Ξ  Xabu Iborian

Text Fotografie Video Graphitmalerei

Z e i t w a i s e

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Ich Bin Da (Bin Verkehr)

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Der Wechsel – Wechselspiel – Silvie + Starf – 4

Aus der Ferne, offenbar noch von weit vor ihr kommend, hörte sie jetzt ein gleichmäßiges Zischen, unterfüttert mit einer kräftigen Bassfrequenz, die ihre Innereien in unbehagliches Schwingen versetzte; die sie mehr spürte, als akustisch wahrnahm. Die Intensität beider Klänge verstärkte sich geringfügig, aber stetig.

Vereinzelt sah sie Personen in der Halle, die wirklich von Panik ergriffen schienen, die Münder weit geöffnet und wild mit den Armen rudernd, wodurch sie jedoch nichts erreichten, und von den Nachfolgenden unnachgiebig und unbeachtet einfach weiter geschoben wurden. Alle anderen stierten beinahe glücklich und gelassen geradeaus. Erst jetzt viel ihr auf, das sie keinerlei Stimmen wahrnahm. Sie öffnete den Mund, sprach, schrie, hörte aber nichts.

Zwischen die sie umgebenden Köpfe hindurch gelang ihr ein Blick in die Tiefe der Halle. Sie erschrak, hatte den Eindruck, ihr Puls würde einen Schlag überspringen. Am Ende der Halle, und anscheinend weiter weg, als die Halle lang erschien, klaffte ein gigantisches, düsteres Loch im Gebäude. Sie konnte keinen Himmel erkennen. Gleich einem Schwarm Heuschrecken sah sie die Menschen in der Dunkelheit verschwinden.

Augenblicklich versuchte sie sich mit ganzer Kraft gegen die Bewegung zu stemmen, konnte dem Strom der pressenden, scheinbar bewusstlosen Menge nicht ausreichend standhalten, driftete jedoch immerhin, wie ursprünglich geplant, weiter zum Rundherum. Was, wenn sie daran vorbei trieb? Wann würde sie an der Reihe sein? Ausrasten oder cool bleiben? War das alles ein schlechter Witz? Scheiße. Auf jeden Fall klar bleiben. Beten oder Pumpgun? Keine Frage. Sie rutschte den Rucksack über ihre Schultern und Arme nach vorne, öffnete ihn, und gewahrte aus den Augenwinkeln, wie ein paar Gestalten den Kopf zu ihr drehten. Sie sah auf und schaute in reglose, weit geöffnete Pupillen.

Mit Armbewegungen, die sie nahezu in Zeitlupe ausführte, entnahm sie ihre Pumpgun, schloss den Rucksack wieder, schob ihn sich zurück auf den Rücken, hob die Waffe mit beiden Händen über ihren Kopf, zielte vor sich und … drückte den Abzug. Kein Geräusch. Kein Rückschlag. Die Gestalten folgten mit gebanntem Blick ihrem Tun, zeigten aber zu ihrer Erleichterung keine weitere Reaktion. Sie richtete ihre Augen nach oben und beobachtete, wie das Geschoss aus dem Lauf schwebte und weiter vorwärts durch die Luft kroch. Sie verzog ihren Mund zu einem wabernden, irren Grinsen. Immerhin die Richtung stimmte. Kurzerhand ließ sie die Waffe los und tatsächlich blieb sie frei über ihrem Kopf hängen. Konnte es sein, dass sie noch immer träumte? Stellte sich dir im Traum die Frage, ob du träumst? Würde das Geschoss die Dunkelheit vor ihr erreichen? Entnervt und sprachlos glitt sie am Rundherum vorbei. Der nächste Zugang war weit entfernt.

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Nichtproblem

„Nicht lösbare Probleme existieren nicht.
Nicht lösbare Probleme sind keine Probleme.

Sie sind Nichtprobleme.

Lässt sich ein Zustand nicht in gewünschtem Maße ändern, weder theoretisch noch praktisch, dann ist dieser Zustand, so wie er ist, das Maß der Dinge, die er manifestiert.

Er ist somit ein Nichtproblem.

Ein nicht lösbares Problem, das heißt, ein unerwünschter, jedoch nicht veränderbarer Zustand, ist demnach ein Nichtproblem.

Problematisch ist die Wahrnehmung und der Umgang mit einem Nichtproblem, als wäre es ein Problem.
Doch ein Nichtproblem ist kein Problem.

Probleme sind Nichtproblemen in jedem Fall vorzuziehen.

Oft lässt sich ein Nichtproblem in eine Menge einzelner Probleme zerlegen.
Diese Probleme können dann gelöst werden.
Das ursprüngliche Nichtproblem wird dadurch nicht zwangsläufig zum Problem.“


Sorat Losheut, „Nicht Probleme lösen“, goo. 2531

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Der Wechsel – Verwechslung

Ryka

Beständiges Rauschen und Summen umgab Ryka, überlagert von einem gleichförmigen Stimmengewirr, obwohl niemand direkt mit jemand anderem sprach. Der im inneren Bereich der Ballung typische, durchdringende Geruch, wurde verursacht durch eine Mischung aus den Dämpfen der Synthoküchen, der durch die elektromagnetischen Felder bewirkten Ionisation der Luft und der Ausdünstungen der sich an diesem Ort tummelnden Menschen – überwiegend Verteilernomaden und Händler. Die meisten der Nomaden eilten nur hindurch um einen Zugang herzustellen, oder einen Zugang aufzufrischen. Angeschlossene aus den Türmen waren selten anzutreffen.

Erfahren bewegte sie sich zwischen den dicht an dicht stehenden Händlern und ihren mobilen Verbindern, gewohnt ihr unter dem Ansturm der Zugangsangebote flackerndes Interess zu ignorieren. Niemand sprach sie direkt an. Eine derartige Kontaktaufnahme würde hier auf Ablehnung stoßen. Händler und Verbinder erzeugten ein System, welches nahezu untrennbar war. Sie konnte weder als Verteilernomadin noch als Händlerin identifiziert werden. Kaum jemandem wäre möglich gewesen auf ihren Status zu schließen, selbst dann nicht, wenn er Zugang zu ihrem mehrfach verschlüsselten Genom hätte.

Erneut vergewisserte sie sich, über die Brusttasche ihrer Jope tastend, dass sie die etwa handgroße Folie noch bei sich trug. Vierzehn Jahre waren vergangen, vierzehn Jahre in denen das planetare Netz vorbereitet worden war. Fünf Jahre zuvor hatte sie sich gegen die ursprüngliche Bestimmung entschieden und eine Verbindung aufgebaut. Sie war auf dem Weg, das was sie damals begonnen hatte, heute zu beenden. Gleichzeitig war dies ihr Abschied. Sie würde nie wieder zurückkehren.

Sie hielt inne. Hier musste es sein. Hier, wo das Gedränge am dichtesten wirkte. War es Zufall, dass die Händler sich ausgerechnet an dieser Stelle konzentriert niedergelassen hatten? Linkerhand zwischen zwei Mauern führten schmale Stufen in die Tiefe. Sie blickte um sich. Niemand schien sie zu beachten. Während sie hinab ging, spielten ihre Finger einer Melodie folgend über das Interess, woraufhin sich am Ende der Treppe ein Schott auftat. Sie zögerte einen Moment, blieb vor der Schwelle stehen und drehte sich noch einmal um. Über ihr das Gewimmel von Menschen, die das Interesse an direkter Kommunikation überwiegend verloren hatten. Sie wusste nicht, ob die Aktivierung des Netzes die vorhandenen Tendenzen verstärken, oder ob die neue Dimension eine weitreichende Veränderung einleiten würde. Sollte sie sich geirrt haben, war es immer noch möglich das ursprüngliche Vorhaben fortzuführen.

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Zwei mögliche Sichten auf diese Welt

Herbst.
Später Nachmittag.
Warten an der Fußgängerampel.
Eine Familie.
Zwei Kinder.
Junge und Mädchen.
Das Mädchen hopst heran,
klatscht seine Hand auf den gelben Taster mit den drei schwarzen Punkten.
Der Junge: „Das ist für Blinde, oder?“
Ein Moment vergeht. Wagen halten.
Das Mädchen, hüpfend: „Na, dann spieln wa jetz blinde Kuuuh?!“
Die Ampel schaltet Grün, das Mädchen hopst voraus, über die Straße, auf die andere Seite.

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Stunden Projekt

Hallo Herr W.,

wie von Ihnen angefordert, habe ich in den mir von Ihnen zur Verfügung gestellten Planungskalender, im Excel Format, auf Grundlage des beiliegenden Ausfüllmusters (Tabelle "Muster" - die für die jeweiligen Tage eines Monats rot markierten Einträge), die Vorabplanung meiner geplanten Stunden für den Zeitraum Mai bis Oktober, nicht exakt aber wie gewünscht taxierend, eingetragen.

Nein, selbstverständlich sah ich davon ab, daraus eine Wissenschaft zu machen. Tatsächlich gelang es mir sogar, die 15 Minuten Vorgabe des von Ihnen genannten Kollegen zu toppen. Bis zum Abschluss der Aktion, obschon nicht ganz im von Ihnen vorgesehenen Maße, wie von mir im Folgenden erläutert, waren von meiner Seite aus nur knapp 10 Minuten erforderlich. Das ist ganz klar absolut zumutbar. Ihre Einschätzung diesbezüglich war vollkommen korrekt.

Bei dem Versuch die Urlaubsstunden zu ermitteln, die laut des vorliegenden Ausfüllmusters in der gleichen Form einzutragen seien wie die Tätigkeitsstunden, wurde ich jedoch stutzig. Mir ist nicht wirklich klar, welche Art Eintragung ich dort genau vornehmen sollte, ohne dass ich nun doch die Absicht entwickelte, eine Wissenschaft daraus machen zu wollen, und vor allem, warum? Zumal die Eintragung dieser Werte keinen Einfluss zu haben scheint, auf jene Werte, der auf Basis der eingetragenen Tätigkeitsstunden in den Mappen automatisch berechneten Einträge, und jene Werte der Tätigkeitsstunden keinen Einfluss auf diese Stunden der Nicht Tätigkeit.

Da ich in meiner Eigenschaft als selbstständig handelnder Freiberufler für ein durch Sie vermitteltes Projekt eines Dritten tätig sein werde, und meine Urlaubspläne naturgemäß nicht Teil eines solchen Projektes sein können, sehe ich mich nicht in der Lage, eine sinnvolle Angabe darüber zu machen, für wie viele Stunden ich nicht im Projekt tätig sein werde, an den Tagen an denen ich nicht im Projekt tätig sein werde.

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Stunden Projekt – 2

Sollten Sie hier dennoch Angaben zu den Stunden der Nichttätigkeit benötigen, kalkulieren Sie bitte für die Montage, an denen ich laut nicht erfolgtem Eintrag der Stunden nicht für das Projekt tätig sein werde, die 7,75 Stunden der Montage, an denen ich laut erfolgtem Stundeneintrag für das Projekt tätig sein werde, und für die anderen Tage, an denen ich laut nicht erfolgtem Eintrag der Stunden nicht für das Projekt tätig sein werde, die jeweils 9,00 Stunden der Tage, an denen ich wiederum laut erfolgtem Stundeneintrag für das Projekt tätig sein werde, mit Ausnahme aller Dienstage, an denen ich, wie vorab als Bedingung mitgeteilt, grundsätzlich nicht für dieses Projekt zur Verfügung stehe und ich somit also a priori an diesen Tagen keinerlei Stunden nicht nicht für Sie tätig sein können werde.

Ihr Signal zu meiner Versicherung habe ich dankbar wahrgenommen. Die zeitnahe Zusendung der Vertragsunterlagen, sobald Ihr Auftraggeber die Finanzierung wie von Ihnen beschrieben finalisiert hat, oder aber eine rechtzeitige Projekt Absage Ihrerseits, sofern ihr Auftraggeber zu keinem positiven Abschluss gelangt, würde mich umso mehr freuen. Über das Datum des anvisierten Projektbeginns hinaus, das heißt, in 10 Tagen, kann ich jedoch meine Zusage nicht garantieren. Ich hoffe in dieser Hinsicht auf Ihre professionelle Fairness.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Mit freundlichen Grüßen, K. D.

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Der Wechsel – Blickwechsel – Starf + Silvie (Epilog Dialog) – 29

















„Ich wundere mich. Was geschieht mit meinen Eltern? Welche Konsequenz hat das alles für sie? Für all die anderen?“

„Prinzipiell sie sind immer noch anwesend, nach einem Wechsel. Du möchtest lieber wieder mit Ihnen zusammen sein, mit Deinen Eltern und Deinen Verbundenen? Ich kann das sehr gut verstehen. Ich kann Dich zu Ihnen bringen, wenn das Dein Wunsch ist. Du kannst zu Ihnen wechseln. Dieser Anschluss ist direkt, perfekt und unproblematisch. Er ist wundervoll. Vertraue mir.“

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Der Wechsel – Blickwechsel – Starf + Silvie (Epilog Dialog) – 26

„Wo kommen die alle her? Das frage ich mich auch. Sofern der Trakt vorher evakuiert wurde, kann ein Neuanschluss unmöglich in so kurzer Zeit wieder Vollbelegung erreichen. Ich nehme an, die Appartements waren gar nicht ungebunden, wurden nur als ungebunden übermittelt. Die Angeschlossenen waren noch mittendrin, konnten ihre Bindung nicht lösen. Erst zum Zeitpunkt des Wechselns bekamen sie den Impuls. Würde allerdings bedeuten, PARK hat mich belogen, sofern sie es selber nicht besser wußten. Hätte diese Anfrage echt nicht annehmen sollen.“

„Aber selbst wenn der gesamte Trakt belegt ist, können sie unmöglich stundenlang die Halle füllen, oder? Sie verlassen sie doch am anderen Ende wieder; wohin auch immer. – Die Wand blinkt?“

„Ah, sie ist da. Bin gleich zurück. … Schleuse …“

„Ryka, dies ist Silvana Slevinsky. Silvie, dies ist Rykarma Zèlim.“

„Hallo Silvie. Der Tag an dem Dir Stefan begegnet ist, war Dein Glückstag, so scheint es. Gut für Dich, hier zu sein. Ihm zu folgen, war die richtige Entscheidung. Ich hatte nie Zweifel, dass Du ihn finden würdest.“

„Hallo Ryka, hm, ich weiß nicht. Stefan hat Dir also von uns erzählt?“

„Sicher, – er ist der Überzeugung, der Stamm sollte Dich aufnehmen. Er meint, es wäre auch für Dich von Vorteil.“

„Ja, das sagte er. Aber ich muss darüber nachdenken. Ich bin mir nicht sicher. Im Moment verwirrt mich das alles.“

„Das war es auch nicht, was ich meinte. Was ich meinte war, hättest Du ihn damals nicht kennengelernt, würdest Du heute das Schicksal der anderen Angeschlossenen teilen.“

„Da magst Du recht haben … wahrscheinlich … ich komme da nicht ganz hinterher. Was das alles bedeutet. Die letzten Stunden habe ich noch nicht wirklich durchdrungen.“

„Das ist verständlich. Auch wir wurden überrascht. Eine Frage der Zeit. Alles wird sich klären.“

„Ich hoffe es. – Interessante Klamotten. Habe ich noch nie jemand tragen gesehen. Außer in den Übermittlungen.“

„Hm, danke Dir. Ebenso. Dein Kev sieht sehr sexy aus. Habe ich recht Stefan?“

„Ihr glaubt es nicht … Moment …“

„Wie bist Du hier her gekommen?“

„Mit dem Schifter.“

„Ja, o.k., aber der Zugang zu den Rundherum ist – blockiert. Wie bist Du hier herauf gekommen?“

„Die Türme haben außen Zugänge auf jeder Ebene. Wartung, Technik; das

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Der Wechsel – Blickwechsel – Starf + Silvie (Epilog Dialog) – 28

„Die klobigen Schuhe passen aber nicht wirklich zum Anzug. – Ja, das war meine Idee.“

„Und dann? Weiter zum Stamm, Stefan?“

„Wäre ungeschickt, wenn wir dort zusammen erschienen. Du bringst die Beiden alleine, ich bleibe in der Sub, und dann auf zu neuen Ufern. “

„Halt, Stopp, ich hab mich doch noch gar nicht entschieden. Vielleicht fragt ihr mich erst mal. Und woher wisst ihr, ob Suzan …“

„Du hast recht, aber wo willst Du hin? Dein Turm? Die Türme? In wenigen Minuten Geschichte. Du bist gestrandet. Die Sub?“

„Silvana, hast Du mal darüber nachgedacht, ob eine Welt, in der Du direkt und unvermittelt agieren kannst, nicht eine bessere Welt wäre? Eine Welt in der Du Ideen entwickelst, die direkt und leibhaftig durch Deine Umwelt und die in ihr agierenden Menschen inspiriert werden? Durch Deine unmittelbare Erfahrung mit Deiner Umwelt und in Deiner Umwelt, und nicht nur durch deren Schemen und Abbilder. Eine Welt in der Du eigenständig und leibhaftig voranschreitest, anstatt nur im Anschluss gebunden, geleitet und kanalisiert durch jene, welche den Anschluss und somit Dich kontrollieren? Der Stamm ist sicher nicht die beste Lösung für alle Fragen, aber vielleicht ein erster Schritt. Ein erster Schritt in eine lebendigere Welt. Im wahrsten Sinne des Wortes.“

„Ryka, ist jetzt nicht der rechte Zeitpunkt. Wir klären das in der Sub, gemeinsam mit Suzan. Natürlich ist das Deine Entscheidung, Silvie.“

„Mag sein, wenn ich auch kaum eine Alternative sehe. – Was ist mit Deiner aktuellen Anfrage?“

„Können wir nicht nachher …? – Ich denke, die ist ebenfalls Geschichte. Werde aber nochmal versuchen Kontakt aufzunehmen. Ansonsten, in der Sub kurz abgleiten, Gedanken sortieren, und anschließend meinen Schifter auslösen. Auf gen Norden, in die Berge. Das Biogese Projekt von dem ich Dir erzählt hatte.“

„Was ist das jetzt wieder? Boah, meine Ohren, dieses Fiepen … könnt ihr das nicht abstellen …?“

„Nein, das lässt sich nicht abstellen. Erledigt sich aber in ein paar Minuten von selbst. Keine Panik. Einen Moment länger bleibt der Scanner noch stabil. Wenn das Fiepen allerdings zum Rumpeln wird …“

„Stefan, ich habe darüber nachgedacht. Über das Biogese Projekt. Das klang alles sehr vielversprechend. Deshalb habe ich mir erlaubt, uns dort als Team vorzuschlagen. Sie sind sehr interessiert. Nicht verwunderlich. Wärst Du einverstanden? Nach langer Zeit wieder eine enge Bindung?“

„Sieh einer an. Dominant wie eh und je. Auf Dich ist wirklich Verlass. Wir reden, wenn Du zurück bist. Dann weiß ich mehr. Darf ich die Damen jetzt bitten mir zu folgen? Die Vibrationen …“

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Der Wechsel – Blickwechsel – Starf + Silvie (Epilog Dialog) – 27

Personal. Der Scanner. Im Notfall dienen sie als Evakuierungsschleusen. So oder so, angenehmer als mit dem Rundherum. Ich mag die Dinger nicht.“

„Im Notfall –? … Ich dachte, die Türme würden allein durch uns Angeschlossene und die Verteilung kontrolliert?“

„Innerhalb eurer Wahrnehmung ist das korrekt. Tatsächlich sind sie ein Konstrukt der G-Sporen und somit selbstregulierend. Der Zugang zur Ebene, der Scanner, sie entsprechen im Prinzip dem Implantat. Sie sind die Implantate des Turmes.“

„Konstrukt der G-Sporen? Was meinst Du damit?“

„Mädels, eine gute und eine schlechte Nachricht.“

„Kindskopf.“

„Und Du trägst immer noch diese altertümlichen, unpraktischen Anzüge, Rykarma?“

„Wie es der Anlass erfordert, Stefan. Diese Anzüge haben Stil, Stil und Würde. Im Gegensatz zu Deinem – Body, und Deinen – Armreifen.“

„Kann ich nicht ändern, muss ich wohl noch eine Weile länger tragen. Du hast Dir die Haare gefärbt?“

„Stefan, die gute Nachricht, die schlechte Nachricht?“

„Steht Dir aber. – Die gute Nachricht, Halle und Rundherum sind frei. Die Wechsel sind nicht mehr wahrnehmbar, weder ungefiltert, noch über den Scanner. Anzahl der Angeschlossenen im Turm: Null, sofern auf die Daten Verlass ist. Die schlechte Nachricht, der Turm bereitet eine substantielle Lösung seiner Bindung vor. Das ist neu. Eigentlich hochinteressant. Ehrlich gesagt war mir nicht bewusst, dass das überhaupt möglich ist. Bereichsweise, sicher, aber der ganze Turm? Sofern die Anzeichen korrekt sind, und ich halte sie für korrekt, sollten wir den Turm jetzt verlassen, möglichst bevor er mit der Auflösung beginnt.“

„Der Turm löst sich auf. Noch mehr irre Neuigkeiten?“

„Die G-Sporen desintegrieren, korrekt. Da ist vieles, was ich Dir noch nicht erklären konnte. – Ryka?“

„Wie ist die Situation in den anderen Türmen?“

„Hab nicht erneut alle überbunden. Schätze aber, die Werte sind dort dieselben wie schon zuvor.“

„Globaler Exodus der Angeschlossenen und anschließend Zerstörung der Türme? Nur Verteilernomaden, Nomaden und Subs sind nicht betroffen?“

„So sieht es aus. Die Rolle der Verteilernomaden? Das war mir nie ganz klar.“

„Vielleicht haben wir sie tatsächlich unterschätzt. Doch das war nicht unser Thema, nicht vorrangig. Der Schifter ist vorbereitet. Wir tauchen in die Sub und treffen diese Suzan Cohen-Fish. Deinen zweiten Fang.“

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Der Wechsel – Wechselspiel

Jochen + Klang + Starf

Versunken in Gedanken, ging er den Flur hinunter. Vorbei an den ehemals leeren Räumen, in die er nun unbewusst hinein blicken musste, am Rande wahrnehmend, dass diese sich wieder mit Norminventar füllten. Die Zips produzierten zuverlässig wie zuvor.

Bezüglich Starf hatte er ein merkwürdiges Gefühl und fragte sich, ob nicht doch sein Bruder hatte entführt werden sollen, die Verwechslung nur inszeniert war. Oder hatten sie alles inszeniert? Doch warum? Zweifellos war PARK über jede Bewegung seiner Mitarbeiter informiert. Sie mussten wissen, dass er mit Starf Kontakt aufgenommen hatte und dass sein Bruder das Appartement bewohnte. Einen Sinn ergab dies alles nicht.

Er sah nach hinten, die drei hatten den Raum noch nicht verlassen, betrat die Halle, schloss die Tür und studierte den Minkow. Zögerlich lief er in Richtung Rundherum. Es war ungewöhnlich, aber der Anzeige nach zu urteilen, musste das Objekt sich noch im Gebäude befinden. Zumindest zeigten sich diesmal keine der Rhythmen, wie sie üblicherweise bei einem Wechsel auftraten. Wenn es sich denn um Ortswechsel handelte. Schließlich vermuteten sie dies nur.

Aus den Aufzeichnungen hatte sich zwar bisher jedes Mal problemlos der neue Standort ermitteln lassen, was die These vom Wechsel plausibel erschienen lies. Prinzipiell hätte es aber auch jeweils eine Signatur mit Verweis auf ein weiteres Objekt sein können.

Er entschied sich zu warten, bis die drei das Gebäude verließen. Sofern das Objekt noch da war, musste es sich über die Folie aktivieren lassen. Er spielte kurz mit dem Gedanken zum Stamm zurückzukehren, um den Minkow intensiver zu analysieren und die anderen über die aktuellen Vorfälle zu informieren, verwarf ihn aber rasch wieder. Warum schien Starf so desinteressiert? Er hatte erwartet, sein Bruder würde mit ihm kommen, nach dem was vorgefallen war. Stattdessen blieb er bei dieser Nomadin und seiner aggressiven Exbeziehung. Nun gut, wahrscheinlich hatte er mit beiden noch etwas zu klären. Sein Ding.

Verdammt, falls PARK das Gebäude unter Kontrolle hatte, waren sie über jede ihrer Aktivitäten informiert. Sollte er doch besser zum Stamm zurückkehren? Er sah sich um. Scheiß Gefühl. Andererseits war die Verteilung längst nicht fehlerfrei. Für sensible Informationen würde auch PARK die Pseudon oder eine persönliche Übermittlung vorziehen. Anscheinend hatte sich jedoch noch niemand hierher bemüht, und entgegen dem was er vorhin gesagt hatte, hegte er Zweifel, PARK könnte einen Turm wirklich umfassend kontrollieren, geschweige denn eine lückenlose Überwachung des Stammes realisieren.

Es bestand die Möglichkeit das Objekt endgültig zu verlieren, wenn er jetzt wieder zurückkehrte. Nein, er änderte seinen Entschluss nicht.

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Der Wechsel – Blickwechsel – Starf + Silvie (Epilog Dialog) – 25

„Hör auf damit. Bin ich für PARK und den Stamm unterwegs, oder Du? Was ist mit den Wächtern? Den Nomaden? Dem Stamm?“

„Das meinte ich gerade. Die Sache ist folgende. Nicht nur hier im Turm wird intensiv geschwuppt. Das sieht nach keiner nur lokalen Anomalie aus, wenn es denn so einfach wäre. Das ist ganz offenbar ein globales Phänomen, das alle 27 Ballungen betrifft. Ich nehme an, der Stamm ist inzwischen informiert. Doch was sollen sie tun? Das Trauma wiederholt sich. Schon vor dem Brand waren sie zu passiv. Sie hätten das kommen sehen müssen. Sie hätten ihre Sache stärker forcieren müssen. Sie hätten umfangreicher rekrutieren müssen. Sie hätten Vorbereitungen treffen müssen. – Stattdessen sitzen sie im Kreis herum und halten Händchen, und betrachten die Wechsel als rein technische Erscheinung.“

„Und PARK?“

„Kann ich nicht sagen, bekomme keine Verbindung mehr hin. Diese Entführung, die in Richtung PARK weist, die ergibt ebenfalls keinen Sinn. So wie die Situation sich entwickelt hat … ich denke, Park wurde ebenfalls überrascht. Es gab Andeutungen, doch Informationen die auf ein Ereignis dieses Umfangs hätten schließen lassen, kamen nicht von ihnen. Keine Ahnung warum geschieht, was geschieht. Nicht mal ansatzweise. Vielleicht ein Freak of Simulation im Zusammenhang mit den G-Sporen. Länger im Turm bleiben ist keine Option. – So schnell kann sich eine sinnvolle Auswahl möglicher Handlungen einschränken. – Suzan und ich, wir wollten uns im Nachbrand treffen, nachdem ich hier abgeschlossen habe. So wie die Dinge stehen, kommst Du am besten mit und wir sehen dann weiter. Bin mir nicht sicher, ob sie da sein wird. Ich denke aber schon, sofern ich mich nicht gänzlich in ihr getäuscht habe. Vielleicht sogar in Begleitung von Josey. Aber wirklich sicher bin ich mir nicht bei ihr. Nicht so sicher wie bei Dir.“

„Ich meinte auch nicht in diesem Turm. Ich meinte, in meinem Appartement. Macht wohl keinen Unterschied mehr, wenn ich Dich richtig verstanden habe. Weiß sie denn? Wer ist Josey?“

„Von mir nicht, noch nicht, doch das war letztendlich die Idee.“

„Wie kommen wir jetzt raus aus dem Turm?“

„Nicht mehr durch die Halle.“

„Und?“

„Sie müsste gleich eintreffen.“

„Wer müsste gleich eintreffen?“

„Meine Partnerin. Von der ich Dir vorhin erzählte.“

„Oh.“

„La Grand Dame d‘Organisation. Ich bat sie, uns abzuholen.“

„Besteht denn das Problem in der Halle noch? Wo kommen die alle her?“

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Der Wechsel – Blickwechsel – Starf + Silvie (Epilog Dialog) – 24

den Scanner, kann ich ein Loch in der Hallenwand oder Deine Schweberei bestätigen. Nicht dass das tatsächliche Geschehen da draußen weniger ungewöhnlich wäre. Silvie, hörst Du mir überhaupt zu? Die Abseitigen, das ist ein Bild, welches in der Übermittlung gezeichnet wird. Das Bild von Menschen wie Julian und all den anderen, bei denen Symbiose und Simulation sich anders auswirken, als bei denen, die dieses Bild verbreiten.

Ja, das war natürlich nicht ernst gemeint. Ich bringe Dich hier raus. Nur wohin? Zurück in Deinen wahrscheinlich ebenso leeren Turm?“

„Ich werde sie Dir zeigen, – hier, das ist eine Pump …“

„Hm?“

„Du manipulierst mich! Oder jemand hat das Teil vertauscht. Ich besitze keine Schaller!“

„Auch das ist ungewöhnlich. Angeschlossene besitzen in der Regel nichts. Die Ursache für Deine veränderte Wahrnehmung ist mein Implantat, insofern manipuliere ich Dich, oder besser gesagt ich manipuliere die Manipulation. Kann ich aber nicht lange für uns beide aufrechthalten. Schau.“

„Immer noch Schaller.“

„Blinzel!“

„Pumpgun.“

„Sieht so aus, aber glaube mir, sobald ich mich aus der Simulation ausklinke, sehe ich wieder eine Monoschaller. Weil, es ist eine Monoschaller.“

„Wie kannst Du Dir da so sicher sein? Oder Du willst Dich besonders geschickt um die Bits drum rum manövrieren, die Du mir schuldest.“

„Oh Silvie, was für ein unnötiger und grotesker Aufwand. Spüre in Deinem Interess nach, die Bits sollten inzwischen generiert sein. Davon abgesehen, am Ende kommen wir unweigerlich auf die Vorgänge in der Halle zurück, Deine anderen ungeklärten Erlebnisse heute und die Tatsache, dass Du mit mir im Scanner sitzt. Nein, es war genau anders herum. Ich war mir ziemlich sicher, dass Du früher oder später auftauchen würdest, wegen der Bits, zumindest vordergründig. Aber was ich auch sage, an dieser Stelle haben wir tatsächlich ein Problem. Du hängst in einer mehrfachen Bindung. Auflösen kannst Du die nur, wie Du selbst so schön formuliert hast, wenn Du darauf vertraust, was andere Dir erzählen, was ich Dir erzähle.“

„O.K.. Kann ich da ein paar Nächte drüber schlafen? Mir platzt der Kopf. Hier drinnen gibt es keine Übermittlung, oder?“

„Witzig. Nein. Aber um auf Deine Frage zum Verschwinden der Angeschlossenen zurückzukommen. Die Frage ist nicht einfach zu beantworten. Aktuell spricht alles dafür, dass sie, wie hast du gesagt? Das sie wirklich durch die Wechsel schwuppen. Nicht durch die Wand, aber durch die Wechsel.“

„Sollten wir dagegen nicht etwas unternehmen?“

„Ähm, was schwebt Dir vor?“

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Die imperative Hypothese des kategorischen Pfeifenbläsers

In einem Café mitten in Berlin, das Moleskine Notebook aufgeklappt auf dem Tisch vor der raumhohen Verglasung, den Stift in der einen Hand, die Tasse Cappuccino in der anderen. Nahezu salzloses Wasser fließt meinen Oberkörper hinunter, in einer Menge, die in keinem Verhältnis steht, zur relativ trockenen, luftgekühlten Haut der letzten zweieinhalb Stunden, der letzten 45 km im Sattel bei 38 Grad im Schatten – der Bereich zwischen Sattel und Ritze nicht eingerechnet – und einer zur Hälfte über meinem Kopf entleerten Flasche Wasser. Die Luft ist kühl, der Kaffee ist heiß. Auf der anderen Seite der Glasscheibe, nur wenige Meter entfernt von hitzeresistenten, im schwülen Freien weilenden Gästen, erhebt sich eine Baustelle im Schatten des Papstes Rache. Im Blickfeld streichelt eine Frau zärtlich, rhythmisch die auf ihrem Tisch liegende Tastatur. Sonntagabend. Die Stadt scheint menschenleer. Flucht vor der Hitze oder dem vorgewarnten Sturm, der jedoch nicht kommen mag, oder der letzten Fallout Warnung, die mir entgangen ist. Im Hintergrund spielt Bowies „The man who sold the world“. Rechts neben mir nimmt ein junger Mann in himmelblauem Stretch-T-Shirt Platz, verkabelt mit obligatem Ohrhörer, vertieft in seinen smarten Identitätsscanner, den er vor sich ablegt; kein Getränk für ihn. Das wässrige Sekretieren lässt langsam nach. An der Innenseite meiner eben noch vollen Tasse hängen ein paar wahrscheinlich leckere, aber kaum erreichbare Milchschaumreste. Spricht der junge Mann zu seinem Apparat? Ein kurzes Vibrieren erfasst den, sich über die gesamte Länge der vollverglasten Caféfront erstreckenden Stehtisch. Der Junge, in Richtung Vibrator gebeugt, scheint diesen tatsächlich immer wieder kurz anzusprechen. Links und rechts hinunter am Tisch entlang verteilt, stieren sieben der zwölf dort gebeugt Weilenden auf ihre handlichen Befriediger. Am Tisch neben der zärtlich fingernden, auf eine flickernde Oberfläche vor sich hin starrenden Frau, unterhalten sich tonlos drei Frauen, während sie, ihre Schminkgeräte fixierend, auf diesen herumgesteln. Die Welt hat definitiv an Faszination gewonnen. Die Menschen sind informierter, gesünder, fitter, glücklicher, zufriedener, sie leben länger, haben mehr freie Zeit, zeugen mehr Nachkommen? Zugegeben, nicht alle Menschen, nicht all dies in gleichem Maße. Mehr oder weniger auf Kosten derer, die nicht gesünder und zufriedener länger leben, doch nicht weniger, wenn nicht noch mehr Nachkommen zeugen?

Prinzipiell steht es jedem frei, nachhaltige Produkte aus fairem Handel, statt kurzlebigem Ausbeutergut zu erwerben und zu verwenden, sich für ein auf Nachhaltigkeit bedachtes Finanzinstitut zu entscheiden, anstatt für ein rücksichtslos Investierendes, ja innerhalb der Stadt gehend, die eigenen

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