Ξ  Xabu Iborian

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Z e i t w a i s e

Es gibt noch keine Beiträge mit dem Schlagwort „K��rper“. Statt dessen zeige ich Dir die Beiträge Xabu Iborians zum Schlagwort „Blick“.

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kakao schwimmer

stürmeerwischt in gepflügtenen eiligenheiten reigen wir uns von gegeneinanderer im zaum gehaltener hineingaben verschronnen vor dem kuntergrund trapetzerie wandelnder diesbezüge überfallenem jenseits vertrunken im partrickelndem seinschein splitterbuntem graureifs dich erspürend in pulserierenden gravuren deiner wunderwärmend lebendigen hand in hand über hand unter hand fest ineinander gleistend im ström regelent brassender witterwinderungen verschlungernder pfaden deiner stimme flauschig schwerenden samtfühlerungen gehörig - oh der umklang deiner stimme dieser stimme die mich sänftig herb fesselnd auflöst auflösend fesselt von moment zu moment von augenblick zu augenblick - der im widerstand meiner entschlossenen lippenhäute erregende andruck deiner prickelnde feuchte in meinen gemächtlich zöglichterloh nachgiebenden mund pressenden zunge nassrauhen lustfleisches kitzeln - dann die zeit die zeit die zeit die zeit in stillen gravuren deiner wundersam kühlenden hand verschollene gedanken an die geringerung der umhangenden zerrinnerung verrauntet im schlachentrief der gegebenenden unvergeblichtenen versinndet in dinglichtungen unendlichter ringschlüsse lichter dunklingenden - nein kein letztes mal der wärmende duft deiner weichenden nacken härchen

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Ape Won – Alles ist Fremd – 6

„Gewiss. Innerhalb der nächsten Minute wird einer von uns beiden diese Pistole benutzen.“

„Weil Krieg ist.“

„Krieg ist immer auf die eine oder andere Art und Weise.“

„Nein, Krieg hat immer einen Grund. Ich sehe keinen Grund, warum ich diese Waffe benutzen sollte, oder warum Sie dies tun sollten.“

„Weil Sie mich nicht kennen, weil Ihnen die Situation nicht vertraut ist, weil da kein Bezug ist.“

„Das ist absurd. Sie werden nicht vor all den Leuten auf mich schießen, nur um Ihrem Krieg etwas Fleisch zu geben. Das nimmt Ihnen niemand ab. Die werden sie wegschließen.“

„Das ist zwangsläufig unser Krieg hier draußen, und das mag so sein, wie Sie sagen, würde für Sie aber auch zwangsläufig ohne weitere Konsequenz sein, nicht wahr?“

„Vielleicht wären wir besser drinnen geblieben. Vielleicht hatten Sie bereits ausreichend Sonne. High Noon, hm? Der Sieger macht sich zum Affen? Ich bitte Sie. Das Ding ist doch gar nicht geladen.“

„Leugnen hilft Ihnen nicht. Von der Ebene der Affen haben wir uns vor langer Zeit entfernt. Doch in welche Richtung?“

Die Bedienung bringt die bestellten Getränke, ein weißes Service mit im Sonnenlicht funkelndem Teelöffel auf einem schwarzen, runden Tablett, und stellt sie vor uns auf diese blendend weiße, runde Tischdecke. Seine linke Hand fasst den Henkel der im Gegenlicht gleißenden Tasse und hebt sie elegant und geräuschlos von der Untertasse. Das ist wundervoll. Glocken beginnen in der Ferne zu läuten.

„Vorsicht, verbrennen Sie sich nicht. Ich hatte noch nie eine Waffe in der Hand, auch keinen Waffenschein.“

Langsam führt er die Tasse zum Mund, an seine offenen Lippen, trinkt einen Schluck, setzt sie ebenso langsam wieder auf der Untertasse ab und lässt los. Warum beeindruckt mich dies alles so sehr, diese perfekten Bewegungen, dieses plötzlich so vertraute, so anziehende Gesicht. Er schnellt nach vorne, der Teelöffel rutscht beiseite, Metall klingt auf Porzellan, er langt zur Pistole und zielt auf mich. Überflüssigerweise schrecke ich zurück.

„Das erste Mal lässt sich nur schwer vermeiden. Probieren Sie.“

„Nicht Ihr ernst, oder?“

Ohne den Blick von ihm zu wenden, strecke ich meinen rechten Arm zögerlich über den Tisch, umfasse den glatten, kühlenden Griff und ziehe die Waffe vorsichtig aus seiner Hand. Nicht nur seine Füße sind erregend. Unverständlicherweise ist meinen Fingern die Waffe vertraut. Ich verliere mich in seinen Augen. Stechender Sonnenschein kitzelt trocken duftend in meiner Nase. Die Glocken scheinen näher zu kommen, ich spüre ihr Vibrieren in meiner Hand, in meinem Arm.

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Ape Won – Alles ist Fremd – 5

Weit über unseren Köpfen verfängt sich das grelle Licht der Sonne bei 32K im Grün dichten Blätterwerks. Mit dem was übrig bleibt, malt sie in 2880 dpi impressionistisch flimmernde Lichtflecken auf die Pflastersteine des Weges. Zu unserer Linken abgestellt, vermeintliche Selbsts der Aufbewahrten, Raum bildend, so wie zu unserer Rechten die Gitter und Mauern vor ihren Schutzstätten. Unsichtbare Vögel zwitschern fröhlich in THX zertifiziertem DTS Surround Original Sound. Hin und wieder, Schritt für Schritt, blickt Herr „Draußen ist Krieg“ nervös um sich. Die Anspannung in den Wangen schmerzt. Ich versuche, mir nichts anmerken zu lassen.

Auf der zur Straße gelegenen Terrasse nehmen wir Platz. Ein runder Tisch zwischen uns. Ich sitze mit dem Rücken zum Kaffee, er mir gegenüber. Hinter ihm der leere Gehweg, die Fahrstraße und der voll geparkte Marktplatz, an dem entlang die Hauptverkehrsstraße samt Verkehr in einer Kurve unter die S-Bahn Brücke taucht. Keine Bäume hier. Reinstes Blau spannt tief hoch oben. Die Dinge um uns herum scheinen überbelichtet; die Dinge, die da sind. Ein Ober kommt an den Tisch. Mit halb zugekniffenem linken Auge blicke ich ihn an und bestelle einen Cappuccino, der Fremde einen Kaffee, schwarz, ohne Zucker. Das Weiß der Decke erblindet mich beinahe.

„Sie irren sich offensichtlich. Sehen Sie?

„Des Sonnenschein trügerisches Blenden mag sie von Zeit zu Zeit erblinden.“

„Ach kommen Sie, genießen Sie ihren Kaffee, das angenehme Wetter und den Frieden.“

„Ihr Blickwinkel ist sehr eingeschränkt.“

„Na Sie reden doch die ganze Zeit nur vom Krieg. Ist Ihnen nicht furchtbar warm in dem Anzug?“

„Jetzt wo Sie das sagen, ja.“

Er knöpft mit der rechten Hand sein Sakko auf, greift unter die linke Seite, holt die Hand wieder hervor, legt sie auf den Tisch und zieht sie langsam zurück. Die Waffe bleibt liegen.

„Sind Sie irre? Warum haben Sie eine Pistole?“

„Sprache ist oft eigenartig, eigenartige Zufälle, Kombinationen von Buchstaben. Schauen Sie, zum Beispiel das Wort Waffe. Es enthält das Wort Affe. Der englische Begriff ebenso, wenn auch nicht so offensichtlich. Wundersamer Weise lässt sich aus den Buchstaben sogar ein sinnvolle Wortfolge kombinieren. Ape won.“

„Toll. Spätesten im Französischen scheitert ihr Wortspiel.“

„Das ist nicht von Bedeutung.“

„Haben Sie einen Waffenschein?“

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Ape Won – Alles ist Fremd – 2

„Ukraine, Gaza, SMS, IS, Irak, MH370, MH17, WHO, Deutsche Bank, Antibiotika, Vollbeschäftigung, Waffenindustrie, NSA, NSU, BILD, Syrien, Religion, Organhandel, Roundup, Hunger, Ebola, Öl, Internet, Amazon, Facebook, Google, Galileo, Brown, Foley, und so weiter [Anm. d. A.: Bitte ersetzen ∨ erweitern Sie diese Schlagworte durch Schlagworte aus Ihrem eigenen Tunnel ∨ durch solche Schlagworte, die zur Zeit Ihrer Lektüre aktuell sind. Vielen Dank.], Namen und Orte spielen keine Rolle.“

„Da sagen Sie was. Sagen Sie einfach Mensch. - Kein Zweifel, die haben einen Passagier weggemacht. Ganz unauffällig! AIDS Konferenz. Vielleicht haben Sie das übersehen?“

„Nein, nein, hören Sie mir bloß auf mit diesen banalen Verschwörungstheorien. Echte Menschen sterben!“

„Sie machen merkwürdige Sätze. Die meisten Menschen sind echt, und sie sterben irgendwann; meistens ahnen sie auch davon nichts. Menschen sterben jeden Tag, hunderttausende lebende Tote nicht gezählt. Wir alle sind nur zeitweise. Was sollen wir tun? Ausreisen? Fliehen? Wohin? Uns dieser oder jener politischen oder religiösen Sekte anschließen, Irre werden, sinnloses Töten propagieren, selbst sinnlos Töten, sinnvoll Töten, invertierte Selbstschussanlagen reaktivieren, Passagierflugzeuge hochrüsten, Afrika verhungern statt verhandeln, Ausbeuten, Ausbeuten, Ausbeuten, Internet verbieten statt verkaufen, schreiben, schreiben, schreiben, reden, reden, reden, Ha Haha, an fremde Türen klopfen? An der Oberfläche scharren?“

„Leben geben, statt Leben nehmen. Bedingungslos.“

„Überbevölkerung? Menschen sterben? Mehr Leben, mehr Tod?“

„Zyniker? Sie nehmen mich nicht ernst, nehmen nicht ernst, was ich Ihnen sage. Immerhin denken Sie, oder Sie versuchen zumindest zu denken.“

„Ein Fluch. Nennen Sie mir einen Ausweg. Ich nehme Sie nicht ernst, nehme nicht ernst was Sie sagen? Zyniker? Überbevölkerung?!“

„An Interessen gebundene Propaganda. Ein Viertel der Menschheit, Tendenz steigend, verbraucht ein Übermaß an Ressourcen, die dem doppelten der aktuellen Population, bei mäßiger, effizienter, nachhaltiger Nutzung, ein mindestens ebenso gutes Leben ermöglichen würden, und zwar allen, und auf Dauer; im menschlichen Maßstab. Was heißt das wohl für die aktuelle Menschheit? Betrachten sie dies weiterhin unter dem Aspekt der Evolution, auch das macht Sinn.“

„Propaganda. Pickel, alles Pickel. Evolution lässt sich nicht steuern, sie geschieht. So oder so fehlen die Milliarden an Menschen, die in die gleiche Richtung blicken wie Sie. Davon abgesehen, wollen Sie wirklich Milliarden Menschen, die in die gleiche Richtung blicken? Und können Sie Ihre Zahlen überhaupt belegen, nachprüfbar, zweifelsfrei, sozusagen objektiv? Dennoch, interessante Pickel die Sie da haben. Möchten Sie nicht herein kommen und mir Ihre ganze Geschichte erzählen?“

„Ich vertraue Ihnen nicht.“

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Ape Won – Alles ist Fremd

An zwei Monitoren vorbei blicke ich auf das alte Kastenfenster und seine zwei Glasscheiben. In der unsichtbaren Sommersonne angenehm leuchtend grüne, stumme Blätter, lassen meinen Blick verharren bis ihr Abbild beginnt zu solarisieren. Eine erfrischende Ahnung von klarem, blauem Himmel. Stille. Windstille. Nordseite. In der Wohnung gegenüber läuft, wie so oft, ein Zeichentrickfilm. Die Zeitanzeige, links unten auf dem rechten Monitor, 11:21. Ich bin ein Kind der Sonne. Sonnenschein macht mich glücklich, wahnsinnig glücklich. Auch damals, zu Fuß die Ngong Road entlang, in heißes Feucht getaucht, kurz vor dem Ertrinken in dieser scheinbar stagnierenden Wärmeflut, hatte ich keinen Hass auf die Sonne. Im Gegenteil. Sterben mit der Sonne glühenden Wärme auf meiner Haut, muss eine angenehme Art und Weise sein das Licht auszuschalten.

Klopfen im Hintergrund. An der Tür? Ja, muss die Tür sein. Klopfen an der Tür. Aber wer oder was klopft , und warum? Ich erwarte nichts und niemanden. Klopfen. In beinahe regelmäßigem Abstand nun. Klopf, klopf, klopf. Ob das mal aufhört? Warum klopfen und nicht klingeln? Ein Zwerg? Gut, ich schnappe mir die weiße Fahne, schiebe die Maus nach vorne, stehe auf, gehe durchs Zimmer, die Küche - ein paar Kinder spielen kichernd mit dem Fußball auf dem Parkplatz zwischen den Häusern -, in den Flur. Da klopft wirklich jemand auf die Wohnungstür. Vor dem Spion steht ein großer Mann mit dunklem Gesicht, Nickelbrille, kurzem, graumeliertem Vollbart und noch kürzeren blonden Haaren. Er trägt einen schwarzen Anzug mit makellos weißem Hemd unter dem Sakko und einen hell rosa Schlips. Sein Anblick fasziniert mich. Ich drücke den Riegel aus der Falle, ein Knall auf Metall, und öffne vorsichtig die Tür. Wir schauen uns in die Augen. Meine schweifen kurz ab. Nackte, umwerfend schöne Füße. Ein wohliges Gefühl schwärmt in meinen Kopf.

„Draußen ist Krieg!“

„Was? Wovon reden Sie?“

„Lesen Sie keine Zeitung? Fernseher, Radio, Internet?“

„Letzteres. Draußen ist kein Krieg.“

„Woher wissen Sie das?“

„Nicht aus der Zeitung.“

„Das sagten Sie bereits.“

„Also …“

„Unschuldige Menschen sterben.“

„Machte das einen Unterschied, Schuld oder Unschuld?“

„Nehmen Sie Passagierflugzeuge. Hunderte unschuldige Menschen, die nichts ahnend umher fliegen, stürzen vom Himmel.“

„Von wem sonst. Nichts ahnend? O.k., aber woher wissen Sie, dass die alle unschuldig sind? – Diesen Krieg meinen Sie. Die Ukraine.“

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Der Wechsel – Blickwechsel – Starf + Silvie (Epilog Dialog) – 23

Verbinde Dich dem Stamm, der Gruppe, der auch Jochen verbunden ist. Du scheinst in Deinen Gedanken unabhängiger, als der übliche Angeschlossene. Im Stamm werden sich Dir neue Aufgaben stellen, jenseits vom Anschluss in den Türmen. Zwar neigt dieser Teil des Stammes ebenfalls zu einem quasi religiösen Überbau, aber längst nicht in dem Extrem, wie die Animalisten. Das was ich Dir erzählt habe, kann Dir wirklich nur einen sehr groben Überblick vermitteln. Da ist noch weitaus mehr, was Du erfahren solltest und dort auch erfahren wirst.“

„Mich dem Stamm anschließen.“

„Jupp.“

„Warum sollte ich? Warum gleitest Du plötzlich so sehr auf den Stamm ab?“

„Weil Du schon jetzt darauf brennst mehr zu erfahren. Du fühlst Dich besser in Deiner selbstbestimmten Zeit, besser als in der Zeit, die Du am Anschluss binden musst. Das ist Dir auch bewusst. Nicht jede Angeschlossene macht sich mit einer gescannten Fremdidentität im Interess und, ähm, einer Pumpgun im Rucksack auf den Weg, um ihren flüchtigen Liebhaber ausfindig zu machen, weil er ihr viertausend Bit schuldet, geschweige denn, würde sie diese Schaller auch tatsächlich benutzen. Kaum eine Angeschlossene wird überhaupt erst einen vollkommen Unbekannten ohne Interess und Anschluss bei sich wohnen lassen. Kaum eine Angeschlossene wird sich soweit von ihrem eigenen Turm entfernen. Noch weitere Gründe? Stell Dein Potential sinnvoll zur Verfügung. Jenseits einer Anschlussbindung. Stell sie dem Stamm zur Verfügung. Deine Entscheidung, Deine bewusste Entscheidung. – Ich kann Dich aber auch wieder in die Halle verabschieden.“

„Nett von Dir, wie leicht Du mir meine bewusste Entscheidung machst. Und ein interessantes Bild, das Du von mir zeichnest. Irritierend. Vielleicht hast Du mich schon damals manipuliert? Mehr erfahren klingt sicherlich gut. Das stimmt so. Selbstbestimmte Zeit ebenfalls. Halle eher weniger, sofern das dort noch kein Ende genommen hat. Da bin ich jetzt so oder so auf Dich angewiesen; und ich hoffe, Du scherzt. Aber kann ich all dem Glauben, was Du da beschrieben hast? Ich blicke da nicht vollständig durch. Ich meine, manches klingt durchaus plausibel, soweit ich es verstehe, beinahe so plausibel wie die Übermittlungen, andererseits, vielleicht stimmt mit Deinem Kopf irgendetwas nicht, vielleicht bist Du ein Abseitiger?“

„Kam ich Dir so vor in den letzten Monaten?“

„Manchmal?“

„Touché. Die sogenannten Abseitigen hatte ich ganz vergessen. Gut, dass Du sie noch einmal erwähnst. Ich, ein Abseitiger. Und das erzählst Du mir? Du, die Du behauptest, Dich verfolgten teuflische Gestalten, Du wärst in der Halle geschwebt, hättest in der Hallenwand ein riesiges Loch gesehen und eine Pumpgun im Rucksack? Weder mit, noch ohne Implantat, noch über

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Der Wechsel – Blickwechsel – Starf + Silvie (Epilog Dialog) – 21

„Welche Relevanz hat etwas für dich, dass du nicht unmittelbar körperlich und unvermittelt mit allen Sinnen erlebst?“

„Die gleiche Relevanz, wie eine Simulation, die mich wahrnehmen lässt, was meine Sinne angeblich so nicht erleben?“

„Chapeau! Scheint, ich habe richtig gewählt. Der Stamm wartet.“

„Und der Stamm hätte also lieber wieder die konfliktreiche, verwirrende Simulation vor der Simulation? Was für ein elender Fuck.“

„Du überrascht mich. Macht Spaß. Abschaffen, das ist, was der Stamm erreichen will, genau das. PARK hingegen will die Simulation unter Kontrolle bringen. PARK hat auch kein Interesse daran, Implantate an die Angeschlossenen zu verteilen.“

„Hast Du nicht gesagt, die Implantate ermöglichen eine Kontrolle?“

„Korrekt, aber nicht die Art Kontrolle, die PARK beabsichtigt. Die Implantate ermöglichen eine individuelle Kontrolle. Du bestimmst, wie Du Deine Welt erfährst. PARK will zurück in die Zeit vor dem Brand, zurück zur globalen Kontrolle.“

„Wo ist da der Unterschied zur aktuellen Situation? So wie Du sie beschreibst, scheint die Simulation durch die G-Sporen schon einer globalen Kontrolle zu entsprechen.“

„Der Unterschied ist folgender. Die aktuelle Situation ist, nach allem was wir wissen, autonom. Die Kontrolle kommt aus der Vergangenheit, ist den G-Sporen immanent. PARK will die bewusste Kontrolle zurück erlangen. Die Kontrolle aller, durch auserwählte Einzelne.“

„Dann vielleicht doch besser ganz abschalten, so wie der Stamm das anstrebt? Oder aber alles so lassen wie es ist? Warum nicht? Wo ist eigentlich das Problem?“

„Das Problem? Das Problem ist das Problem potentieller Möglichkeiten. Das Problem ist immer das Problem potentieller Möglichkeiten. Neben anderen Problemen. Das ist das Problem. Im Augenblick scheint alles offen.

Teile des Stammes haben sogar noch weiter gehende Absichten. Die Anzahl der Menschen ohne Sporen hat zugenommen. Die Erforschung des Phänomens wurde weitergeführt. Diejenigen, die eine extreme Position im Stamm vertreten, sehen keine Alternative zur Auslöschung sowohl der G-Sporen, als auch der ursprünglichen Sporen, und sie gehören längst nicht mehr nur einer kleinen Minderheit an. Sie glauben, dass sich nur ganz ohne Sporen die vollständige Wirklichkeit offenbart. Vielleicht haben sie recht? Wissen wir wirklich, wussten wir jemals wirklich, welchen Effekt das hat, das was wir tun? Über unsere Wahrnehmung hinausreichend? In seiner ganzen Konsequenz? Sicher, fast alles was wir tun, führt zu wahrnehmbaren

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Der Wechsel – Blickwechsel – Starf + Silvie (Epilog Dialog) – 17

Neurometrie, das ist der Begriff dafür, soweit ich mich erinnere. Du musst jahrelang üben, bis Du das beherrscht. Die Abstimmung zwischen Implantat und Gehirn muss perfekt sein, wenn du es fehlerfrei ausführen willst. Ohne ein besonders hohes Maß an Selbstkontrolle keine Chance. Denkst du trotzdem mal daneben, und anfangs tust du das oft, führt das zu – interessanten Effekten.“

„Lustige Effekte, anscheinend. Du sagst Erfahrung, aber woher weißt Du, dass Dein Implantat nicht eine falsche Wahrnehmung erzeugt?“

„Berechtigte Frage. Du kennst sie bestimmt, diese Situationen, in denen Du den Eindruck hast, als schmecke etwas für einen Augenblick ganz anders, als noch kurz zuvor, oder wenn sich plötzlich, für einen Moment, etwas völlig ungewohnt anfühlt, wenn Dir Dinge aus der Hand fallen, obwohl Du Dir absolut sicher bist, sie fest im Griff gehabt zu haben, wenn Du etwas zu sehen scheinst, es aber schon nach dem nächsten Blinzeln nicht mehr wiederfinden kannt, wenn Du meinst, jemand hätte etwas gesagt, hat er aber nicht, jedenfalls nicht so, wie Du es erinnerst, wenn Du ein Buch liest und du an manchen Sätzen hängen bleibst, sie wieder und wieder lesen musst, sie aber in keinen plausiblen Zusammenhang zum Rest bringen kannst, und so weiter und so weiter.“

„Das ist doch völlig normal.“

„Genau. Denkst Du, an der Übergabe könnte ein Stück Torte materialisiert werden, dass, mal abgesehen von den synthetischen Zutaten, wirklich der selbstgebackenen Torte entspricht, welche Du aus Deiner Kindheit erinnerst? Vieles ist inzwischen machbar, aber das nicht, und wird es wahrscheinlich auch nie; es besteht keine Notwendigkeit mehr. Denn das Stück Torte ist so wie es ist, so gut wie echt. Eben genau, wie Du es erinnerst.“

„Und was ist mit Vitaminen, Mineralien, Spurenelementen und all den anderen vom Körper benötigten Stoffen? Werden die auch simuliert?“

„Selbst die Schwarzwälder Kirschtorte aus Deiner Erinnerung, enthält wahrscheinlich nicht allzu viel Vitamine und Spurenelemente. Keine Gefahr also, iss weiter. – Zum Teil werden sie simuliert. Zum Teil werden sie der Paste zugesetzt, so wie das Coffein im Wasser. Die Simulation ist genau das, eine Simulation. Sie kann das Nervensystem beliebig Glauben machen – interessante Analogie nebenbei –, und es wird entsprechend reagieren, auch, nun ja, körperlich. Das funktioniert allerdings nur soweit, wie die Relationen zur Wirklichkeit tragen. Wird simuliert, was nicht existiert, nicht wirklich ist, keine oder fehlerhafte Relationen hat, nimmt der Körper auf Dauer Schaden, altert früher. Auch dieser Art Abweichungen wurden vor dem Brand unter dem Begriff Krankheit zusammengefasst.“

„Ich habe diese Krankheiten erlebt. In den vielen Übermittlungen, in denen schrecklichen Abweichungen aus der Zeit vor dem Brand abgebildet wurden.“

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Der Wechsel – Wechselspiel – Jochen + Ryka (Ende) – 3

Sie lächelte. Sie lächelte tatsächlich. Und ihr Lächeln war verführerisch, charmant, ließ ihn ihr Lächeln erwidern. Doch dies war mehr, als er im Moment fassen konnte, als er wahrhaben wollte.

„Das Leben entstieg seit jeher dem Wasser, Jochen. Es strömt, frisch und rein, in eine bessere Welt, für jene, die weiter kommen, die vertrauen, sich austauschen, sich hingeben. Eine Welt für die Besseren, die Verbesserten. Du darfst ihnen helfen, wenn Du dies wünscht, natürlich, und dies wird Dein Lohn sein, der Lohn aller, die miteinander ringen.“

„O.k., Du willst mich – allen – Ernstes – veräppeln!“, hörte er sich mit bebender Stimme in ihr Gesicht lachen, während sein Blick zwischen ihren wundervollen Brüsten und ihren nicht minder wundervollen Augen hin und her tanzte.

„Du musst aufwachen, Jochen. Die Noren haben Dich verlassen. Die Dauerformer wurden reprogrammiert. Erwache. Komm zu mir, komm zu uns. Komm in die Tiefe unserer allumfassend Dich wärmenden Mitte. Wir sind bereit für Dich, bereit, Dich umschließend und ganz in uns aufzunehmen.“

Mit voller Wucht schlug er geradlinig in ihr Gesicht. Reflexartig. Sie machte einen Satz nach hinten und ging rückwärts zu Boden. Wer musste jetzt aufwachen? Er öffnete seine verkrampfte Faust, spreizte seine Finger und schwang sie mit einem Ruck durch die Luft. Verdammt! War die Frau aus Stein? Dennoch, ein gutes Gefühl, seine schmerzenden Knöchel. Durchschlagende Wirklichkeit. Simulation hin oder her.

Eine erfrischende Klarheit flutete endlich das massive Vakuum in seinem Hirn. Er hatte nur diese eine Realität. Keine Alternative, als sich in ihr zurechtzufinden oder verrückt zu werden. Verharren war eine nicht wünschenswerte Option. Das Sterben ergab sich zwangsläufig, wie von selbst, früher oder später. Nein, nicht jetzt darüber nachdenken, er musste fokussieren, sich ausrichten, auf die elementaren Fragen. Wie weiter? Ziellos. Bald würden die ersten Überlebenden den Strand erreichen. Das neue Volk für eine bessere Welt. Da schien nur ein Weg zu sein, nur ein Weg der sinnvoll war. Der Weg aus dem Meer, hinein ins Innere dieser Landschaft. Er war neugierig, was er in dieser besseren Welt finden würde.

An der Frau vorbeistreifend – wie hatte sie sich genannt? Kyra? Wo war ihr Smoking? – schnappte er, sich vornüberbeugend, den Apfel, den sie groteskerweise immer noch in der Hand hielt, und stieg zitternd, im Sand stolpernd, die Düne hinauf. Ein leises Fiepen klingelte in seinem Ohr. Nachdenklich betrachtete er den glänzend rosanen Apfel in seiner Hand. Warum hatte er Appetit auf sauren Pudding, von allen Dingen?

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Der Wechsel – Wechselspiel – Jochen + Ryka (Ende) – 2

er, konnte oder wollte aber nicht wirklich erkennen, was es war, das dort unaufhörlich ins Wasser fiel. Eine örtliche Erscheinung? Eine absurde Vorstellung. Dann verebbten der Schwall und die Geräusche. Als wären sie nicht dagewesen. Zuerst. Doch nun glaubte er Schreie zu hören, leise Hilferufe. Rufe nach Hilfe? Sollte er sich wundern? Wundertest du dich in deinem Traum?

Langsam ging er weiter, den Strand hinunter, nicht aufs Meer schauend, die sanfte Brandung seine Füße umspülend, jeder Schritt leicht in den Sand sinkend. Vor sich hin starrend, wurde seine Aufmerksamkeit von einer Bewegung in der Ferne erfasst. Jemand kam auf ihn zu. Er blieb stehen, wartete, ein Ziehen im Bauch, Leere im Kopf. Kalte Hände, deren Finger sich in ihre Handflächen gruben. Er wartete, beobachtete, wunderte sich endlich.

Die Frau näherte sich, bis zu dem Punkt, an dem er ihren Atem spürte, ihre vom Körper erwärmte Luft seine Haut berührte. In ihrer linken Hand hielt sie auf Augenhöhe einen rosa Apfel empor. Eine Bö erfasste ihr langes, glänzend graues Haar und wehte es seitlich vor ihre Schultern, wo es, auf ihre wohlig erhabenen Brüste gleitend, zur Ruhe kam.

„Da bist Du also doch zu uns gelangt. Wie erfreulich es ist für uns, Dich hier wiederzufinden, Dich hier wiederzusehen. Und so will ich Dir nun meinen Namen nennen, denn dieser wurde als Ryka bestimmt. Wir heißen Dich willkommen in einer zukünftigen Simulation einer besseren Welt, Jochen.“

„Was?“

„Hab keine Angst. Fürchte Dich nicht. Denn Du wirst nicht alleine sein.“

Sie wandte ihren Kopf zum Meer und er folgte ihrem Blick auf die gleiche Weise, zwanghaft.

„Sieh!“

Und er sah. Ein Meer voller Menschen. Viele von ihnen schienen mit dem Ertrinken nah. Todesangst und Verzweiflung. Das Geschrei und Gezeter kamen näher, wurden lauter. Ein Becken voll brodelnd, peitschender Hysterie.

„Was ist das für ein Irrsinn? Wo sind wir? Wer bist Du?“

„In einer besseren Welt, Jochen.“

„Das sagtest Du bereits. Meine Wahrnehmung ist jedoch eine Andere als Deine. Dies ist keine Simulation.“

„Und doch befindest Du Dich in einer, Jochen.“

Schon seit längerem plagte ihn diese Frage, und nicht nur ihn, die Frage, ob die Implantate noch immer die gleiche Wirkung zeigten, wie in der Zeit vor dem Brand, als sie konstruiert wurden. Kein günstiger Zeitpunkt für Zweifel. Er blickte ihr geradewegs in die Augen, versuchte sie zu fixieren.

„Genial. Bravo. Applaus. Eine bessere Welt. Natürlich. Ein Meer voll schreiender, hilfloser Menschen, die scheinbar aus dem Firmament gefallen sind und eine unbekleidete Frau, die von einer besseren Welt faselt. Willst Du mich veräppeln?“

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Der Wechsel – Wechselspiel

Jochen + Ryka (Ende)

Dies war kein Traum. Er wusste wie es sich anfühlte, wenn er träumte, wenn er schlief.

Brandungswellen, langsam anschwellend und ebenso langsam wieder abschwellend, schlichen wispernd in sein Bewusstsein. Stetig an Stärke zunehmend, breiteten sie sich vollständig in ihm aus, bis er sich, gleichwohl in seinem Körper, als eigenständig wahrnehmende Instanz, im Außerhalb seines Körpers wiedererkannte.

Als Instanz? Feuchtwarme Luft strich über seinen Rücken und seine Schenkel. Unter ihm kribbelte glitschiger, kühler Sand. Er hob den Kopf, hustete Salzwasser und öffnete die Augen. Im Zwielicht betrachtete er eine Weile die Dünen und wälzte sich schließlich, ohne zu überlegen, langsam um. Eine überwältigende Unzahl Sterne, wie leuchtender Mehlstaub vor glasklarem Schwarz, raste auf ihn zu. Benommen blinzelte er den Effekt weg. Am Horizont, zwei liegende Halbmonde, auf dem Meer schwimmend; Zwillinge. Noch wagte er keinen klaren Gedanken. Immerhin, er lebte, zweifellos, aber war das sinnvoll?

Er betrachtete die Sterne. Die Sterne. Fasziniert flexte sein Blick über den Nachthimmel. Ein Schauer pulste durch Glieder, die noch nicht wieder ganz die seinen waren. So oft er auch einen Versuch unternahm, er konnte kein Sternzeichen erkennen. Nur das glitzernde Band der Milchstraße lag vertraut vor dunklem Nichts, das Alles enthielt. Er schloss die Augen.

Was tun? Liegen bleiben? Offensichtlich befand er sich allein, nackt, an einem unbekannten Ort und unter unbekanntem Himmel. Er versuchte zu entspannen, an das Notwendige zu denken. Was war das Notwendige? Süßwasser, Nahrung, Schutz. Über die Reihenfolge war er sich noch nicht ganz im Klaren. Süßwasser schien jedoch bald zum drängendsten Problem zu werden. Abrupt brach hysterisches Gelächter aus ihm heraus, befreite sich aus den Fesseln seiner Angst. Was für eine abgefuckte Situation. Er wälzte sich im wässrig weichen Sandbett, schlug mit den Fäusten in die Gischt. Tränen rannen über seine Wangen, verloren sich im Salzwasser. Ihm wurde schwindelig. Abrupt stand er auf, schwankte kurz, und begann zu laufen, am Rande des Meeres entlang, gedankenlos, schnell, schneller.

Wie lange war er gerannt, flüchtend vor sich selbst, Minuten, Stunden oder gar schon seit Jahren? Kein Zeitgefühl, wie zuvor. Zuvor. Er erinnerte sich. Der Wechsel. Der Stamm. Silvie. Ein einzelner Stern. Danach nichts mehr. Sein Erwachen am Strand. Die Sterne.

Er verlangsamte seinen Schritt. Weder das Schwarz der Nacht, noch die Position der Monde hatte sich verändert. Doch da war etwas Anderes, etwas Neues, beständig irritierend, aus dem Augenwinkel heraus und als hochfrequentes Summen in seinem Kopf. Er blieb stehen, blickte erneut hinüber zu den reflektierenden Halbkreisen. Aus einer schmalen Spalte drängend, scheinbar parallel zum Horizont, ergossen sich leise klatschend zahllose winzige Objekte ins Meer; ein äußerst lebendiger Wasserfall. Ein Wasserfall, der in hoher Tonlage summte und pfiff. Angespannt beobachtete

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Der Wechsel – Wechselspiel – Starf + Suzan – 5

der anderen Seite löst sich ein poppendes, luftiges Knattern. Uuuuuhhhhhhhh. Rundherum Erleichterung, Erlösung.

Das System ist Fail-Safe, heißt es. Mit einer Last weniger im Gepäck, jedoch bleibendem Knarzen, haste ich, im Schritt den Beckenzip schließend, zurück in den Scannerraum vor die Anschlüsse, und binde mich ein, verfolge, prüfe, scanne, staune.

Nach einer Weile konzentriertem Tun, beginne ich an meinem Implantat zu zweifeln, angesichts dessen was sich da auftut. Es wird wohl besser sein, ich binde mich auch in die Hallen der restlichen Türme. Von Ebene zu Ebene transferierend, ein Turm nach dem anderen, zieht der Wahnsinn in mir vorbei. Über die gesamte Ballung, das gleiche Bild. Nur der innere Bereich, das Zentrum, die Sub, scheinen nicht betroffen. Warum registriert das niemand? Warum werden da keine Wächter entsendet?

Wieder zurück, fallen mir zwei über die Menschenmenge ragende Hände mit einer Schaller auf. Ich binde mich gezielter ein, komme näher und erkenne Silvie, wie sie stirnrunzelnd den Freiraum über sich anstaunt. Fuck. Wie kommt denn die jetzt da hin? Ich löse mich, eile hinüber zur Hallenwand und öffne den Zugang.

Ein Knall. Heilige Scheiße. Eine Explosion? Die Schaller?! Ich lehne mich nach draußen und sehe Silvie ein paar Meter entfernt in der Menschenmenge treiben. Von der Masse Angeschlossener gedrängt, kommt sie näher, fuchtelt mit den Händen über ihrem Kopf an einer Monoschaller, und steckt sie schließlich, merkwürdig umständlich, in den Halbpack über ihren Schultern. Monoschaller, Halbpack; was für ein Mist. Als wären alle in einer abgedrehten Simulation. Sie driftet zu mir, weiter, weiter, am Rundherum vorbei, bis sie auf Höhe der Öffnung ankommt. Ich lehne mich soweit möglich in die Halle, greife ihren rechten Arm und zerre sie, durch die nachdrängende, schiebende Menge hindurch, in meine Richtung. Erschrocken blickt Silvie überall hin, nur nicht zu mir. Einige der Angeschlossenen, die scheinbar besinnungslos einen Fuß vor den anderen setzen, stolpern, fangen sich, taumeln weiter. Silvie sieht meinen Arm, lächelt ein breites Grinsen, schaut mir endlich in die Augen und scheint mich erleichtert zu erkennen. Ich hole sie dicht an meine Seite, greife um ihre Hüfte, ziehe uns beide zurück in den Scanner, lasse sie wieder los und wische die Öffnung weg.

„Starf?!“, sie wendet sich zur Halle, starrt gegen die blanke Wand, „Was? Meine Pumpgun?!“

„Steckt in Deinem Rucksack.“

Sollte ich mich auch noch in die anderen Ballungen einbinden? Obwohl, eine globale Aktion? Schwer vorstellbar, oder? Oder doch? Junge, mach es einfach.

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Der Wechsel – Wechselspiel – Starf + Suzan – 4

Suzans Griff lockert sich, ich nutze den Moment, drehe am Daumen ihre Finger vom Ring, „Aaaauuu!“, führe ihre Hand langsam an meine Lippen und spüre mit sanft drängender Zunge der pulsierenden Ader unter ihrer weichen, durchscheinenden Haut, an der Innenseite ihres schmalen Handgelenks nach.

„Oh, Du …“

Sanft schiebe ich sie in die Kabine – „Plateau“, lasse ihre Hand frei, und diesmal klappt der Schritt zurück. Sie zieht ihren Arm an sich, vor ihren Mund, die Kabine schließt, sie sieht mich an, und ich schmecke ihren Duft.

„Nachbrand, 15.“, beinahe glaube ich es selbst.

Abrupt senkt Suzan den Arm, ihren Kopf, und bewegt beide Hände hinter ihren Rücken.

„Bin bei Josey. Weiß noch nicht, ob ich später komme, ob die Zeit reicht, muss doch mal klar …“

Inmitten schier endlosem Gestänge taucht die Kabine nach unten ab, und verwundert schaue ich Suzan hinterher. Ihr Kopf ruckt in den Nacken, ein letzter Augen Blick. Wer ist Josey? Egal. Ist das Leben eine Ansammlung von Kapiteln? Welche haben Relevanz?

Zögernd wende ich mich zur Halle, der gleiche Anblick wie oben. Das läuft aus dem Ruder. Oder kippt es schon? Die nächste Kabine schießt mich zurück in die Höhe und ich verspüre überdeutlichen Druck an Darmausgang und Blase, ergänzt durch ein herzhaftes Knarzen im Magen. Hunger. Der Hunger kann warten, das Drängen in Darm und Blase weniger, denn einmal bewusst, verstärkt sich mein Bedürfnis nun exponentiell.

Die Kabine stoppt, öffnet, und ich drücke mich dicht an der Wand entlang in die gut gefüllte Halle. Ein kräftiger Hauch Ozon beißt sich entlang meiner Nasenflügel. Scheint kaum möglich, wieder auf die andere Seite zu gelangen. Dieser Strom aus schlafwandelnden Menschen. Diese Gesichter. Kein Zweifel. Der rosa Apfel. Ohne Scanner kann ich nicht einsteigen in die Illusion. Und der Ozongeruch? Muss ebenfalls warten. Zeit für ein wenig Magie; allerhöchste Zeit.

Ich streiche mit der Hand über die Wand neben dem Rundherum und während ich grinsend durch scheinbar transparentes Material in den Scanner schreite, brummt mir auch schon waberndes Tiefbassdröhnen in den Schädel und blendend rotes, rhythmisches Leuchten füllt mein Gesichtsfeld. Ohne Zögern schließe ich den Zugang – dieselbe, beiläufige Bewegung – , woraufhin das Rot zu einem hellen, gleichmäßigen Weiß wechselt und der Bass verstummt.

Ich renne weiter zum Nassraum, wische mit hektischem Wedeln die Schleusenzugänge auf, öffne den Beckenverschluss und hänge mich, Gewicht nach hinten verlagernd, in den Einfang. Ups, vorsichtig! Was gebrochen beim Sturz? Unsinn, nur die gezerrte Muskulatur. Entspann Dich. Mein entlasteter Schwanz streckt sich lässig in die Freifeldführung und auf

KommTier! | Auf | |

Der Wechsel – Wechselspiel – Starf + Suzan – 3

„Ach PARK, die sind doch wirklich nur Legende, oder? Die großen Retter nach dem Brand.“

Unbeachtet schwebt Suzans Frage vorbei, lässt sich nieder im Hintergrund jener Aufmerksamkeit, mit der ich still in mir verharrend, durch die transparente Hülle der Kabine schaue, während diese, sanft an meinem Inneren zupfend, ihre Richtung in die Horizontale wechselt und im Randbereich des Turmes ein Stück ins Freie gleitet.

Vor mir, inmitten fliehender Weite, ein Feld gewaltiger Wohnstalagmiten. Ich senke meinen Blick, und erahne das Wasser am Ende der Tiefe, über der ich schwebe. In der momentanen Illusion vom freien Fall, feuert mein Nervensystem ein kitzelndes Zusammenzucken. Die Kabine weiß von all dem nichts, und schwingt gleichgültig an mir zerrend wieder hinein, in diesen scheinbar sicheren Auswuchs des Molochs, eine Bewegung, hinter der die vergangenen Bilder in meinem Kopf, als Erinnerung kurz zurück bleiben.

Wieder eingeschlossen und ausgeschlossen, tummeln sich flimmernde Schächte um mich herum, in unüberschaubare Fernen fluchtend, gebildet aus spiegelnden, scheinbar filigranen Stäben, intensiv leuchtend in dunklen Gelbtönen. Ich kann mich nicht satt sehen an diesen verwirrend schönen Innereien des Rundherum, die in Schalltunnel mündend, sogar zwischen den Türmen eine Verbindung ermöglichen.

Noch nicht wieder ganz anwesend, höre ich mich selbst sprechen und wundere mich über meine Worte.

„PARK ging aus einer Gruppierung im Stamm hervor. Sie trennten sich vom Stamm, weil sie unter anderem dessen quasi religiösen Kodex nicht mehr folgen wollten.“

„Uuups, und Dein Bruder?“

Zack, wieder zurück auf dem Boden der Aktualität.

„Der weiß, was er tut.“

„Weißt Du das auch?“

Meine Mundwinkel spannen sich zu einem Lächeln, oder bin ich derjenige? Nicht so schmiegsam wie Suzan, nehme ich an.

„Was ‚er‘ tut?“

„Naja und nein. Dein Monolog vorhin klang gestelzt. Ungewohnt.“

Suzan, Suzan, Suzan, ich habe doch wirklich ein Gespür für euch.

„Korrekt. Suzan, ich muss zurück. Und ernsthaft, Du solltest den Turm ohne Umwege verlassen. Im Nachbrand reden wir weiter, verzeih. – Zwischenhalt. – Lässt Du bitte den Ring los?“

„Oh, wie nachlässig von mir. Hmm, Silvie, oder?“

„Ja. Und nein. Ist aber nebensächlich. Ich hab keine Ahnung, wohin sie verschwunden ist, genauso wenig wie Du.“

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