Ξ  Xabu Iborian

Text Fotografie Video Graphitmalerei

Z e i t w a i s e

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Unerwartet

Die ältere Dame mit schütterem weißen Haar.
Drei Jugendliche, die durch Europa reisen.
Die ältere Dame mit grimmigem Gesicht.
Drei Jugendliche, die ein Schlafquartier in Berlin suchen.
Die ältere Dame in ihrem Rollstuhl,
die in Zeitlupe den mint Flur entlang schleicht, vorbei an offenen Türen.
Drei Jugendliche im Zug, auf dem Weg von Amsterdam nach Berlin.
Die ältere, zeternde Dame,
die langsam auf beigem Linoleum Boden den Flur entlang gleitet.
Julia, die des Nachts am Bahnsteig drei Jugendliche begrüßt.
Die ältere Dame, die mir in der Enge des Flurs begegnet.
Drei Jugendliche, die in Julias Zimmer erschöpft zu Bett gehen.
Die ältere Dame, die zögerlich neben mir verharrt, neben der ich verharre,
„Kommen Sie zurecht?“, „Ja, nein, ja …“
Ein schlafloser Jugendlicher auf dem Balkon vor Julias Zimmer.
Die ältere Dame, die mich ansieht, deren Hände sich mir nähern;
die mich ratlos macht.
Der Jugendliche, verträumt in der schwülen Sommernacht Luft.
Die ältere Dame, die mit monotoner Stimme fordert:
„Nun lass Dich doch mal anfassen!“
Zwei Jugendliche, schlafend, in Julias Zimmer.
Die ältere Dame, die mich berührt,
meine Hand, meinen Arm, sanft streichelt.
Der Jugendliche auf der Brüstung am Balkon,
vor dem Zimmer, in dem seine Freunde schlafen.
Die ältere Dame mit dem liebevollen Gesicht.
Der schläfrige Jugendliche, überwältigt von den Sternen.
Die ältere Dame, die meinen Arm kuschelnd an ihre Wange führt
und zärtlich küsst.
Der Jugendliche, ausgestreckt auf Steinplatten.
Der Balkon vor Julias Zimmer in der fünften Etage.
Die ältere Dame, die mich glücklich ansieht und sagt, „Das war schön.“
Die Ärzte, der Jugendliche, das Leben, der Tod.
Die ältere Dame mit gramem Gesicht, die mich sprachlos macht.
Der Jugendliche, der leben wird; ein neues, anderes Leben.
Die ältere Dame, die verbittert in ihrem Rollstuhl den Flur entlang rollt,
vorbei an offenen Türen.
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Bittersüß

Gewidmet E. M., R. M., R. G. und P.

Der folgende Dialog findet statt in einer kühlen, regnerischen Spätsommernacht in den Alpen, auf der Rückfahrt von Trient nach Berlin, in einem alten Zug, dessen Fenster innen beinahe ebenso stark beschlagen, wie sie außen der Fahrtwind mit fließendem Wasser überzieht. Anwesend sind zwei Jugendliche, dicht beieinander sitzend auf dem feuchten Boden im Übergangsbereich zwischen den Abteilen, an Rucksack und Isomatte lehnend, in leichter, klamm an der Haut klebender Bekleidung und mit klitschigen Haaren, ein roter Taschenkalender mit der Aufschrift „Frieden ‘82“, darunter gemalt ein arabisch anmutendes Zeichen, ein Kugelschreiber, und weitere Fahrgäste. Kalender und Stift werden zwischen den beiden jungen Erwachsenen hin und her gereicht. Niemand spricht. Die Stille ist erfüllt von den Klängen über die Gleise rollender, eiserner Räder und an die Glasscheiben prasselnder Regentropfen.

„Also, Du hast keine Lust, wieder mal; wie soll ich denn dann jemals mit Dir über das reden können, was mich bewegt? Wie Du siehst, bin ich schon nicht mal mehr fähig, die Sache mündlich zu klären. Soll ich überhaupt?“

„Es ist 00:38. Seit 5 Nächten habe ich zu wenig Schlaf gehabt. Wo soll da noch Lust her kommen? Das ist ja wohl in den letzten Tagen oft deutlich geworden! Oder? Den Mut zum Reden musst Du selber aufbringen. Alles oder Nichts. Wenn Dir die Sache wichtig erscheint, wirst Du wohl reden müssen, oder bleibt noch eine andere Wahl?“

„Ja, in Melancholie dahin zu dämmern. Du weißt alles? Du weißt Nichts! Zumindest was meine Sache betrifft. Es ist mir wichtig, sonst würde ich hier nicht neben Dir sitzen. Die Probleme, die Du bei P. hattest, sind nichts gegen die Probleme, die ich bei Dir habe, da mein Problem etwas anders gelagert ist. Teil meines Problems ist es aber, dies nicht genau zu wissen.“

„Ich kenne Deine ‚Krankheit‘ sehr wohl, eben wegen P. Oder zumindest kann man Parallelen erkennen. Das Deine Probleme anders gelagert sind? Mag sein! Bei der Vielfalt der Probleme, die ich mit P. hatte, kann ich mir das nicht vorstellen. Vielleicht in Nuancen. Was man nicht weiß, muss man erlernen. Kommt Zeit, kommt Rat. Eine traurige, aber bittere, wahre Erfahrung. Meine Konsequenz aus der Sache mit P. ist eben das, was Dich scheinbar belastet. Aber ich bleibe meinem aus tiefster Erfahrung gewonnenem Prinzip treu. Vielleicht wirst Du das erst später, nach eigenen Erfahrungen, verstehen!“

„Ja, aber dann wirst Du ja nie wieder mit irgendeiner Person engeren Kontakt bekommen. Ich weiß nicht, ob Du auf das was jetzt kommt,

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FA

Musik ist Dein
Opium
Macht Dich verrückt
Dein Gehirn ein
Vakuum
wird zerdrückt
schöne Träume
Weine nicht mein Junge
Weine nicht
Dort
Wo es aufhört
geht es immer
Weiter
Schöne Träume
Träume schön
mein Junge
und vergiss nicht
Es werde Licht
verlier nicht Dein Gesicht
wenn es Dir gehört
Denn
Träume sind Schäume
Und Schaum
löst sich auf
zurück bleibt Seife
und die
sticht in den Augen
.

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Verlangen

Der Vogel auf dem Ast
sitzt dort ohne Hast
und wer weiß
wohin er blickt
während der Mond
hinter Wolken
erstickt
Und der Mann
am Baum
träumt
seinen Traum
der Magen schwer, der Kopf
leicht
umfasst er die Rinde
seicht
und wird vom Mann
zum Kinde
Wer weiß wohin er blickt
der Spatz
ein leichtes Wippen
bald auf und davon
erwarten volle Lippen
die Leere
auf das Erblühen
der Baum
der Ast
das Blatt
die Knospe
um zu verglühen
.

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Frust

Frust ist ein Gefühl
Der Hering ein Fisch
Eine grüne Wiese steht
Auf dem Tisch
In mir ein Gewühl
Die Kerze brennt
bis sie abgebrannt ist
oder
bis man sie AUSMACHT
MACHT bis es Kracht
und man dann Aufwacht
Frust ist auch nur ein Gefühl
Es ist schwül
Hetero
Bi
Homo
Homogenisierte
Milch
Pasteurisierte
Menschen
Na wenn schon
Frust ist kein Gefühl
Frust ist Frust
Hast Du das
noch nicht
gewusst?
.

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