Ξ  Xabu Iborian

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Z e i t w a i s e

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kakao schwimmer

stürmeerwischt in gepflügtenen eiligenheiten reigen wir uns von gegeneinanderer im zaum gehaltener hineingaben verschronnen vor dem kuntergrund trapetzerie wandelnder diesbezüge überfallenem jenseits vertrunken im partrickelndem seinschein splitterbuntem graureifs dich erspürend in pulserierenden gravuren deiner wunderwärmend lebendigen hand in hand über hand unter hand fest ineinander gleistend im ström regelent brassender witterwinderungen verschlungernder pfaden deiner stimme flauschig schwerenden samtfühlerungen gehörig - oh der umklang deiner stimme dieser stimme die mich sänftig herb fesselnd auflöst auflösend fesselt von moment zu moment von augenblick zu augenblick - der im widerstand meiner entschlossenen lippenhäute erregende andruck deiner prickelnde feuchte in meinen gemächtlich zöglichterloh nachgiebenden mund pressenden zunge nassrauhen lustfleisches kitzeln - dann die zeit die zeit die zeit die zeit in stillen gravuren deiner wundersam kühlenden hand verschollene gedanken an die geringerung der umhangenden zerrinnerung verrauntet im schlachentrief der gegebenenden unvergeblichtenen versinndet in dinglichtungen unendlichter ringschlüsse lichter dunklingenden - nein kein letztes mal der wärmende duft deiner weichenden nacken härchen

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Rückkopplungspfeifen

„Da eine Seele nicht existiert, sind auch Gut und Böse nicht existent. Allein durch das überreizte und fehlentwickelte Feedbacksystem im Gehirn des Homo Sapiens erscheinen diese Aspekte real. Der betäubende Effekt einer extrem schrillen Rückkopplung. Das ‚Ich‘ eine Illusion, der Homo Sapiens eine Rückkopplungspfeife.“


Quantram Fasklin, „Über den Homo Sapiens“, sri. 4007

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Alles ist Eins

„Machen Sie sich bewusst, dass Sie nicht nur Eins sind; machen Sie sich bewusst, Sie sind eine Vielzahl; unter anderem, eine Vielzahl von Zellen, die in unablässigem Informationsaustausch zueinander stehen, permanent kommunizierend, in fortwährender Bewegung.

Wäre dies nicht der Fall, würden Sie, diese Vielzahl, im wahrsten Sinne des Wortes zerfallen, nun, früher oder später ist dies der Zustand, den zweifellos jeder Mensch erreichen wird, der Zustand, zu dem er unaufhaltsam hin fortschreitet.

Versuchen Sie einmal sich diese vielen Zellen vorzustellen, diese vielen Zellen die Sie sind, versuchen Sie es intensiv, betrachten Sie Ihren Körper dabei.
Und dann, versuchen Sie sich vorzustellen, aus welchen Stoffen diese vielen Zellen bestehen mögen, und wie ohne Nachlass und zu jeder Zeit und überall in Ihrem Körper, diese Stoffe sich bewegen und miteinander austauschen.
Gehen Sie anschließend eine Dimension tiefer, auf die Ebene der Teilchen, welche diesen Stoffen resonant Existenz verleihen. Die Teilchen und Wellen mit denen Sie unaufhörlich schwingen, die Ihnen Masse und Energie verleihen.

Erweitern Sie nun Ihre Perspektive, sehen Sie auf und gehen Sie den gleichen Weg mit allem, das Sie außerhalb Ihrer selbst wahrnehmen, mit all dem, dessen stetig kommunizierender Bestandteil Sie in Ihrer Vielzahl selbst sind.

Und schließlich, machen Sie sich bewusst: e = m * c2
Masse und Energie sind Eins.
Sind Schwingung.“


Kaskadenteil Chen, „Der Weg“, xib. 2203

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Ende Erkenntnis

„Wie Sie sicherlich wissen, ist es unmöglich Erkenntnis zu erkennen.
Das heißt, es ist nicht möglich zu erkennen, dass Sie wirklich etwas erkennen, was außerhalb Ihrer selbst liegen könnte.
Dass Sie überhaupt erkennen, ist alles, was Sie mit Bestimmtheit erkennen können.

Und irgendwann findet dieses Erkennen anscheinend ein Ende.
Das heißt, genaugenommen ist dies keine Erkenntnis, die Sie erlangen können.
Denn sollte dieser Zustand des Erkennens tatsächlich zu einem Ende kommen, könnten Sie dies nicht mehr erkennen.

Und wenn Sie dies nun konsequent genug zu Ende denken, genügt das Erkennen ausschließlich sich selbst.
Sie haben keine Möglichkeit, des Erkennens wirklichen Effekt zu erkennen.

Und genau an dieser Stelle, kommt das Konzept des Vertrauens ins Spiel, und damit zwangsläufig auch das Konzept des Willens und das Konzept der Vorstellung.“


Kaskadenteil Chen, „Der Weg“, xib. 2203

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Mein Symbiont der Pilz[1]

Seit fünf Jahren lebe ich in Symbiose mit einem Pilz. Wenn es denn ein Pilz ist. Ich kann da nichts Auffälliges sehen. Nur ab und zu fühlen. Ein rohes Rau, unter und zwischen den drei äußeren Zehen am linken Fuß. Und ein Jucken, oh, was für ein Jucken, das ich gelegentlich befriedigen muss. Welch Wonne, welch Zehorgasmen; ein wahrlich Neurotransmitter Gewitter.

Jucken, Reiben bis die Haut platzt, Zehorgasmen, rohes Fleisch, Schmerzen, temporäre Heilung. Ein wundervolles Gefühl, mit dem Fuß den Rand der Bettdecke zwischen den Zehen zärtlich bis ekstatisch hindurch zu ziehen, immer wieder, bis die Juckreizbefriedigung, diese brennend süße Empfindung, übergeht in sanfte Qual; mich treiben bis fast zur Benommenheit, die Bewegung immer wieder dosiert, im Wechsel zurücknehmend und intensivierend, bis an die Grenze zum plötzlich schneidenden Schmerz, der das Spiel dann abrupt beendet. Ich bin kein Masochist, nicht bis ins Letzte. Das mit der Bettdecke, das erfordert Geschicklichkeit und Gewandtheit, ebenso wie guter Sex. Aber wer braucht schon Sex, wenn er einen Pilz hat. Mit einem Fuß das untere Deckenende greifen und gespannt zwischen den Zehen des anderen Fußes langsam aber bestimmt hindurch streifen. Göttlich. Wahnsinn. Über viele Monate hinweg zieht er sich oftmals zurück, der Pilz, wohin auch immer, kein Juckreiz, nichts – bin dann schon fast entwöhnt –, und keimt doch spontan, erneut wieder auf.

Weshalb sollte ich ihn verdrängen, aufgeben, beseitigen? Dem Pilz mit chemischer oder biologischer Kriegsführung den gar ausmachen, ihn niederpinkeln oder im Öl ersaufen? So ein zurückhaltender Freudenspender, begnügt sich mit dem Platz zwischen meinen drei Zehen, gönnt mir Ruhepausen, beansprucht mich nie zu viel. Er weiß wohl genau, er würde mich andernfalls nicht überleben oder würde sich um seinen Wirt bringen, was für ihn auf das gleiche hinaus liefe; im Megadauerzehorgasmus oder einer saftigen Blutinfektion dahinscheiden. Nein, bis aufs Blut haben wir uns bisher nicht getrieben. Eine Entzündung blieb auch aus. Und, vielleicht, eine ungewöhnliche Sicht, ich weiß, aber vielleicht tut er mir noch mehr Gutes. Was das sein könnte? Keine Ahnung. Freigesetzte Hormone, Enzyme, Chemikalien, Halluzinogene, Antibiotika? DNA Erweiterung? Ausscheidung, Synthese oder Katalyse welcher Art auch immer? Durch ein Zusammenspiel von Pilz, Haut und Reizung? Bewusstseinserweiterung durch Fußpilz? Blutegel en miniature? Immunsystembereicherer? Hat das schon einer erforscht? Fußpilzernte? Eine glückliche Symbiose, hier Protokooperation oder Mutualismus, kann nicht schädlich sein. Würde ich freiwillig meine Darmbakterien abtöten? Und auf Ebene der Zelle betrachtet? Symbiosen soweit das Mikroskop vergrößert. Leben und leben lassen, statt leben und sterben lassen. Und wenn er sich doch irgendwann endgültig verabschiedet? Oder zum Parasiten mutiert? Ich werde das überleben, mit Sicherheit, ich und die Milliarden anderer Lebewesen die ich bin, ich, der ich nur zum geringsten Teil humane DNA bin.

Sommer, er ist wieder auf Reisen, oder so. Mehr Zeit für Harm losen Sex.

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Fluids

“If you think about it, to squirt fluids – bodily liquids –, no matter how or what kind, always induces some form of orgasm feeling.
That is because a part of us is leaving, is parting, spontaneously.
It is the orgasmic pain of, in some cases anticipated but nevertheless always sudden, separation.”


Jantan Rulethum, “Reconfiguration of artifical life”, rep. 3331

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Ziehung der Achter

Ein blaues Tuch mit einem Loch, das meinen Mund frei zugänglich lässt, wird über mein Gesicht gelegt. Unheimlich. Ich kann gerade noch erspähen was als nächstes passiert, da das Tuch an den Seiten meiner Nase leicht angehoben ist, so dass ich darunter hindurch sehen kann.

„Das Tuch ist notwendig, weil es sehr hell wird. Sie werden sonst geblendet.“

Die Leuchte über dem OP-Tisch. Augen geschlossen halten würde doch auch helfen? So nehme ich an, das Tuch erfüllt noch einen anderen Zweck. Ich fühle mich wie kurz vorm erschossen werden. Nicht dass ich dieses Gefühl irgendwie mit Erfahrung belegen könnte. Meinem Mund nähert sich jedoch nur eine flexible Kanüle. Stiche in Zahnfleisch und Gaumen. Gefühllosigkeit in Zunge und rechter Mundhöhle stellen sich ein. Husten. Unangenehme Hilflosigkeit im Mund.

„Sie brauchen keine Sorge haben, Sie könnten ihre Zunge verschlucken. Es sind nur die Gefühlsnerven betäubt, nicht die Muskulatur.“

Das muss einem ja gesagt werden. Also versuche ich Ordnung im Mund zu schaffen, ohne ein Gefühl dafür zu haben. Ich gebe auf und überlasse die Zunge sich selbst. Es funktioniert. Später bin ich froh, dass ich was nun folgt nicht von außen beobachten musste. Übelkeit wäre der geringste Effekt gewesen. So liege ich gemütlich verspannt auf dem Tisch und vermisse die Assistentin, die mir die Flüssigkeiten aus dem Mund absaugen soll, als ich sehe, wie sich schon das Skalpell von oben nähert und unten wieder aus meinem Blickfeld verschwindet. Cool der Mann. Kein Schnitt zu verspüren, aber leicht süßlicher Geschmack. Keine Ahnung welche Instrumente dann noch im Spiel sind. Alles was ich wahrnehme, ist ein extremes Zerren und Drücken am Kiefer.

„Haben Sie Schmerzen? Nein? Gut. Was Sie spüren ist nur ein starker Druck. Wir müssen hier manchmal ungeheure Kräfte aufwenden, wissen Sie?“

Jetzt weiß ich es. Da ich diesen Weisheitszahn noch nie gespürt habe, denke ich im ersten Moment, der Chirurg macht sich am Zahn daneben zu schaffen. Kurze Panik. Weiß er worum es geht? Blödsinn, klar weiß er. Wir haben ja vorher die Röntgenaufnahmen angesehen. Der Druck lässt nach. Etwas Blutiges verlässt meinen Mund.

„Der erste ist jetzt draußen. Alles o.k.?“

Ich bestätige mit den Händen. Eine Winznadel mit Faden daran schwebt von Chirurgenhand geführt in meinen Mund. Es fühlt sich an, als ob ich ein Stück Stoff halte und während des Nähens das Ziehen und Rucken des Fadens wahrnehme; oder wie beim Zunähen eines gespickten Hähnchens.

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