Ξ  Xabu Iborian

Text Fotografie Video Graphitmalerei

Z e i t w a i s e

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Der Wechsel – Wechselspiel – Wir + Fünf – 4

und finden Jochen abgewandt auf dem Boden sitzend eine schwarze Folie anstarrend, die vor ihm liegt.

„Das war‘s für dieses Mal“, Jochen bewegt langsam den Kopf hin und her. „Pech gehabt. Ich hoffe nur, der Minkow hat ausreichend aufgezeichnet. Wo hast du ihn, Starf?“

„Unterm Bett im Schlafraum. Schon unterwegs!“

„Und zieh dir was an!“

„O.K. Boss!“

Jochen wendet sich zur Tür und sieht Suzan.

„Ach, doch neugierig?“

„Muss an meinem Onkel liegen, der auch mit Transmittern …“

„Wieso Transmitter? Siehst du hier etwas dieser Art?“

„O.K., das Ding, welches hier vorhin noch stand, hing … schwebte … was weiß ich, Silvie hat es auch gesehen …“

„Scheint so, und anscheinend nicht nur das.“ Jochen macht einen resignierten Eindruck.

Im nächsten Moment jedoch grinst er, Suzan zuckt zusammen und fährt sichtlich erschrocken herum. Wir sehen Silvie in der Türöffnung stehen, haben sie ebenfalls nicht bemerkt.

„Meine Güte hast du mich erschreckt!“ Suzan lehnt sich erleichtert an die Wand, „wie kannst du dich nur so anschleichen? Erst die Hysterikerin spielen und Panik verbreiten, und einen dann beinahe zu Tode erschrecken!“

Ausgerechnet Suzan muss sich darüber wundern …

„Erstens keine Lust den Wächtern alleine zu begegnen, zweitens habe ich mit Starf noch etwas zu klären und drittens bin ich tatsächlich geschlaucht. Außerdem dachte ich mir, bekommt er euch zuerst zu fassen; und … ich bin ihm schon einmal entkommen.“

Jochen rollt mit den Augen. „Und genau das sollte dir zu denken geben. Du bist Opfer einer Projektion. Wie du siehst, ist das Objekt nicht mehr hier, und auch kein Teufel. Die Projektion hatte genau den Zweck, dich abzuhalten bevor es wechselt.“

„Interessante These, reimt sich aber nicht“, Starf betritt den Raum, hat sich angezogen, geht an Silvie vorbei zu Jochen, gibt ihm den Minkow, dreht sich um, kommt zurück, und gesellt sich zu den beiden Frauen.

„Doch den Schutz der Kabine verlassen?“, Starf schaut Silvie an, die ihm eine Fratze schneidet.

„Hast du eine bessere Idee Bruderherz?“, Jochen betrachtet, wieder von den anderen abgewandt, das Messgerät in seinen Händen.

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Der Wechsel – Wechselspiel – Wir + Fünf – 6

„Die Rolle passte auch sehr gut zu meinem Job. Keine weitreichenden Erklärungen erforderlich“, Starf versucht sich in einem Gesichtsausdruck, der vielleicht überlegen charmant wirken soll, jedoch in einem wackeligen, ironischen Lächeln endet.

„Bruder 007 in geheimer Aktion“, Jochen schüttelt den Kopf. Suzan blickt ins Leere. Sie wird wohl die neuen erwünschten unerwünschten Informationen verarbeiten. Uns ist allerdings nicht ganz klar, warum es gerade sie beschäftigen sollte, dass Starf noch vor kurzem und für mehrere Monate mit einer anderen Frau zusammengelebt hat.

„007?“

„Keinen Bit habe ich die ganze Zeit über von dir gesehen!“

„Alles andere hätte es schwieriger gemacht und die Fragerei hätte begonnen … außerdem hatte ich den Eindruck, dir gefiel es mich auszuhalten. Kann mich nicht erinnern, du hättest in den letzten Monaten mal etwas von einer Beteiligung gesagt, bis auf den letzten Abend, aber da …“

„Da bist du einfach verschwunden … am nächsten Morgen …“

Starf blickt nach oben. Wir erkennen, ihm gefällt die Rolle nicht mehr, die er spielen muss.

„Gut, gut, das war … bös. Aber es ging nicht anders. Am Morgen zuvor hatte Jochen mich um Unterstützung gebeten. Und am Abend, kurz bevor du mich zur Rede stelltest, hatte PARK mich kontaktiert und aktuelle Informationen und Anweisungen übermittelt. Und glaub mir, danach war ich noch mehr verwirrt als durch meinen Bruder mit seinem plötzlichen Anliegen. Ich konnte unmöglich länger bleiben. Was hätte ich Dir erzählen sollen?“

„Unmöglich länger bleiben …, oh Mann, das ist doch typischer Männer Mist. Nie ein klares Wort, was wirklich geht. Hauptsache ihr bleibt sauber und müsst euch in keiner unangenehmen Situation auseinandersetzen … die Nacht nehmen wir aber noch mit … und ein paar Wochen später eine anderes Weibchen … erst aushalten la…“

„Eure Beziehungsdynamik könnt ihr vielleicht später klären? Da sind wichtigere Fragen.“

Suzan geht auf Jochen zu und wir können davon ausgehen, Starf ist beiden dankbar für den Moment erlöst zu werden.

„Genau! Wenn du durch keinen Transmitter gekommen bist, wie dann?“

„Durch die Tür, wie sonst? Kein Problem, die Tür zu meinem Appartement zu öffnen.“

„Es ist dein Appartement?“ Suzans Blick können wir nur mit „irritiert“ deuten.

„Also doch. Das erklärt, warum ich im Katalog keinen Eintrag für einen Starf oder Stefan Arfankel gefunden habe. Vielleicht hätte ich zusätzlich

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Der Wechsel – Blickwechsel – Starf + Silvie (Epilog Dialog) – 14

sind katastrophal. In den noch stabilen Gebieten wird weltweit mit dem Bau der Turmballungen und der Subs begonnen, den inneren und äußeren Bereichen; die Pläne existierten schon lange vor dem Brand. Verteilung und Anschluss entstehen. Doch das sollte Allgemeinwissen sein.“

„Stopp. Ja, sicher. Aber das ist doch Irrsinn, wozu, ich meine, vor dem Brand …“

„Der Irrsinn ist, dass schon seit Jahrzehnten niemand mehr zu wissen scheint, wer die Simulation aufrecht erhält und vor allem warum, oder ob da überhaupt jemand ist, der sie bewusst kontrolliert. Eine neue Art Gott Frage, wenn du so willst. Die vor den Brand zurückreichenden digitalen Informationen sind in vielen Bereichen mehr als dürftig. Was nicht in Papierform vorlag … aber selbst Bücher wurden in Masse verbrannt, weggeschwemmt, vernichtet.“

„Bücher, als Kind faszinierten mich Bilderbücher. Bilderbücher mit ein wenig Schrift. Die stand neben oder unter den Abbildungen. Später habe ich nie wieder Bücher gesehen. – Ein paar Bilder von dieser Schrift sind mir in Erinnerung geblieben. Ich denke, als kleines Kind habe ich noch begonnen zu lesen. Doch dann war da irgendwann nur noch die Übermittlung, alles hatte sich verändert.“

„Offiziell existieren keine Bücher mehr. Niemand liest oder schreibt. Wozu? Die Übermittlung erscheint eindeutig und direkt. Das kann nur jemand nachvollziehen, der weiß wie es ist, aus abstrakten, visuell wahrgenommenen Zeichen, Sinn zu erschließen, einen Bezug zur Welt jenseits dieser Zeichen herzustellen. Im Stamm ist die These von der Selbstversklavung verbreitet. Den meisten fehlt das Wissen oder Interesse. Oder Beides. Einige sind sich der Existenz der Simulation sogar bewusst. Sie alle akzeptieren das, bewusst oder unbewusst, und zwar auf die gleiche Art und Weise, auf die Wahrnehmung und Bewusstsein auch vor der Simulation akzeptiert wurden. Die Verteilernomaden sind vielleicht tatsächlich ein Schlüssel zum Verständnis, vielleicht aber auch nicht. Das hört sich sinnlos an, ab so ist es.

Vor fünf Jahren erscheint das vom Stamm als Wechsel bezeichnete Objekt; wie sie inzwischen richtig vermuten, nicht nur eines, sondern mehrere. Wir nehmen an, bei dem Objekt handelt es sich um einen beweglichen, weiterentwickelten Anschluss; der Stamm hält einen Materietransmitter für möglich. PARKs Theorie basiert auf den alten Thesen zu Parallelwelten und sieht im Wechel einen Übergang, ein Tor zwischen diesen Welten. Wieso das Ding aufgetaucht ist, woher es kommt, und welchen Zweck es erfüllen könnte, diese Frage wagt sich kaum einer zu stellen. Das war auch schon beim Interess nicht anders, nachdem es bei den ersten Kindern entdeckt wurde.“

„Na, aber das Interess ist doch einfach nur eine weitere, natürliche Verbindung zur Verteilung, zum Anschluss.“

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Der Wechsel – Wechselspiel – Wir + Fünf – 5

„Im Moment nicht, aber jede Menge Fragen.“

„Und ich erst.“

„Bin gespannt. Legt los!“, Suzan setzt sich auch auf den Boden und streckt ein Bein über das andere. Silvie bleibt stehen, immer noch die Pump in ihren Händen. Auch wir sind gespannt.

„Ich hab vor allem eine Menge Fragen an dich Starf, die ich dir jedoch gerne in Abwesenheit eines ‚größeren Publikums‘ stellen würde.“

„Vielleicht erübrigt sich das“, Starf lächelt unsicher, „Jochen, du hast vorhin gesagt, das Ding sei ein Transmitter und du wärst durch ihn hierhergekommen …“

„Das habe ich so nicht gesagt. Aber du hast zugestimmt. Wieso nimmst DU an, es sei ein Transmitter? Du weißt über mich, den Stamm, und anscheinend auch über das Projekt, sehr detailliert Bescheid, mehr als ich Dir anvertraut habe. Ich denke du bist an der Reihe.“

Starf holt tief Luft. „Ich bin für PARK unterwegs.“

„So kann man sich irren“, Jochen betrachtet noch immer den Minkow. Ein Teil des Gerätes blinkt rhythmisch. Jochen nickt. Zufrieden? Irritiert? Wir können es nicht genau bestimmen. Er steht auf, geht zu den drei anderen uns sieht Starf auffordend an.

„Die waren über eure Aktivitäten immer bestens informiert, von Anfang an. Und nicht nur das. Sie haben euch indirekt unterstützt oder besser gesagt für ihre Zwecke benutzt.“

„Joshua und ich, wir hatten uns zwar etwas in der Art gedacht, aber dass du beim PARK bist … kein Wunder, dass wir dir nur schwer folgen konnten. Nachdem du den Stamm verlassen hast, haben wir dich natürlich auch beobachtet, aber offensichtlich nicht genau genug. Benutzt sagst du … kaum zu glauben …“, Jochen klingt überrascht. Suzan steht ebenfalls auf und hält die Hände über ihre Ohren.

„Wenn ich nicht mehr mithören soll, weil ihr irgendwelche Top Secrets besprecht, sagt ihr Bescheid, o.k.?“

Silvie schließt die Augen. „Wo bin ich hier nur rein geraten? Da glaube ich monatelang mit einem Taugenichts zusammenzuleben …“

„Es schien mir, du wärst mit meiner Rolle zufrieden, deshalb spielte ich sie, aber nicht nur deshalb“, Starf verhält sich, als wäre er sich nicht im Klaren darüber, wie er die Situation am besten behandeln soll. Mehr auf die humorvolle Art oder … es gelingt ihm nicht ein breites Grinsen zu unterdrücken.

„Ich fasse es nicht! Bist Du komplett übergeschnappt …?“, wir denken jetzt wäre der rechte Augenblick, Silvies ursprüngliches Vorhaben in die Tat umzusetzen.

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Schlachtvieh

„All diese Kontroversen um Wirtschaft, Finanzen, Recht, Glaube und Gesetz, sie sind Scheingefechte.

Tatsächlich ist da kein Unterschied, je nach welchem System ich Werte, Vorstellungen, Dinge, Menschen und andere Lebewesen in Bezug zum System und zueinander setze, kann da kein Unterschied sein, wird faktisch deren Wert, Essenz und Manifestation nicht wirklich tangiert; nur scheinbar.

Wahr ist jedoch, dass diese Relationen und Systeme ebenso zu Werten geworden sind, geworden wurden; Werte, die sich ausschließlich selbst referenzieren, Scheinwerte.

Allein deren Erhalt ist von Belang, und somit der Erhalt des Einflusses derer, die von diesen Relationen und Systemen profitieren, zu profitieren meinen, von dieser leicht kontrollierbaren und steuerbaren imaginären Welt, deren Ausbau, spätestens begonnen mit der Einführung wertloser Tauschmittel, seit längerem im vollen Gange ist, deren Erhalt und Ausbau sich das Schlachtvieh im Hamsterrad, willig grunzend die Maschinerie der Bedürfnisbefriedigung antreibend, zweifelsfrei nach wie vor unterordnet.“


Kai Selkruck, „Die immanente Psychologie transzendenter Wahrheit“, gru. 2053

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Der Wechsel – Verwechslung

Starf + Drei

Diesmal ist es kein Piepen, sondern ein Brummen und Dröhnen, welches mich begleitet, während ich wieder ins Bewusstsein meiner selbst vordringe. Meine Lage im Raum ist unklar. Das Dröhnen im Kopf hat etwas damit zu tun. Ich versuche mir vergeblich an den Schädel zu fassen. Ich öffne die Augen. Unter anderen Umständen könnte ich diesem Anblick einen gewissen Genuss abgewinnen. Ich frage mich, wieso ich sehe, was ich sehe. Merkwürdigerweise hat es keinen passenden Geruch.

Geruch ... da ist sie wieder ... Äther ... die Erinnerung ... Tuch ... Hände ... Ohnmacht ... Suzan. Ich versuche locker zu bleiben, um keine Aufmerksamkeit zu erregen bei der Besitzerin dieses scheinbar weiblichen Pos, der mir immer wieder entgegenkommend meine Sicht auf die Umgebung eingeschränkt. Kein Körpergeruch ... trotz der Nähe ... ein Hybiorob?! Auf Basis dessen, was ich wahrnehmen kann, vermute ich, dass wir uns in der Eingangshalle des Turms befinden. Ich werde zum Ausgang getragen. Wie ging doch gleich der Witz mit dem Rücksetzknopf? Habe ich eine Möglichkeit meine Lage zu diesem Zeitpunkt in eine andere Position zu bringen? Mit auf dem Rücken hängenden – hängenden? – und anscheinend in verbundenen Metallringen steckenden Handgelenken? Sicher, ein Salto rückwärts, von der Schulter hinunter, dabei eine Fußgrätsche um den Hals der Pseudodame ... aber es sind zwei Hybiorobs ... und der zweite würde mir sicherlich nicht applaudieren sondern etwas dagegen unternehmen.

Ich hätte diesen Zwischenjob damals nicht annehmen sollen. Biogese ist die Zukunft. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben, falls ich hier unversehrt raus komme; und wer weiß, diese Maschine könnte sich als nützlich erweisen, faszinierende Perspektiven auftun, ... wenn sich tatsächlich herausstellt, was sich zuletzt angedeutet hat. Dass mich ausgerechnet mein Bruder vor ein paar Wochen um Unterstützung bitten muss, in derselben Sache, in der wir ihn und den Stamm seit zwei Jahren nicht aus den Augen lassen, ist ein schräger Zug des Schicksals. Kurz davor das plötzliche Auftauchen der Folie, und nun das. Wer verschleppt mich, und vor allem, warum?

Ein Poppen in meinen Ohren und ich schleudere herum, lande unsanft auf dem Boden und schlitterte mit dem Teil Energie, der sich zum Glück nicht beim Aufprall entladen hat, gegen die nächste Wand. Alles noch dran, alles noch heil, soweit ich es beurteilen kann. Dieselbe Feststellung gilt für das

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Der Wechsel – Blickwechsel – Starf + Silvie (Epilog Dialog) – 12

„Haben die Leute sich nicht gewundert über diese Dinger, wenn die überall rumflogen?“

„Nein, denn die hatten ähnliche Aufgaben wie die Pseudon.

In dieser Epoche spielt der persönliche Besitz immer noch eine zentrale Rolle, selbst wenn er nicht mehr in jedem Fall mit persönlichem Eigentum einherging. Indirekt und unauffällig wird die Bereitwilligkeit zur Akzeptanz all dieser Geräte gefördert. Große Firmen, Organisationen, die diesen persönlichen Besitz verkaufen, verleihen und kontrollieren, laden zu pseudoreligiösen Zusammenkünften, auf denen sie ihre neuesten Datengeräte und dessen unverzichtbaren Besitz predigen. Alles geht Hand in Hand. Abhängigkeiten werden geradezu spielerisch erzeugt. Eine unüberschaubare Anzahl von Psychologen und Soziologen erarbeiten, ohne es zu wissen, die Basis für diese Manipulation. Die Massen sind begeistert. Wie Du vielleicht weißt, gab es damals schon etwas Ähnliches wie den Anschluss. Das Fernsehen und das Internet. Letzteres ein wegweisendes, weltweites Datennetzwerk. Das Rückgrat der Aufklärung und Manipulation seiner Zeit.“

„Ich erinnere mich. In den Übermittlungen wird es als fehlerhafter Vorläufer des Anschlusses beschrieben. Instabil, und deshalb ein weiterer Grund für den Brand.“

„Die Abweichungen in den Übermittlungen erscheinen doch immer wieder minutiös.

Selbst Menschen, die dem ganzen Prozess kritisch gegenüber standen, aus verschiedenen Gründen, hingen fest im System, ob sie wollten oder nicht. Ein Spiel mit der Zeit beginnt. Verzögerung und Ablenkung überall dort, wo entlarvende Erkenntnisse an die Oberfläche spülen. Kurz bevor bedeutende und authentische Informationen über die Zusammenhänge allgemein verbreitet werden können, ist die Simulation soweit fortgeschritten, dass es irrelevant ist, was diese Informationen tatsächlich aussagen. Den meisten werden nur noch die anscheinend positiven Aspekte bewusst. Die friedvollste Versklavung seit Menschengedenken, wenn auch schon damals nicht mehr deutlich war, wer eigentlich wen versklavt und warum. Die Entwicklung beginnt sich zu verselbstständigen. Sie durchdringt deine Existenz. Global verdrängt sie traditionelle Lebensweisen. Der Anschluss wie du ihn heute kennst, ist die Perfektionierung des Ganzen. Mitte des 21. Jahrhunderts siehst Du kaum noch jemanden im öffentlichen Raum, der nicht eines oder mehrere dieser Geräte trägt. Sie werden in Kleidung und Schmuck integriert, direkt am Körper getragen oder implantiert; obwohl für den ursprünglichen Zweck nicht mehr erforderlich, unterstützen sie die allgegenwärtige, direkte Manipulation hervorragend.“

„Ich denke, es fällt mir schwer, Deinem Redefluss noch zu folgen, mein Zuckerspiegel …“

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Der Wechsel – Blickwechsel – Starf + Silvie (Epilog Dialog) – 17

Neurometrie, das ist der Begriff dafür, soweit ich mich erinnere. Du musst jahrelang üben, bis Du das beherrscht. Die Abstimmung zwischen Implantat und Gehirn muss perfekt sein, wenn du es fehlerfrei ausführen willst. Ohne ein besonders hohes Maß an Selbstkontrolle keine Chance. Denkst du trotzdem mal daneben, und anfangs tust du das oft, führt das zu – interessanten Effekten.“

„Lustige Effekte, anscheinend. Du sagst Erfahrung, aber woher weißt Du, dass Dein Implantat nicht eine falsche Wahrnehmung erzeugt?“

„Berechtigte Frage. Du kennst sie bestimmt, diese Situationen, in denen Du den Eindruck hast, als schmecke etwas für einen Augenblick ganz anders, als noch kurz zuvor, oder wenn sich plötzlich, für einen Moment, etwas völlig ungewohnt anfühlt, wenn Dir Dinge aus der Hand fallen, obwohl Du Dir absolut sicher bist, sie fest im Griff gehabt zu haben, wenn Du etwas zu sehen scheinst, es aber schon nach dem nächsten Blinzeln nicht mehr wiederfinden kannt, wenn Du meinst, jemand hätte etwas gesagt, hat er aber nicht, jedenfalls nicht so, wie Du es erinnerst, wenn Du ein Buch liest und du an manchen Sätzen hängen bleibst, sie wieder und wieder lesen musst, sie aber in keinen plausiblen Zusammenhang zum Rest bringen kannst, und so weiter und so weiter.“

„Das ist doch völlig normal.“

„Genau. Denkst Du, an der Übergabe könnte ein Stück Torte materialisiert werden, dass, mal abgesehen von den synthetischen Zutaten, wirklich der selbstgebackenen Torte entspricht, welche Du aus Deiner Kindheit erinnerst? Vieles ist inzwischen machbar, aber das nicht, und wird es wahrscheinlich auch nie; es besteht keine Notwendigkeit mehr. Denn das Stück Torte ist so wie es ist, so gut wie echt. Eben genau, wie Du es erinnerst.“

„Und was ist mit Vitaminen, Mineralien, Spurenelementen und all den anderen vom Körper benötigten Stoffen? Werden die auch simuliert?“

„Selbst die Schwarzwälder Kirschtorte aus Deiner Erinnerung, enthält wahrscheinlich nicht allzu viel Vitamine und Spurenelemente. Keine Gefahr also, iss weiter. – Zum Teil werden sie simuliert. Zum Teil werden sie der Paste zugesetzt, so wie das Coffein im Wasser. Die Simulation ist genau das, eine Simulation. Sie kann das Nervensystem beliebig Glauben machen – interessante Analogie nebenbei –, und es wird entsprechend reagieren, auch, nun ja, körperlich. Das funktioniert allerdings nur soweit, wie die Relationen zur Wirklichkeit tragen. Wird simuliert, was nicht existiert, nicht wirklich ist, keine oder fehlerhafte Relationen hat, nimmt der Körper auf Dauer Schaden, altert früher. Auch dieser Art Abweichungen wurden vor dem Brand unter dem Begriff Krankheit zusammengefasst.“

„Ich habe diese Krankheiten erlebt. In den vielen Übermittlungen, in denen schrecklichen Abweichungen aus der Zeit vor dem Brand abgebildet wurden.“

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Der Wechsel – Verwechslung – Silvie + Drei – 2

verbringen. Es schien, als hätte Starf das Appartement nur für einen vorübergehenden Aufenthalt bezogen. Was sie hier vorfand, war weit weniger als der übliche Standard den ein neu angeschlossenes Appartement bot.

Sie ging weiter, um sich die beiden letzten Räume anzusehen. Der eine so verwaist wie die hinter ihr liegenden, und der andere … fast leer. Sie blieb in der Türöffnung stehen und betrachtete verwundert das Ding in der Mitte des Zimmers. Fasziniert starrte sie auf das pulsierende Leuchten, als plötzlich ein hoher Ton den Raum erfüllte und ebenso abrupt wieder verklang. Inmitten des leuchtenden Ringes nahm sie nun ein Bild wahr. Sie konnte nicht gleich erkennen was es darstellte. Dann stürzte sie los. Panik ergriff sie. Jetzt nicht stolpern. Sie rannte zum Ausgang, weiter zum Rundherum, und stieg in eine der wartenden Kabinen.

„Ostausgang!“, schrie sie in den verspiegelten Raum, nahm ihren Rucksack ab und packte die Pumpgun aus. Ihr Puls raste. Wo war sie hier hineingeraten? Ein dumpfes Knallen erklang, wie in weiter Ferne. Noch einmal. Und wieder. Drei Explosionen? Verdammt! Sie brachte die Pumpgun in Anschlag, drückte sich gegen die Rückwand der Kabine und wartete zittrig bis sich die Tür öffnete.

Vor ihr stand Starf. Beinahe hätte sie sich auf ihn gestürzt … um ihn zu umarmen … vor Erleichterung. Die beiden anderen waren auch da.

„Na … so was! Hallo … Herr Arfankel! Lange … nicht gesehen! Und … zu dritt … jaja!“, sagte sie mit leicht bebender Stimme, ein unsicheres Lächeln auf den Lippen, das sich zu einem breiten Grinsen verzog, als sie gewahr wurde, in welch ungewöhnlichen Aufzug Starf ihr gegenüber stand.

„Netter Schlips. Musstest du dein letztes Hemd versetzen, um die Bits aufzutreiben, die du mir schuldest?“

„Hallo Silvie …“, Starf sah sie an, dann Jochen und Suzan.

„Das ist Silvie … eine … Bekannte … eine sehr gute Bekannte“, Starf räusperte sich.

„Immer zu kleinen Späßen aufgelegt …“, sie legte den Kopf schief.

Alle drei starrten sie an. Sie wusste nicht … scheiße, die Pumpgun. Abrupt ließ sie den Prügel sinken.

„Oh, sorry, galt nicht euch … dir auch nicht Starf … ich bin nur stink sauer … wegen der Bits und … aber … diese Explosionen, was war das? … und deshalb bin ich Dir gefolgt … und … ich glaube es ist jetzt nicht der rechte Zeitpunkt … “, sie strich sich mit der Hand durch ihre kurzen Haare.

„Okay, ich nehme an, du trägst so ein Teil vorsichtshalber immer bei dir?“, Jochen nickte ihr zu, „aber das können wir jetzt nicht klären …“,

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Der Wechsel – Verwechslung – Suzan + ? – 3

Sollte sie nun dort hindurch gehen? Warum sollte sie? Warum nicht? Sie wandte sich um, der Ausgang lag in weiter Ferne am anderen Ende des Flurs, und wandte sich wieder zurück. Was lag vor ihr? Welchen Weg hatte Starf genommen? Was für eine Überlegung. Zu Kondomen, Telefon, Weckruf, Mülleimer und Kaffeemaschine passte eine normale Tür mit Schloss, die es allerdings auch am anderen Ende des Flurs nicht gab.

Sie spürte ihren Puls im Unterkiefer, fasste einen Entschluss und bewegte sich langsam, von dem fluoreszierenden Blau wie magisch angezogen, in den Raum. Kindisch, lass es, geh zurück, vergiss Starf, oder geh ihn suchen, geh hinaus wie du hineingekommen bist. Da sie jedoch ihren Beinen folgen musste, die von Bereichen gesteuert wurden, die ihr im Moment nicht kontrolliert zugänglich waren, bewegte sie sich weiter in Richtung Mitte, in der dieses Ding flimmernd zu schweben schien. Kurz davor blieb sie stehen. Wenn derartige Geräte zu Lebzeiten ihres Onkels entwickelt wurden, konnten sie dann heute schon ausgereift sein? Wenn ja, wohin würde sie gelangen, wenn es denn in Betrieb war? Und vor allem, warum besaß Starf so ein Gerät? Eine virtuelle Sonne hätte eher zu ihm gepasst. Wie wahrscheinlich war das eine oder das andere? Und warum sollte sie dies alles überhaupt interessieren? Erneut machte sie sich klar, der Ausgang aus dem Appartement lag am anderen Ende des Flurs, schob ihre Gedanken beiseite und schritt hindurch.

Ihr Onkel war nicht nur Physiker gewesen, sondern auch Phantast und Geschichtenerzähler, und sie hatte sich von ihrer eigenen ausufernden Phantasie zum Narren halten lassen und war durch eine Art Lichtspiel hindurch gegangen – konnte aber dennoch einer kurzen Kontrolle ihres Körpers nicht wiederstehen; Vererbung.

Sie presste ihre Lippen zusammen und sah um sich. Glücklicherweise war sonst niemand anwesend. Eiligst ging sie zur Zimmertür zurück, blickte den Flur hinunter in Richtung Ausgang und schnellte wieder zurück in den Raum. Sie hätte ihrem allerersten Impuls folgen und das Appartement sofort und ohne Tasche verlassen sollen. Ihre Hände an die kalte Wand gepresst, wagte sie vorsichtig einen weiteren Blick in den Flur. War sie doch auf einem Trip? Hatte Starf? Oder tat das Ozon seine Wirkung ohne Medikamente? Sie erkannte gerade noch, wie drei Personen das Appartement verließen. Zwei in eine Art ledernen Harnisch gekleidete Frauen und ein Mann. Der Mann befand sich auf der rechten Schulter einer der Frauen. Er war unbekleidet und erinnerte sie an Starf, soweit sie dies an Rücken und Hinterkopf ausmachen konnte. Das passte zu den zurückgelassenen Kleidungsstücken im Schlafzimmer. Auf dem Flurboden lag ihre Handtasche. Alles in bester Ordnung.

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Der Wechsel – Verwechslung – Starf + Drei – 3

„Mann, woher kommst du überhaupt so plötzlich?“

Suzan setzt sich neben mich und streichelt gedankenverloren meine Beine.

„Hab mich auch gewundert, woher er auf einmal kam … aber ein Puzzleteil mehr oder weniger am Morgen … hat mich einfach mit sich gerissen, mit der Bemerkung er sei dein Bruder …“

„Hintereingang der besonderen Art. Es funktioniert, Starf. Zwar nicht auf die Art und Weise, wie wir es uns alle vorgestellt haben, aber wir können es einsetzen, wenn wir auch noch nicht alles zuordnen können.“

„Ah, das ist eine gu …“, ups! „woher weißt Du, und seit wann?“

„Joshua und ich wissen es schon seit längerem, ansonsten wäre ich kaum auf Dich zugekommen. Es war eine ideale Situation“, wir schauen uns an.

„Hmm, ein Hintereingang der besonderen Art. Meint ihr dieses angenehm nach Ozon duftende Leuchtdings im Appartement? … Also doch!“

„Also doch?“

„Ähm, meine Arme schlafen langsam ein. Jochen?“

„Schätze, den Löser hatte der Hybiorob, der dich trug.“

Ich robbe mich der Wand entlang nach oben und strecke ihm meine Arme entgegen: „Bitte jetzt!“

„Nicht zucken.“

„Lass meine Hände intakt.“

„Bemüh mich.“

Ich spüre wie er den Schaller ansetzt.

„Mein Onkel hat früher von Transmittern erzählt … es gab da ein Forschungsprojekt …“

„Sooo ein Zufall“, Jochen trennt kopfschüttelnd die Verbindung. Endlich könnte ich, genügend Blutfluss vorausgesetzt, beide Hände wieder frei bewegen; nur die Ringe stören noch.

„Den Schmuck musst du vorläufig behalten.“

„Naja schade, aber es gibt schlimmeres.“

„Das denk ich wohl auch. O.k., auf geht’s.“

Während ich meinen Armen und Händen neues Leben einmassiere, eilen wir zum Rundherum.

„Hast du erkannt, wer den ersten Hybiorob geschallt hat, Jochen?“

„Nein, keine Ahnung, genauso wie diese Hybiorobs, wie Suzan … Tage der Überraschung. Dachte, du weißt mehr. Es gab da eine Nachfrage in der Verteilung …“ Die Kabinentür öffnet sich.

„Na … so was! Hallo … Herr Arfankel! Lange … nicht gesehen! Und … zu dritt … jaja!“, die Pumpgun, die Silvie auf mich richtet, während sie an der gegenüberliegenden Kabinenwand lehnt, erscheint mir übertrieben.

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Der Wechsel – Wechselspiel

Silvie + Starf

Sie erwachte, oder, vielmehr schien es ihr so, als erwachte sie. Zuerst hörte sie nur. Entferntes Rauschen und Summen. Sie ließ ihre Lider hoch schnellen, zu schnell, und dann sah sie. Der Raum war hell, deutlich unscharf, ungewöhnlich schief, und in ihrem Kopf rührte ein zu breiter, zu langer, klobiger Löffel. Ihr war kalt.

Das letzte, an das sie sich erinnern konnte war, … ja was, … Starf … , sie war in einem fremden Turm. Dieses Ding im Raum? Der Raum, er war nicht schief. Sie lag auf dem Boden und an ihre Haut schmiegte sich unangenehm harter, kühler Belag. Ihr Kopf hing schräg über ihrem linken Arm. Warum war sie nackt? Wo war ihr Samtkev? Warum hatte sie es abgelegt?

Eine Weile blieb sie noch halb benommen liegen. Doch sie musste aufstehen. Jetzt. Die Trägheit in ihren Gliedern war hinderlich, als sie versuchte, sich langsam zu erheben; und der massige Löffel, der in ihrem Kopf steckte, folgte ihren Bewegungen nur wenig nachgiebig, so dass sie halb stehend innehielt, tief durchatmete und sich wieder setzen musste. Ihr Leib war bleiern und ihre Gummiband Muskulatur verspannte sich zwischen Gelenken aus Klettverschlüssen.

Mühsam war es, sich in dem Zimmer umzusehen, anstrengend, zu fokussieren. In der Mitte des Raumes, hinter einem wehenden Schleier, entdeckte sie schließlich den grünen Einteiler … und … die Pumpgun, den Rucksack. Sie sammelte all ihre Kräfte, schleppte sich robbend vorwärts, behutsam, ihre nahezu unbehaarte Haut auf dem glatten Boden nicht zu verletzen, griff den geschmeidigen Stoff, und zog ihn, sich mühselig auf dem Rücken windend, an.

Erschöpft sackten ihre Arme und Beine nach unten. Gerne würde sie sich der Schläfrigkeit noch länger hingeben. Doch sie musste jetzt unbedingt aufstehen. Aufstehen. Sich aufstellen. Jetzt. Soviel war ihr klar. Wenn sie sich nur nicht so schwer fühlen würde.

Sie rollte sich, Arme und Beine irgendwie störend im Weg, umständlich herum, blieb kurz liegen, zog dann gemächlich ein Knie nach dem anderen unter ihren angespannten Bauch, spreizte ihre Hände neben sich auf den Boden und drückte ihren Oberkörper an den Schultern empor. Das ging schon besser.

Sie lockerte sich gedanklich, fixierte sich auf ihren Organismus, tastete mental ihre Muskulatur ab, Faser für Faser, nahm Verspannungen wahr, löste sie, drückte ihren Rücken nach unten und presste ihre Schulterblätter nach hinten, senkte ihre Lider und zeichnete mit der Nasenspitze weite Kreise.

Vorsichtig hob sie nun den rechten Oberschenkel, stellte ihren Fuß neben die rechte Hand, stemmte sich auf diesem weiter aufwärts, entfernte ihre Finger vom Boden und spreizte Arme und Händen balancierend zur Seite, den anderen Fuß nachsetzend, in einer beinahe flüssigen Bewegung, bis sie stand. Sie hielt ihr Gleichgewicht, wagte ein paar knackende

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Der Wechsel – Wechselspiel – Jochen + Ryka (Ende) – 3

Sie lächelte. Sie lächelte tatsächlich. Und ihr Lächeln war verführerisch, charmant, ließ ihn ihr Lächeln erwidern. Doch dies war mehr, als er im Moment fassen konnte, als er wahrhaben wollte.

„Das Leben entstieg seit jeher dem Wasser, Jochen. Es strömt, frisch und rein, in eine bessere Welt, für jene, die weiter kommen, die vertrauen, sich austauschen, sich hingeben. Eine Welt für die Besseren, die Verbesserten. Du darfst ihnen helfen, wenn Du dies wünscht, natürlich, und dies wird Dein Lohn sein, der Lohn aller, die miteinander ringen.“

„O.k., Du willst mich – allen – Ernstes – veräppeln!“, hörte er sich mit bebender Stimme in ihr Gesicht lachen, während sein Blick zwischen ihren wundervollen Brüsten und ihren nicht minder wundervollen Augen hin und her tanzte.

„Du musst aufwachen, Jochen. Die Noren haben Dich verlassen. Die Dauerformer wurden reprogrammiert. Erwache. Komm zu mir, komm zu uns. Komm in die Tiefe unserer allumfassend Dich wärmenden Mitte. Wir sind bereit für Dich, bereit, Dich umschließend und ganz in uns aufzunehmen.“

Mit voller Wucht schlug er geradlinig in ihr Gesicht. Reflexartig. Sie machte einen Satz nach hinten und ging rückwärts zu Boden. Wer musste jetzt aufwachen? Er öffnete seine verkrampfte Faust, spreizte seine Finger und schwang sie mit einem Ruck durch die Luft. Verdammt! War die Frau aus Stein? Dennoch, ein gutes Gefühl, seine schmerzenden Knöchel. Durchschlagende Wirklichkeit. Simulation hin oder her.

Eine erfrischende Klarheit flutete endlich das massive Vakuum in seinem Hirn. Er hatte nur diese eine Realität. Keine Alternative, als sich in ihr zurechtzufinden oder verrückt zu werden. Verharren war eine nicht wünschenswerte Option. Das Sterben ergab sich zwangsläufig, wie von selbst, früher oder später. Nein, nicht jetzt darüber nachdenken, er musste fokussieren, sich ausrichten, auf die elementaren Fragen. Wie weiter? Ziellos. Bald würden die ersten Überlebenden den Strand erreichen. Das neue Volk für eine bessere Welt. Da schien nur ein Weg zu sein, nur ein Weg der sinnvoll war. Der Weg aus dem Meer, hinein ins Innere dieser Landschaft. Er war neugierig, was er in dieser besseren Welt finden würde.

An der Frau vorbeistreifend – wie hatte sie sich genannt? Kyra? Wo war ihr Smoking? – schnappte er, sich vornüberbeugend, den Apfel, den sie groteskerweise immer noch in der Hand hielt, und stieg zitternd, im Sand stolpernd, die Düne hinauf. Ein leises Fiepen klingelte in seinem Ohr. Nachdenklich betrachtete er den glänzend rosanen Apfel in seiner Hand. Warum hatte er Appetit auf sauren Pudding, von allen Dingen?

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Der Wechsel – Blickwechsel – Starf + Silvie (Epilog Dialog) – 27

Personal. Der Scanner. Im Notfall dienen sie als Evakuierungsschleusen. So oder so, angenehmer als mit dem Rundherum. Ich mag die Dinger nicht.“

„Im Notfall –? … Ich dachte, die Türme würden allein durch uns Angeschlossene und die Verteilung kontrolliert?“

„Innerhalb eurer Wahrnehmung ist das korrekt. Tatsächlich sind sie ein Konstrukt der G-Sporen und somit selbstregulierend. Der Zugang zur Ebene, der Scanner, sie entsprechen im Prinzip dem Implantat. Sie sind die Implantate des Turmes.“

„Konstrukt der G-Sporen? Was meinst Du damit?“

„Mädels, eine gute und eine schlechte Nachricht.“

„Kindskopf.“

„Und Du trägst immer noch diese altertümlichen, unpraktischen Anzüge, Rykarma?“

„Wie es der Anlass erfordert, Stefan. Diese Anzüge haben Stil, Stil und Würde. Im Gegensatz zu Deinem – Body, und Deinen – Armreifen.“

„Kann ich nicht ändern, muss ich wohl noch eine Weile länger tragen. Du hast Dir die Haare gefärbt?“

„Stefan, die gute Nachricht, die schlechte Nachricht?“

„Steht Dir aber. – Die gute Nachricht, Halle und Rundherum sind frei. Die Wechsel sind nicht mehr wahrnehmbar, weder ungefiltert, noch über den Scanner. Anzahl der Angeschlossenen im Turm: Null, sofern auf die Daten Verlass ist. Die schlechte Nachricht, der Turm bereitet eine substantielle Lösung seiner Bindung vor. Das ist neu. Eigentlich hochinteressant. Ehrlich gesagt war mir nicht bewusst, dass das überhaupt möglich ist. Bereichsweise, sicher, aber der ganze Turm? Sofern die Anzeichen korrekt sind, und ich halte sie für korrekt, sollten wir den Turm jetzt verlassen, möglichst bevor er mit der Auflösung beginnt.“

„Der Turm löst sich auf. Noch mehr irre Neuigkeiten?“

„Die G-Sporen desintegrieren, korrekt. Da ist vieles, was ich Dir noch nicht erklären konnte. – Ryka?“

„Wie ist die Situation in den anderen Türmen?“

„Hab nicht erneut alle überbunden. Schätze aber, die Werte sind dort dieselben wie schon zuvor.“

„Globaler Exodus der Angeschlossenen und anschließend Zerstörung der Türme? Nur Verteilernomaden, Nomaden und Subs sind nicht betroffen?“

„So sieht es aus. Die Rolle der Verteilernomaden? Das war mir nie ganz klar.“

„Vielleicht haben wir sie tatsächlich unterschätzt. Doch das war nicht unser Thema, nicht vorrangig. Der Schifter ist vorbereitet. Wir tauchen in die Sub und treffen diese Suzan Cohen-Fish. Deinen zweiten Fang.“

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