Ξ  Xabu Iborian

Text Fotografie Video Graphitmalerei

Z e i t w a i s e

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Gegen Satz

„Ihnen ist jedoch bewusst, dass all jenes, welches Sie als das Innen bezeichnen, allein durch ein Außen begründet ist, welches andererseits erst durch dieses Innen erfahrbar wird, Außen und Innen sich gegenseitig bedingen, Innen und Außen sich ad infinitum wiederholend, untrennbar verbunden, in alle Richtungen erstrecken; letztendlich kein Unterschied besteht, außer dem Begrifflichen, und ganz gewiss kein Gegensatz, zwischen dem sogenannten Außen und dem sogenannten Innen, uns diese vielmehr im Fluss eines unerschöpflichen Quells unterschiedlicher Qualitäten konfrontieren.
[…]
Die Wahrnehmung der Welt in Gegensätzen war eine der Ursachen für jene Entwicklung, die uns und all das was uns umgibt – fürwahr dessen nicht mehr viel – zu dem gemacht hatte, welches wir zurückhaltend mit dem Terminus ‚Die Welt Danach‘ bedachten.
[…]
Die damals seit langem übliche, polarisierende Zuweisung beruhte auf der schon sehr früh forcierten Unterdrückung und gleichzeitigen Verbreitung einer Fälschung der ursprünglichen Bedeutung.
[…]
Das Yin-Yang beschreibt, wie wir heute wissen, nicht das Prinzip binärer, verschränkter Gegensätzlichkeiten – der von langer Hand geführte Wegbereiter digitaler, monokultureller Ermächtigung –, sondern verdeutlicht ganz im Gegenteil die Illusion derselben, und somit auch die Illusion dieser scheinbaren Gegensätzlichkeit; entlarvt die Schimäre des rein Begrifflichen.
[…]
Bis hinein in die Interpretation quantenphysikalischer Ereignisse wurde jedoch erfolgreich versucht, dieses Zerrbild von den Gegensätzen aufrecht zu erhalten.
[…]
Diese das Leben scheinbar simplifizierende und in der Evolution scheinbar vorteilhafte Wahrnehmung scheinbarer Gegensätzlichkeiten durch die menschliche Psyche und deren begriffliche Fixierung, waren ein in der Geschichte des Menschen wohl genutztes Instrument der gezielten Steuerung.
[…]
Lassen Sie sich nicht täuschen, sollten Sie meinen auch in diesem Text Gegensätze und Widersprüche wahrzunehmen.
Machen Sie sich auf den Weg, lösen Sie sich von dieser Jahrtausende alten Konditionierung.

Lesen Sie. Überwinden Sie. Atmen Sie.“


Kate Ryn B. Ohneeh-Chen, „Atme nicht. Sei der Atem.“, exs. 3457

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teich

die forelle durchs nasse feuchte fleucht
der bieber bibbernd mit dem schwanze keucht

libellen lispeln lieblich im sonnenschein
quappen schwappen qualvoll ins land hinein

treibend bloß nur vom trieb getrieben
sich gleitend durch warme säfte wiegen

unter sämig tang schlingernder schlingen
unverhüllt leben umeinander ringen

in tiefem dunkel klamme kälte triefend
vergeblich stoßend sich ergießend

eng umgliedert leid erstaunter leere
entkommt ein letzter puls der schwere


regungslos gelöst erlöst
nur die stille bleibt

und befreiter wille
.

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Realität Kunst

„Kunst wird bestimmt durch den Menschen, durch das Individuum.
Durch das Individuum, und seine Wechselwirkung mit sich und allem anderen.
Kunst ist die durch einen Menschen individuell wiedergegebene Realität der durch diesen Menschen individuell wahrgenommenen Wirklichkeit.

Kunst ist nicht objektivierbar.
Wäre sie objektivierbar, gäbe es keine Kunst.
Es gäbe nur diese eine Wirklichkeit.

Diese eine Wirklichkeit, so wie sie für jene Lebewesen erscheint, die sich ihrer selbst, ihrer Existenz, nicht bewusst sind.
Doch dem Menschen, und nur diesem, ist die Wirklichkeit in einer unendlichen Anzahl Realitäten denkbar, ist Kunst denkbar.“


Esrox Kazen, „Die Realität in der Kunst Wirklichkeit", sch. 2053

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Puppen

Puppen tanzen
Im golden Reigen
Grün getrimmter Blätter
Verkommen
Im rosa Strudel
Unkontrollierten
Verlangens Strom
Sich ergießend
In Abgründe
Der Freude
Lachend Verdrängten
Schmerzens Lüge
Erkenntnis durchdrungen
Von letzter Hoffnung
Dem Ende
Sich bereitend
In weitreichender
Umarmung Gefühl
Aufschwingender Klänge
Im Rhythmus
Unsäglichen Nichts
.

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Text und Kontext

„Leser mussten sich bewusst sein, dass Worte und Wörter in vergangenen Texten einem steten Bedeutungswandel unterlagen in den Jahrhunderten.
Ohne Wissen über den zeitlichen Kontext in dem ein Text verfasst wurde, ohne Wissen über die Bedeutung der Worte und Wörter in dieser Zeit, und ohne Wissen über den persönlichen Kontext dessen, der diesen Text geschrieben hatte, war eine Verortung und ein Kontext bezogenes Verständnis des Textes schlichtweg nicht möglich.
Natürlich stand es frei, jeden Text in einem eigenen, dem eigenen Wissen entsprechenden, unabhängigen Kontext zu interpretieren.
Dies war sogar meistens der Fall, und war ein weiterer gravierender Grund für die sich viral verbreitende textuelle Verwirrung im Kontext dieser Zeit.“


Retina Itop, „Das Wort in Text und Kontext im Wandel der Zeit“, kxt. 3779

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