Ξ  Xabu Iborian

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Z e i t w a i s e

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Ausgeliefert

„Die Strukturierung dieser Gesellschaft an und für sich, die Organisation von Arbeitszeit und die Organisation von Freizeit, die obligate Organisation des gesamten Lebenslaufs, die omnipotent monetäre und somit letztendlich institutionelle Abhängigkeit, all dies sind Instrumente der wohlwollenden Entmündigung, Unterdrückung und Lenkung par excellence.“


Richard Kaste II, „Ad libitum, Leben ist keine Option“, out. 2039

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Baden gehen

Heute Vormittag war ich nach längerer Zeit wieder einmal mit Kind und Kegel Wasser beiseite drücken. Das Hallenbad habe ich kaum wieder erkannt, speziell den Eingangsbereich nicht, der komplett umgestaltet wurde; ebenso wie die Preise. Mit nassen Haaren und vom Schwimmen erschöpft, Pommes und Gummischlangen in den Händen, auf Bänken sitzend vor raumhoher Verglasung, können die dahinter im Nass noch munter sich verausgabenden nun betrachtet werden.

Es ist kaum Betrieb. Trotzdem kommt die Kartenverkäuferin ins Schwitzen, als ich „Drei Kinder, zwei Erwachsene, drei Schlüssel für die Sammelkabine und einen Schlüssel für Männchen und einen Schlüssel für Weibchen“ bestelle. Während sie sich lässig zu konzentrieren sucht, fragt hinter mir jemand, wo denn die Schlüssel hin sollen.

„Da hinten in den Schlüsseleimer.“

„Da ist kein Schlüsseleimer.“

„Moment.“

Sie schwingt den Eimer über die Theke, reißt beinahe mein rechtes Ohr ab und gibt mir beiläufig fünf Karten und drei Schlüssel.

„Da fehlen noch zwei Schlüssel, bitte; Mann und Frau.“

Sie kramt und schiebt zwei weitere Schlüssel über die Theke.

Heidrun:

„Hast du auch für 60 Minuten?“

„Ja.“

Die Ticketverkäuferin:

„Nein, das ist für zwei Stunden.“

Heidrun:

„Oh man, das kostet wieder, ich hatte dir doch gesagt für eine Stunde!?“

Äh, verwirrt, vergessen, gibt es denn überhaupt für eine Stunde?

Verkäuferin:

„Wollen Sie lieber 90 Minuten? Das kommt dann aber teurer. Sehen Sie, ich hab das längste und billigste für sie kombiniert. Heute ist Familientag, und da sind zwei Stunden billiger als 90 Minuten.“

Das längste und billigste. Nach den 60 Minuten frage ich nicht mehr. Heidrun ist beruhigt. Eine Drehsperre versperrt uns den Weg.

„Da links musst du die Karte einstecken.“

Klar, Karte rein, durchgehen, Karte raus … und die anderen … müssen auch noch hindurch … doch, ich habe die Karten …

„Eure Karten, hier … da … deine, nimm … und Julias …“, mit viel Umstand fädeln sich alle auf meine Seite und Julia knallt wieder einmal etwas vor den Kopf. Der Sperrholm. Nicht so schlimm, ist sie gewohnt, hart im nehmen.

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Schlafende Füße

Am Morgen.

So eben alle aus dem Bett gekippt und am Frühstückstisch versammelt. Kaum eine sitzt vernünftig auf ihrem Stuhl, am wenigsten die beiden kleinen Mädchen. Nach einer kurzen Phase matt müder Kohlehydratzufuhr und einiger Unwilligkeiten meldet sich Julia zu Wort.

„Ohhhohhoouuu … mein Fuß ist eingeschlafen, huuuhuuuuuhuuu … “

Der Papa schaufelt halb besinnungslos das Müsli in den Rachen, ob der geringen Menge Schlaf in der Nacht; Salattuning ohne Ende. Zwischen zwei Happen findet er seine Stimme wieder.

„Musste nen Wecker daneben stellen.“

Julia guckt auf, Maren guckt auf, grinst.

„Höhö, sehr witzig … hm … ja …“

Springt auf, rennt in ihr Zimmer, kommt mit dem Mützenwecker zurück.

„Komm Julia, ich stelle den Wecker neben deinen Fuß.“

Julia schiebt sich vom Stuhl und hoppelt zu Maren, streckt das Bein aus. Maren kniet neben sie, den Wecker in der Hand, manipuliert daran herum und stellt ihn vor sich. Er klingelt.

„Na, wacht er auf?“

„Nööööö …“, traurige Miene.

Maren manipuliert noch einmal, schiebt ihn näher. Der Wecker klingelt erneut.

„Und jetzt?“

Julia lacht!

„Ja, jetzt ist er wach!“, hopst, umarmt ihre Schwester und freut sich.

„Du Maren, das machen wir jetzt immer so, ja?“

Der Papa sitzt am Frühstückstisch, grinst sich eins wegen der tollen Performance am Morgen, und schaufelt weiter sein Müsli in sich hinein.

Die Mama kugelt sich derweil am Boden.

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In meinem Raum

Was ist wichtig. Falsche Formulierung. Was macht einen Unterschied. Nicht gleich die oh so schweren Fragen am Anfang. Wieso Fragen? Jene? Was war am Anfang? Warum wirkt Musik? Ja klar, irgendwer hat bestimmt eine klare, heimleuchtende Antwort. So eindeutig wie ein Armleuchter, der dich hinter das Licht führt, anstatt hindurch.

Ist es o.k., so viel Freude wie möglich am Leben zu haben? Ist das der Sinn des Lebens? Man lebt nur einmal, so jedenfalls die Auffassung in meinem Kulturkreis. Ist das mein Kulturkreis, mein Kulturkreis? Wieso Kreis? In sich geschlossen, also nicht offen. Nein, nur so viel Spaß wie möglich haben, reicht nicht, ist ganz nett, aber reicht nicht, ist leer irgendwann, wie ein geschmackloses Lieblingsessen, oder ein versalzenes. Was dann? Anderen helfen, so viel Freude wie möglich am Leben zu haben? Aber wenn es schon für mich nicht in Frage kommt, wieso sollte es für andere? Durchschaubar, nicht wahr? Wenn der Ausschluss den Abschluss schlüssig einschließt bleibt vieles verschlossen, schlussendlich.

Logisch oder? Wer hat die Logik erfunden? Nicht Ricoola! Was, wenn Logik nur eine Projektion des Gewünschten auf das Beobachtete ist. Sich selbst erfüllende Prophezeiung, weißer Schimmel auf dem Nussnugatcremebrot? Ist die ursächliche Wirkung wirklich die Ursache oder ursächlich rückwirkend. Könnte diesen Gedanken verdrängen. Es kommt ja in Frage. Das ist die Frage. Aber ich muss sie nicht unbedingt stellen. Leben wie am Schnürchen, vielen Schnürchen, schnurgerade, schnurstracks in den Himmel oder die Hölle, logisch. Wieso dies oder jenes tun. Wieso tut ihr dies oder jenes? Ihr habt natürlich für alles einen guten Grund, ohne wirklich jemals dahin zu gehen, auf den Grund, den es, hm, vielleicht oder wahrscheinlich gar nicht gibt. Was dann? Ohne Grund kein Halt, Fallen. Fallen überall, wohin man tappt. Tappen im Dunklen, und dann auch noch grundlos. Da kommt einiges zusammen, was nur schwer verdaulich ist, so wie die versalzene Lieblingssuppe halt. Halt. Wo gibt es den noch heutzutage? Wo sind die Grenzen und wer legt sie fest? Spiele ohne Grenzen? Warum tust du das, warum lebst du so? Bist du glücklich? Definiere glücklich. Große Schwester Google hat immerhin 47.900.000 Antworten. Das sollte doch reichen. Macht mich ganz glücklich. Macht macht glücklich? Ein scherzender Glückskeks. Glücklicher Scherzkeks? Ja, das war ein loser Einfall.

Ich gehe nicht immer um anzukommen, setze einen Fuß vor den anderen nach dem anderen immer wieder. Bäume so grün und frisch, fließen vorüber,

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