Ξ  Xabu Iborian

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Z e i t w a i s e

Die Welt ist Bunt

Kunterbunt

in: Die Dinge die da sind — B2G Revolution Live

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in: Die Dinge die da sind — B2G Revolution Live

„Auf hohem ästhetischem und technischem Niveau, weltweit publiziertes, planvolles, buntes Kopfabhauen anders Denkender.
Auf weniger hohem ästhetischem und technischem Niveau weltweit publiziertes, planvolles, buntes Niederschießen anders Farbiger.

Medial wirksames, buntes, planvolles Abschlachten Hunderttausender.
Weniger medial wirksames, buntes, planvolles Aushungern Hunderttausender.

Bunte Apokalypsen, buntes Leben, aufbereitet wirrtuell und in echt, aufbereitet in echt und wirrtuell, für ein planvolles Wachstum und Degustieren der ungestillten, satten, sozial impotenten Kauf-und Überlebenseliten und der Massen planvolle Burnouts und Dropouts.

Eine bunte Welt, in der neben planvollen und gezüchteten Sekten und Fundamentalisten der heißen Gewalt und Ideologie, jene planvollen und gezüchteten Sekten und Fundamentalisten der kalten Gewalt und Ideologie, planvoll nicht als solche wahrgenommen werden.

Global agierende, planvoll steuernde, Legislative und Exekutive infiltrierende Konzernsekten, die auf Glockengeläut gleich angekündigten, pseudoreligiösen Massenevents, ihren gezüchtet hörigen Anhängern, veraltete, bunte, vielfältig einfältig nutzbare Funkapparaturen scheinheilig anpreisen.

In ihrer massiven Handhabung, Gebetsketten gleiche, mobile Hand-, Körper- und Geistlosschmeichler.
Mediale, vernetzte Gebetsschindeln und anderes, tragbares, devotionales Design, das all dies und mehr in Echtzeit visualisiert, kommuniziert, scheinbar spürbar macht und registriert.

Planvoll informiert, geschockt, gekauft und beobachtet in eine bunte, stets zuverlässig unsichere, planlos überfüllte, ummauerte Zukunft massenhaft Einzellener Anhänger, Abhänger und Aufhänger.

Eine kunterbunt überrollte, unbekannte Welt hilfloser Zauberlehrlinge.

Eine Welt, wie eh und je.“


Toi Toi Toi, „Die bunte Ästhetik von Sewastopol, IS, Ebola, et al.“, sua. 2063

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Ape Won – Alles ist Fremd – 9

„Sie meinen die Androhung von Tod?“

„Die Mauer in unserem Kopf. Das gläserne Tabu, die Androhung, die Verheißung und die Verweigerung. Die Angst. Der Tod ist allgegenwärtig. Was sind wir anderes, als Waisen der Zeit. Ich muss Sie um Entschuldigung bitten. Nehmen Sie das nicht persönlich. Scheint heute wieder einer dieser Tage zu sein. Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen, dass es sich bei den Opfern nicht um Ihre Frau und Ihren Sohn handelt. Aber da sind andere, die ohne Zweifel Leid tragen werden. Das Problem lässt sich nicht prinzipiell leugnen.“

„Ihre Daten stimmen nicht. Wir sind nicht verheiratet. Tobias ist ihr Sohn. Das ist entweder ein schlechter Scherz oder ein böser Zufall.“

Das Tor der Einfahrt steht zur Hälfte offen, wie immer. Alles sieht aus wie immer. Wir gehen auf uneben verlegtem Pflasterstein an Mülltonnen vorbei, an Fenstern, einer Tür, den Weg nach hinten bis zum Hauseingang, und die sich nach oben verjüngende, abgenutzte Außentreppe vor dem Souterrain hinauf. Auf dem Grundstück des Nachbarn gegenüber hängt das vernachlässigte Baumhaus. Alles sieht aus wie immer. Ich schließe die Haustür auf und wir gehen weitere anderthalb, gewendelte Treppen, bis in den 1. Stock. Warum ist hier niemand?

„Wo sind Ihre Kollegen?“

„Wie ich schon sagte, das ist nicht meine Entscheidung.“

„Sie mögen diese Geräte ebenso wenig.“

„Wahrscheinlich nur der Akku entladen.“

Er greift in seine linke Hosentasche und zieht eine Karte heraus.

„Rufen Sie mich an, falls sie sich nicht melden sollten.“

Ich nehme die Karte und schiebe sie in meine rechte Hosentasche, ohne sie gelesen zu haben.

„Das ist alles sehr überraschend. Danke dennoch. Herr Martin wird mir hoffentlich mehr erzählen können.“

„Wahrscheinlich nicht. Er hat nur beobachtet, wie sie zusammen die Wohnung verließen. So zumindest seine Aussage.“

„Wann und wie die Frau und das Kind dorthin gekommen sind, hat er nicht gesehen?“

„Nein, erst später auf dem Weg zum Briefkasten, sah er die beiden im Flur liegen. Für den Fall, dass wir doch noch Fragen an Sie haben, bleiben Sie bitte die nächsten Tage in der Stadt. Das macht einen direkten Kontakt für Sie und auch für uns leichter. Ich hoffe jedoch ausdrücklich, Sie nicht wieder zu sehen.“

„Ich hatte nicht vor, die Stadt zu verlassen.“

Er lächelt. Ich lächele zurück. Reflex.

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Ape Won – Alles ist Fremd – 7

Ein paar Vögel streifen im Gleichklang rechter Hand an den sommerlich hell erleuchteten Fassaden vorbei. Ich hebe die Waffe an, schiebe ihren warmen Lauf in meinen Mund, spüre das harte Metall zwischen Zähnen und Lippen, seine Unterseite prickelnd auf meiner Zunge, lege den Zeigefinger über den Abzug, und ziehe fast bis zum Anschlag. Vom Marktplatz steigt ein Schwarm Vögel hektisch flatternd auf, als ein Fremder an den Tisch kommt.

„Sind Sie Herr Tassling?“

„Ja, woher kennen Sie meinen Namen?“

Der Fremde hat eine Glatze, trägt ein rosa T-Shirt über verwaschenen Jeans, und glänzende, spitz zulaufende, schwarze Schuhe.

„Darf ich mich setzen?“

Was will der Typ?

„Bitte.“

Er greift in seine rechte Hosentasche und zeigt mir eine Art Ausweis.

„Sie tragen keine Waffe?“

„Doch, doch, aber doch nicht so offensichtlich.“ Er lächelt.

„Worum geht es?“

„Ich frage mich jedes Mal wieder, wie ich in dieser Situation am geschicktesten vorgehe. Sie wohnen in der Nandinstraße 42?“

„Da Sie meinen Namen schon kennen, wird das wohl auch stimmen. Was ist mit meiner Wohnung?“

„Ihr Nachbar rief uns an.“

„Jetzt erzählen Sie mir nicht, Herr Martin hat Sie gerufen, weil Tobias gestern Nacht lautstark schlecht geträumt hat.“

„Nein, er hat uns gerufen, weil in unmittelbarer Nähe Ihrer Wohnungstür eine Frau und ein kleines Kind am Boden liegen. Beide sind nicht mehr am Leben, Ursache und Zeitpunkt ihres Todes noch unbekannt. Bisher haben wir keine Anzeichen äußerer Gewalt gefunden. Da die Frau keine Identifikation bei sich trägt, können wir nicht mit Sicherheit sagen, wer sie ist. Da ist nur die Aussage von Herrn Martin.“

Gummiartige Wärme steigt meine Beine empor. Watte füllt meine Ohren. Wir schauen uns in die Augen. Die Watte sitzt in meiner Kehle, in meinem Kopf. Dann schüttel ich das von mir.

„Das kann nicht Julia sein. Sie ist vorhin erst mit Tobias zum Einkaufen. Haben Sie andere Mieter gefragt? Herr Martin müsste sie doch erkannt haben.“

„Genau deshalb bin ich hier. Er sagte, Sie würden in diesem Kaffe sitzen, wie an jedem Morgen.“

„Das kann nicht sein. “

„Möchten Sie anrufen?“

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Ape Won – Alles ist Fremd – 5

Weit über unseren Köpfen verfängt sich das grelle Licht der Sonne bei 32K im Grün dichten Blätterwerks. Mit dem was übrig bleibt, malt sie in 2880 dpi impressionistisch flimmernde Lichtflecken auf die Pflastersteine des Weges. Zu unserer Linken abgestellt, vermeintliche Selbsts der Aufbewahrten, Raum bildend, so wie zu unserer Rechten die Gitter und Mauern vor ihren Schutzstätten. Unsichtbare Vögel zwitschern fröhlich in THX zertifiziertem DTS Surround Original Sound. Hin und wieder, Schritt für Schritt, blickt Herr „Draußen ist Krieg“ nervös um sich. Die Anspannung in den Wangen schmerzt. Ich versuche, mir nichts anmerken zu lassen.

Auf der zur Straße gelegenen Terrasse nehmen wir Platz. Ein runder Tisch zwischen uns. Ich sitze mit dem Rücken zum Kaffee, er mir gegenüber. Hinter ihm der leere Gehweg, die Fahrstraße und der voll geparkte Marktplatz, an dem entlang die Hauptverkehrsstraße samt Verkehr in einer Kurve unter die S-Bahn Brücke taucht. Keine Bäume hier. Reinstes Blau spannt tief hoch oben. Die Dinge um uns herum scheinen überbelichtet; die Dinge, die da sind. Ein Ober kommt an den Tisch. Mit halb zugekniffenem linken Auge blicke ich ihn an und bestelle einen Cappuccino, der Fremde einen Kaffee, schwarz, ohne Zucker. Das Weiß der Decke erblindet mich beinahe.

„Sie irren sich offensichtlich. Sehen Sie?

„Des Sonnenschein trügerisches Blenden mag sie von Zeit zu Zeit erblinden.“

„Ach kommen Sie, genießen Sie ihren Kaffee, das angenehme Wetter und den Frieden.“

„Ihr Blickwinkel ist sehr eingeschränkt.“

„Na Sie reden doch die ganze Zeit nur vom Krieg. Ist Ihnen nicht furchtbar warm in dem Anzug?“

„Jetzt wo Sie das sagen, ja.“

Er knöpft mit der rechten Hand sein Sakko auf, greift unter die linke Seite, holt die Hand wieder hervor, legt sie auf den Tisch und zieht sie langsam zurück. Die Waffe bleibt liegen.

„Sind Sie irre? Warum haben Sie eine Pistole?“

„Sprache ist oft eigenartig, eigenartige Zufälle, Kombinationen von Buchstaben. Schauen Sie, zum Beispiel das Wort Waffe. Es enthält das Wort Affe. Der englische Begriff ebenso, wenn auch nicht so offensichtlich. Wundersamer Weise lässt sich aus den Buchstaben sogar ein sinnvolle Wortfolge kombinieren. Ape won.“

„Toll. Spätesten im Französischen scheitert ihr Wortspiel.“

„Das ist nicht von Bedeutung.“

„Haben Sie einen Waffenschein?“

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Ape Won – Alles ist Fremd – 3

„Aber Sie haben an meine Tür geklopft, und nicht ich an Ihre.“

„Vertrauen Sie jedem, der an Ihre Tür klopft?“

„Warum haben Sie nicht geklingelt?“

„Das hätten Sie überhört.“

„Sie waren sehr ausdauernd. Woher wissen Sie, – was rede ich eigentlich mit Ihnen? Was wollen Sie mir verkaufen? Staubsauger, Jesus, Schnaps? Ist das überhaupt noch üblich? Tür zu Tür?“

„Alles was Ihnen bisher geschah, konnten Sie auf vorausgegangene Ereignisse zurückführen, egal wie weit zeitlich oder räumlich entfernt. Ihr Leben hatte in jedem Moment einen, wenn auch noch so kleinen, Bezug zu ihrem bisherigem Leben, habe ich recht?“

„Machen Sie jetzt den Verschwörer, hm? Das Geschäft mit dem Krieg vor der Haustür als Bonus? Was für eine Frage. Keine Ahnung, könnte wohl so sein, noch nicht wirklich drüber nachgedacht. Ich führe kein Buch über mein Leben. Entweder Sie kommen jetzt rein, oder ich komme zu Ihnen hinaus und wir gehen etwas spazieren. Tolle Sonne heute wieder. Wird Ihnen gut tun; mir sowieso.“

„Das ließe sich vielleicht arrangieren.“

„O.k., warten Sie einen Moment.“

Ich klappe die Tür zu und ziehe den Riegel knarzend, scharrend, klackend in die Falle.

Das Klopfen beginnt erneut. Ich gehe zwei Schritte zurück, drücke den Riegel wieder heraus, ein Knall auf Metall, drücke die Klinke, ziehe die Tür auf.

„Kennen Sie mich?“

„Nun warten Sie doch mal kurz, bin gleich wieder zurück, hole nur Schlüssel, Portemonnaie und Teledings.“

„Sagen Sie, kennen Sie mich?“

„Nein, woher sollte ich Sie kennen?“

„Und, Sie finden das nicht verwunderlich, dass ich an Ihre Tür klopfe?“

„Doch schon, Klingeln erscheint mir jedenfalls weniger verwunderlich, aber darüber können wir auch spazierend unter blauem Himmel plaudern.“

„Ja, Sie haben vermutlich recht. Erhoffen Sie sich Nichts. Das Reden wird überschätzt. Am Anfang war das Ding, nicht das Wort. Und das Ding zeugte, was das Zeug hielt. Ich warte. Bitte beeilen Sie sich.“

Wir starren uns an.

„Ein Clown zu viel heut Morgen?“

Abermals klappe ich die Wohnungstür zu, erspare dem Riegel die Falle. Schlüssel, Portemonnaie und Revolution liegen auf dem Küchenwagen. Auf dem Weg zurück verteile ich die Dinge des Lebens in meine Hosentaschen, hebe den Kopf, und da steht er vor mir. Der Mann. Im Flur. Kleine

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Ape Won – Alles ist Fremd

An zwei Monitoren vorbei blicke ich auf das alte Kastenfenster und seine zwei Glasscheiben. In der unsichtbaren Sommersonne angenehm leuchtend grüne, stumme Blätter, lassen meinen Blick verharren bis ihr Abbild beginnt zu solarisieren. Eine erfrischende Ahnung von klarem, blauem Himmel. Stille. Windstille. Nordseite. In der Wohnung gegenüber läuft, wie so oft, ein Zeichentrickfilm. Die Zeitanzeige, links unten auf dem rechten Monitor, 11:21. Ich bin ein Kind der Sonne. Sonnenschein macht mich glücklich, wahnsinnig glücklich. Auch damals, zu Fuß die Ngong Road entlang, in heißes Feucht getaucht, kurz vor dem Ertrinken in dieser scheinbar stagnierenden Wärmeflut, hatte ich keinen Hass auf die Sonne. Im Gegenteil. Sterben mit der Sonne glühenden Wärme auf meiner Haut, muss eine angenehme Art und Weise sein das Licht auszuschalten.

Klopfen im Hintergrund. An der Tür? Ja, muss die Tür sein. Klopfen an der Tür. Aber wer oder was klopft , und warum? Ich erwarte nichts und niemanden. Klopfen. In beinahe regelmäßigem Abstand nun. Klopf, klopf, klopf. Ob das mal aufhört? Warum klopfen und nicht klingeln? Ein Zwerg? Gut, ich schnappe mir die weiße Fahne, schiebe die Maus nach vorne, stehe auf, gehe durchs Zimmer, die Küche - ein paar Kinder spielen kichernd mit dem Fußball auf dem Parkplatz zwischen den Häusern -, in den Flur. Da klopft wirklich jemand auf die Wohnungstür. Vor dem Spion steht ein großer Mann mit dunklem Gesicht, Nickelbrille, kurzem, graumeliertem Vollbart und noch kürzeren blonden Haaren. Er trägt einen schwarzen Anzug mit makellos weißem Hemd unter dem Sakko und einen hell rosa Schlips. Sein Anblick fasziniert mich. Ich drücke den Riegel aus der Falle, ein Knall auf Metall, und öffne vorsichtig die Tür. Wir schauen uns in die Augen. Meine schweifen kurz ab. Nackte, umwerfend schöne Füße. Ein wohliges Gefühl schwärmt in meinen Kopf.

„Draußen ist Krieg!“

„Was? Wovon reden Sie?“

„Lesen Sie keine Zeitung? Fernseher, Radio, Internet?“

„Letzteres. Draußen ist kein Krieg.“

„Woher wissen Sie das?“

„Nicht aus der Zeitung.“

„Das sagten Sie bereits.“

„Also …“

„Unschuldige Menschen sterben.“

„Machte das einen Unterschied, Schuld oder Unschuld?“

„Nehmen Sie Passagierflugzeuge. Hunderte unschuldige Menschen, die nichts ahnend umher fliegen, stürzen vom Himmel.“

„Von wem sonst. Nichts ahnend? O.k., aber woher wissen Sie, dass die alle unschuldig sind? – Diesen Krieg meinen Sie. Die Ukraine.“

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Über dies

in: Die Dinge die da sind — B2G Revolution Live

Die 10 Hinweise Die 10 Hinweise

Hightech Lomografie.
So oder so ähnlich.

Das Aufnahmegerät ist ein Smartphone, das Revolution.
Dessen Spezifikation kann den Angaben des Herstellers, der kleinen, spanischen Firma Geeksphone entnommen werden.
Ich betreibe das Gerät mit Boot2Gecko. Boot2Gecko, das ist Firefox OS ohne Schutzmarke.

Der veröffentlichten Fotografie gehen Tests, Varianten, Annäherungen voraus. Da der Upload teilweise direkt vom Revolution und unmittelbar nach der Aufnahme erfolgt, live halt, ist eine Bearbeitung nicht mehr möglich. Unabhängig davon, ist sie von vornherein nicht gewollt, zumal auf Grund des Bildformates JPEG technisch selten sinnvoll.
Anders als bei der Fotografie im RAW Format, das nur einen relativen Farb- und Kontrastumfang wiedergibt, also erst noch zum Bild entwickelt werden muss, repräsentiert das JPEG bereits ein fertiges Bild mit absoluten Farb- und Kontrastwerten - noch dazu nicht verlustfrei komprimiert.
Die Aufnahme wird in diesem Fall von der in die Kamera integrierten Soft- und Hardware Parameter zum Bild entwickelt und nicht durch den Fotografen, so wie bei der RAW Fotografie oder der analogen, Negativ basierten Fotografie.
Die Entscheidung, ob ich mit dieser Entwicklung leben kann oder nicht, ob sich die unbearbeitete, bzw. von der Kamera entwickelte Aufnahme mir so perfekt wie möglich darstellt, führt im verneinenden Fall nicht zum Versuch einer nachträglichen Verschlimmbesserung des JPEG, sondern zum Verwerfen der Aufnahme.

Wie auch bei meiner Abstrakten Fotografie wird die Fotografie allein bestimmt durch den Umgang mit der Kamera und der vorhandenen, vorgefundenen Szenerie.
Das Vorhaben ist Fotografie, nicht nachträgliche Erarbeitung eines Bildes auf Basis einer Fotografie.

Bedeuten mir Motiv und Komposition genügend, so das Verwerfen auf Grund durch das Gerät bedingtem technischen Mangel oder minimalem Mangel im Ausschnitt der Aufnahme, bedauerlich wäre, versuche ich diesen Mangel zu beheben.
Dies betrifft einmal die schlechte Performance des Revolution, in Situationen mit ungenügend Licht; das Resultat ein nicht beabsichtigtes Farbrauschen. Beheben bedeutet Reduzierung des Farbrauschens. Ist das Ergebnis nicht akzeptabel, wird die Aufnahme dennoch verworfen.
Der andere Mangel betrifft diejenige spezielle Situation, die eine optimale Positionierung der Telefonkamera nicht ermöglicht, und die dadurch bedingte Schwächung der Komposition durch minimal in die Aufnahme ragende undifferenzierte Randelemente.
Diese Elemente werden retuschiert, abgewedelt oder nachbelichtet.
Führt dies zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis, wird die Aufnahme verworfen, oder der Mangel hingenommen.
Keine weitere Bearbeitung.

Thema ist einerseits das Fotografieren selbst. Das Fotografieren mit dieser Kamera.
Die Konstruktion und die beschränkten Möglichkeiten der Kamera führen zu einer speziellen Handhabung.
Eine geplante mögliche Interpretation, ein im Voraus festgelegtes inhaltliches Thema, über das Aufgenommene hinausgehend, ist nicht vorhanden.
Ich fotografiere nicht, um eine bestimmte vorher gedachte Aussage abzubilden. Die Aufnahme hat jedoch zwangsläufig eine Aussage. Diese kann, muss aber nicht gefunden und in Worte gefasst werden.
Ebenso das Motiv, die Situation für die Abbildung; sie zeigt sich, findet sich, oder eben nicht.
Entscheidend ist nicht das, was die Fotografie abbildet, sondern dessen Abbildung.
Das Thema der Aufnahme ist abstrakt, die Abbildung selbst ist realistisch.
Jede Fotografie steht für sich. Sie ist nicht Bestandteil einer Serie inhaltlich gleichartiger Aufnahmen.
Bildtitel und Bildtext sind Zusatz. Sie sind mal mehr, mal weniger eigenständig, erklärend, benennend, interpretierend, ergänzend, Bedeutung erfindend und zuweisend.


Ziel der Aufnahme ist, die Situation im beschränkten Rechteck so zu komponieren, dass der Eindruck der ursprünglichen, mit zwei Augen wahrgenommenen, viel umfassenderen Situation, sich bestmöglich in dieser Fläche vermittelt.
Prinzipiell nicht machbar, deshalb eine Übersetzung in die Geometrie der Fläche.

Eine Übersetzung jedoch derart, dass einerseits etwas Eigenständiges, Neues entsteht, unabhängig von der Situation, die abgebildet wurde, andererseits aber dennoch die Wahrnehmung der ursprünglichen Situation so weit als möglich transportiert.

Während des Ausrichtens der Kamera werden weniger Einzelheiten, sondern maßgeblich das im Rechteck der Vorschau Abgebildete als Ganzes wahrgenommen und abgeschätzt.
Sobald das Bild stimmt, zu stimmen scheint, wird ausgelöst.
Kontrolle und Wiederholung, iterierend bis zum Erfolg, oder wenn nicht machbar, Abbruch.


Was der andere Betrachter in der Aufnahme sehen mag, wird allerdings genauso unterschiedlich von der eigenen Wahrnehmung sein, wie dessen Wahrnehmung der Situation vor Ort.


Eigenart und Reiz bei diesem Gerät:
Die Vorschau weicht im Ausschnitt grob von der Aufnahme ab, und muss deshalb geschätzt werden, wie oben beschrieben.
Alle Parameter der Aufnahme lassen sich, sofern überhaupt, nur durch Ausrichtung der Kamera beeinflussen.
Einstellmöglichkeiten jeglicher Art existieren nicht.

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Der Wechsel – Blickwechsel – Starf + Silvie (Epilog Dialog) – 27

Personal. Der Scanner. Im Notfall dienen sie als Evakuierungsschleusen. So oder so, angenehmer als mit dem Rundherum. Ich mag die Dinger nicht.“

„Im Notfall –? … Ich dachte, die Türme würden allein durch uns Angeschlossene und die Verteilung kontrolliert?“

„Innerhalb eurer Wahrnehmung ist das korrekt. Tatsächlich sind sie ein Konstrukt der G-Sporen und somit selbstregulierend. Der Zugang zur Ebene, der Scanner, sie entsprechen im Prinzip dem Implantat. Sie sind die Implantate des Turmes.“

„Konstrukt der G-Sporen? Was meinst Du damit?“

„Mädels, eine gute und eine schlechte Nachricht.“

„Kindskopf.“

„Und Du trägst immer noch diese altertümlichen, unpraktischen Anzüge, Rykarma?“

„Wie es der Anlass erfordert, Stefan. Diese Anzüge haben Stil, Stil und Würde. Im Gegensatz zu Deinem – Body, und Deinen – Armreifen.“

„Kann ich nicht ändern, muss ich wohl noch eine Weile länger tragen. Du hast Dir die Haare gefärbt?“

„Stefan, die gute Nachricht, die schlechte Nachricht?“

„Steht Dir aber. – Die gute Nachricht, Halle und Rundherum sind frei. Die Wechsel sind nicht mehr wahrnehmbar, weder ungefiltert, noch über den Scanner. Anzahl der Angeschlossenen im Turm: Null, sofern auf die Daten Verlass ist. Die schlechte Nachricht, der Turm bereitet eine substantielle Lösung seiner Bindung vor. Das ist neu. Eigentlich hochinteressant. Ehrlich gesagt war mir nicht bewusst, dass das überhaupt möglich ist. Bereichsweise, sicher, aber der ganze Turm? Sofern die Anzeichen korrekt sind, und ich halte sie für korrekt, sollten wir den Turm jetzt verlassen, möglichst bevor er mit der Auflösung beginnt.“

„Der Turm löst sich auf. Noch mehr irre Neuigkeiten?“

„Die G-Sporen desintegrieren, korrekt. Da ist vieles, was ich Dir noch nicht erklären konnte. – Ryka?“

„Wie ist die Situation in den anderen Türmen?“

„Hab nicht erneut alle überbunden. Schätze aber, die Werte sind dort dieselben wie schon zuvor.“

„Globaler Exodus der Angeschlossenen und anschließend Zerstörung der Türme? Nur Verteilernomaden, Nomaden und Subs sind nicht betroffen?“

„So sieht es aus. Die Rolle der Verteilernomaden? Das war mir nie ganz klar.“

„Vielleicht haben wir sie tatsächlich unterschätzt. Doch das war nicht unser Thema, nicht vorrangig. Der Schifter ist vorbereitet. Wir tauchen in die Sub und treffen diese Suzan Cohen-Fish. Deinen zweiten Fang.“

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Der Wechsel – Blickwechsel – Starf + Silvie (Epilog Dialog) – 24

den Scanner, kann ich ein Loch in der Hallenwand oder Deine Schweberei bestätigen. Nicht dass das tatsächliche Geschehen da draußen weniger ungewöhnlich wäre. Silvie, hörst Du mir überhaupt zu? Die Abseitigen, das ist ein Bild, welches in der Übermittlung gezeichnet wird. Das Bild von Menschen wie Julian und all den anderen, bei denen Symbiose und Simulation sich anders auswirken, als bei denen, die dieses Bild verbreiten.

Ja, das war natürlich nicht ernst gemeint. Ich bringe Dich hier raus. Nur wohin? Zurück in Deinen wahrscheinlich ebenso leeren Turm?“

„Ich werde sie Dir zeigen, – hier, das ist eine Pump …“

„Hm?“

„Du manipulierst mich! Oder jemand hat das Teil vertauscht. Ich besitze keine Schaller!“

„Auch das ist ungewöhnlich. Angeschlossene besitzen in der Regel nichts. Die Ursache für Deine veränderte Wahrnehmung ist mein Implantat, insofern manipuliere ich Dich, oder besser gesagt ich manipuliere die Manipulation. Kann ich aber nicht lange für uns beide aufrechthalten. Schau.“

„Immer noch Schaller.“

„Blinzel!“

„Pumpgun.“

„Sieht so aus, aber glaube mir, sobald ich mich aus der Simulation ausklinke, sehe ich wieder eine Monoschaller. Weil, es ist eine Monoschaller.“

„Wie kannst Du Dir da so sicher sein? Oder Du willst Dich besonders geschickt um die Bits drum rum manövrieren, die Du mir schuldest.“

„Oh Silvie, was für ein unnötiger und grotesker Aufwand. Spüre in Deinem Interess nach, die Bits sollten inzwischen generiert sein. Davon abgesehen, am Ende kommen wir unweigerlich auf die Vorgänge in der Halle zurück, Deine anderen ungeklärten Erlebnisse heute und die Tatsache, dass Du mit mir im Scanner sitzt. Nein, es war genau anders herum. Ich war mir ziemlich sicher, dass Du früher oder später auftauchen würdest, wegen der Bits, zumindest vordergründig. Aber was ich auch sage, an dieser Stelle haben wir tatsächlich ein Problem. Du hängst in einer mehrfachen Bindung. Auflösen kannst Du die nur, wie Du selbst so schön formuliert hast, wenn Du darauf vertraust, was andere Dir erzählen, was ich Dir erzähle.“

„O.K.. Kann ich da ein paar Nächte drüber schlafen? Mir platzt der Kopf. Hier drinnen gibt es keine Übermittlung, oder?“

„Witzig. Nein. Aber um auf Deine Frage zum Verschwinden der Angeschlossenen zurückzukommen. Die Frage ist nicht einfach zu beantworten. Aktuell spricht alles dafür, dass sie, wie hast du gesagt? Das sie wirklich durch die Wechsel schwuppen. Nicht durch die Wand, aber durch die Wechsel.“

„Sollten wir dagegen nicht etwas unternehmen?“

„Ähm, was schwebt Dir vor?“

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Der Wechsel – Blickwechsel – Starf + Silvie (Epilog Dialog) – 23

Verbinde Dich dem Stamm, der Gruppe, der auch Jochen verbunden ist. Du scheinst in Deinen Gedanken unabhängiger, als der übliche Angeschlossene. Im Stamm werden sich Dir neue Aufgaben stellen, jenseits vom Anschluss in den Türmen. Zwar neigt dieser Teil des Stammes ebenfalls zu einem quasi religiösen Überbau, aber längst nicht in dem Extrem, wie die Animalisten. Das was ich Dir erzählt habe, kann Dir wirklich nur einen sehr groben Überblick vermitteln. Da ist noch weitaus mehr, was Du erfahren solltest und dort auch erfahren wirst.“

„Mich dem Stamm anschließen.“

„Jupp.“

„Warum sollte ich? Warum gleitest Du plötzlich so sehr auf den Stamm ab?“

„Weil Du schon jetzt darauf brennst mehr zu erfahren. Du fühlst Dich besser in Deiner selbstbestimmten Zeit, besser als in der Zeit, die Du am Anschluss binden musst. Das ist Dir auch bewusst. Nicht jede Angeschlossene macht sich mit einer gescannten Fremdidentität im Interess und, ähm, einer Pumpgun im Rucksack auf den Weg, um ihren flüchtigen Liebhaber ausfindig zu machen, weil er ihr viertausend Bit schuldet, geschweige denn, würde sie diese Schaller auch tatsächlich benutzen. Kaum eine Angeschlossene wird überhaupt erst einen vollkommen Unbekannten ohne Interess und Anschluss bei sich wohnen lassen. Kaum eine Angeschlossene wird sich soweit von ihrem eigenen Turm entfernen. Noch weitere Gründe? Stell Dein Potential sinnvoll zur Verfügung. Jenseits einer Anschlussbindung. Stell sie dem Stamm zur Verfügung. Deine Entscheidung, Deine bewusste Entscheidung. – Ich kann Dich aber auch wieder in die Halle verabschieden.“

„Nett von Dir, wie leicht Du mir meine bewusste Entscheidung machst. Und ein interessantes Bild, das Du von mir zeichnest. Irritierend. Vielleicht hast Du mich schon damals manipuliert? Mehr erfahren klingt sicherlich gut. Das stimmt so. Selbstbestimmte Zeit ebenfalls. Halle eher weniger, sofern das dort noch kein Ende genommen hat. Da bin ich jetzt so oder so auf Dich angewiesen; und ich hoffe, Du scherzt. Aber kann ich all dem Glauben, was Du da beschrieben hast? Ich blicke da nicht vollständig durch. Ich meine, manches klingt durchaus plausibel, soweit ich es verstehe, beinahe so plausibel wie die Übermittlungen, andererseits, vielleicht stimmt mit Deinem Kopf irgendetwas nicht, vielleicht bist Du ein Abseitiger?“

„Kam ich Dir so vor in den letzten Monaten?“

„Manchmal?“

„Touché. Die sogenannten Abseitigen hatte ich ganz vergessen. Gut, dass Du sie noch einmal erwähnst. Ich, ein Abseitiger. Und das erzählst Du mir? Du, die Du behauptest, Dich verfolgten teuflische Gestalten, Du wärst in der Halle geschwebt, hättest in der Hallenwand ein riesiges Loch gesehen und eine Pumpgun im Rucksack? Weder mit, noch ohne Implantat, noch über

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Der Wechsel – Blickwechsel – Starf + Silvie (Epilog Dialog) – 19

Die Angeschlossenen verschwinden darin? Oder ist das auch nur eine Halluzination? Was ist mit meinem Rucksack und der Pumpgun, was ist mit dem Schuss? Wie erkennst Du, ob die von Dir wahrgenommene Situation noch einen sinnvollen Bezug zur Wirklichkeit außerhalb der Simulation hat, sofern Du Dein Implantat nicht ‚machen‘ lässt? Du hast gesagt, meistens ‚ergibst‘ Du Dich der Simulation.“

„Du hörst mich nicht. Also nicht hier und jetzt. Dein Ohr, ja, sicher. Doch die Stimulation kommt nicht an ihr Ziel. Simulation, Stimulation – mein Gott. – Meine Stimme, die Stimme, die Du wahrnimmst, entsteht direkt in Deinem Kopf, ohne den Umweg über Deine Ohren. Der Unterschied wird Dir nicht bewusst. Das funktioniert so ähnlich wie die Übermittlung, doch die Ursache ist hier mein Implantat. Das bindet nicht nur meine G-Sporen, sondern auch die Anderer; deren Simulationsmodulation. Auf kurze Distanz jedenfalls. Das reine Erzählen reicht außerdem nicht, um einen fremden Einfluss dauerhaft zu binden. Die Simulation ist subtil. Das sagte ich schon. Sobald wir uns trennen, würde sie aufholen und rückmodulieren. Deine Erinnerung, oder die Bewertung Deiner Erinnerung, und somit auch Deine zukünftige Motivation, würden sich ändern. – Thema Heilsbringer, Thema Stamm: Seit dem Brand wurden keine neuen Implantate konstruiert. Was also verteilen? Das Wissen und die Möglichkeiten fehlten bis vor kurzem. Der Stamm steht erst jetzt unmittelbar davor, weitere, neue Implantate herzustellen. Aber warum sollte der gewöhnliche Angeschlossene ein Interesse an einem Implantat haben? – Sinn? Keine Ahnung. Welchen Sinn macht Wahrnehmung sowieso? Reine, unreflektierte Wahrnehmung beeinflusst Dein Handeln mehr als alles andere. Wenn ich Wahrnehmung sage, meine ich nicht Stimulans und Reaktion. Ich meine Qualia. Bewusstsein. – Dein Gepäck? Du trägst nen Halbpack und darin eine Monoschaller. Eine Pumpgun und dergleichen wirst Du nirgends mehr erhalten.“

„Ist ein Erbstück.“

„Von wem in aller Welt erbst du heutzutage eine Schaller, die dir noch dazu als Pumgun simuliert wird?“

„Meine Mutter besaß eine Sammlung historischer Waffen. Diese Pumpgun war schon immer eine Pumgun, hat nie jemand anders wahrgenommen.“

„Leben Deine Eltern?“

„Sie haben sich für den Versorgungstank entschieden, natürlich mit dauerhafter Anschlussbindung.“

„Und so hast Du noch Kontakt zu Ihnen? Du siehst sie häufig? Bist mit Ihnen unterwegs?“

„Sicher, durch den Anschluss.“

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Der Wechsel – Blickwechsel – Starf + Silvie (Epilog Dialog) – 18

„Zugegeben, die meisten Krankheiten verschwanden allmählich in den Jahrzehnten nach Brand und Wiederaufbau. Organversagen und frühes Altern wurden jedoch Normalität.“

„Im Gegensatz zu meinem Schweben in der Halle.“

„Dein Schweben? Trägst Du einen Sublimationsanzug? Weißt Du, wie massiv die Dinger sind? Glaub mir, eine Masse, die nur Hybiorobs bewegen können .“

„Hybiorobs?“

„Maschinen. Maschinen, die von sich selbst denken, sie wären keine Geräte, denken, sie wären Menschen. Wie soll ich Dir das jeztzt auch noch erklären.“

„Na, dann erwähne sowas nicht. Ist eh schon alles verwirrend genug. – Da Du von Gewicht sprichst, dieser Boden auf dem wir sitzen, wieso ist der so schmeichelnd bequem? Oder bilde ich mir das auch nur ein? Sieht spiegelglatt aus und fühlt sich an, na, so hart wie Phytan, wenn ich mit der Hand darüber streiche. Sitzt sich aber sehr bequem, wie auf einem Flies.“

„Das ist deshalb so, weil wir in Wirklichkeit auf warmem, weichem, schmiegsamem Sand sitzen, und ein paar Schritte weiter rauscht das Meer.“

„Nicht Dein Ernst!“

„Nein, Scherz. Die Simulation ist keine Zauberei. – Gut, Zauberei selbst ist auch keine. … Egal.“

„Hahaha.“

„Der Boden funktioniert ähnlich wie ein Flies, passt sich deinen Bewegungen und der an ihn abgegebenen kinetischen Energie an, beispielsweise durch dein Gewicht, zum Wohlgefallen deines Körpers; glücklicherweise tut er das unmittelbar. – Was ist Deine Erklärung für Dein Erlebnis in der Halle?“

Ich hab keine Erklärung. Aber das heißt noch lange nicht …“

„Die vielen Leute sind tatsächlich da draußen, nur sind sie keine Nomaden, sie sind Angeschlossene, so wie Du. Und sie bewegen sich tatsächlich benommen auf das Ende der Halle zu. Doch da ist kein Loch in der Wand. Da schweben Wechsel. Dicht an dicht. Auf der ganzen Breite der Halle, ein Ozonstinker neben dem Anderen. Und nicht nur auf dieser Ebene. Und nicht nur in diesem Turm. Und das ist mein aktuelles Problem, mehr noch Dein Problem. Ist die Situation ein Problem für die Leute in der Halle? Ich weiß es nicht. Wahrscheinlich. Wo ist Jochen?“

„Stop, mir schwirren noch andere Fragen im Kopf. Zum Beispiel. Warum verteilt der Stamm keine Implantate an alle? Und kann die Simulation nicht abgestellt werden? Rein hypothetisch gedacht, denn was für einen Sinn macht die Simulation im Großen und Ganzen? Wie weit reicht sie? Was wird alles simuliert? Hat die Simulation nichts dagegen, hahaha, dass Du mir dieses besondere, nicht übermittelte Wissen – diese Geheimnisse –, so umfangreich anvertraust? Ist das was ich höre, wirklich das, was Du mir sagst? – Was für eine blödsinnige Frage. Nur mal Dein Zeug weiter gesponnen. O.k., selbst wenn; das mit der Verschönerung der durch die Übergabe erzeugten Lebensmittel, das erscheint mir noch einigermaßen plausibel, aber die Situation in der Halle? Und warum hört sich Deine Version dessen was ich in der Halle erlebt habe, genauso absurd an wie meine? Ein Loch oder diese Dinger?

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Der Wechsel – Blickwechsel – Starf + Silvie (Epilog Dialog) – 2

mehr ändern – ist vielleicht sogar von Vorteil. Da Du nun schon mal hier bist, füttere ich Dir halt gleich die ganze Geschichte. – Apropos, kannst Du mir erzählen, wo Du warst und warum Du erst jetzt in diese Menschenmenge geraten bist? Ich dachte, Du hättest den Turm längst verlassen?“

„Wenn ich das so genau wüsste …, aber Du bist ja noch anderweitig beschäftigt. Implantierte Realität? Was heißt das? Von wem?“

„Ja, die ganze Zeit schon, mehr oder weniger.“

„Unsinn. Du erzählst immer noch Unsinn. Aber o.k., ich warte. Was soll ich auch anderes tun.“

„Moment, ich bekomm das hin, muss nur noch … bin gleich … für Dich da. An diesem Punkt ist eh Schluss, so wie es aussieht. Bleibt auch für mich nur Warten – für uns. – Unglaublich was da abgeht.“

„Gut, setzen wir uns.“

„Auf den Boden?“

„Jupp.“

„Stühle gibt es hier anscheinend keine, und auch sonst nicht viel.“

„Ähm, jedenfalls nicht wirklich.

„Du willst mich veräppeln.“

„Der rosa Apfel, korrekt.“

„Also, ich habe da eine Pumpgun im Rucksack und – ich war sowieso ziemlich sauer auf Dich, und …“

„Ah, komm, immerhin hab ich Dich grad gerettet.“

„Vor einer Halluzination.“

„Nicht ganz. – Wohin bist Du so still abgezogen, während … nachdem Jochen sich verabschiedet hatte?“

„Ich weiß es nicht.“

„Du weißt es nicht.“

„Das ergibt alles keinen Sinn. Ich erinnere mich, neben euch zu hocken, konnte irgendwie durch die Ebenen schauen, war klasse, dann das Rundherum. Plötzlich stehe ich wieder in dem Raum mit diesem Teil, dem Wechsel, und, dieses Wesen vor mir, in mir, was weiß ich, vor dem Wechsel … ein strahlendes Licht im Wechsel? Ich halte die Pumgun in den Händen …“

„Dein Teufel? Hast Du ihn erledigt?“

„Blödmann. Den Part bekomme ich nicht klar. Als nächstes erwache ich auf dem Boden, nackt, benommen, mit dicken Kopfschmerzen und der Erinnerung an einen irren Traum. Der Raum ist leer, nur mein Kev und der Rucksack sind zu sehen. Ich klaube mich auf und mir wird schlecht. Nassraum, raus aus dem Appartement, rein in die überfüllte Halle. Hilfloses Schweben in der Menge. Der Zugang zum Rundherum ist quasi versperrt. Ich treibe die Halle entlang, und in der Ferne klafft ein Loch in der Wand, durch das alle verschwinden. Ganz toll. Den Rest kennst Du anscheinend.“

KommTier! | Auf | |

Der Wechsel – Wechselspiel – Jochen + Ryka (Ende) – 2

er, konnte oder wollte aber nicht wirklich erkennen, was es war, das dort unaufhörlich ins Wasser fiel. Eine örtliche Erscheinung? Eine absurde Vorstellung. Dann verebbten der Schwall und die Geräusche. Als wären sie nicht dagewesen. Zuerst. Doch nun glaubte er Schreie zu hören, leise Hilferufe. Rufe nach Hilfe? Sollte er sich wundern? Wundertest du dich in deinem Traum?

Langsam ging er weiter, den Strand hinunter, nicht aufs Meer schauend, die sanfte Brandung seine Füße umspülend, jeder Schritt leicht in den Sand sinkend. Vor sich hin starrend, wurde seine Aufmerksamkeit von einer Bewegung in der Ferne erfasst. Jemand kam auf ihn zu. Er blieb stehen, wartete, ein Ziehen im Bauch, Leere im Kopf. Kalte Hände, deren Finger sich in ihre Handflächen gruben. Er wartete, beobachtete, wunderte sich endlich.

Die Frau näherte sich, bis zu dem Punkt, an dem er ihren Atem spürte, ihre vom Körper erwärmte Luft seine Haut berührte. In ihrer linken Hand hielt sie auf Augenhöhe einen rosa Apfel empor. Eine Bö erfasste ihr langes, glänzend graues Haar und wehte es seitlich vor ihre Schultern, wo es, auf ihre wohlig erhabenen Brüste gleitend, zur Ruhe kam.

„Da bist Du also doch zu uns gelangt. Wie erfreulich es ist für uns, Dich hier wiederzufinden, Dich hier wiederzusehen. Und so will ich Dir nun meinen Namen nennen, denn dieser wurde als Ryka bestimmt. Wir heißen Dich willkommen in einer zukünftigen Simulation einer besseren Welt, Jochen.“

„Was?“

„Hab keine Angst. Fürchte Dich nicht. Denn Du wirst nicht alleine sein.“

Sie wandte ihren Kopf zum Meer und er folgte ihrem Blick auf die gleiche Weise, zwanghaft.

„Sieh!“

Und er sah. Ein Meer voller Menschen. Viele von ihnen schienen mit dem Ertrinken nah. Todesangst und Verzweiflung. Das Geschrei und Gezeter kamen näher, wurden lauter. Ein Becken voll brodelnd, peitschender Hysterie.

„Was ist das für ein Irrsinn? Wo sind wir? Wer bist Du?“

„In einer besseren Welt, Jochen.“

„Das sagtest Du bereits. Meine Wahrnehmung ist jedoch eine Andere als Deine. Dies ist keine Simulation.“

„Und doch befindest Du Dich in einer, Jochen.“

Schon seit längerem plagte ihn diese Frage, und nicht nur ihn, die Frage, ob die Implantate noch immer die gleiche Wirkung zeigten, wie in der Zeit vor dem Brand, als sie konstruiert wurden. Kein günstiger Zeitpunkt für Zweifel. Er blickte ihr geradewegs in die Augen, versuchte sie zu fixieren.

„Genial. Bravo. Applaus. Eine bessere Welt. Natürlich. Ein Meer voll schreiender, hilfloser Menschen, die scheinbar aus dem Firmament gefallen sind und eine unbekleidete Frau, die von einer besseren Welt faselt. Willst Du mich veräppeln?“

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