Ξ  Xabu Iborian

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Z e i t w a i s e

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Der Wechsel – Wechselspiel – Jochen + Ryka (Ende) – 3

Sie lächelte. Sie lächelte tatsächlich. Und ihr Lächeln war verführerisch, charmant, ließ ihn ihr Lächeln erwidern. Doch dies war mehr, als er im Moment fassen konnte, als er wahrhaben wollte.

„Das Leben entstieg seit jeher dem Wasser, Jochen. Es strömt, frisch und rein, in eine bessere Welt, für jene, die weiter kommen, die vertrauen, sich austauschen, sich hingeben. Eine Welt für die Besseren, die Verbesserten. Du darfst ihnen helfen, wenn Du dies wünscht, natürlich, und dies wird Dein Lohn sein, der Lohn aller, die miteinander ringen.“

„O.k., Du willst mich – allen – Ernstes – veräppeln!“, hörte er sich mit bebender Stimme in ihr Gesicht lachen, während sein Blick zwischen ihren wundervollen Brüsten und ihren nicht minder wundervollen Augen hin und her tanzte.

„Du musst aufwachen, Jochen. Die Noren haben Dich verlassen. Die Dauerformer wurden reprogrammiert. Erwache. Komm zu mir, komm zu uns. Komm in die Tiefe unserer allumfassend Dich wärmenden Mitte. Wir sind bereit für Dich, bereit, Dich umschließend und ganz in uns aufzunehmen.“

Mit voller Wucht schlug er geradlinig in ihr Gesicht. Reflexartig. Sie machte einen Satz nach hinten und ging rückwärts zu Boden. Wer musste jetzt aufwachen? Er öffnete seine verkrampfte Faust, spreizte seine Finger und schwang sie mit einem Ruck durch die Luft. Verdammt! War die Frau aus Stein? Dennoch, ein gutes Gefühl, seine schmerzenden Knöchel. Durchschlagende Wirklichkeit. Simulation hin oder her.

Eine erfrischende Klarheit flutete endlich das massive Vakuum in seinem Hirn. Er hatte nur diese eine Realität. Keine Alternative, als sich in ihr zurechtzufinden oder verrückt zu werden. Verharren war eine nicht wünschenswerte Option. Das Sterben ergab sich zwangsläufig, wie von selbst, früher oder später. Nein, nicht jetzt darüber nachdenken, er musste fokussieren, sich ausrichten, auf die elementaren Fragen. Wie weiter? Ziellos. Bald würden die ersten Überlebenden den Strand erreichen. Das neue Volk für eine bessere Welt. Da schien nur ein Weg zu sein, nur ein Weg der sinnvoll war. Der Weg aus dem Meer, hinein ins Innere dieser Landschaft. Er war neugierig, was er in dieser besseren Welt finden würde.

An der Frau vorbeistreifend – wie hatte sie sich genannt? Kyra? Wo war ihr Smoking? – schnappte er, sich vornüberbeugend, den Apfel, den sie groteskerweise immer noch in der Hand hielt, und stieg zitternd, im Sand stolpernd, die Düne hinauf. Ein leises Fiepen klingelte in seinem Ohr. Nachdenklich betrachtete er den glänzend rosanen Apfel in seiner Hand. Warum hatte er Appetit auf sauren Pudding, von allen Dingen?

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Schlachtvieh

„All diese Kontroversen um Wirtschaft, Finanzen, Recht, Glaube und Gesetz, sie sind Scheingefechte.

Tatsächlich ist da kein Unterschied, je nach welchem System ich Werte, Vorstellungen, Dinge, Menschen und andere Lebewesen in Bezug zum System und zueinander setze, kann da kein Unterschied sein, wird faktisch deren Wert, Essenz und Manifestation nicht wirklich tangiert; nur scheinbar.

Wahr ist jedoch, dass diese Relationen und Systeme ebenso zu Werten geworden sind, geworden wurden; Werte, die sich ausschließlich selbst referenzieren, Scheinwerte.

Allein deren Erhalt ist von Belang, und somit der Erhalt des Einflusses derer, die von diesen Relationen und Systemen profitieren, zu profitieren meinen, von dieser leicht kontrollierbaren und steuerbaren imaginären Welt, deren Ausbau, spätestens begonnen mit der Einführung wertloser Tauschmittel, seit längerem im vollen Gange ist, deren Erhalt und Ausbau sich das Schlachtvieh im Hamsterrad, willig grunzend die Maschinerie der Bedürfnisbefriedigung antreibend, zweifelsfrei nach wie vor unterordnet.“


Kai Selkruck, „Die immanente Psychologie transzendenter Wahrheit“, gru. 2053

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Der Wechsel – Wechselspiel – Silvie + Starf – 2

Kniebeugen, Speedbag Wirbel in der Luft, füllte ihre Lunge in einem langen Atemzug und reckte dehnend ihre Arme nach oben, soweit sie kam. Mit durchgestreckten Beinen beugte sie sich herunter und presste dabei den angestauten Atem vollständig heraus, griff mit den Händen um ihre Füße, wippte ein paar Mal hin und her, und atmete, während sie sich aufrichtete, gleichmäßig, so tief wie möglich wieder ein. Der Löffel im Kopf schrumpfte zu einem Mikrospatel. Sie hüpfte ein wenig auf den Zehnspitzen auf und ab, schlenkerte mit locker hängenden Armen um sich, rannte auf der Stelle und begann sich besser zu fühlen, auch wenn ihr ungewöhnliches Gewicht sie weiterhin verwunderte.

Sie nahm ihre Pumpgun auf, steckte sie in den Rucksack, blickte noch einmal um sich. Der Raum sah aus, wie jedes andere automöblierte Appartement. So sehr sie sich auch konzentrierte, weiter als bis zu diesem leuchtenden Ding war sie bisher nicht gekommen in ihrer Erinnerung. Und genau dieses Ding fehlte hier. Dieses Ding. Jenes Ding. Das Ding.

Plötzlich war es wieder da, in ihrem Kopf. Ein Zittern und Vibrieren durchströmte ihre Organe, ein flauschiges Prickeln verglomm aus ihrem Inneren und unter ihrer Haut. Wie durch eine Gefühlslupe hindurch, nahm sie überdeutlich den Druck wahr, den die winzigen, sich aufrichtenden Härchen auf ihrem Unterarm ausübten, als sie sich gegen den dünnen Stoff ihres Anzugs pressten. Für einen kurzen Moment empfand sie als zwei. Bilderfetzen wirbelten vor ihren Augen. Eine unglaubliche, nicht zu erfassende Gestalt ruckte und zuckte schemenhaft in ihrem Gesichtsfeld hin und her. Sie und dieses Wesen. Dieses Wesen und sie. Ihr wurde schlecht.

Sie rannte aus dem Zimmer und weiter zum Nassraum, wartete, bei sich zusammenziehendem Schwindel in der Brust, ungeduldig vor den nervigen Schleusentüren, taumelte hinein, beugte sich über das Ausbecken und brachte das wenige, was sie an Nahrung noch in sich hatte, säuerlich, in hechelnden Schüben plätschernd nach draußen. Sie fühlte, wie ihre Haut abkühlte, als die dort angesammelte Feuchte, zusammen mit einem Teil der Wärme ihres Fleisches, durch die Fasern des Samtkevs diffundierte. Sie schüttelte sich und fröstelte, verspürte jedoch keine Übelkeit mehr.

Und wo war Starfs Bruder, Jochen? Wo waren Starf und Suzan? Sie hatte sich in Fragmenten wieder bewußt erinnert an das, was geschehen war, was ihre Erinnerung ihr aufdrängte, das geschehen sein musste, sollte, sah die Ereignisse in wiederkehrenden, wild geschnittenen Einstellungen vor sich; doch selbst die vorüberziehenden Bilder dieser absurden, lächerlichen, schlackernden, um sich spritzenden Gehirnsubstanz, mit den schnappenden … Händen? … Klauen? … Tentakeln? … ließen sie jetzt vollkommen gefasst; ohne dass sie sich im Entferntesten einen Reim auf all das machen konnte. Das hatte sie nur geträumt, oder?

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Der Wechsel – Wechselspiel

Silvie + Starf

Sie erwachte, oder, vielmehr schien es ihr so, als erwachte sie. Zuerst hörte sie nur. Entferntes Rauschen und Summen. Sie ließ ihre Lider hoch schnellen, zu schnell, und dann sah sie. Der Raum war hell, deutlich unscharf, ungewöhnlich schief, und in ihrem Kopf rührte ein zu breiter, zu langer, klobiger Löffel. Ihr war kalt.

Das letzte, an das sie sich erinnern konnte war, … ja was, … Starf … , sie war in einem fremden Turm. Dieses Ding im Raum? Der Raum, er war nicht schief. Sie lag auf dem Boden und an ihre Haut schmiegte sich unangenehm harter, kühler Belag. Ihr Kopf hing schräg über ihrem linken Arm. Warum war sie nackt? Wo war ihr Samtkev? Warum hatte sie es abgelegt?

Eine Weile blieb sie noch halb benommen liegen. Doch sie musste aufstehen. Jetzt. Die Trägheit in ihren Gliedern war hinderlich, als sie versuchte, sich langsam zu erheben; und der massige Löffel, der in ihrem Kopf steckte, folgte ihren Bewegungen nur wenig nachgiebig, so dass sie halb stehend innehielt, tief durchatmete und sich wieder setzen musste. Ihr Leib war bleiern und ihre Gummiband Muskulatur verspannte sich zwischen Gelenken aus Klettverschlüssen.

Mühsam war es, sich in dem Zimmer umzusehen, anstrengend, zu fokussieren. In der Mitte des Raumes, hinter einem wehenden Schleier, entdeckte sie schließlich den grünen Einteiler … und … die Pumpgun, den Rucksack. Sie sammelte all ihre Kräfte, schleppte sich robbend vorwärts, behutsam, ihre nahezu unbehaarte Haut auf dem glatten Boden nicht zu verletzen, griff den geschmeidigen Stoff, und zog ihn, sich mühselig auf dem Rücken windend, an.

Erschöpft sackten ihre Arme und Beine nach unten. Gerne würde sie sich der Schläfrigkeit noch länger hingeben. Doch sie musste jetzt unbedingt aufstehen. Aufstehen. Sich aufstellen. Jetzt. Soviel war ihr klar. Wenn sie sich nur nicht so schwer fühlen würde.

Sie rollte sich, Arme und Beine irgendwie störend im Weg, umständlich herum, blieb kurz liegen, zog dann gemächlich ein Knie nach dem anderen unter ihren angespannten Bauch, spreizte ihre Hände neben sich auf den Boden und drückte ihren Oberkörper an den Schultern empor. Das ging schon besser.

Sie lockerte sich gedanklich, fixierte sich auf ihren Organismus, tastete mental ihre Muskulatur ab, Faser für Faser, nahm Verspannungen wahr, löste sie, drückte ihren Rücken nach unten und presste ihre Schulterblätter nach hinten, senkte ihre Lider und zeichnete mit der Nasenspitze weite Kreise.

Vorsichtig hob sie nun den rechten Oberschenkel, stellte ihren Fuß neben die rechte Hand, stemmte sich auf diesem weiter aufwärts, entfernte ihre Finger vom Boden und spreizte Arme und Händen balancierend zur Seite, den anderen Fuß nachsetzend, in einer beinahe flüssigen Bewegung, bis sie stand. Sie hielt ihr Gleichgewicht, wagte ein paar knackende

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Der Wechsel – Wechselspiel – Jochen + Klang + Starf – 3

Silvie hockt, immer noch unverändert den Boden zwischen ihren Schenkeln fixierend. Suzan knabbert konzentriert nervös an ihren Fingernägeln, und ich weiß auch nicht wirklich, wie nun weiter. Die Dinge haben sich letztendlich genau so entwickelt, wie geplant, trotz der Komplikation. Ungeklärt bleibt, wer beauftragt hat mich zu verschleppen und vor allem warum. Ich nehme an, Jochen hat bemerkt, dass der Wechsel nicht gewechselt hat, sondern nur deaktiviert ist. Das mit PARK hat er auch geschluckt. Jetzt wird er solange warten, bis wir hier abziehen, und versuchen den Wechsel wieder zu aktivieren. Soll er. O.K.

„Was mich anbelangt, ich würde gerne meinen Körperschmuck los werden. Hat eine der Anwesenden eine Idee?“

„Beiß ihn durch, du bist doch auch sonst sehr bissig.“

Ah, Silvie ist doch noch bei Bewusstsein. Wie soll ich die Frau nur wieder einstellen?

„Hm, was haltet ihr davon, wenn ihr sie mir durchnagen würdet, statt z.B. an den Fingernägeln zu knabbern?“, scheiße Mann, das geht bestimmt daneben.

Suzan senkt ihre Hand und kommt auf mich zu, ihre Augen fixieren mich, packt den Gürtel samt Stoff und mit der anderen Hand wieder zwischen meine Beine.

„Woher die Lust auf einmal. Vorhin …?“

„Vorhin …!“

Irgendwie muss mein Mund sich zu ihrem hingezogen fühlen. Oder ist es umgekehrt? Mein Kopf folgt ihm jedenfalls in der vorwärts seitwärts Bewegung, bis meine Lippen ihre Lippen berühren, die ihrerseits meine Zunge umschließen, welche durch zauberhafte Magie, die wie auch immer aufbereitet, ihren Ursprung in meinem Stammhirn haben muss, in ihren feuchten, warmen Mund gleitet und mit ihrer Zunge zu verschmelzen scheint. Ein leichter Schmerz zuckt in mein Genick, während Suzan ihre Arme mit bemühter Zärtlichkeit um meinen Hals schlingt.

„Vorsicht …!“

Mit vollem Mund spricht man nicht. Es hört sich denn auch mehr an wie ‚Wförsüfmchkt‘.

Muss ich durch. Meine Anzug scheint zu eng, mit dem straffenden Gürtel in Ihrer Hand. Für einige Augenblicke sind wir abwesend. Als wir uns wieder voneinander lösen, was mir auf Grund meines sich zunehmend versteifenden Körpers nur schwer und mit einem stechenden Ziehen in der Muskulatur gelingt, stellen wir fest: Silvie ist fort.

„Rückzug?“

„Hm, sie hat noch ihre Pumpgun, Starf.“

Ich denke nach.

„Nein, sie ist nicht der Typ. Komm lass uns auch gehen.“

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Der Wechsel – Wechselspiel

Jochen + Klang + Starf

Versunken in Gedanken, ging er den Flur hinunter. Vorbei an den ehemals leeren Räumen, in die er nun unbewusst hinein blicken musste, am Rande wahrnehmend, dass diese sich wieder mit Norminventar füllten. Die Zips produzierten zuverlässig wie zuvor.

Bezüglich Starf hatte er ein merkwürdiges Gefühl und fragte sich, ob nicht doch sein Bruder hatte entführt werden sollen, die Verwechslung nur inszeniert war. Oder hatten sie alles inszeniert? Doch warum? Zweifellos war PARK über jede Bewegung seiner Mitarbeiter informiert. Sie mussten wissen, dass er mit Starf Kontakt aufgenommen hatte und dass sein Bruder das Appartement bewohnte. Einen Sinn ergab dies alles nicht.

Er sah nach hinten, die drei hatten den Raum noch nicht verlassen, betrat die Halle, schloss die Tür und studierte den Minkow. Zögerlich lief er in Richtung Rundherum. Es war ungewöhnlich, aber der Anzeige nach zu urteilen, musste das Objekt sich noch im Gebäude befinden. Zumindest zeigten sich diesmal keine der Rhythmen, wie sie üblicherweise bei einem Wechsel auftraten. Wenn es sich denn um Ortswechsel handelte. Schließlich vermuteten sie dies nur.

Aus den Aufzeichnungen hatte sich zwar bisher jedes Mal problemlos der neue Standort ermitteln lassen, was die These vom Wechsel plausibel erschienen lies. Prinzipiell hätte es aber auch jeweils eine Signatur mit Verweis auf ein weiteres Objekt sein können.

Er entschied sich zu warten, bis die drei das Gebäude verließen. Sofern das Objekt noch da war, musste es sich über die Folie aktivieren lassen. Er spielte kurz mit dem Gedanken zum Stamm zurückzukehren, um den Minkow intensiver zu analysieren und die anderen über die aktuellen Vorfälle zu informieren, verwarf ihn aber rasch wieder. Warum schien Starf so desinteressiert? Er hatte erwartet, sein Bruder würde mit ihm kommen, nach dem was vorgefallen war. Stattdessen blieb er bei dieser Nomadin und seiner aggressiven Exbeziehung. Nun gut, wahrscheinlich hatte er mit beiden noch etwas zu klären. Sein Ding.

Verdammt, falls PARK das Gebäude unter Kontrolle hatte, waren sie über jede ihrer Aktivitäten informiert. Sollte er doch besser zum Stamm zurückkehren? Er sah sich um. Scheiß Gefühl. Andererseits war die Verteilung längst nicht fehlerfrei. Für sensible Informationen würde auch PARK die Pseudon oder eine persönliche Übermittlung vorziehen. Anscheinend hatte sich jedoch noch niemand hierher bemüht, und entgegen dem was er vorhin gesagt hatte, hegte er Zweifel, PARK könnte einen Turm wirklich umfassend kontrollieren, geschweige denn eine lückenlose Überwachung des Stammes realisieren.

Es bestand die Möglichkeit das Objekt endgültig zu verlieren, wenn er jetzt wieder zurückkehrte. Nein, er änderte seinen Entschluss nicht.

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Der Wechsel – Wechselspiel – Wir + Fünf – 6

„Die Rolle passte auch sehr gut zu meinem Job. Keine weitreichenden Erklärungen erforderlich“, Starf versucht sich in einem Gesichtsausdruck, der vielleicht überlegen charmant wirken soll, jedoch in einem wackeligen, ironischen Lächeln endet.

„Bruder 007 in geheimer Aktion“, Jochen schüttelt den Kopf. Suzan blickt ins Leere. Sie wird wohl die neuen erwünschten unerwünschten Informationen verarbeiten. Uns ist allerdings nicht ganz klar, warum es gerade sie beschäftigen sollte, dass Starf noch vor kurzem und für mehrere Monate mit einer anderen Frau zusammengelebt hat.

„007?“

„Keinen Bit habe ich die ganze Zeit über von dir gesehen!“

„Alles andere hätte es schwieriger gemacht und die Fragerei hätte begonnen … außerdem hatte ich den Eindruck, dir gefiel es mich auszuhalten. Kann mich nicht erinnern, du hättest in den letzten Monaten mal etwas von einer Beteiligung gesagt, bis auf den letzten Abend, aber da …“

„Da bist du einfach verschwunden … am nächsten Morgen …“

Starf blickt nach oben. Wir erkennen, ihm gefällt die Rolle nicht mehr, die er spielen muss.

„Gut, gut, das war … bös. Aber es ging nicht anders. Am Morgen zuvor hatte Jochen mich um Unterstützung gebeten. Und am Abend, kurz bevor du mich zur Rede stelltest, hatte PARK mich kontaktiert und aktuelle Informationen und Anweisungen übermittelt. Und glaub mir, danach war ich noch mehr verwirrt als durch meinen Bruder mit seinem plötzlichen Anliegen. Ich konnte unmöglich länger bleiben. Was hätte ich Dir erzählen sollen?“

„Unmöglich länger bleiben …, oh Mann, das ist doch typischer Männer Mist. Nie ein klares Wort, was wirklich geht. Hauptsache ihr bleibt sauber und müsst euch in keiner unangenehmen Situation auseinandersetzen … die Nacht nehmen wir aber noch mit … und ein paar Wochen später eine anderes Weibchen … erst aushalten la…“

„Eure Beziehungsdynamik könnt ihr vielleicht später klären? Da sind wichtigere Fragen.“

Suzan geht auf Jochen zu und wir können davon ausgehen, Starf ist beiden dankbar für den Moment erlöst zu werden.

„Genau! Wenn du durch keinen Transmitter gekommen bist, wie dann?“

„Durch die Tür, wie sonst? Kein Problem, die Tür zu meinem Appartement zu öffnen.“

„Es ist dein Appartement?“ Suzans Blick können wir nur mit „irritiert“ deuten.

„Also doch. Das erklärt, warum ich im Katalog keinen Eintrag für einen Starf oder Stefan Arfankel gefunden habe. Vielleicht hätte ich zusätzlich

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Der Wechsel – Wechselspiel – Wir + Fünf – 5

„Im Moment nicht, aber jede Menge Fragen.“

„Und ich erst.“

„Bin gespannt. Legt los!“, Suzan setzt sich auch auf den Boden und streckt ein Bein über das andere. Silvie bleibt stehen, immer noch die Pump in ihren Händen. Auch wir sind gespannt.

„Ich hab vor allem eine Menge Fragen an dich Starf, die ich dir jedoch gerne in Abwesenheit eines ‚größeren Publikums‘ stellen würde.“

„Vielleicht erübrigt sich das“, Starf lächelt unsicher, „Jochen, du hast vorhin gesagt, das Ding sei ein Transmitter und du wärst durch ihn hierhergekommen …“

„Das habe ich so nicht gesagt. Aber du hast zugestimmt. Wieso nimmst DU an, es sei ein Transmitter? Du weißt über mich, den Stamm, und anscheinend auch über das Projekt, sehr detailliert Bescheid, mehr als ich Dir anvertraut habe. Ich denke du bist an der Reihe.“

Starf holt tief Luft. „Ich bin für PARK unterwegs.“

„So kann man sich irren“, Jochen betrachtet noch immer den Minkow. Ein Teil des Gerätes blinkt rhythmisch. Jochen nickt. Zufrieden? Irritiert? Wir können es nicht genau bestimmen. Er steht auf, geht zu den drei anderen uns sieht Starf auffordend an.

„Die waren über eure Aktivitäten immer bestens informiert, von Anfang an. Und nicht nur das. Sie haben euch indirekt unterstützt oder besser gesagt für ihre Zwecke benutzt.“

„Joshua und ich, wir hatten uns zwar etwas in der Art gedacht, aber dass du beim PARK bist … kein Wunder, dass wir dir nur schwer folgen konnten. Nachdem du den Stamm verlassen hast, haben wir dich natürlich auch beobachtet, aber offensichtlich nicht genau genug. Benutzt sagst du … kaum zu glauben …“, Jochen klingt überrascht. Suzan steht ebenfalls auf und hält die Hände über ihre Ohren.

„Wenn ich nicht mehr mithören soll, weil ihr irgendwelche Top Secrets besprecht, sagt ihr Bescheid, o.k.?“

Silvie schließt die Augen. „Wo bin ich hier nur rein geraten? Da glaube ich monatelang mit einem Taugenichts zusammenzuleben …“

„Es schien mir, du wärst mit meiner Rolle zufrieden, deshalb spielte ich sie, aber nicht nur deshalb“, Starf verhält sich, als wäre er sich nicht im Klaren darüber, wie er die Situation am besten behandeln soll. Mehr auf die humorvolle Art oder … es gelingt ihm nicht ein breites Grinsen zu unterdrücken.

„Ich fasse es nicht! Bist Du komplett übergeschnappt …?“, wir denken jetzt wäre der rechte Augenblick, Silvies ursprüngliches Vorhaben in die Tat umzusetzen.

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Der Wechsel – Wechselspiel – Wir + Fünf – 4

und finden Jochen abgewandt auf dem Boden sitzend eine schwarze Folie anstarrend, die vor ihm liegt.

„Das war‘s für dieses Mal“, Jochen bewegt langsam den Kopf hin und her. „Pech gehabt. Ich hoffe nur, der Minkow hat ausreichend aufgezeichnet. Wo hast du ihn, Starf?“

„Unterm Bett im Schlafraum. Schon unterwegs!“

„Und zieh dir was an!“

„O.K. Boss!“

Jochen wendet sich zur Tür und sieht Suzan.

„Ach, doch neugierig?“

„Muss an meinem Onkel liegen, der auch mit Transmittern …“

„Wieso Transmitter? Siehst du hier etwas dieser Art?“

„O.K., das Ding, welches hier vorhin noch stand, hing … schwebte … was weiß ich, Silvie hat es auch gesehen …“

„Scheint so, und anscheinend nicht nur das.“ Jochen macht einen resignierten Eindruck.

Im nächsten Moment jedoch grinst er, Suzan zuckt zusammen und fährt sichtlich erschrocken herum. Wir sehen Silvie in der Türöffnung stehen, haben sie ebenfalls nicht bemerkt.

„Meine Güte hast du mich erschreckt!“ Suzan lehnt sich erleichtert an die Wand, „wie kannst du dich nur so anschleichen? Erst die Hysterikerin spielen und Panik verbreiten, und einen dann beinahe zu Tode erschrecken!“

Ausgerechnet Suzan muss sich darüber wundern …

„Erstens keine Lust den Wächtern alleine zu begegnen, zweitens habe ich mit Starf noch etwas zu klären und drittens bin ich tatsächlich geschlaucht. Außerdem dachte ich mir, bekommt er euch zuerst zu fassen; und … ich bin ihm schon einmal entkommen.“

Jochen rollt mit den Augen. „Und genau das sollte dir zu denken geben. Du bist Opfer einer Projektion. Wie du siehst, ist das Objekt nicht mehr hier, und auch kein Teufel. Die Projektion hatte genau den Zweck, dich abzuhalten bevor es wechselt.“

„Interessante These, reimt sich aber nicht“, Starf betritt den Raum, hat sich angezogen, geht an Silvie vorbei zu Jochen, gibt ihm den Minkow, dreht sich um, kommt zurück, und gesellt sich zu den beiden Frauen.

„Doch den Schutz der Kabine verlassen?“, Starf schaut Silvie an, die ihm eine Fratze schneidet.

„Hast du eine bessere Idee Bruderherz?“, Jochen betrachtet, wieder von den anderen abgewandt, das Messgerät in seinen Händen.

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Der Wechsel

Wechselspiel

Wir + Fünf

Alle vier drängen in die Kabine. Nur wir bemerken, dass Starf, der als letzter zusteigt, einem der in die Eingangshalle strömenden Wächter Zeichen gibt, woraufhin diese das Geschehen bei der Kabine ignorieren und mit dem Aufräumen beginnen. Wir bemerken ebenfalls, als der verwunderte Blick des Wächters und sein kurzes Zögern, die Aufmerksamkeit Starfs erregen. Er schaut an sich herunter und mimt ironisch erstaunte Irritation. Wir jedoch wundern uns nicht, denn wir wissen, warum er bis auf Metallringe an seinen Handgelenken unbekleidet ist. Was wir nicht wissen, wer ist der Wächter, mit dem Starf derart intime Kommunikation pflegt? Jochen teilt der Kabine das Ziel mit.

„… habt ihr nicht gehört, was ich gesagt habe, da oben …“, Silvie scheint außer sich.

„Du hast das Objekt gesehen? Kann es sein, deine Fantasie geht mit dir durch?“, Jochen sieht sie spottend an, seine Brauen zusammengezogen. Suzan und Starf schweigen.

„Ja, verdammt! Und wie ich …“

„Was wolltest du überhaupt dort und wie bist du hinein gekommen?“

„Und wer bist du bitte schön, dass du meinst mir solche Fragen stellen zu können? Wie bist du denn rein gekommen?“

„Ich bin Starfs Bruder“, Jochen grinst.

Silvie öffnet ihren Mund … und schließt ich ihn wieder. Starf blickt sie an und wir haben den Eindruck, er fühlt sich nicht wohl in seiner entblößten Haut.

„Silvie, es ist kompliziert. Es sieht aus, als hätten wir alle nur ein Halbwissen von dem was vorgeht. Wie du es bis ins Appartement geschafft hast, würde mich allerdings auch interessieren … und was Du dort wolltest.“

Suzan schlägt mit der Faust gegen die Kabinenwand an der sie lehnt.

„Jungs, was soll das: ‚es ist kompliziert‘? Vielleicht könntet ihr zumindest euer beider Halbwissen preisgeben, würde ja theoretisch ausreichen. Ich denke nicht, dass ich ein Halbwissen habe, noch nicht einmal ein Viertelwissen, schließlich sind wir zu viert, und ihr scheint am tiefsten in der Sache drin zu stecken“, sie macht eine Pause und blickt von einem zum anderen. Dieser Logik können wir uns nicht entziehen, genauso wenig wie die anderen drei. Darum sagt auch niemand etwas, außer Suzan, „huh, in Schießereien mit Hybriden bin ich nicht jeden Tag verwickelt, und merkwürdige Leuchten, aus denen angeblich das Grauen schlüpft, bekomme ich auch nicht allzu oft zu sehen … hat es euch die Sprache verschlagen?“

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Der Wechsel – Verwechslung – Silvie + Drei – 2

verbringen. Es schien, als hätte Starf das Appartement nur für einen vorübergehenden Aufenthalt bezogen. Was sie hier vorfand, war weit weniger als der übliche Standard den ein neu angeschlossenes Appartement bot.

Sie ging weiter, um sich die beiden letzten Räume anzusehen. Der eine so verwaist wie die hinter ihr liegenden, und der andere … fast leer. Sie blieb in der Türöffnung stehen und betrachtete verwundert das Ding in der Mitte des Zimmers. Fasziniert starrte sie auf das pulsierende Leuchten, als plötzlich ein hoher Ton den Raum erfüllte und ebenso abrupt wieder verklang. Inmitten des leuchtenden Ringes nahm sie nun ein Bild wahr. Sie konnte nicht gleich erkennen was es darstellte. Dann stürzte sie los. Panik ergriff sie. Jetzt nicht stolpern. Sie rannte zum Ausgang, weiter zum Rundherum, und stieg in eine der wartenden Kabinen.

„Ostausgang!“, schrie sie in den verspiegelten Raum, nahm ihren Rucksack ab und packte die Pumpgun aus. Ihr Puls raste. Wo war sie hier hineingeraten? Ein dumpfes Knallen erklang, wie in weiter Ferne. Noch einmal. Und wieder. Drei Explosionen? Verdammt! Sie brachte die Pumpgun in Anschlag, drückte sich gegen die Rückwand der Kabine und wartete zittrig bis sich die Tür öffnete.

Vor ihr stand Starf. Beinahe hätte sie sich auf ihn gestürzt … um ihn zu umarmen … vor Erleichterung. Die beiden anderen waren auch da.

„Na … so was! Hallo … Herr Arfankel! Lange … nicht gesehen! Und … zu dritt … jaja!“, sagte sie mit leicht bebender Stimme, ein unsicheres Lächeln auf den Lippen, das sich zu einem breiten Grinsen verzog, als sie gewahr wurde, in welch ungewöhnlichen Aufzug Starf ihr gegenüber stand.

„Netter Schlips. Musstest du dein letztes Hemd versetzen, um die Bits aufzutreiben, die du mir schuldest?“

„Hallo Silvie …“, Starf sah sie an, dann Jochen und Suzan.

„Das ist Silvie … eine … Bekannte … eine sehr gute Bekannte“, Starf räusperte sich.

„Immer zu kleinen Späßen aufgelegt …“, sie legte den Kopf schief.

Alle drei starrten sie an. Sie wusste nicht … scheiße, die Pumpgun. Abrupt ließ sie den Prügel sinken.

„Oh, sorry, galt nicht euch … dir auch nicht Starf … ich bin nur stink sauer … wegen der Bits und … aber … diese Explosionen, was war das? … und deshalb bin ich Dir gefolgt … und … ich glaube es ist jetzt nicht der rechte Zeitpunkt … “, sie strich sich mit der Hand durch ihre kurzen Haare.

„Okay, ich nehme an, du trägst so ein Teil vorsichtshalber immer bei dir?“, Jochen nickte ihr zu, „aber das können wir jetzt nicht klären …“,

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Ziehung der Achter – 5

Strahlung selbst nicht sehen, obwohl es dafür viel zu hell und die Strahlungsintensität hoffentlich zu gering ist. Aber ich weiß, da rotiert eine Kamera um meinen Kopf herum, verliert dabei ein paar masselose Elementarteilchen, die durch mich hindurchrasen und mehr oder weniger Energie verlieren, um auf der für Röntgenstrahlung empfindlichen Folie gegenüber eine Abbildung meines Kiefers samt Gebiss zu hinterlassen. Es summt, ich glaube die Strahlen zu spüren. Geschafft. Dem Krebstod wieder ein Stück näher. Gebiss befreien, Bleijacke ablegen.

Zurück in den Behandlungsraum und auf den Stuhl.

Die Betäubung wirkt inzwischen. Ich muss warten, bis die Aufnahme entwickelt ist. Der Arzt kommt wenig später und setzt sich mit dem Negativ in der Hand neben mich.

„Reste sind keine zu erkennen, gut. Aber wie schon erwähnt eine große Höhlung in der sich die Bakterien an frischem Gewebe und Blut laben… “ Ich glaube, es macht ihm Freude diese Dinge zu beschreiben. Der Mann hat Humor. Er setzt sich neben mich, Skalpell schon in der Hand.

„Wirkt die Spritze?“

„Weiß ich noch nicht“, versuche ich mich auch in Witzigkeit.

Gleiche Prozedur, jedoch ohne einen Zahn zu entfernen, aber viel interessant gurgelnde Absaugschlauch Aktion durch die Assistentin. Was muss, das muss. Die Höhle ist schlussendlich evakuiert.

„Geben sie mir doch bitte noch einmal einen längeren Streifen …“, ich sehe, wie er mit den Fingern zeigt; mindestens 10 cm, die er jetzt in die Wunde stopft. Ich fühle leichten Schmerz und Druck, als ob er direkt auf den blanken Kieferknochen trifft.

„So, das war’s! Den Tupfer auf der Wunde entfernen Sie …“, jaja, kenne ich schon. Schon wieder so ein dämliches unspürbares Fremdobjekt im Mund.

„Die Wunde muss offen bleiben, damit sie von unten nach oben verheilen kann, sich nicht wieder schließt, bevor sie innen verheilt ist. Deshalb der Streifen. Der guckt ein Stück heraus und verhindert so das Zuwachsen, und bewirkt, dass der Eiter aufgesaugt wird und abfließen kann. Der Streifen muss alle zwei Tage gewechselt werden. Immer ein Stück kürzer, je nach Heilungsfortschritt. Sie können dies bei ihrer Hausärztin machen lassen, oder aber in der Praxis wo sie operiert wurden. Sie können aber auch gerne zu uns kommen.“ Ja, oder ich probiere noch ein paar weitere Ärzte aus.

„Essen und Zähne putzen kann ich ganz normal? Ich meine, wegen der offenen Wunde, kann sich da nichts verfangen oder steckenbleiben?“, kurzes nachdenkliches Schweigen gegenüber.

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Ziehung der Achter – 4

… ich nehme an, sie sind ansonsten gesund und die Betäubung haben sie auch schon einmal vertragen?“

Ich bin leicht geschockt und kann wieder gar nicht so schnell folgen, wie der Mann erzählt.

„Zur Sicherheit möchte ich sie auch noch einmal röntgen.“

Den Kopf lassen sie aber dran?

„Gab es Komplikationen bei dem unteren Zahn?“

„Ja, der ging nicht so leicht raus, musste zertrümmert werden …“

„Ah ja, jaja. Dann ist es in jedem Fall besser, wir röntgen. Zur Sicherheit, falls Splitter zurückgeblieben sind.“

Nun bin ich vollends beruhigt. Mein Einwurf, ich wäre vor einem dreiviertel Jahr schon einmal geröntgt worden, ist natürlich überflüssig und wird erwartungsgemäß überhört. Auf den alten Aufnahmen sind mit Sicherheit keine Splitter zu erkennen. Der Maschinenpark kann also reinen Gewissens kostenrentabel eingesetzt werden.

„Die Betäubung gebe ich ihnen aber schon einmal vorher.“ Klar ist effektiv, da es eine Weile dauert bis sie wirkt … same procedure. Ich kann es kaum erwarten. Der mir an sich sympathische Mann spritzt jedoch viel länger als der Arzt, der mich operiert hatte. Dort ging das ruck zuck. Spritze rein, gespritzt, Spritze raus. Ein paar Mal wiederholt. Jetzt frage ich mich plötzlich, ob dieser Doktor vergessen hat, dass die Spritze in seiner Hand in meinem Gaumen steckt und ob noch alles mit rechten Dingen zu geht. Aber jeder hat da offensichtlich seine eigene Methode. Als er fertig ist, spüre ich einen bitteren Geschmack im Mund, und denke dies sei etwas von der Betäubungsflüssigkeit.

„Kann ich das runterschlucken … oder ausspucken?“

„Das können sie problemlos schlucken, sind alles reine Körperflüssigkeiten.“ Mmmh. Dann war das wohl der Eiter. Ich ziehe es vor auszuspucken.

Die Assistentin führt mich zum Röntgenraum. Drinnen in einer Ecke ein Ding, das mich an das Periskop in einem U-Boot erinnert. Die Assistentin legt mir eine Bleijacke um. Ich muss mich leicht nach hinten lehnen und an zwei Haltegriffen in Brusthöhe festhalten. Dann soll ich das Kinn samt Kopf auf einer Ablage ablegen, auf eine Kunststoffstange beißen, und meine Zähne in einer Rille einrasten.

„Gut, bewegen sie sich jetzt nicht!“

Die Assistentin geht hinaus, um den Mechanismus von außerhalb in Gang zu setzen. Verständlich, ihre Belastung wäre ungleich höher, da dieses Prozedere bei ihr zum Alltag gehört. Ich schließe meine Lieder, weil, ich möchte den Röntgenstrahlern nicht in die Augen sehen und auch die

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Der Wechsel – Verwechslung – Starf + Drei – 3

„Mann, woher kommst du überhaupt so plötzlich?“

Suzan setzt sich neben mich und streichelt gedankenverloren meine Beine.

„Hab mich auch gewundert, woher er auf einmal kam … aber ein Puzzleteil mehr oder weniger am Morgen … hat mich einfach mit sich gerissen, mit der Bemerkung er sei dein Bruder …“

„Hintereingang der besonderen Art. Es funktioniert, Starf. Zwar nicht auf die Art und Weise, wie wir es uns alle vorgestellt haben, aber wir können es einsetzen, wenn wir auch noch nicht alles zuordnen können.“

„Ah, das ist eine gu …“, ups! „woher weißt Du, und seit wann?“

„Joshua und ich wissen es schon seit längerem, ansonsten wäre ich kaum auf Dich zugekommen. Es war eine ideale Situation“, wir schauen uns an.

„Hmm, ein Hintereingang der besonderen Art. Meint ihr dieses angenehm nach Ozon duftende Leuchtdings im Appartement? … Also doch!“

„Also doch?“

„Ähm, meine Arme schlafen langsam ein. Jochen?“

„Schätze, den Löser hatte der Hybiorob, der dich trug.“

Ich robbe mich der Wand entlang nach oben und strecke ihm meine Arme entgegen: „Bitte jetzt!“

„Nicht zucken.“

„Lass meine Hände intakt.“

„Bemüh mich.“

Ich spüre wie er den Schaller ansetzt.

„Mein Onkel hat früher von Transmittern erzählt … es gab da ein Forschungsprojekt …“

„Sooo ein Zufall“, Jochen trennt kopfschüttelnd die Verbindung. Endlich könnte ich, genügend Blutfluss vorausgesetzt, beide Hände wieder frei bewegen; nur die Ringe stören noch.

„Den Schmuck musst du vorläufig behalten.“

„Naja schade, aber es gibt schlimmeres.“

„Das denk ich wohl auch. O.k., auf geht’s.“

Während ich meinen Armen und Händen neues Leben einmassiere, eilen wir zum Rundherum.

„Hast du erkannt, wer den ersten Hybiorob geschallt hat, Jochen?“

„Nein, keine Ahnung, genauso wie diese Hybiorobs, wie Suzan … Tage der Überraschung. Dachte, du weißt mehr. Es gab da eine Nachfrage in der Verteilung …“ Die Kabinentür öffnet sich.

„Na … so was! Hallo … Herr Arfankel! Lange … nicht gesehen! Und … zu dritt … jaja!“, die Pumpgun, die Silvie auf mich richtet, während sie an der gegenüberliegenden Kabinenwand lehnt, erscheint mir übertrieben.

KommTier! | Auf | |

Der Wechsel – Verwechslung

Starf + Drei

Diesmal ist es kein Piepen, sondern ein Brummen und Dröhnen, welches mich begleitet, während ich wieder ins Bewusstsein meiner selbst vordringe. Meine Lage im Raum ist unklar. Das Dröhnen im Kopf hat etwas damit zu tun. Ich versuche mir vergeblich an den Schädel zu fassen. Ich öffne die Augen. Unter anderen Umständen könnte ich diesem Anblick einen gewissen Genuss abgewinnen. Ich frage mich, wieso ich sehe, was ich sehe. Merkwürdigerweise hat es keinen passenden Geruch.

Geruch ... da ist sie wieder ... Äther ... die Erinnerung ... Tuch ... Hände ... Ohnmacht ... Suzan. Ich versuche locker zu bleiben, um keine Aufmerksamkeit zu erregen bei der Besitzerin dieses scheinbar weiblichen Pos, der mir immer wieder entgegenkommend meine Sicht auf die Umgebung eingeschränkt. Kein Körpergeruch ... trotz der Nähe ... ein Hybiorob?! Auf Basis dessen, was ich wahrnehmen kann, vermute ich, dass wir uns in der Eingangshalle des Turms befinden. Ich werde zum Ausgang getragen. Wie ging doch gleich der Witz mit dem Rücksetzknopf? Habe ich eine Möglichkeit meine Lage zu diesem Zeitpunkt in eine andere Position zu bringen? Mit auf dem Rücken hängenden – hängenden? – und anscheinend in verbundenen Metallringen steckenden Handgelenken? Sicher, ein Salto rückwärts, von der Schulter hinunter, dabei eine Fußgrätsche um den Hals der Pseudodame ... aber es sind zwei Hybiorobs ... und der zweite würde mir sicherlich nicht applaudieren sondern etwas dagegen unternehmen.

Ich hätte diesen Zwischenjob damals nicht annehmen sollen. Biogese ist die Zukunft. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben, falls ich hier unversehrt raus komme; und wer weiß, diese Maschine könnte sich als nützlich erweisen, faszinierende Perspektiven auftun, ... wenn sich tatsächlich herausstellt, was sich zuletzt angedeutet hat. Dass mich ausgerechnet mein Bruder vor ein paar Wochen um Unterstützung bitten muss, in derselben Sache, in der wir ihn und den Stamm seit zwei Jahren nicht aus den Augen lassen, ist ein schräger Zug des Schicksals. Kurz davor das plötzliche Auftauchen der Folie, und nun das. Wer verschleppt mich, und vor allem, warum?

Ein Poppen in meinen Ohren und ich schleudere herum, lande unsanft auf dem Boden und schlitterte mit dem Teil Energie, der sich zum Glück nicht beim Aufprall entladen hat, gegen die nächste Wand. Alles noch dran, alles noch heil, soweit ich es beurteilen kann. Dieselbe Feststellung gilt für das

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