Ξ  Xabu Iborian

Text Fotografie Video Graphitmalerei

Z e i t w a i s e

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Ape Won – Alles ist Fremd – 10

„Auf Nimmerwiedersehen dann also.“

„Einen Rat noch. Achten Sie mehr auf die Dinge an sich, nicht so sehr auf deren Bezeichner.“

„Hatten Sie einen Philosophen zu viel heut Morgen?“

Augenzwinkernd hebt er die Hand leicht winkend zum Abschied, geht die Stufen bis zum ersten Absatz hinunter, und verschwindet in der Rundung hinter dem massiven Treppenhauskern. Mein Gesicht entspannt sich ein wenig, ich klopfe an Martins Tür und lausche auf Schritte. Nichts. Ich klopfe erneut. Nichts zu hören. Ein letztes Mal. Stille. Ich drehe mich um, überlege was ich tun soll, drehe mich zurück und klopfe doch noch einmal. Nichts. Ich klopfe. Nichts. Ich warte. Ich klopfe. Nichts. Ich überlege, entweder ist er nicht zu Hause – doch wo sollte er sein um diese Zeit – oder er leugnet das Klopfen. Vielleicht der Schock durch die morgendlichen Ereignisse, oder das schlechte Gewissen, mir diesen Typen hinterher geschickt zu haben. Das schlechte Gewissen nach einer Lüge. Sofern er ein Gewissen hat. Macht das Sinn? Er wird uns beobachtet haben, belauscht. Ich klopfe ein weiteres letztes Mal. Die Tür bleibt verschlossen. O.k., alles ist gut. Das wird sich klären. Mit der rechten Hand ziehe ich den Schlüsselbund aus der linken Gesäßtasche, die Finger finden den passenden Schlüssel und das Schloss. Doch ich kann die Tür nicht aufschließen, der Schlüssel lässt sich nicht drehen. Die Tür ist gar nicht abgeschlossen. Hatte ich vergessen die Tür abzuschließen? Unwahrscheinlich, aber möglich. Ich drücke die Klinke nach unten, die Tür nach innen, ziehe meine Schuhe aus und gehe hinein, drehe mich um, bücke mich, nehme die Schuhe auf, klappe die Tür zu, stelle die Schuhe auf die Schuhablage neben der Tür, wende mich wieder zurück zur Tür und schließe ab. In der Küche, auf dem Weg ins Arbeitszimmer, lege ich Portemonnaie, Schlüssel und Revolution auf den schwedischen Küchenwagen aus China. Ich gehe am Kühlschrank vorbei und habe Hunger. Nicht jetzt. Ein paar Schritte weiter, auf leicht knarrend federnden Dielen, quer durch ein anderes Zimmer, bleibe ich vor dem Schreibtisch stehen und rüttle an der Maus den Computer aus seiner Ohnmacht. Draußen scheint noch immer die Sonne, reflektiert von der Hauswand gegenüber, zwischen leuchtend grüne Blätter hindurch, hinein zum Fenster, hinein in das Zimmer. Ein Surren rechts hinter mir, hinter hellen, weißen Wänden. Ich lausche dem Surren und verharre. Lausche dem eindringlichen Surren. Janosh hat einen Schlüssel. Soll ich öffnen? Nichts bewegt mich. Ich erwarte niemanden. Surren steht für Werbemüll und die Paketlieferung an einen Nachbarn. Das wird aufhören, das Surren. Das Surren wird aufhören.

Ich setze mich auf die ergonomisch federnde schwarze Mechanik vor dem vierbeinig gespreizten Statum. Der Bildgeber, Gestennehmer, Vermittler zwischen einem hochentwickelten Zellklumpen und einer erwachenden, relativ komplexen Rechenmaschine – beide unter Spannung –, erreicht alsbald den Zustand vertrauten Leuchtens. Dem betörenden Leuchten der Sonne. Wo war ich, bevor ich diese Stätte verließ?

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Der Wechsel – Blickwechsel – Starf + Silvie (Epilog Dialog) – 26

„Wo kommen die alle her? Das frage ich mich auch. Sofern der Trakt vorher evakuiert wurde, kann ein Neuanschluss unmöglich in so kurzer Zeit wieder Vollbelegung erreichen. Ich nehme an, die Appartements waren gar nicht ungebunden, wurden nur als ungebunden übermittelt. Die Angeschlossenen waren noch mittendrin, konnten ihre Bindung nicht lösen. Erst zum Zeitpunkt des Wechselns bekamen sie den Impuls. Würde allerdings bedeuten, PARK hat mich belogen, sofern sie es selber nicht besser wußten. Hätte diese Anfrage echt nicht annehmen sollen.“

„Aber selbst wenn der gesamte Trakt belegt ist, können sie unmöglich stundenlang die Halle füllen, oder? Sie verlassen sie doch am anderen Ende wieder; wohin auch immer. – Die Wand blinkt?“

„Ah, sie ist da. Bin gleich zurück. … Schleuse …“

„Ryka, dies ist Silvana Slevinsky. Silvie, dies ist Rykarma Zèlim.“

„Hallo Silvie. Der Tag an dem Dir Stefan begegnet ist, war Dein Glückstag, so scheint es. Gut für Dich, hier zu sein. Ihm zu folgen, war die richtige Entscheidung. Ich hatte nie Zweifel, dass Du ihn finden würdest.“

„Hallo Ryka, hm, ich weiß nicht. Stefan hat Dir also von uns erzählt?“

„Sicher, – er ist der Überzeugung, der Stamm sollte Dich aufnehmen. Er meint, es wäre auch für Dich von Vorteil.“

„Ja, das sagte er. Aber ich muss darüber nachdenken. Ich bin mir nicht sicher. Im Moment verwirrt mich das alles.“

„Das war es auch nicht, was ich meinte. Was ich meinte war, hättest Du ihn damals nicht kennengelernt, würdest Du heute das Schicksal der anderen Angeschlossenen teilen.“

„Da magst Du recht haben … wahrscheinlich … ich komme da nicht ganz hinterher. Was das alles bedeutet. Die letzten Stunden habe ich noch nicht wirklich durchdrungen.“

„Das ist verständlich. Auch wir wurden überrascht. Eine Frage der Zeit. Alles wird sich klären.“

„Ich hoffe es. – Interessante Klamotten. Habe ich noch nie jemand tragen gesehen. Außer in den Übermittlungen.“

„Hm, danke Dir. Ebenso. Dein Kev sieht sehr sexy aus. Habe ich recht Stefan?“

„Ihr glaubt es nicht … Moment …“

„Wie bist Du hier her gekommen?“

„Mit dem Schifter.“

„Ja, o.k., aber der Zugang zu den Rundherum ist – blockiert. Wie bist Du hier herauf gekommen?“

„Die Türme haben außen Zugänge auf jeder Ebene. Wartung, Technik; das

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Der Wechsel – Blickwechsel – Starf + Silvie (Epilog Dialog) – 24

den Scanner, kann ich ein Loch in der Hallenwand oder Deine Schweberei bestätigen. Nicht dass das tatsächliche Geschehen da draußen weniger ungewöhnlich wäre. Silvie, hörst Du mir überhaupt zu? Die Abseitigen, das ist ein Bild, welches in der Übermittlung gezeichnet wird. Das Bild von Menschen wie Julian und all den anderen, bei denen Symbiose und Simulation sich anders auswirken, als bei denen, die dieses Bild verbreiten.

Ja, das war natürlich nicht ernst gemeint. Ich bringe Dich hier raus. Nur wohin? Zurück in Deinen wahrscheinlich ebenso leeren Turm?“

„Ich werde sie Dir zeigen, – hier, das ist eine Pump …“

„Hm?“

„Du manipulierst mich! Oder jemand hat das Teil vertauscht. Ich besitze keine Schaller!“

„Auch das ist ungewöhnlich. Angeschlossene besitzen in der Regel nichts. Die Ursache für Deine veränderte Wahrnehmung ist mein Implantat, insofern manipuliere ich Dich, oder besser gesagt ich manipuliere die Manipulation. Kann ich aber nicht lange für uns beide aufrechthalten. Schau.“

„Immer noch Schaller.“

„Blinzel!“

„Pumpgun.“

„Sieht so aus, aber glaube mir, sobald ich mich aus der Simulation ausklinke, sehe ich wieder eine Monoschaller. Weil, es ist eine Monoschaller.“

„Wie kannst Du Dir da so sicher sein? Oder Du willst Dich besonders geschickt um die Bits drum rum manövrieren, die Du mir schuldest.“

„Oh Silvie, was für ein unnötiger und grotesker Aufwand. Spüre in Deinem Interess nach, die Bits sollten inzwischen generiert sein. Davon abgesehen, am Ende kommen wir unweigerlich auf die Vorgänge in der Halle zurück, Deine anderen ungeklärten Erlebnisse heute und die Tatsache, dass Du mit mir im Scanner sitzt. Nein, es war genau anders herum. Ich war mir ziemlich sicher, dass Du früher oder später auftauchen würdest, wegen der Bits, zumindest vordergründig. Aber was ich auch sage, an dieser Stelle haben wir tatsächlich ein Problem. Du hängst in einer mehrfachen Bindung. Auflösen kannst Du die nur, wie Du selbst so schön formuliert hast, wenn Du darauf vertraust, was andere Dir erzählen, was ich Dir erzähle.“

„O.K.. Kann ich da ein paar Nächte drüber schlafen? Mir platzt der Kopf. Hier drinnen gibt es keine Übermittlung, oder?“

„Witzig. Nein. Aber um auf Deine Frage zum Verschwinden der Angeschlossenen zurückzukommen. Die Frage ist nicht einfach zu beantworten. Aktuell spricht alles dafür, dass sie, wie hast du gesagt? Das sie wirklich durch die Wechsel schwuppen. Nicht durch die Wand, aber durch die Wechsel.“

„Sollten wir dagegen nicht etwas unternehmen?“

„Ähm, was schwebt Dir vor?“

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Der Wechsel – Blickwechsel – Starf + Silvie (Epilog Dialog) – 23

Verbinde Dich dem Stamm, der Gruppe, der auch Jochen verbunden ist. Du scheinst in Deinen Gedanken unabhängiger, als der übliche Angeschlossene. Im Stamm werden sich Dir neue Aufgaben stellen, jenseits vom Anschluss in den Türmen. Zwar neigt dieser Teil des Stammes ebenfalls zu einem quasi religiösen Überbau, aber längst nicht in dem Extrem, wie die Animalisten. Das was ich Dir erzählt habe, kann Dir wirklich nur einen sehr groben Überblick vermitteln. Da ist noch weitaus mehr, was Du erfahren solltest und dort auch erfahren wirst.“

„Mich dem Stamm anschließen.“

„Jupp.“

„Warum sollte ich? Warum gleitest Du plötzlich so sehr auf den Stamm ab?“

„Weil Du schon jetzt darauf brennst mehr zu erfahren. Du fühlst Dich besser in Deiner selbstbestimmten Zeit, besser als in der Zeit, die Du am Anschluss binden musst. Das ist Dir auch bewusst. Nicht jede Angeschlossene macht sich mit einer gescannten Fremdidentität im Interess und, ähm, einer Pumpgun im Rucksack auf den Weg, um ihren flüchtigen Liebhaber ausfindig zu machen, weil er ihr viertausend Bit schuldet, geschweige denn, würde sie diese Schaller auch tatsächlich benutzen. Kaum eine Angeschlossene wird überhaupt erst einen vollkommen Unbekannten ohne Interess und Anschluss bei sich wohnen lassen. Kaum eine Angeschlossene wird sich soweit von ihrem eigenen Turm entfernen. Noch weitere Gründe? Stell Dein Potential sinnvoll zur Verfügung. Jenseits einer Anschlussbindung. Stell sie dem Stamm zur Verfügung. Deine Entscheidung, Deine bewusste Entscheidung. – Ich kann Dich aber auch wieder in die Halle verabschieden.“

„Nett von Dir, wie leicht Du mir meine bewusste Entscheidung machst. Und ein interessantes Bild, das Du von mir zeichnest. Irritierend. Vielleicht hast Du mich schon damals manipuliert? Mehr erfahren klingt sicherlich gut. Das stimmt so. Selbstbestimmte Zeit ebenfalls. Halle eher weniger, sofern das dort noch kein Ende genommen hat. Da bin ich jetzt so oder so auf Dich angewiesen; und ich hoffe, Du scherzt. Aber kann ich all dem Glauben, was Du da beschrieben hast? Ich blicke da nicht vollständig durch. Ich meine, manches klingt durchaus plausibel, soweit ich es verstehe, beinahe so plausibel wie die Übermittlungen, andererseits, vielleicht stimmt mit Deinem Kopf irgendetwas nicht, vielleicht bist Du ein Abseitiger?“

„Kam ich Dir so vor in den letzten Monaten?“

„Manchmal?“

„Touché. Die sogenannten Abseitigen hatte ich ganz vergessen. Gut, dass Du sie noch einmal erwähnst. Ich, ein Abseitiger. Und das erzählst Du mir? Du, die Du behauptest, Dich verfolgten teuflische Gestalten, Du wärst in der Halle geschwebt, hättest in der Hallenwand ein riesiges Loch gesehen und eine Pumpgun im Rucksack? Weder mit, noch ohne Implantat, noch über

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Der Wechsel – Blickwechsel – Starf + Silvie (Epilog Dialog) – 18

„Zugegeben, die meisten Krankheiten verschwanden allmählich in den Jahrzehnten nach Brand und Wiederaufbau. Organversagen und frühes Altern wurden jedoch Normalität.“

„Im Gegensatz zu meinem Schweben in der Halle.“

„Dein Schweben? Trägst Du einen Sublimationsanzug? Weißt Du, wie massiv die Dinger sind? Glaub mir, eine Masse, die nur Hybiorobs bewegen können .“

„Hybiorobs?“

„Maschinen. Maschinen, die von sich selbst denken, sie wären keine Geräte, denken, sie wären Menschen. Wie soll ich Dir das jeztzt auch noch erklären.“

„Na, dann erwähne sowas nicht. Ist eh schon alles verwirrend genug. – Da Du von Gewicht sprichst, dieser Boden auf dem wir sitzen, wieso ist der so schmeichelnd bequem? Oder bilde ich mir das auch nur ein? Sieht spiegelglatt aus und fühlt sich an, na, so hart wie Phytan, wenn ich mit der Hand darüber streiche. Sitzt sich aber sehr bequem, wie auf einem Flies.“

„Das ist deshalb so, weil wir in Wirklichkeit auf warmem, weichem, schmiegsamem Sand sitzen, und ein paar Schritte weiter rauscht das Meer.“

„Nicht Dein Ernst!“

„Nein, Scherz. Die Simulation ist keine Zauberei. – Gut, Zauberei selbst ist auch keine. … Egal.“

„Hahaha.“

„Der Boden funktioniert ähnlich wie ein Flies, passt sich deinen Bewegungen und der an ihn abgegebenen kinetischen Energie an, beispielsweise durch dein Gewicht, zum Wohlgefallen deines Körpers; glücklicherweise tut er das unmittelbar. – Was ist Deine Erklärung für Dein Erlebnis in der Halle?“

Ich hab keine Erklärung. Aber das heißt noch lange nicht …“

„Die vielen Leute sind tatsächlich da draußen, nur sind sie keine Nomaden, sie sind Angeschlossene, so wie Du. Und sie bewegen sich tatsächlich benommen auf das Ende der Halle zu. Doch da ist kein Loch in der Wand. Da schweben Wechsel. Dicht an dicht. Auf der ganzen Breite der Halle, ein Ozonstinker neben dem Anderen. Und nicht nur auf dieser Ebene. Und nicht nur in diesem Turm. Und das ist mein aktuelles Problem, mehr noch Dein Problem. Ist die Situation ein Problem für die Leute in der Halle? Ich weiß es nicht. Wahrscheinlich. Wo ist Jochen?“

„Stop, mir schwirren noch andere Fragen im Kopf. Zum Beispiel. Warum verteilt der Stamm keine Implantate an alle? Und kann die Simulation nicht abgestellt werden? Rein hypothetisch gedacht, denn was für einen Sinn macht die Simulation im Großen und Ganzen? Wie weit reicht sie? Was wird alles simuliert? Hat die Simulation nichts dagegen, hahaha, dass Du mir dieses besondere, nicht übermittelte Wissen – diese Geheimnisse –, so umfangreich anvertraust? Ist das was ich höre, wirklich das, was Du mir sagst? – Was für eine blödsinnige Frage. Nur mal Dein Zeug weiter gesponnen. O.k., selbst wenn; das mit der Verschönerung der durch die Übergabe erzeugten Lebensmittel, das erscheint mir noch einigermaßen plausibel, aber die Situation in der Halle? Und warum hört sich Deine Version dessen was ich in der Halle erlebt habe, genauso absurd an wie meine? Ein Loch oder diese Dinger?

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Der Wechsel – Blickwechsel – Starf + Silvie (Epilog Dialog) – 16

„O.K. – Lass mich kurz nachdenken.

Wenn ich das richtig verstanden habe, willst Du mir also glauben machen, dass in der Halle etwas ganz andere geschehen ist, als ich wahrgenommen habe?“

„So würde ich das nicht beschreiben. Die Realität ist subtil. Immer noch Hunger?“

„Sicher! Glatt vergessen. Doch, ja. Jetzt wo Du es sagst. Unbedingt! Bitte ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte und schwarzen Kaffee. Wenn möglich, nicht synthetisch.“

„Ah, ich hatte jetzt an etwas Nahrhafteres, Sättigendes gedacht, letztendlich aber auch egal. Nicht synthetisch. Du machst Witze, hm? Selbst die Monohappen in den Synthoküchen, sind synthetischer als Du denkst. Nicht synthetisch gibt’s nicht mehr, bis auf ein paar skurille Ausnahmen. Aber klar, Schwarzwälder Kirschtorte. Wunder der Übergabe. Und der Simulation. Schließe mich an. Immer wieder ein Erlebnis. Da schauern und kitzeln mich meine Eingeweide, sobald das Gewünschte an der Übergabe, aus der scheinbar blanken Wand gleitet. Wie Schweiß auf der Haut.“

„Danke. – Vorzüglich. – Und was wird da nun simuliert? Klar, das Zeug ist synthetisch. Sieht aber aus und schmeckt, wie ich sie aus meiner Kindheit erinnere. So wie immer. – Der Kaffee ebenfalls.“

„Du wurdest während des Rückfalls geboren? – Deine Generation ist die letzte, die solche Kindheitserinnerungen hat. Was Du da glücklich in Dich hinein spachtelst, entspricht in Form und Aufbau einem Stück Schwarzwälder Kirschtorte, vermutlich, besteht jedoch aus einer homogenen, grauen Paste in grundlegender Geschmacksrichtung; süß, sauer, salzig, bitter, je nach dem. Letztendlich immer die gleiche Paste, mal härter, mal weicher, mal wässriger, mal körniger, mal luftiger, mal krümeliger, aber immer diese graue Paste, egal was Du isst. Der Kaffee? Sieht aus und schmeckt wie heißes Wasser. Gelegentlich ist Coffein enthalten, natürliches Coffein, warum auch immer. Der gleiche Unsinn wie bei den Zigaretten.“

„Du spinnst.“

„Ich spinne nicht. Wenn, dann spinnt mein Implantat, oder, aus einer anderen Perspektive betrachtet, die Sporen selbst. Denke ich aber nicht. Erfahrung. Das ist, was ich sehe, schmecke und spüre, jenseits der Simulation durch die G-Sporen, dann, wenn ich das Implantat vollständig übernehmen lasse. Ist jedoch eher selten der Fall. Meistens ergebe ich mich der Simulation, weitestgehend. Nichts geht schließlich über ein gut simuliertes Stück Torte.“

„Moment, Du kannst kontrollieren, was und wie Du wahrnimmst?“

„Genaues weiß der Zerebralprothetiker. Ich kann das Verhalten des Implantats, also seine Aktivität, durch Gedanken – hm – durch Gedankenzustände, Mentalzustände, modellieren. Neurosensorik, oder

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Der Wechsel

Blickwechsel

Starf + Silvie (Epilog Dialog)

„In meinem Rucksack? Aber, ich habe sie doch … gerade eben noch … Ne, nicht wahr! Da ist sie! In meinem Rucksack …“

„Sage ich doch. Andererseits, je nach Wahrnehmung, ist da weder Rucksack noch Pumpgun.“

„Du spinnst. Was meinst Du denn damit? – Was passiert da? – Da draußen in der Halle. Und warum hantierst Du derart hektisch in den visuellen Abwicklungen der Anschlüsse? Das sind doch Anschlüsse? Was ist das für ein Raum?“

„Fragen über Fragen, hm? – Der Scanner. Hab’s gleich. Bin halt hektisch, weißt Du doch.“

„Der Scanner. Aha. Kannst Du mir bitte erklären, was vor sich geht? Ich meine, am Ende der Halle ist eine riesige Öffnung in der Wand und die Leute schwuppen einfach so durch, und dann dieses Schweben …“

„Du hast nicht geschwebt.“

„Hab ich nicht? Toll. Warum hatte ich den Eindruck, ich würde schweben, und die Pumpgun, und die Patrone, kein Knall …?“

„Du sagst es selbst. Du hattest den Eindruck. Täuschend echt, hm? Hast Du schon mal darüber nachgedacht, was das genau bedeutet, ‚echt‘, ‚täuschend‘?“

„Würdest Du bitte von ganz vorne beginnen? In echt und nicht täuschend, und ohne mich dumm zu quatschen? Ich hatte echt nicht viel Schlaf die Nacht und die letzten Stunden waren doch recht enttäuschend, kann mir aber nicht vorstellen das führt zu Halluzinationen, die sich dermaßen täuschend echt anfühlen; oder es ist immer noch Nachtag und ich träume das alles nur. Hah. Schwer zu sagen in dieser Box. Oder meinst Du Projektion? So wie dieses Ding beim Wechsel, das angeblich eine Projektion gewesen sein soll? Kannst Du die Wand nochmal öffnen, den Zugang durch den Du mich rein gezogen hast, oder können wir auf irgendeinem deiner Abbilder in die Halle sehen? Generiert das aus der Verteilung? Ich bekomme hier echt Platzangst.“

„Das würde nichts ändern. Nein, keine Projektion. Und nicht Du bist es, die halluzinierst. – Eigentlich doch. Genau genommen wirst du halluziniert, je nach Glaube und Standpunkt. Und nein, die Verteilung ist nicht alles. Atme mal tief durch. Du bist auch nicht gerade ein Bündel an Ruhe.“

„Häh? Ich existiere nicht?“

„Was meinst Du? Ah nein, Missverständnis. Habe ich unklar formuliert. Ich wollte sagen, unabhängig von deinem Befinden wird dir, nun ja, Realität implantiert. Nur mit einem Implantat, oder eventuell als Abseitiger, kommst du da drum herum. Verwirrend, ich weiß. – Entschuldige. Warte. – Hmm – lass mich das bitte noch beenden. War nicht geplant, Dich mit in den Scanner zu nehmen, schon gar nicht unter diesen Umständen. Lässt sich jetzt nicht

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Der Wechsel – Wechselspiel – Starf + Suzan – 5

der anderen Seite löst sich ein poppendes, luftiges Knattern. Uuuuuhhhhhhhh. Rundherum Erleichterung, Erlösung.

Das System ist Fail-Safe, heißt es. Mit einer Last weniger im Gepäck, jedoch bleibendem Knarzen, haste ich, im Schritt den Beckenzip schließend, zurück in den Scannerraum vor die Anschlüsse, und binde mich ein, verfolge, prüfe, scanne, staune.

Nach einer Weile konzentriertem Tun, beginne ich an meinem Implantat zu zweifeln, angesichts dessen was sich da auftut. Es wird wohl besser sein, ich binde mich auch in die Hallen der restlichen Türme. Von Ebene zu Ebene transferierend, ein Turm nach dem anderen, zieht der Wahnsinn in mir vorbei. Über die gesamte Ballung, das gleiche Bild. Nur der innere Bereich, das Zentrum, die Sub, scheinen nicht betroffen. Warum registriert das niemand? Warum werden da keine Wächter entsendet?

Wieder zurück, fallen mir zwei über die Menschenmenge ragende Hände mit einer Schaller auf. Ich binde mich gezielter ein, komme näher und erkenne Silvie, wie sie stirnrunzelnd den Freiraum über sich anstaunt. Fuck. Wie kommt denn die jetzt da hin? Ich löse mich, eile hinüber zur Hallenwand und öffne den Zugang.

Ein Knall. Heilige Scheiße. Eine Explosion? Die Schaller?! Ich lehne mich nach draußen und sehe Silvie ein paar Meter entfernt in der Menschenmenge treiben. Von der Masse Angeschlossener gedrängt, kommt sie näher, fuchtelt mit den Händen über ihrem Kopf an einer Monoschaller, und steckt sie schließlich, merkwürdig umständlich, in den Halbpack über ihren Schultern. Monoschaller, Halbpack; was für ein Mist. Als wären alle in einer abgedrehten Simulation. Sie driftet zu mir, weiter, weiter, am Rundherum vorbei, bis sie auf Höhe der Öffnung ankommt. Ich lehne mich soweit möglich in die Halle, greife ihren rechten Arm und zerre sie, durch die nachdrängende, schiebende Menge hindurch, in meine Richtung. Erschrocken blickt Silvie überall hin, nur nicht zu mir. Einige der Angeschlossenen, die scheinbar besinnungslos einen Fuß vor den anderen setzen, stolpern, fangen sich, taumeln weiter. Silvie sieht meinen Arm, lächelt ein breites Grinsen, schaut mir endlich in die Augen und scheint mich erleichtert zu erkennen. Ich hole sie dicht an meine Seite, greife um ihre Hüfte, ziehe uns beide zurück in den Scanner, lasse sie wieder los und wische die Öffnung weg.

„Starf?!“, sie wendet sich zur Halle, starrt gegen die blanke Wand, „Was? Meine Pumpgun?!“

„Steckt in Deinem Rucksack.“

Sollte ich mich auch noch in die anderen Ballungen einbinden? Obwohl, eine globale Aktion? Schwer vorstellbar, oder? Oder doch? Junge, mach es einfach.

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Der Wechsel – Wechselspiel – Starf + Suzan – 4

Suzans Griff lockert sich, ich nutze den Moment, drehe am Daumen ihre Finger vom Ring, „Aaaauuu!“, führe ihre Hand langsam an meine Lippen und spüre mit sanft drängender Zunge der pulsierenden Ader unter ihrer weichen, durchscheinenden Haut, an der Innenseite ihres schmalen Handgelenks nach.

„Oh, Du …“

Sanft schiebe ich sie in die Kabine – „Plateau“, lasse ihre Hand frei, und diesmal klappt der Schritt zurück. Sie zieht ihren Arm an sich, vor ihren Mund, die Kabine schließt, sie sieht mich an, und ich schmecke ihren Duft.

„Nachbrand, 15.“, beinahe glaube ich es selbst.

Abrupt senkt Suzan den Arm, ihren Kopf, und bewegt beide Hände hinter ihren Rücken.

„Bin bei Josey. Weiß noch nicht, ob ich später komme, ob die Zeit reicht, muss doch mal klar …“

Inmitten schier endlosem Gestänge taucht die Kabine nach unten ab, und verwundert schaue ich Suzan hinterher. Ihr Kopf ruckt in den Nacken, ein letzter Augen Blick. Wer ist Josey? Egal. Ist das Leben eine Ansammlung von Kapiteln? Welche haben Relevanz?

Zögernd wende ich mich zur Halle, der gleiche Anblick wie oben. Das läuft aus dem Ruder. Oder kippt es schon? Die nächste Kabine schießt mich zurück in die Höhe und ich verspüre überdeutlichen Druck an Darmausgang und Blase, ergänzt durch ein herzhaftes Knarzen im Magen. Hunger. Der Hunger kann warten, das Drängen in Darm und Blase weniger, denn einmal bewusst, verstärkt sich mein Bedürfnis nun exponentiell.

Die Kabine stoppt, öffnet, und ich drücke mich dicht an der Wand entlang in die gut gefüllte Halle. Ein kräftiger Hauch Ozon beißt sich entlang meiner Nasenflügel. Scheint kaum möglich, wieder auf die andere Seite zu gelangen. Dieser Strom aus schlafwandelnden Menschen. Diese Gesichter. Kein Zweifel. Der rosa Apfel. Ohne Scanner kann ich nicht einsteigen in die Illusion. Und der Ozongeruch? Muss ebenfalls warten. Zeit für ein wenig Magie; allerhöchste Zeit.

Ich streiche mit der Hand über die Wand neben dem Rundherum und während ich grinsend durch scheinbar transparentes Material in den Scanner schreite, brummt mir auch schon waberndes Tiefbassdröhnen in den Schädel und blendend rotes, rhythmisches Leuchten füllt mein Gesichtsfeld. Ohne Zögern schließe ich den Zugang – dieselbe, beiläufige Bewegung – , woraufhin das Rot zu einem hellen, gleichmäßigen Weiß wechselt und der Bass verstummt.

Ich renne weiter zum Nassraum, wische mit hektischem Wedeln die Schleusenzugänge auf, öffne den Beckenverschluss und hänge mich, Gewicht nach hinten verlagernd, in den Einfang. Ups, vorsichtig! Was gebrochen beim Sturz? Unsinn, nur die gezerrte Muskulatur. Entspann Dich. Mein entlasteter Schwanz streckt sich lässig in die Freifeldführung und auf

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Der Wechsel – Wechselspiel – Silvie + Starf – 5

Erstaunlicherweise schien sich ihr Tempo nun kontinuierlich zu verringern, der Durchbruch jedoch ebenso beständig näher zu kommen … oder größer zu werden? War das wichtig?

Eine Hand zerrte kraftvoll und mit blanker Gewalt an ihrem rechten Arm. Die vorbeiziehenden Körper prallten einfach ab an dem Hindernis, welches sie, ihr Arm und der andere Arm bildeten, poppten aus ihrer neuen schrägen Perspektive wie Springbälle unter, über und neben ihr weg, ohne ihr weiterhin ein nennenswertes Moment zu verleihen. Unnachgiebig krallten sich die Finger in ihre Muskulatur. Sie wurde nach oben gehoben, konnte gerade noch mit ihrer freien Hand die abtreibende Pumpgun erreichen, drehte sich halb, sah die andere Hand an ihrem Handgelenk, den anderen Arm, erhaschte einen Blick durch einen breiten Spalt in der Hallenwand, erkannte den Ring … musste trotz allem Schmunzeln … und blickte erleichtert in seine Augen, während er sie weiter aus der Menge heraus und durch die Öffnung hinein zog.

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Der Wechsel – Wechselspiel – Silvie + Starf – 3

Wann hatte sie das letzte Mal gegessen? Es grummelte ganz außerordentlich in ihrem Magen. Sie war wieder am Anfang. O.K., zuerst die Physe, dann die Psyche. Und da sie nun schon im Nassraum stand, wurde ihr drängend bewusst, da war noch mehr, das nach draußen wollte.

Rasch stellte sie sich vor den Einfang, lehnte mit einer Hand gegen die Wand, spreizte geübt mit zwei Fingern das Klett zwischen ihren Beinen, ergab sich dem abrupt ansteigenden Druck und ließ, während sich ihre Blase mit geradem, fast perfekt geführtem 45° Strahl in die Freifeldführung entleerte, den erlösenden Wechsel von Kontraktion in Relaxation wohlig über sich ergehen.

Erleichtert, hungrig und mit dem Willen, ohne weiteres Nachdenken, dieses Gebäude so schnell wie möglich zu verlassen, stieß sie sich von der Wand ab, schloss den Klett, lief aus dem Nassraum hinaus, zurück durch die hinderliche Schleuse, und den Flur des unverkennbar schon freigeschalteten Appartements hinunter. In ihrem Appartement hatte sie die Schleuse deaktiviert, entgegen den Vorgaben, wie so vieles.

Am Ende angelangt, riss sie die Tür zur Halle auf, kippte leicht nach hinten, anstatt weiter nach draußen und verharrte augenblicklich. Verwundert betrachtete sie die an ihr vorbei ziehende Menschenmasse. Klar, die starke Zunahme an Aktivität in den Türmen war normal, sobald ein Zugang wieder neu hergestellt worden war. Aber dies hier. So viele Leute, die anscheinend zielstrebig in eine Richtung liefen, wie hypnotisiert, mit starrem Blick und schlaffer Gestalt? Würde sie in den Augen der anderen genauso wirken, wenn sie sich in diesen schier endlosen, dichten Fluss einließe? Momentan war ihr zumindest ebenso taub zumute. Schnell fasste sie sich wieder.

Der Eingang zum Rundherum war schräg gegenüber. Wie konnte sie, ohne mitgerissen zu werden, durch diese wälzende Wand aus Körpern gelangen? Die Strömung war kräftig, doch was blieb ihr anderes zu tun? Stellte sich die Frage, war es effektiver, sich langsam zwischen die wenigen Lücken zu schlängeln oder mit voller Kraft zur anderen Seite durchzuschlagen. Wie sollte sie es angehen? Konnte sie es angehen? War das ein Vorgeschmack von Panik? Nein, sie nicht. Stattdessen dachte sie kurz an ihre Pumgun. Aber dies wäre wohl zu drastisch. Eine beunruhigende Erinnerung machte sich zudem erneut bemerkbar. Egal. Los.

Sie schritt energisch durch die Türöffnung, wurde aber, quasi wie erwartet, prompt und widerstandslos mitgerissen, konnte ihren Weg nicht mehr frei bestimmen, ruderte im Affekt hilflos mit Armen und Beinen. Was war das nun wieder? Sie blickte nach unten. Ihre Füße glitten über den Boden, obwohl sie nicht die Ursache ihrer Bewegung waren. Ganz toll, dachte sie, klasse, und bemühte sich, die nun doch ein wenig aufkommende Panik in Schach zu halten. Was zum Sack hatte das alles zu bedeuten? Sie probierte den Verlauf ihres Schwebens mit den Armen zu beeinflussen, stieß aber nur an die anderen.

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Der Wechsel – Wechselspiel – Jochen + Es + Der Klang – 2



Es konnte in seiner Weite nicht erkennen, ob Es vollständig in die Instanz eingedrungen war. Der Übergang durch den Wechsel ließ Es, wie so oft, für einen kurzen Moment, in aufgelösten Bindungen verharren. Als Es sich wieder fand, glitt Es, erwartungsgemäß, entlang vertrauter, klangvoll gewobener Ausdehnungen. Es zögerte. Vertraut? Es vernahm Abweichungen. Tief hinein tastend, lokalisierte Es flimmernde Verzerrungen, erkannte Fissuren in den Spannungen. Verwunderung registrierte über dieser Erkenntnis, fand keine Übereistimmung innerhalb des Selbst. Beobachten, es musste beobachten und gewahr werden.

Und die Fissuren vertieften sich zu Rissen und die Verzerrungen wandelten sich zu schrillen, an- und abschwellenden, aneinander ablenkenden Klängen, die eindrangen, durchdrangen, von woher weder Es noch hier oder dort war.

Überrascht und unkontrolliert driftete Es schließlich erneut in eine Vielzahl, zu viel, zu gestreut, um sich den stetig wachsenden Fugen der Hülle Klang zu entziehen …

Er öffnete langsam die Augenlider. Linien aus Licht strömten wirbelnd um ihn herum. Das Licht war laut, doch er hörte es nicht. Ein ungeträumt verkehrter Traum. Er sah an seinem Körper hinunter. Warum trug er keine Kleidung? Er bemühte sich aufzuwachen. Es gelang ihm nicht. Er war wohl schon wach. Im Traum. In einem Traum, der Traum, in dem um ihn streifende Lichtlinien, abrupt zu strahlenden, zuerst tanzenden, dann ruhenden Lichtpunkten schrumpften, und das hochfrequente Pfeifen ihm erst rückwirkend, durch dessen plötzliche Abwesenheit, bewusst wurde. Stille. Absolute Stille. Sterne, das mussten Sterne sein. Er schwebte. Er schwebte? Er schwebte, mitten unter Sternen. War dies die selbe Holografie, die er navigiert hatte? Hatte er eine Holografie navigiert? Oder war er …? Lautlose Enge in endloser Weite stürzte auf ihn. Kein Raum. Kein Herzschlag. Bewegungslos. Ihm war kalt. Er konnte nicht atmen. Sein Brustkorb zum bersten gefüllt, sein fröstelnder Körper von Nadelstichen übersät. Nässe. Stechender Gestank von Fäulnis drang in seine Nase. Dann, ein laut jaulendes, in den Ohren schmerzendes, ächzendes Klicken, Knacken und Quietschen, Kreide auf Schiefer, Metall auf Porzellan, als hinge er im Inneren eines riesigen, berstenden Metalltanks. Jäh, wie ein aufspringendes, scharfes Klappmesser, überwand er den Krampf und wurde sich panisch des tosenden, einschnürenden Pulsens in seiner Kehle bewusst. Seines im Halse steckenden, gegen die Haut schlagenden, drückenden Blutstromes. Seines in

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Text und Kontext

„Leser mussten sich bewusst sein, dass Worte und Wörter in vergangenen Texten einem steten Bedeutungswandel unterlagen in den Jahrhunderten.
Ohne Wissen über den zeitlichen Kontext in dem ein Text verfasst wurde, ohne Wissen über die Bedeutung der Worte und Wörter in dieser Zeit, und ohne Wissen über den persönlichen Kontext dessen, der diesen Text geschrieben hatte, war eine Verortung und ein Kontext bezogenes Verständnis des Textes schlichtweg nicht möglich.
Natürlich stand es frei, jeden Text in einem eigenen, dem eigenen Wissen entsprechenden, unabhängigen Kontext zu interpretieren.
Dies war sogar meistens der Fall, und war ein weiterer gravierender Grund für die sich viral verbreitende textuelle Verwirrung im Kontext dieser Zeit.“


Retina Itop, „Das Wort in Text und Kontext im Wandel der Zeit“, kxt. 3779

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