Ξ  Xabu Iborian

Text Fotografie Video Graphitmalerei

Z e i t w a i s e

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Der Wechsel – Blickwechsel – Starf + Silvie (Epilog Dialog) – 12

„Haben die Leute sich nicht gewundert über diese Dinger, wenn die überall rumflogen?“

„Nein, denn die hatten ähnliche Aufgaben wie die Pseudon.

In dieser Epoche spielt der persönliche Besitz immer noch eine zentrale Rolle, selbst wenn er nicht mehr in jedem Fall mit persönlichem Eigentum einherging. Indirekt und unauffällig wird die Bereitwilligkeit zur Akzeptanz all dieser Geräte gefördert. Große Firmen, Organisationen, die diesen persönlichen Besitz verkaufen, verleihen und kontrollieren, laden zu pseudoreligiösen Zusammenkünften, auf denen sie ihre neuesten Datengeräte und dessen unverzichtbaren Besitz predigen. Alles geht Hand in Hand. Abhängigkeiten werden geradezu spielerisch erzeugt. Eine unüberschaubare Anzahl von Psychologen und Soziologen erarbeiten, ohne es zu wissen, die Basis für diese Manipulation. Die Massen sind begeistert. Wie Du vielleicht weißt, gab es damals schon etwas Ähnliches wie den Anschluss. Das Fernsehen und das Internet. Letzteres ein wegweisendes, weltweites Datennetzwerk. Das Rückgrat der Aufklärung und Manipulation seiner Zeit.“

„Ich erinnere mich. In den Übermittlungen wird es als fehlerhafter Vorläufer des Anschlusses beschrieben. Instabil, und deshalb ein weiterer Grund für den Brand.“

„Die Abweichungen in den Übermittlungen erscheinen doch immer wieder minutiös.

Selbst Menschen, die dem ganzen Prozess kritisch gegenüber standen, aus verschiedenen Gründen, hingen fest im System, ob sie wollten oder nicht. Ein Spiel mit der Zeit beginnt. Verzögerung und Ablenkung überall dort, wo entlarvende Erkenntnisse an die Oberfläche spülen. Kurz bevor bedeutende und authentische Informationen über die Zusammenhänge allgemein verbreitet werden können, ist die Simulation soweit fortgeschritten, dass es irrelevant ist, was diese Informationen tatsächlich aussagen. Den meisten werden nur noch die anscheinend positiven Aspekte bewusst. Die friedvollste Versklavung seit Menschengedenken, wenn auch schon damals nicht mehr deutlich war, wer eigentlich wen versklavt und warum. Die Entwicklung beginnt sich zu verselbstständigen. Sie durchdringt deine Existenz. Global verdrängt sie traditionelle Lebensweisen. Der Anschluss wie du ihn heute kennst, ist die Perfektionierung des Ganzen. Mitte des 21. Jahrhunderts siehst Du kaum noch jemanden im öffentlichen Raum, der nicht eines oder mehrere dieser Geräte trägt. Sie werden in Kleidung und Schmuck integriert, direkt am Körper getragen oder implantiert; obwohl für den ursprünglichen Zweck nicht mehr erforderlich, unterstützen sie die allgegenwärtige, direkte Manipulation hervorragend.“

„Ich denke, es fällt mir schwer, Deinem Redefluss noch zu folgen, mein Zuckerspiegel …“

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Der Wechsel – Verwechslung – Starf + Drei – 3

„Mann, woher kommst du überhaupt so plötzlich?“

Suzan setzt sich neben mich und streichelt gedankenverloren meine Beine.

„Hab mich auch gewundert, woher er auf einmal kam … aber ein Puzzleteil mehr oder weniger am Morgen … hat mich einfach mit sich gerissen, mit der Bemerkung er sei dein Bruder …“

„Hintereingang der besonderen Art. Es funktioniert, Starf. Zwar nicht auf die Art und Weise, wie wir es uns alle vorgestellt haben, aber wir können es einsetzen, wenn wir auch noch nicht alles zuordnen können.“

„Ah, das ist eine gu …“, ups! „woher weißt Du, und seit wann?“

„Joshua und ich wissen es schon seit längerem, ansonsten wäre ich kaum auf Dich zugekommen. Es war eine ideale Situation“, wir schauen uns an.

„Hmm, ein Hintereingang der besonderen Art. Meint ihr dieses angenehm nach Ozon duftende Leuchtdings im Appartement? … Also doch!“

„Also doch?“

„Ähm, meine Arme schlafen langsam ein. Jochen?“

„Schätze, den Löser hatte der Hybiorob, der dich trug.“

Ich robbe mich der Wand entlang nach oben und strecke ihm meine Arme entgegen: „Bitte jetzt!“

„Nicht zucken.“

„Lass meine Hände intakt.“

„Bemüh mich.“

Ich spüre wie er den Schaller ansetzt.

„Mein Onkel hat früher von Transmittern erzählt … es gab da ein Forschungsprojekt …“

„Sooo ein Zufall“, Jochen trennt kopfschüttelnd die Verbindung. Endlich könnte ich, genügend Blutfluss vorausgesetzt, beide Hände wieder frei bewegen; nur die Ringe stören noch.

„Den Schmuck musst du vorläufig behalten.“

„Naja schade, aber es gibt schlimmeres.“

„Das denk ich wohl auch. O.k., auf geht’s.“

Während ich meinen Armen und Händen neues Leben einmassiere, eilen wir zum Rundherum.

„Hast du erkannt, wer den ersten Hybiorob geschallt hat, Jochen?“

„Nein, keine Ahnung, genauso wie diese Hybiorobs, wie Suzan … Tage der Überraschung. Dachte, du weißt mehr. Es gab da eine Nachfrage in der Verteilung …“ Die Kabinentür öffnet sich.

„Na … so was! Hallo … Herr Arfankel! Lange … nicht gesehen! Und … zu dritt … jaja!“, die Pumpgun, die Silvie auf mich richtet, während sie an der gegenüberliegenden Kabinenwand lehnt, erscheint mir übertrieben.

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Wirklichkeit, Wahrnehmung … und Realität? – Lyrik und Poesie der Abstraktion – 2

in: Abstrakte Fotografie — BerHWolf
Handgetanzt — Sinnliche Eigenwelten – Fragmente der Wirklichkeit

Zeitweise ergeben sich dadurch Aufnahmen sehr spontan – so spontan, dass ich später beim Sichten und Entwickeln nicht mehr feststellen kann, wie, wo und was ich fotografiert habe.

Zufall und Notwendigkeit gehören jedoch zum Konzept.
Das Wissen um die aufgenommene Situation ist anschließend nicht mehr relevant.
Die gelungene Transformation ist das Entscheidende.

Die Transformation der Visualisierung des Wirklichen, Greifbaren, Erkennbaren in die Vision des nicht unmittelbar Greifbaren, Abstrakten – einer nicht minder realen Wirkung.
Das Eine wie das Andere verwurzelt in der Realität der Dinge.

Eine nachträgliche „künstl(er)i(s)che“ Aufarbeitung findet nicht statt.
Die abstrakte Fotografie entsteht beim fotografieren; ausschließlich.

Die Selektion der einen Aufnahme unter vielen jedoch, wird durch die gleichen Kriterien bestimmt, die jeder bewussten Gestaltung zu Grunde liegen.

Diese Vorgehensweise ist meine Entscheidung.
Meine frei gewählte Beschränkung, über die Aufnahme hinaus, nicht weiter einzugreifen.

Und genau in dieser Hinsicht gibt es eine weitere Ebene der Betrachtung, die mich fasziniert.
Trotz aller – scheinbaren – Abstraktion und der folgenden Transformation durch die Art der Fotografie, bilden diese Aufnahmen eben faktisch und unverfälscht, wirkliche, gegenständliche Situationen ab, unabhängig davon, ob ich diese erkenne oder in der Transformation etwas anderes Neues wahrnehme – direkt visuell oder indirekt fühlend.

Letztendlich gilt dies natürlich für jede visuelle Wahrnehmung.
Letztendlich erscheint jede visuelle Wahrnehmung zuerst abstrakt, und sie bleibt es solange, bis ich etwas mit ihr verbinde, etwas das außerhalb dieser visuellen Wahrnehmung liegt.

Jede visuelle Darstellung ist eine graduelle Abstraktion des Dargestellten, eine Abstraktion der durch die Augen und den Verstand vermittelten Wirklichkeit.

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Der Wechsel – Verwechslung

Starf + Drei

Diesmal ist es kein Piepen, sondern ein Brummen und Dröhnen, welches mich begleitet, während ich wieder ins Bewusstsein meiner selbst vordringe. Meine Lage im Raum ist unklar. Das Dröhnen im Kopf hat etwas damit zu tun. Ich versuche mir vergeblich an den Schädel zu fassen. Ich öffne die Augen. Unter anderen Umständen könnte ich diesem Anblick einen gewissen Genuss abgewinnen. Ich frage mich, wieso ich sehe, was ich sehe. Merkwürdigerweise hat es keinen passenden Geruch.

Geruch ... da ist sie wieder ... Äther ... die Erinnerung ... Tuch ... Hände ... Ohnmacht ... Suzan. Ich versuche locker zu bleiben, um keine Aufmerksamkeit zu erregen bei der Besitzerin dieses scheinbar weiblichen Pos, der mir immer wieder entgegenkommend meine Sicht auf die Umgebung eingeschränkt. Kein Körpergeruch ... trotz der Nähe ... ein Hybiorob?! Auf Basis dessen, was ich wahrnehmen kann, vermute ich, dass wir uns in der Eingangshalle des Turms befinden. Ich werde zum Ausgang getragen. Wie ging doch gleich der Witz mit dem Rücksetzknopf? Habe ich eine Möglichkeit meine Lage zu diesem Zeitpunkt in eine andere Position zu bringen? Mit auf dem Rücken hängenden – hängenden? – und anscheinend in verbundenen Metallringen steckenden Handgelenken? Sicher, ein Salto rückwärts, von der Schulter hinunter, dabei eine Fußgrätsche um den Hals der Pseudodame ... aber es sind zwei Hybiorobs ... und der zweite würde mir sicherlich nicht applaudieren sondern etwas dagegen unternehmen.

Ich hätte diesen Zwischenjob damals nicht annehmen sollen. Biogese ist die Zukunft. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben, falls ich hier unversehrt raus komme; und wer weiß, diese Maschine könnte sich als nützlich erweisen, faszinierende Perspektiven auftun, ... wenn sich tatsächlich herausstellt, was sich zuletzt angedeutet hat. Dass mich ausgerechnet mein Bruder vor ein paar Wochen um Unterstützung bitten muss, in derselben Sache, in der wir ihn und den Stamm seit zwei Jahren nicht aus den Augen lassen, ist ein schräger Zug des Schicksals. Kurz davor das plötzliche Auftauchen der Folie, und nun das. Wer verschleppt mich, und vor allem, warum?

Ein Poppen in meinen Ohren und ich schleudere herum, lande unsanft auf dem Boden und schlitterte mit dem Teil Energie, der sich zum Glück nicht beim Aufprall entladen hat, gegen die nächste Wand. Alles noch dran, alles noch heil, soweit ich es beurteilen kann. Dieselbe Feststellung gilt für das

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Der Wechsel – Blickwechsel – Starf + Silvie (Epilog Dialog) – 17

Neurometrie, das ist der Begriff dafür, soweit ich mich erinnere. Du musst jahrelang üben, bis Du das beherrscht. Die Abstimmung zwischen Implantat und Gehirn muss perfekt sein, wenn du es fehlerfrei ausführen willst. Ohne ein besonders hohes Maß an Selbstkontrolle keine Chance. Denkst du trotzdem mal daneben, und anfangs tust du das oft, führt das zu – interessanten Effekten.“

„Lustige Effekte, anscheinend. Du sagst Erfahrung, aber woher weißt Du, dass Dein Implantat nicht eine falsche Wahrnehmung erzeugt?“

„Berechtigte Frage. Du kennst sie bestimmt, diese Situationen, in denen Du den Eindruck hast, als schmecke etwas für einen Augenblick ganz anders, als noch kurz zuvor, oder wenn sich plötzlich, für einen Moment, etwas völlig ungewohnt anfühlt, wenn Dir Dinge aus der Hand fallen, obwohl Du Dir absolut sicher bist, sie fest im Griff gehabt zu haben, wenn Du etwas zu sehen scheinst, es aber schon nach dem nächsten Blinzeln nicht mehr wiederfinden kannt, wenn Du meinst, jemand hätte etwas gesagt, hat er aber nicht, jedenfalls nicht so, wie Du es erinnerst, wenn Du ein Buch liest und du an manchen Sätzen hängen bleibst, sie wieder und wieder lesen musst, sie aber in keinen plausiblen Zusammenhang zum Rest bringen kannst, und so weiter und so weiter.“

„Das ist doch völlig normal.“

„Genau. Denkst Du, an der Übergabe könnte ein Stück Torte materialisiert werden, dass, mal abgesehen von den synthetischen Zutaten, wirklich der selbstgebackenen Torte entspricht, welche Du aus Deiner Kindheit erinnerst? Vieles ist inzwischen machbar, aber das nicht, und wird es wahrscheinlich auch nie; es besteht keine Notwendigkeit mehr. Denn das Stück Torte ist so wie es ist, so gut wie echt. Eben genau, wie Du es erinnerst.“

„Und was ist mit Vitaminen, Mineralien, Spurenelementen und all den anderen vom Körper benötigten Stoffen? Werden die auch simuliert?“

„Selbst die Schwarzwälder Kirschtorte aus Deiner Erinnerung, enthält wahrscheinlich nicht allzu viel Vitamine und Spurenelemente. Keine Gefahr also, iss weiter. – Zum Teil werden sie simuliert. Zum Teil werden sie der Paste zugesetzt, so wie das Coffein im Wasser. Die Simulation ist genau das, eine Simulation. Sie kann das Nervensystem beliebig Glauben machen – interessante Analogie nebenbei –, und es wird entsprechend reagieren, auch, nun ja, körperlich. Das funktioniert allerdings nur soweit, wie die Relationen zur Wirklichkeit tragen. Wird simuliert, was nicht existiert, nicht wirklich ist, keine oder fehlerhafte Relationen hat, nimmt der Körper auf Dauer Schaden, altert früher. Auch dieser Art Abweichungen wurden vor dem Brand unter dem Begriff Krankheit zusammengefasst.“

„Ich habe diese Krankheiten erlebt. In den vielen Übermittlungen, in denen schrecklichen Abweichungen aus der Zeit vor dem Brand abgebildet wurden.“

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Über dies

in: Im Scheinen der Dinge — Milbeaut Expeed 4 FX 24.3

Feuerabend in der Zivilisation Feuerabend in der Zivilisation

Die Fotografie in dieser Serie, ebenso wie die Fotografie in „Die Dinge die da sind“, illustriert nicht, jedenfalls nicht konzeptuell.
Mich interessiert die Situation als solche, das Licht, die Dinge und ihre visuelle Wirkung, ihre fotografische Interpretation, nicht die Situation als Komposition aus Requisiten, um durch die Fotografie einen Zusammenhang abzubilden, der außerhalb dieser Situation existiert.

Im Unterschied zu den Aufnahmen im Bereich „Die Dinge die da sind“, fotografiere ich für diese Serie mit einer hochauflösenden digitalen Spiegelreflexkamera.
Während also die einen Aufnahmen mit der Kamera eines Smartphones gemacht werden, mit einer Kamera fester Brennweite und relativ geringer Auflösung, die sich über ihre Positionierung hinaus in keiner Weise steuern lässt und die Entwicklung der Aufnahme als JPEG gleich mit übernimmt, das Fotografieren quasi einer Hightech Polaroid Lomografie gleicht, schafft die vielfältig steuerbare DSLR zusammen mit ihren Wechselobjektive Aufnahme- und Wiedergabemöglichkeiten, die so mit dem Smartphone nicht realisierbar sind, und ermöglicht dem Fotografen, wie in der analogen Film basierten Fotografie, die Entwicklung der RAW Daten - dem inhaltlichen Äquivalent des Negativs - zum fertigen Bild.

Im Fall der Smartphone Kamera sind auf Grund der unberechenbaren Umsetzung des gewählten Ausschnitts und der Lichtsituation durch die Kamera, teilweise mehrere Aufnahmen erforderlich, iterierend die Kamerahaltung korrigierend, bis da die eine Aufnahme entsteht, die so passt wie auf dem Monitor gesehen. Im Fall DSLR/RAW ist die Aufnahme geplant, eingestellt, abgestimmt, parametrisiert, die Umsetzung wesentlich zuverlässiger. Natürlich nehme ich auch hier mehrfach auf, jedoch aus anderem Grund, wie z.B. für Belichtungsreihen.

Die zu fotografierende Situation wird ausgesucht, jedoch nicht inszeniert. Die Situation existiert unabhängig von meinem Zutun, nicht jedoch meine Wahrnehmung und deren Inszenierung durch das Handling der Kamera.

In vielen Fällen würde eine fotografisch exakte Abbildung der vor Ort wahrgenommenen Situation, tatsächlich nicht der Wahrnehmung vor Ort entsprechen.
Das heißt, visuell würde das auf der Fotografie Abgebildete zwar in etwa dem entsprechen, was auch ursprünglich auf der Netzhaut ankommt, dessen Wahrnehmung also vor Ort Anlass für die Fotografie ist.
Das was auf der Netzhaut ankommt, ist jedoch meistens nicht das, was auch wahrgenommen wird. Das System Auge plus alle anderen Sinne plus Gehirn funktioniert anders als eine Fotografie, die zwar ein zweidimensionales, optisch korrektes Abbild liefert, losgelöst von der komplexen, vom Gehirn umfangreich gefilterten, ursprünglichen Situation, aber eben genau diese Filterung nicht so ohne weiteres reproduzieren kann.
Die Übertragung des vor Ort Wahrgenommenen in die Fotografie, geschieht durch Wahl von geeignetem Objektiv, Ausschnitt, Perspektive, Schärfeverlauf und Belichtung. Die resultierende zweidimensionale fotografische Abbildung gleicht der ursprünglichen Situation also nicht notwendigerweise visuell, wie allein vom Auge gesehen, sondern ist das Ergebnis des Versuchs mittels der Fotografie die Wirkung des vor Ort Wahrgenommenen, wie wahrgenommen und nicht nur wie gesehen zu reproduzieren.

Unter Umständen entsteht eine Aufnahme, die sogar stärker ist, als die vor Ort ursächlich wahrgenommene Situation, entsteht etwas Neues.
Insofern handelt es sich auch um keine dokumentarische Fotografie, wenngleich andererseits natürlich jegliche Fotografie, die nicht nachträglich manipuliert wurde, eine existierende Situation visuell abbildet, dokumentiert.

Meine Fotografie — Perspektive, Ausschnitt, Schärfe, Licht- und Farbumfang — entsteht durch das Fotografieren, nicht durch anschließende Bearbeitung, Verfremdung oder anderweitige Manipulation des digitalen Materials, mit dem Ziel erst durch diese Bearbeitung eine bestimmte, über die ursprüngliche Fotografie hinausgehende Aussage zu produzieren.

Die Aufnahme im RAW Format wird hinsichtlich Kontrast, Farbe und Schärfe, der erinnerten Situation entsprechend entwickelt, in einem Umfang der auf Methoden der analogen Fotografie basiert.

Die Titel funktionieren auf einer eigenen Ebene, stehen in keinem ursächlichen Zusammenhang mit der Aufnahme, jedoch in Beziehung zu dieser.

Der Farbraum der Fotografien ist ProPhoto RGB. Beim Betrachten in Browsern und Programmen die kein Farbmanagement beherrschen, sind grobe Farbabweichungen zu erwarten.

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Der Wechsel – Verwechslung – Suzan + ? – 2

zu geben. Niemand hatte es mehr gewagt seine nackte Haut für längere Zeit dem Einfluss der Sonne auszusetzen, so dass künstliche, kontrollierbare Sonnen benutzt wurden um den gewünschten Effekt zu erzielen. Ihre Haut jedenfalls war von Natur aus braun und sie würde nie auf die Idee kommen sie aufzuhellen. Welchen Effekt wohl das immergleiche Licht der Sub hatte?

Das Gebilde schien unverändert in der Mitte des Raumes und sie lehnte in der Türöffnung und starrte gebannt hinüber. Etwas von dem Kaffee in der Küche könnte sie jetzt gut vertragen, sie hatte nicht viel geschlafen in der letzten Nacht. Das Licht ging von einer Art Rahmen aus, einem ovalen Rahmen, so groß, dass er ein Hindurchgehen erlaubte. Weder hing das Ding, noch war für sie ersichtlich, wie es auf dem Boden lagerte. Der Moment in dem es umkippte, musste unmittelbar bevorstehen. Tatsächlich sah es so aus, als ob es über dem Boden schwebte.

Es hatte in den vergangenen Jahrzehnten erstaunliche Fortschritte in der Bionik gegeben, aber von der Möglichkeit ein nicht lebendiges Ding zum Schweben zu bringen, war ihr bisher in keinem Wissenstransfer berichtet worden. Die ultimativen Entdeckungen im Bereich der Physik lagen fast hundert Jahre zurück, soweit sie wusste. Ihr Lebenstil mochte allerdings dazu beitragen haben, dass sie nicht auf dem aktuellsten Stand der Entwicklung war.

Sie erinnerte sich an weitere Einzelheiten aus ihrer Kindheit. Die Geschichten und Aufnahmen ihres Großonkels Jasper. Dort hatte sie ähnliches gesehen. Leute wurden unter dem Einfluss eines solchen Lichts anscheinend langsam aufgelöst, verschwanden schließlich, und tauchten an anderer Stelle den Vorgang umkehrend wieder auf. Jasper erzählte es werde bald möglich sein, ohne sich zu bewegen von einem Ort zum anderen zu gelangen; und von anderen unglaublichen Projekten. Trotz des offensichtlichen Widerspruchs in dem was er sagte, faszinierten seine Worte ihr kindliches Gemüt. Und die Aufnahmen? Gespielte Szenen, Filme zur Ablenkung, wie sie damals üblich waren? Oder Material aus dem Institut an dem er als Physiker arbeitete. Ihr Großonkel verstarb kurz nach ihrem achten Geburtstag. Es war die erste endgültige Trennung von einem ihr sehr nahe stehenden Menschen. Sie verbrachte mehrere Tage wie katatonisch im Bett, nicht begreifend, dass sie die Stimme ihres Onkels nie wieder hören würde. Später wurde ihr schwindelerregend klar, es würde auch einen Zeitpunkt geben, nach dem ihre eigene Stimme niemand mehr wahrnähme und die Welt um sie herum, ebenso wie sie, aufhörte zu existieren. Seit damals hatten sie keine Geschichten wie die ihres Onkels mehr erreicht, auch keine Informationen über Realisierungen. Mit zunehmendem Alter schwand allerdings ihre Aufmerksamkeit in diese Richtung. Es hatte weitaus bedeutendere reale Entwicklungen gegeben und andere Ablenkungen die ihr Interesse weckten. Harklaam war nur eine von vielen.

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kakao schwimmer

stürmeerwischt in gepflügtenen eiligenheiten reigen wir uns von gegeneinanderer im zaum gehaltener hineingaben verschronnen vor dem kuntergrund trapetzerie wandelnder diesbezüge überfallenem jenseits vertrunken im partrickelndem seinschein splitterbuntem graureifs dich erspürend in pulserierenden gravuren deiner wunderwärmend lebendigen hand in hand über hand unter hand fest ineinander gleistend im ström regelent brassender witterwinderungen verschlungernder pfaden deiner stimme flauschig schwerenden samtfühlerungen gehörig - oh der umklang deiner stimme dieser stimme die mich sänftig herb fesselnd auflöst auflösend fesselt von moment zu moment von augenblick zu augenblick - der im widerstand meiner entschlossenen lippenhäute erregende andruck deiner prickelnde feuchte in meinen gemächtlich zöglichterloh nachgiebenden mund pressenden zunge nassrauhen lustfleisches kitzeln - dann die zeit die zeit die zeit die zeit in stillen gravuren deiner wundersam kühlenden hand verschollene gedanken an die geringerung der umhangenden zerrinnerung verrauntet im schlachentrief der gegebenenden unvergeblichtenen versinndet in dinglichtungen unendlichter ringschlüsse lichter dunklingenden - nein kein letztes mal der wärmende duft deiner weichenden nacken härchen

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Der Wechsel – Verwechslung – Jochen – 3

Turm abzurufen. Der gesamte Trakt ist nicht nur unbewohnt, sondern auch abgekapselt. Wohl einer der Hauptgründe, dass niemand einzieht, zumal es noch Bereiche mit vollständigem Zugang im Turm gibt.“

„Ich denke, dem sollten wir nachgehen. Das kann kein Zufall sein. Ein ganzer Trakt einfach abgekapselt? Wie oft kommt sowas vor?“

Jochen nickte Wilfred zu: „Selten, sehr selten.“

„Die fortlaufenden Tests mit dem Objekt brachten keine neuen Erkenntnisse; kein Suprafeld, wie jenes beim Ortswechsel, keine Spin-Aktivität. Das Ding schwebt leuchtend und unbeweglich wie immer über dem Boden. Auch in den visuellen Datenabwicklungen und auf den Minkow-Abbildungen: Nichts!

Acht Wochen derselbe monotone Rhythmus, keine Veränderung, kein Kontakt, nur diese Öde um mich herum, der unangenehme Ozongeruch und die mangelnde Versorgung. Ohne Pseudon wäre es kaum machbar gewesen.“

„Scheint mir eher als Vorteil, dass Du dich in einem Turm aufhalten konntest. Wenn ich an meine dreimonatige Klausur in der Zone in einem Mobil denke ...“, Sandra sah ihn nach Sandra Art ausdruckslos an.

„Dafür ist die Versorgung in einem Mobil umfangreicher; und Du hast nicht ständig diesen Geruch in der Nase“, er lächelte und erinnerte sich leise an zwei nicht registrierte Nächte. Irgendwie war er halt doch der Bruder seines Bruders.

„Allerdings gab es dann vor ein paar Tagen eine unerwartete Entwicklung“, Jochen wartete kurz, „ich muss den Kreis für einen Moment lösen.“ Joshua nickte.

Jochen griff in eine Tasche seines Pullovers und entnahm ihr vorsichtig eine nahezu rechteckige, flexible, dünne Folie, so groß wie seine Hand, und legte sie vor sich auf den Boden. Er schloss den Kreis wieder.

„Diese Folie fand ich vor drei Tagen morgens vor dem Objekt.“

Alle Blicke richteten sich fragend auf das unscheinbare Material vor Jochens Füßen.

„Was ist das?“ Josephine nickte in Richtung Folie.

„Wie sich zeigte, scheint es eine Art Steuerung für das Objekt zu sein. Was mir aber weit mehr Kopfzerbrechen bereitet und was ich mir bis jetzt nicht erklären kann ist, wie es in den Raum gelangte. Auf den Aufzeichnungen ließ sich wie gesagt keine Aktivität erkennen. Ich nahm die Folie auf und tastete über deren ebene Oberfläche. Ein Bereich begann daraufhin blau zu schimmern. Da sonst nichts weiter geschah, strich ich ein weiteres Mal darüber. Der Effekt war überraschend. Das Objekt veränderte sich. Die Öffnung, die bisher immer durchsichtig und durchlässig gewesen war, wurde

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Nichtproblem

„Nicht lösbare Probleme existieren nicht.
Nicht lösbare Probleme sind keine Probleme.

Sie sind Nichtprobleme.

Lässt sich ein Zustand nicht in gewünschtem Maße ändern, weder theoretisch noch praktisch, dann ist dieser Zustand, so wie er ist, das Maß der Dinge, die er manifestiert.

Er ist somit ein Nichtproblem.

Ein nicht lösbares Problem, das heißt, ein unerwünschter, jedoch nicht veränderbarer Zustand, ist demnach ein Nichtproblem.

Problematisch ist die Wahrnehmung und der Umgang mit einem Nichtproblem, als wäre es ein Problem.
Doch ein Nichtproblem ist kein Problem.

Probleme sind Nichtproblemen in jedem Fall vorzuziehen.

Oft lässt sich ein Nichtproblem in eine Menge einzelner Probleme zerlegen.
Diese Probleme können dann gelöst werden.
Das ursprüngliche Nichtproblem wird dadurch nicht zwangsläufig zum Problem.“


Sorat Losheut, „Nicht Probleme lösen“, goo. 2531

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Ziehung der Achter – 4

… ich nehme an, sie sind ansonsten gesund und die Betäubung haben sie auch schon einmal vertragen?“

Ich bin leicht geschockt und kann wieder gar nicht so schnell folgen, wie der Mann erzählt.

„Zur Sicherheit möchte ich sie auch noch einmal röntgen.“

Den Kopf lassen sie aber dran?

„Gab es Komplikationen bei dem unteren Zahn?“

„Ja, der ging nicht so leicht raus, musste zertrümmert werden …“

„Ah ja, jaja. Dann ist es in jedem Fall besser, wir röntgen. Zur Sicherheit, falls Splitter zurückgeblieben sind.“

Nun bin ich vollends beruhigt. Mein Einwurf, ich wäre vor einem dreiviertel Jahr schon einmal geröntgt worden, ist natürlich überflüssig und wird erwartungsgemäß überhört. Auf den alten Aufnahmen sind mit Sicherheit keine Splitter zu erkennen. Der Maschinenpark kann also reinen Gewissens kostenrentabel eingesetzt werden.

„Die Betäubung gebe ich ihnen aber schon einmal vorher.“ Klar ist effektiv, da es eine Weile dauert bis sie wirkt … same procedure. Ich kann es kaum erwarten. Der mir an sich sympathische Mann spritzt jedoch viel länger als der Arzt, der mich operiert hatte. Dort ging das ruck zuck. Spritze rein, gespritzt, Spritze raus. Ein paar Mal wiederholt. Jetzt frage ich mich plötzlich, ob dieser Doktor vergessen hat, dass die Spritze in seiner Hand in meinem Gaumen steckt und ob noch alles mit rechten Dingen zu geht. Aber jeder hat da offensichtlich seine eigene Methode. Als er fertig ist, spüre ich einen bitteren Geschmack im Mund, und denke dies sei etwas von der Betäubungsflüssigkeit.

„Kann ich das runterschlucken … oder ausspucken?“

„Das können sie problemlos schlucken, sind alles reine Körperflüssigkeiten.“ Mmmh. Dann war das wohl der Eiter. Ich ziehe es vor auszuspucken.

Die Assistentin führt mich zum Röntgenraum. Drinnen in einer Ecke ein Ding, das mich an das Periskop in einem U-Boot erinnert. Die Assistentin legt mir eine Bleijacke um. Ich muss mich leicht nach hinten lehnen und an zwei Haltegriffen in Brusthöhe festhalten. Dann soll ich das Kinn samt Kopf auf einer Ablage ablegen, auf eine Kunststoffstange beißen, und meine Zähne in einer Rille einrasten.

„Gut, bewegen sie sich jetzt nicht!“

Die Assistentin geht hinaus, um den Mechanismus von außerhalb in Gang zu setzen. Verständlich, ihre Belastung wäre ungleich höher, da dieses Prozedere bei ihr zum Alltag gehört. Ich schließe meine Lieder, weil, ich möchte den Röntgenstrahlern nicht in die Augen sehen und auch die

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Der Wechsel – Blickwechsel – Starf + Silvie (Epilog Dialog) – 20

„Auch dies wäre ohne G-Sporen nicht möglich.

Keine Ahnung, was Dein spezielles Erlebnis in der Halle betrifft. Geschossen hast Du tatsächlich. Warum eigentlich?“

„Ach, Rückstoß und so, ich dachte –, ne, Unsinn, irgendwas musste ich wohl tun. Vielleicht hoffte ich, der Schuss würde mich retten, aus dem Traum.“

„Typischer Schallerknall einer Mono jedenfalls. Und geschwebt hast Du nicht. Auch nicht die Patrone. Weil, da war keine Patrone. Nicht in meiner Wahrnehmung.“

„Ja eben. Müsste es nicht immer wieder Konflikte geben? Kann diese Simulation, können diese Nanoteile, können die das alles koordinieren, über alle Leute und Ereignisse hinweg, über die Zeit, widerspruchsfrei?“

„Anscheinend. Nein, ganz offensichtlich. Tatsächlich gibt es weitaus weniger Konflikte, als noch in der Zeit vor dem Brand. Wenn ich‘s recht überlege, gar keine. Und nicht nur keine globalen Konflikte – zumindest bis jetzt, sofern denn die aktuelle Situation überhaupt einen Konflikt darstellt. – Selbst aus den wenigen, erhaltenen Aufzeichnungen vor dem Brand wird dir klar, dass kein Tag verging, an dem nicht hunderte, tausende, millionen Dinge nicht so verliefen, wie erwartet. Da existierte, da existiert zweifellos immer noch, eine deutliche Unschärfe in der individuellen Wahrnehmung und Bewertung der Zusammenhänge. Zugegeben, heute leben deutlich weniger Menschen als vor dem Brand, und sie leben eine lückenlos durchorganisierte und kontrollierte Existenz.

Deine Sinne, deine Sinneswahrnehmung steht prinzipiell immer in korrekter Relation zur Wirklichkeit. Daraus erwächst sie. Da ist keine andere Möglichkeit. Je größer die Abweichung in den Relationen zur Wirklichkeit, desto weitgehender die Konsequenzen. Eine totale Dechiffrierung bedeutet jedoch andererseits Wirkungslosigkeit, totale Entropie. Diese Relation optimal zu dechiffrieren, das ist die Herausforderung. Man könnte meinen, die G-Sporen können das besser, als die ursprünglichen Sporen.“

„Ich verstehe zwar nicht alles was Du erzählst, Abweichung in den Relationen zur Wirklichkeit und so weiter, aber was ist mit den wiederkehrenden Abweichungen und Bränden der Sub? Den Vorfällen in den Kontakttheken? Das Organprogramm? Der Entzug der Verteilung? Die Bindung in den Anschluss?“

„Das ist Programm, exakt. Du weißt, wie die Menschen leben, denen ihr Zugang zur Verteilung entzogen wird?“

„Ohne Anschluss keine Bits und ohne Bits kein Anschluss.“

„Der alte Spruch. So sieht es aus. Die Sub. Apropos, Suzan ist ungebunden, ohne Anschluss. Sie ist eine Sub, allerdings aus eigener Entscheidung, selbstbestimmt. – Hast Du diese Abweichungen von denen Du sprichst, selbst miterlebt? Warst Du dabei? Nicht über Deinen Anschluss, nicht durch das Neurum, sondern leibhaftig, vor Ort?“

„Du kannst nicht alles leibhaftig erleben, dazu reicht deine Lebenszeit nicht aus. Du musst auch vertrauen auf das, was andere dir erzählen. Du musst auf den Anschluss und auf die Übermittlung vertrauen.“

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Der Wechsel – Blickwechsel – Starf + Silvie (Epilog Dialog) – 25

„Hör auf damit. Bin ich für PARK und den Stamm unterwegs, oder Du? Was ist mit den Wächtern? Den Nomaden? Dem Stamm?“

„Das meinte ich gerade. Die Sache ist folgende. Nicht nur hier im Turm wird intensiv geschwuppt. Das sieht nach keiner nur lokalen Anomalie aus, wenn es denn so einfach wäre. Das ist ganz offenbar ein globales Phänomen, das alle 27 Ballungen betrifft. Ich nehme an, der Stamm ist inzwischen informiert. Doch was sollen sie tun? Das Trauma wiederholt sich. Schon vor dem Brand waren sie zu passiv. Sie hätten das kommen sehen müssen. Sie hätten ihre Sache stärker forcieren müssen. Sie hätten umfangreicher rekrutieren müssen. Sie hätten Vorbereitungen treffen müssen. – Stattdessen sitzen sie im Kreis herum und halten Händchen, und betrachten die Wechsel als rein technische Erscheinung.“

„Und PARK?“

„Kann ich nicht sagen, bekomme keine Verbindung mehr hin. Diese Entführung, die in Richtung PARK weist, die ergibt ebenfalls keinen Sinn. So wie die Situation sich entwickelt hat … ich denke, Park wurde ebenfalls überrascht. Es gab Andeutungen, doch Informationen die auf ein Ereignis dieses Umfangs hätten schließen lassen, kamen nicht von ihnen. Keine Ahnung warum geschieht, was geschieht. Nicht mal ansatzweise. Vielleicht ein Freak of Simulation im Zusammenhang mit den G-Sporen. Länger im Turm bleiben ist keine Option. – So schnell kann sich eine sinnvolle Auswahl möglicher Handlungen einschränken. – Suzan und ich, wir wollten uns im Nachbrand treffen, nachdem ich hier abgeschlossen habe. So wie die Dinge stehen, kommst Du am besten mit und wir sehen dann weiter. Bin mir nicht sicher, ob sie da sein wird. Ich denke aber schon, sofern ich mich nicht gänzlich in ihr getäuscht habe. Vielleicht sogar in Begleitung von Josey. Aber wirklich sicher bin ich mir nicht bei ihr. Nicht so sicher wie bei Dir.“

„Ich meinte auch nicht in diesem Turm. Ich meinte, in meinem Appartement. Macht wohl keinen Unterschied mehr, wenn ich Dich richtig verstanden habe. Weiß sie denn? Wer ist Josey?“

„Von mir nicht, noch nicht, doch das war letztendlich die Idee.“

„Wie kommen wir jetzt raus aus dem Turm?“

„Nicht mehr durch die Halle.“

„Und?“

„Sie müsste gleich eintreffen.“

„Wer müsste gleich eintreffen?“

„Meine Partnerin. Von der ich Dir vorhin erzählte.“

„Oh.“

„La Grand Dame d‘Organisation. Ich bat sie, uns abzuholen.“

„Besteht denn das Problem in der Halle noch? Wo kommen die alle her?“

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Der Wechsel – Blickwechsel – Starf + Silvie (Epilog Dialog) – 18

„Zugegeben, die meisten Krankheiten verschwanden allmählich in den Jahrzehnten nach Brand und Wiederaufbau. Organversagen und frühes Altern wurden jedoch Normalität.“

„Im Gegensatz zu meinem Schweben in der Halle.“

„Dein Schweben? Trägst Du einen Sublimationsanzug? Weißt Du, wie massiv die Dinger sind? Glaub mir, eine Masse, die nur Hybiorobs bewegen können .“

„Hybiorobs?“

„Maschinen. Maschinen, die von sich selbst denken, sie wären keine Geräte, denken, sie wären Menschen. Wie soll ich Dir das jeztzt auch noch erklären.“

„Na, dann erwähne sowas nicht. Ist eh schon alles verwirrend genug. – Da Du von Gewicht sprichst, dieser Boden auf dem wir sitzen, wieso ist der so schmeichelnd bequem? Oder bilde ich mir das auch nur ein? Sieht spiegelglatt aus und fühlt sich an, na, so hart wie Phytan, wenn ich mit der Hand darüber streiche. Sitzt sich aber sehr bequem, wie auf einem Flies.“

„Das ist deshalb so, weil wir in Wirklichkeit auf warmem, weichem, schmiegsamem Sand sitzen, und ein paar Schritte weiter rauscht das Meer.“

„Nicht Dein Ernst!“

„Nein, Scherz. Die Simulation ist keine Zauberei. – Gut, Zauberei selbst ist auch keine. … Egal.“

„Hahaha.“

„Der Boden funktioniert ähnlich wie ein Flies, passt sich deinen Bewegungen und der an ihn abgegebenen kinetischen Energie an, beispielsweise durch dein Gewicht, zum Wohlgefallen deines Körpers; glücklicherweise tut er das unmittelbar. – Was ist Deine Erklärung für Dein Erlebnis in der Halle?“

Ich hab keine Erklärung. Aber das heißt noch lange nicht …“

„Die vielen Leute sind tatsächlich da draußen, nur sind sie keine Nomaden, sie sind Angeschlossene, so wie Du. Und sie bewegen sich tatsächlich benommen auf das Ende der Halle zu. Doch da ist kein Loch in der Wand. Da schweben Wechsel. Dicht an dicht. Auf der ganzen Breite der Halle, ein Ozonstinker neben dem Anderen. Und nicht nur auf dieser Ebene. Und nicht nur in diesem Turm. Und das ist mein aktuelles Problem, mehr noch Dein Problem. Ist die Situation ein Problem für die Leute in der Halle? Ich weiß es nicht. Wahrscheinlich. Wo ist Jochen?“

„Stop, mir schwirren noch andere Fragen im Kopf. Zum Beispiel. Warum verteilt der Stamm keine Implantate an alle? Und kann die Simulation nicht abgestellt werden? Rein hypothetisch gedacht, denn was für einen Sinn macht die Simulation im Großen und Ganzen? Wie weit reicht sie? Was wird alles simuliert? Hat die Simulation nichts dagegen, hahaha, dass Du mir dieses besondere, nicht übermittelte Wissen – diese Geheimnisse –, so umfangreich anvertraust? Ist das was ich höre, wirklich das, was Du mir sagst? – Was für eine blödsinnige Frage. Nur mal Dein Zeug weiter gesponnen. O.k., selbst wenn; das mit der Verschönerung der durch die Übergabe erzeugten Lebensmittel, das erscheint mir noch einigermaßen plausibel, aber die Situation in der Halle? Und warum hört sich Deine Version dessen was ich in der Halle erlebt habe, genauso absurd an wie meine? Ein Loch oder diese Dinger?

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Der Wechsel – Wechselspiel – Jochen + Ryka (Ende) – 3

Sie lächelte. Sie lächelte tatsächlich. Und ihr Lächeln war verführerisch, charmant, ließ ihn ihr Lächeln erwidern. Doch dies war mehr, als er im Moment fassen konnte, als er wahrhaben wollte.

„Das Leben entstieg seit jeher dem Wasser, Jochen. Es strömt, frisch und rein, in eine bessere Welt, für jene, die weiter kommen, die vertrauen, sich austauschen, sich hingeben. Eine Welt für die Besseren, die Verbesserten. Du darfst ihnen helfen, wenn Du dies wünscht, natürlich, und dies wird Dein Lohn sein, der Lohn aller, die miteinander ringen.“

„O.k., Du willst mich – allen – Ernstes – veräppeln!“, hörte er sich mit bebender Stimme in ihr Gesicht lachen, während sein Blick zwischen ihren wundervollen Brüsten und ihren nicht minder wundervollen Augen hin und her tanzte.

„Du musst aufwachen, Jochen. Die Noren haben Dich verlassen. Die Dauerformer wurden reprogrammiert. Erwache. Komm zu mir, komm zu uns. Komm in die Tiefe unserer allumfassend Dich wärmenden Mitte. Wir sind bereit für Dich, bereit, Dich umschließend und ganz in uns aufzunehmen.“

Mit voller Wucht schlug er geradlinig in ihr Gesicht. Reflexartig. Sie machte einen Satz nach hinten und ging rückwärts zu Boden. Wer musste jetzt aufwachen? Er öffnete seine verkrampfte Faust, spreizte seine Finger und schwang sie mit einem Ruck durch die Luft. Verdammt! War die Frau aus Stein? Dennoch, ein gutes Gefühl, seine schmerzenden Knöchel. Durchschlagende Wirklichkeit. Simulation hin oder her.

Eine erfrischende Klarheit flutete endlich das massive Vakuum in seinem Hirn. Er hatte nur diese eine Realität. Keine Alternative, als sich in ihr zurechtzufinden oder verrückt zu werden. Verharren war eine nicht wünschenswerte Option. Das Sterben ergab sich zwangsläufig, wie von selbst, früher oder später. Nein, nicht jetzt darüber nachdenken, er musste fokussieren, sich ausrichten, auf die elementaren Fragen. Wie weiter? Ziellos. Bald würden die ersten Überlebenden den Strand erreichen. Das neue Volk für eine bessere Welt. Da schien nur ein Weg zu sein, nur ein Weg der sinnvoll war. Der Weg aus dem Meer, hinein ins Innere dieser Landschaft. Er war neugierig, was er in dieser besseren Welt finden würde.

An der Frau vorbeistreifend – wie hatte sie sich genannt? Kyra? Wo war ihr Smoking? – schnappte er, sich vornüberbeugend, den Apfel, den sie groteskerweise immer noch in der Hand hielt, und stieg zitternd, im Sand stolpernd, die Düne hinauf. Ein leises Fiepen klingelte in seinem Ohr. Nachdenklich betrachtete er den glänzend rosanen Apfel in seiner Hand. Warum hatte er Appetit auf sauren Pudding, von allen Dingen?

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