Ξ  Xabu Iborian

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Z e i t w a i s e

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Der Wechsel – Verwechslung – Starf – 2

Telefon, das sich auf dem Boden vor dem Fußende des Bettes befindet. Angespannt ziehe ich mich mit dem Apparat in der Hand zurück. Der Empfänger zwischen den Beinen, der Hörer in meiner Hand am Ohr, leicht benommen.

Die Welt scheint nur aus Piepen zu bestehen. Ich will Suzan nicht aufschrecken, besinne mich noch rechtzeitig, atme aus und schließe den Mund. Genervt drücke ich den Hörer zurück in seine Buchse. Idioten. Wer benutzt schon noch diese Geräte.

Die Welt scheint nur aus Piepen zu bestehen. Automatische Wiederanwahl. Wahrscheinlich wird vorerst niemand feststellen, dass an diesem Ende kein entsprechender Empfänger existiert. Entweder handelt es sich um ein veraltetes E-Fax, ähnlich dem historischen Telefonmodell in meinem Schoß, oder um eine miserabel programmierte Verteilung. Fluch der perfekten aber schlampig eingestellten Maschinerie und derer die sie bedienen müssen. Erstaunlicherweise bleibt weiteres Piepen jedoch aus.

Meine Hand streicht langsam über Suzans schlafenden Po, von den glatten Oberflächen zum warmen, leicht feuchten, samtenen Flies zwischen ihren Beinen. Der Weckruf. Ich sollte aufstehen. Suzan schläft. Verdammt! Ich muss aufstehen. Ich drehe mich von ihr weg und aus dem Bett heraus. Die Füße auf dem Holzfußboden. Zehn Zehen. Die Fußnägel bedürfen einer Trimmung. Ich räkele mich reckend auf, um mich gleich wieder niederzukauern, sammle die klebrigen Kondome und Verpackungsreste ein. Taumelnd tapse ich in den Versorgungsbereich. Der Müllbeutel ist randvoll. Ich reiße einen neuen Beutel vom Spender, stelle ihn neben den anderen und werfe die Schutzhüllen samt Verpackungsresten hinein. Geniale Erfindung. Der letzte Kaffechip klemmt noch in der Maschine. Ich tauschte ihn aus und setzte das Gerät neu bestückt in Betrieb. Auf dem Weg in den Nassraum fällt mein Blick auf eine Handtasche. Suzans Handtasche. Ich halte kurz zögernd inne, entscheide mich sie nicht zu öffnen.

Wir sind Nachtags zuvor im Wagemuth zusammengekommen, einer der neuen Kontakttheken im inneren Bereich. Nach meiner kurzen Vorstellung auf der Präsenzbühne ist sie die erste Wählerin gewesen, die für mich gestimmt und die der Masterweiser als passend ermittelt hatte, so dass sie die nächsten zwei Stunden über mich verfügen durfte.

Die Kontakttheken bergen angeblich ein gewisses Risiko. Wer kann schon ahnen, wer dich warum wählen wird und was dich erwartet. Darin liegt aber auch gleichermaßen der Reiz für die Kandidaten; heißt es in den Übermittlungen. Interessante und ungewöhnliche Erfahrungen gehen einher mit verwirrenden, herben bis schmerzhaften und, sehr selten, tödlichen oder dauerhaft beeinträchtigenden Enttäuschungen.

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Der Wechsel

Verwechslung

Starf

Etwas ist falsch. Dies pulsende Piepen in meinen Ohren. Ist es der Telegrafist der daumenzuckend neben mir sitzt, oder kommen die Geräusche von dem Paar, welches sich auf der Galerie dort hinten im Rhythmus ihrer übereinander gleitenden eingeschweißten Körper glucksend auf einem Wasserbett vergnügt.

Ich blicke an mir herunter. Meine Hände umhüllen Einmalgummihandschuhe und ein dicker grüner Pelz bedeckt meinen Körper. Kein Spiegel in der Nähe. Wasserdampf kondensiert in aufsteigenden Nebelschwaden vor meinem Gesicht wenn ich ausatme.

Das Piepen will kein Ende nehmen, obwohl die beiden Jungs jetzt ermattet in den Wellen des Bettes hängen, und der Telegrafist das Morsen beendet hat. Er beißt in einen rosa Apfel, der sich vorher in seiner Aktentasche befunden haben muss. Die Tasche hat ein Zahlenschloss. Rosa Apfel. Ich bedecke meine Ohren mit gepudert gummierten Händen. Das Piepen ist in meinem Kopf. Tinnitus? Gestern Nachtag ist es extrem laut gewesen; keine Frage.

Aus der Traumwelt ins Erwachen gleitend, klärt sich das Geräusch zum penetranten Weckruf der Verteilung. Eine schlaffe aber zielgerichtet tastende Bewegung genügt. Die Nötigung hat ein Ende, aber meine Schläfrigkeit nicht. Das Frösteln meines unbekleideten Körpers durchfährt unangenehm mein Empfinden. Gänsehaut. Wo ist mein Flies?

Ich versuche meine Lieder zu bewegen. Gleißendes Licht trifft mich schmerzhaft und hindert mein Bemühen, meine nähere Umgebung im Moment wahrzunehmen. Ich richte mich auf und sehe blinzelnd um mich. Links neben mir auf dem Boden liegen verstreut ein paar benutzte Kondome und Verpackungen. Rechts neben mir lugt ein voluminöser brauner Haarschopf unter meinem Flies hervor. Weiter unten ein entblößter unbehaarter Po. Suzan. Das alles gehört Suzan. Zurücklehnend schließe ich meine Lieder und versinke in Fragmenten der Erinnerung.

Die Welt scheint nur aus Piepen zu bestehen. Schrille Töne drängeln mich aus meinen triebhaft treibenden Tagträumen. Wer war Suzan. Vorsichtig krampfe ich mich in die Senkrechte. Das Licht scheint langsam normale Intensität anzunehmen. Ich beuge mich über Suzans frei gelegte Partien, stütze mich auf der Bettkante ab, ohne die Matratze in allzu mächtige Schwingungen zu versetzen. Ein leichtes Stöhnen und Räkeln weiter oben. Ausgestreckt auf einem Fuß und einer Hand balancierend, greife ich das

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Mondschimmel

Schatten in der Nacht
halten stille Wacht
Sonnen
Strahlen
Die Erde
In Zwielicht tauchen
Dem Mond gegeben
Menschen verweben
In Verwirrung leben
Zwie ist bi
Zwei ei ei
Rosen im roten Schein
den blendet der Tag
soviel das helle weiße
Licht vermag
Die Uhr ist Zeit
und die vergeht
ohne zu verschwinden
bis sie nicht mehr da ist
narrt sie uns
Ist Leben vergehen
Der Deckel schließt das
Gefäß, Gesäß
Himmel, Himmel, weißer Schimmel
reitet schön und
gewand verlockend
auf meinem Brote hockend
So wird mir
Vor Schönheit schlecht
beiß ich zu
Und der Deckel will sein Recht
in der Sonne des Mondes
Leben zwie im
Licht der Welt
die sich doch
Nicht selbst
erhellt
und
Rot
verpricht nur hier
was es hält
.

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