
Gebärender
Stein Fliesen
Schnellen
Zäh Flüssig
Benetzte
Vaginen
Smaragd Grüne
Föten
Kristallin
zu Eis
Geschmolzenen
Strahlen
Dreier Sonnen
vom Überschall
Geblendeter
Fakire
im Nebel
Licht Grau Weißer
Nächtigkeit
durch
Vorhänge
Temporären
Alterns
Duftender
Mehl Särge
Blechernd Klangem Stahl
Sich ergießend
in
Rauschend
Blasigen
Strömen

unendlich bunt cremig leuchtender farben meere zärtlich getragen auf haut nah sich berührenden gliedern in einander gleitender ekstase unerträglich süßer glück seligkeit

Schwimmend
Empor
.






Xabu Iborian: Vom Sein (Encapsulated Onset)
Vom Sein

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23

die 23 ist keine zahl
die 23
Ist
die qual
der wal
der heilige gral
wem es gefällt
wird erhellt
illuminiert
verziert
die kunst zu vergeben
heißt nicht
sich ergeben
nicht verzagen
doch ertragen
wagen
woanders
liegt das glück
in deinen händen
die haben
je fünf finger
zum begreifen
mach gebrauch
verspürst den hauch
es heißt zu leben
beständiges weben
zwei plus drei
ist fünf
in diesem
ein pentagram
der sinne
die 23 ist eine zahl
nicht die wahl
der qual
.

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FA

Musik ist Dein
Opium
Macht Dich verrückt
Dein Gehirn ein
Vakuum
wird zerdrückt
schöne Träume
Weine nicht mein Junge
Weine nicht
Dort
Wo es aufhört
geht es immer
Weiter
Schöne Träume
Träume schön
mein Junge
und vergiss nicht
Es werde Licht
verlier nicht Dein Gesicht
wenn es Dir gehört
Denn
Träume sind Schäume
Und Schaum
löst sich auf
zurück bleibt Seife
und die
sticht in den Augen
.

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Schwarz Weiß

Großer Raum
Weiß
Eine Bank in der Mitte
im Kreis
zwei Tischchen
Dunkel
gegenüber dem Spiegel
vier Blumen
rot, grün
blau, blass
verdorrt
Ein Gesicht
mit
Lachen
davor
streicht die Hand über
vom Schein
verdeckte Silbrigkeit
streicht
sich selbst
über
den Tau an der Scheibe
Harmonisch durcheinander
Fotos auf Platten
und Leben
erwacht
Die Tür geht auf
Menschen streben
Hier hinauf
Voll Wonne in die Sonne
lachenden Stimmen
strömt es
füllt sich das Zimmer
froh
Großer Raum
Schwarz
.






Xabu Iborian: Schwarz Weiß (Soothing Depths below Shallow Aerial)
Schwarz Weiß

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Gänsehaut

Das Spiel
aneinander
Vorbeiziehender
Wolken
vor blauem Grund
Gewaltige Schatten
über grünen Hügeln
Lichttunnel strahlen
In die Sonne
blinzelnd
lachend
berühren Regentropfen
mein Gesicht
Hinter dem Horizont
Donnergrollen
Spielende Kinder
unbefangen
Vertieft
In Weltenreiche
Would be nice to have more peace on earth
Frösteln
It’s a pity
to have to go
sometime
To leave behind
all this
To die
Ein lachendes
Ein weinendes
Auge
.

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